Anton Köllisch

Anton Köllisch (* 16. März 1888; † September 1916) war ein deutscher Chemiker. 1912 synthetisierte er als erster die Substanz 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin – besser bekannt unter der Abkürzung MDMA.

Köllisch arbeitete nach seinem Studium ab dem 1. Oktober 1911 als promovierter Chemiker bei dem Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern E. Merck (heute Merck KGaA). MDMA, damals als Methylsafrylamin bezeichnet, erhielt er als Zwischenprodukt bei der Synthese von Hydrastinin und dessen Derivaten. Köllischs eigentliches Ziel war die Entwicklung einer Alternative zum halbsynthetischen Hydrastinin, welches Jahre zuvor vom Merck-Konkurrenten Bayer als Hämostatikum zum Patent angemeldet wurde. Hydrastinin war zu dieser Zeit das beste Hämostatikum und Köllisch wollte mit Methylhydrastinin eine Substanz herstellen, mit der das Bayer-Patent umgangen werden konnte. MDMA selbst wurde von Merck nicht patentiert. In der Patentanmeldung von Heiligabend 1912 wird es nur als eines mehrerer Zwischenprodukte ohne Namen, nur als chemische Formel, beschrieben: „…bildet ein farbloses Öl, das unter 20 mm Druck bei 155° siedet. Das salzsaure Salz bildet derbe weiße Kristalle, die bei 148 bis 150° schmelzen.“ Am 16. Mai 1914 wurde das Patent erteilt.[1] Köllisch wird in dem Patent nicht erwähnt.

Es dauerte 15 Jahre, bis nach der ersten Synthese MDMA erstmals pharmakologisch getestet wurde. Die psychoaktiven Eigenschaften von MDMA wurden erst viele Jahre später, nach Köllischs Tod, erkannt. Köllisch starb 1916 beim Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg.

Einzelnachweise

  1. Deutsches Reichspatent #274350

Literatur


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