Anton Raky

Anton Raky (* 5. Januar 1868 in Seelenberg im Taunus ; † 22. August 1943 in Berlin) gilt als erfolgreicher Pionier auf dem Gebiet der Tiefbohrtechnik und weltweiten Ölförderung.

Anton Raky (1868-1943)

Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Anton Raky wurde als Sohn von Franz Raky und Karoline geb. Abt in Seelenberg im Taunus geboren. Sein Großvater betrieb in Kiedrich ein Hammerwerk. Er erlernte das Handwerk eines Schlossers und fertigte im väterlichen Betrieb einen Spezial-Bohrmeißel für den Bohrunternehmer Emanuel Przibilla an. Dieser stammte aus Niederschlesien und besaß in Köln ein Bohrunternehmen, das damals in Kiedrich nach einer Salzquelle bohrte. Przibilla wurde auf den talentierten Mann aufmerksam und nahm ihn in seinem Betrieb auf. Anton Raky arbeitete nun an Verbesserungen der Bohrtechnik.

Als Bohringenieur bei der Elsässer Gewerkschaft „Gute Hoffnung“ in Durrenbach konnte er schließlich 1894 den „Schnellschlag-Bohrkran Nr. 7“ patentieren lassen, mit dessen Hilfe im Elsass 180m bis 340 m tiefe Erdölbohrungen unternommen wurden. Darauf beruhte sein weltweiter unternehmerischer Erfolgsweg. Anton Raky und die „Gute Hoffnung“ boten die Erfindung als Lizenz dem größeren Elsässer Konkurrenzunternehmen „Pechelbronner Ölbergwerke“ an, diese lehnte aber ab.

Internationale Bohrgesellschaft AG

Erkelenzer Werksanlage, Anzeige um 1900

Finanziert vom A. Schaaffhausen'schen Bankverein gründete nun Anton Raky am 8. August 1895 in Straßburg-Ruprechtsau zusammen mit dem Straßburger Fabrikanten Heinrich Otto Seib und weiteren Personen aus dem Elsass zur kommerziellen Auswertung des Patents die „Internationale Bohrgesellschaft AG“. Das Grundkapital bestand zunächst aus 400.000 Reichsmark, wurde aber schon 1898 auf 500.000 RM erhöht.

Die Zentrale der I.B.G. wurde ab 1897 nach Erkelenz verlegt. Przibilla hatte um 1894 in Erkelenz eine kleine Werkstatt errichtet, er ging aber in Konkurs und die Firma wurde von Raky übernommen.

Im Kreis Erkelenz, im benachbarten Aachener Revier und im Ruhrgebiet wurde nach Steinkohle gebohrt. Das Betriebsgelände lag mit eigenem Gleisanschluss in Erkelenz verkehrsgünstig direkt an der Bahnstrecke Aachen–Mönchengladbach. In der Kleinstadt war er der erste Automobilbesitzer, trat als national gesinnter Gönner auf und baute sich eine Villa im nahen Dalheim-Rödgen. Raky erwarbt Erdölkonzessionen in Norddeutschland und Rumänien und gründete Mineralölkonzerne wie „Deutsche Mineralölindustrie AG“ und „Regatul Roman“. Rakys Bohrtürme fanden sich vom Beginn des 20. Jahrhunderts an in Rumänien und Russland. 1904 erschloss er die rumänischen Erdölfelder bei Moreni und Câmpina. 1905 stellte das Unternehmen auf der Weltausstellung in Lüttich ein Diorama einer Steinkohlenlandschaft aus. Die Dividende der I.B.G. kletterte für 1906 und 1907 auf 500 Prozent. Auf Druck der geldgebenden Banken musste er allerdings 1907 sein Amt als Generaldirektor der I.B.G. niederlegen. Verschiedene Unternehmenszweige wurden aufgesplittet und verkauft. So wurde aus der Internationalen Bohrgesellschaft zunächst die „Maschinen und Bohrgerätefabrik Alfred Wirth & Co.“. Seit 2009 wird das Unternehmen mit dem neuen Namen Aker Wirth als eigener Geschäftszweig in den Aker Solutions Konzern integriert.

Bohrungen im In- und Ausland

Raky und seine Belegschaft auf einem rumänischen Erdölfeld 1906

Raky führte zunächst bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges Ölbohrungen im Ausland durch; in Kertsch, Maikop (Russland) und Baku (Aserbaidschan) und in Câmpina (Rumänien).

Nach dem Krieg etablierte er in Salzgitter die Firma „Anton Raky, Tiefbohrungen“ und erschloss an diesem Standort Eisenerzfelder. 1920 gründete er gemeinsam mit der „Rombacher Hütte“ und der „Ilseder Hütte“ das Konsortium „Fortuna“. 1923 gründete Anton Raky die „Bergbau AG Salzgitter“. Raky besaß Ende der 1920er Jahre etwa 53 Millionen m² Erzkonzessionen, deren Ausnutzung aber risikoreiche Kapitalinvestitionen erforderte.

Raky investierte in Erdölbohrungen im Oberrheintal und in Niedersachsen im Berkhöpen. Daneben konnte er Braunkohlevorkommen auf dem linken Niederrheinufer nachweisen. Die kostspieligen Aufschlussarbeiten überforderten aber das Unternehmen und schließlich war die Raky AG 1932 / 1933 zahlungsunfähig.

Teile seines Unternehmens wurden von der Preussag und der Wintershall AG übernommen. Unter neuem Eigentümer wurde die „Bergbau AG“ in Salzgitter-Bad am Windmühlenberg weitergeführt. Am 5. August 1937 wurde die Firma in die Reichswerke Hermann Göring eingegliedert. Heute nennt sich das ehemalige Raky-Unternehmen „Salzgitter Maschinenbau AG“ (SMAG).

Ehrungen

  • Die Bergakademie Clausthal erkannte Anton Raky 1921 die Würde eines Dr.-Ing. E.h. zu.
  • Die Stadt Erkelenz ernannte ihn zum Ehrenbürger.
  • In Erkelenz wurde 1955 eine Straße, die Anton-Raky-Allee nach ihm benannt.
  • In Dalheim-Rödgen bei Erkelenz, wo er sich eine Villa erbaute, erinnert die Anton-Raky-Straße und der Rakyweiher an den Bohrpionier.
  • In Salzgitter existierte bis 2005 die Anton-Raky-Realschule, die heutige Realschule Salzgitter-Bad.
  • In Nienhagen (Landkreis Celle) gibt es auch eine Anton-Raky-Straße.

Museen

Literatur

  • Gerald P.R. Martin: Industriepioniere in unserer Heimat – Anton Raky. In: Heimatkalender des Kreises Heinsberg 1974. S. 52 ff.
  • Gerhard Martin: Anton Raky (1868 - 1943) : Altmeister der Tiefbohrtechnik, Erfinder, Ölsucher und Legende ; geboren in Seelenberg. In: Hochtaunusblätter, Bd. 16 (2003), S. 30-35

Siehe auch

Weblinks


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