Anton Neuhäusler

Anton Neuhäusler (* 20. Februar 1919 in München; † 15. Januar 1997, Pseudonym Franz Ringseis) war ein deutscher Universitätsprofessor für Philosophie und bayrischer Mundartdichter.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Anton Neuhäusler war der Sohn von Anton Neuhäusler sen. und Anna Neuhäusler, geborene Sturm. Beide waren Lehrer, und auch der Vater war bereits schriftstellerisch tätig als Redakteur einer Zeitschrift und Herausgeber einer Jugendzeitschrift. Sein Onkel war der Münchener Weihbischof Johannes Neuhäusler. Anton Neuhäusler besuchte in München die Volksschule an der Schwindstraße und die Oberrealschule am Elisabethenplatz, und er machte 1938 das Abitur. Dann kam er zum Arbeitsdienst, und im November 1938 wurde er zum Wehrdienst eingezogen und zum Funker ausgebildet. Im Zweiten Weltkrieg kam er als Unteroffizier an die Westfront nach Frankreich. 1942 heiratete er während eines Fronturlaubes seine Frau Maria Sailer aus Hausham bei Schliersee. Seine Frau brachte die zweijährige Tochter Christa mit in die Ehe, und sie bekamen zwei gemeinsame Kinder, Rainer Neuhäusler (*1944) und Monika Neuhäusler (*1952). Im April 1944 kam Neuhäusler in amerikanische Gefangenschaft, nach dem Kriegsende 1945 kehrte er zu seiner Familie nach Hausham zurück.

Studium und erste schriftstellerische Arbeiten

Neuhäusler studierte in München mehrere Fächer: Physik, Psychologie, Philosophie, Zeitungswissenschaft. Er promovierte 1950 bei dem Münchener Philosophen Aloys Wenzl mit dem Thema "Psyche und Materie" (1950). In seiner Dissertation versuchte er aufzuzeigen, was später sein Leitthema wurde: dass Materie und Psyche nur scheinbar einander wesensfremd seien; der große Nenner der Welt, der Ursprung aller Dinge, sei höchstwahrscheinlich ein "unbegreifliches und umfassendes Bewusstsein". - In den Anfangsjahren des Studiums schrieb er Zeitungsartikel und hielt Vorträge an Volkshochschulen. 1952 publizierte er seinen ersten Gedichtband "Wir wunderlichen Wanderer" unter dem Pseudonym Anton Hauser.

Wissenschaftlicher Weg

1950 - 1954 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent. 1954 habilitierte er sich mit dem Thema "Zeit und Sein" (erschienen München 1955). 1954 bis 1958 war er Privatdozent. 1958 wurde er außerordentlicher Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 1959 bis 1969 wirkte er als Vorstand an der Pädagogischen Hochschule München-Pasing und blieb weiterhin außerordentlicher Professor an der Universität München. 1961 wurde er ordentlicher Professor an der Pädagogischen Hochschule. 1972 wurde er zum ordentlichen Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität ernannt, und er lehrte dort bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1981. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen. Seit den sechziger Jahren gehörte er zum Herausgeberkreis der Blätter für deutsche und internationale Politik.

Philosoph des Friedens und der Einheit

Geprägt von seinen Erfahrungen im Krieg stand Neuhäusler der Friedensbewegung nahe. Die Hauptanliegen seiner wissenschaftlichen Arbeiten finden sich vor allem in seinem Spätwerk "Wir sind alle eins". Die Kernaussagen: Die menschliche Vernunft und die Regeln des strengen Denkens bestätigen die Aussage des mystischen Kerns der Religionen: Alles Sein kommt aus einem gemeinsamen "Ur-Sein". Deshalb gilt auch der Satz: "Wir sind alle eins." Dieses Wissen und Fühlen macht uns zu geistigen Geschwistern und ist die Grundlage für eine kosmische Religiosität ohne Grenzen und Begrenzung. Es macht offen für eine "immaterielle" und "jenseitige" Wirklichkeit "jenseits unseres Erfahrungsbereiches". Neuhäusler kommt zu dem Ergebnis: "Das Wagnis, an Unsterblichkeit zu glauben, ist gerechtfertigt." Er plädiert für eine "Mystik der Vernunft": Das Wissen um die Rück-Bindung an seine Herkunft, "seine Beheimatung im absoluten Sein", führt den Menschen zur re-ligio eines freien, kritischen, liebenden, lust- und lebensvollen Mensch-Seins. (vgl. "Wir sind alle eins. Bestätigung der mystischen Erfahrung durch die Vernunft. Plädoyer für die Unsterblichkeit des Menschen. (Via Nova Verlag, Petersberg 1997)

Der Dichterphilosoph Franz Ringseis

Ab 1958 lebte Neuhäusler mit seiner Familie in München-Schwabing. Das pulsierende Leben der Künstlerszene faszinierte und inspirierte den Schriftsteller, hervorragenden Sänger und Pianisten. Seine Urlaube verbrachte er in seinem früheren Wohnort Hausham bei Schliersee in den bayerischen Bergen. Dort entstand 1965 sein erstes Mundart-Gedicht "A Wassafoi mechat i sei".

Unter dem Pseudonym Franz Ringseis veröffentlichte er dieses kleine Gedicht. Es machte ihn schlagartig bekannt. Er schrieb fortan weitere Mundart-Gedichte als Franz Ringseis, weil er seine beiden Identitäten, Hochschulprofessor und Mundartdichter, trennen wollte. 1968 erschien sein erster Gedichtband in bayrischer Sprache mit dem gleichnamigen Titel, sein "Wassafoi". Viele weitere Gedichte und Gedichtbände folgten.

Franz Ringseis gehört bis heute zu den beliebtesten und meistzitierten Mundartdichtern Bayerns. Er starb im Januar 1997 und ist auf dem Münchener Nordfriedhof begraben. Nach ihm ist der "Franz-Ringseis-Kulturpreis" benannt. Dessen erster Preisträger ist der Filmregisseur Marcus H. Rosenmüller (Filme u.a.: Wer früher stirbt, ist länger tot.). Neuhäuslers schriftstellerisches Erbe wird bewahrt von seiner Tochter Monika Neuhäusler alias Monika Ringseis.

Ehrungen

Werke

  • Mensch und Materie, Filser Verlag1948 License Number US-E-128
  • Angst vor dem Nichts, Agis Verlag 1953
  • Ein Weg in die Relativitätstheorie, Verlag Anton Hain Meisenheim 1957
  • Zeit und Sein, Verlag Anton Hain Meisenheim 1957
  • Telepathie, Hellsehen, Praekognition, Dalp-Taschenbücher 1957
  • Der Mensch und die Abstammungslehre, Verlag Lehnen 1958
  • Grundbegriffe der philosophischen Sprache, Ehrenwirth Verlag München 1967
  • Fragmente keines Vorsokratikers, Ehrenwirth München 1968
  • Autorität-Antiautoritär-Humanitär, Don Bosco Verlag München 1972
  • Der Name des Seins, Peter Lang Frankfurt 1990 ISBN 3-631-42692-5
  • Wir sind alle eins, Via Nova Petersberg 1997 ISBN 3-928632-27-2

Wissenschaftliche Beiträge in Sammelwerken (Auswahl)

  • Phänomenologie des Gewissens in Gewissen und Gewissens-Bildung, Ludwig Auer Donauwörth 1970 ISBN 3-403-00052-4
  • Denkerziehung in Grund- und Hauptschule, Ehrenwirth 1970
  • Sein und Innesein – zur Frage der Entstehung von Empfindung. in: Achtzehn Philosophen sehen unsere Welt. Für Aloys Wenzl. Anton Hain 1973 ISBN 3-445-10941-9

Veröffentlichungen unter dem Pseudonym Franz Ringseis

Veröffentlichungen unter anderen Pseudonymen

  • Meier O`Mayr: Nachrichten aus Nechnüm. Ehrenwirth 1981 ISBN 3-431-02385-1
  • Meier O`Mayr: Wo lassen Sie denken. Weisheiten und Naseweisheiten. Ludwig Verlag 1983 ISBN 3-7787-2050-3
  • Meier O`Mayr: Schwarze Schwäne. Bezüge im Unsichtbaren – 40 metaphysische Geschichten. Ludwig 1984 ISBN 3-7787-2057-0
  • Hauser, Anton: Wir wunderlichen Wanderer, Karl Daberger 1952
  • Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Zeitschriften z.B. Süddeutsche Zeitung

Tonträger

  • Augnstern i hab di gern. Bayerische Kinderlieder und Gedichte von Franz Ringseis. Musik Augustin Sturm. TeBiTon 1992
  • Raida, Elmar: De Bairische. Texte von Franz Ringseis u.a.
  • Raida, Elmar: Raache Kruifara. Texte von Franz Ringseis u.a.

Weblinks


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