Anton Sohn

Anton Sohn (* 28. August 1769; † 1840) ist bekannt als „Bildermann von Zizenhausen“, Kirchenmaler und Hersteller der Zizenhausener Terrakotten.

Der aus der Ehe des Franz Joseph Sohn mit Elisabeth, geborene Graf stammende Sohn Anton wurde am 28. August 1769 geboren. Ursprünglich in der Tradition des Vaters als Schreiner und Gestalter kleiner Terrakottareliefs tätig, wurde Anton Sohn auf Grund seiner künstlerischen Begabung über das rein handwerkliche Können hinaus zuerst Kirchenmaler. Die Suche nach künstlerischen Vorbildern führt ihn bereits 15-jährig nach Italien. Diverse aus dieser Zeit dem Künstler zuzuordnende Bleistiftskizzen, Rötelzeichnungen und Tuscharbeiten in entsprechender Ausführung weisen schon früh auf sein großes Können hin. Ab dem Jahr 1799 lässt sich Anton Sohn im Ort Zizenhausen bei Stockach nieder und verdient sich seinen Lebensunterhalt vorwiegend als Bilder- und Fassmaler. Zeitgleich werden nach vorgegebenen Motiven von ihm zunehmend von der ursprünglichen Reliefform ausgehend, über immer feiner ausgearbeitete („gestochene“), bis zur künstlerischen Vollendung gebrachte Modelle zu halbplastischen Figuren aus Ton geformt. Die anschließend einem Brennvorgang zugeführten Figuren werden dann bunt bemalt. Auf die runden Sockel der Figuren werden beschriftete, den Gegenstand erklärende Papierstreifchen geklebt. Nach ursprünglich mehrheitlich religiösen Motiven entstehen unter anderen Darstellungen von Berufs-, Trachten- und Musikantengruppen, Einzelfiguren sowie eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten. Die vielfältigen Themen reichen in ihrer Darstellung von der Idylle zur zeitkritischen Satire und Karikatur. In heute noch erhalten gebliebenen schriftlichen Aufzeichnungen sind 746 Modelle aus der Hand des „Bildermanns von Zizenhausen“ für die Herstellung seiner Terrakotten festgehalten. Abnehmer sind nicht nur Privatpersonen, die diese Figürchen in ihren Wohnbereichen, etwa in Vitrinen, auf Schreibtischen oder auf Kaminen zur Aufstellung bringen, sondern auch Gewerbebetriebe wie Zuckerbäckereien, die vorrangig zur Weihnachtszeit diese als Dekoration für ihre Schaufenster einsetzen. Der Vertrieb mit seinem Hauptabsatzgebiet im südwestdeutschen Raum und in der Schweiz erfolgt größtenteils über die Kunsthandlung J. R. Brenner in Basel .

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit in Zizenhausen bekleidet Anton Sohn das Amt des Bürgermeisters (1803), des Schultheißen (1809), des Steuereinnehmers und eines Großherzoglich Badischen Vogtes (1810). 1830 wird er zum ersten und ältesten Gerichtsmann in Stockach verpflichtet. Zwei Jahre vor seinem Ableben (1840) verkauft Anton Sohn Vater sämtliche Modelle an seinen Sohn Theodor (geb. 1811), der mit seinen beiden Brüdern Johann Nepomuk (geb. 1802) und Ferdinand (geb. 1797) die Werkstatt und den Vertrieb in Zizenhausen weiterführt.

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