Anton Stingl

Anton Stingl (* 25. Januar 1908 in Konstanz; † 6. April 2000 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Gitarreninterpret und -pädagoge sowie Komponist.

Leben

Nach Abschluss der Oberrealschule in Konstanz studierte Anton Stingl von 1927 bis 1932 Mathematik, Physik und Musik in Freiburg und Wien. Von 1928 bis 1933 gibt er erste Gitarren-Konzerte in Konstanz, Freiburg und Umgebung, von 1931 bis 1933 absolviert er das Lehramtsreferendariat in Freiburg.

Von 1933 bis 1973 unterrichtet er am Kindergärtnerinnen-/Jugendleiterinnenseminar in Freiburg (mit Unterbrechung). Bis 1942 ist er Mitglied des Freiburger Kammertrios für Alte Musik. 1934 wird eines seiner frühen Werke, ein Trio für Geige, Bratsche und Gitarre, op. 8 beim 64. Tonkünstlerfest in Wiesbaden uraufgeführt.

Nach Rückstellung vom Wehrdienst (1940-1942) wegen einer begonnenen Komposition (Orchestervariationen über ein Thema von Franz Schubert) wird Stingl 1942 zur Wehrmacht eingezogen und gerät 1944 in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Nach der späten Heimkehr im Jahr 1949 nimmt er seine Unterrichts- und Kompositionstätigkeit wieder auf, ebenso gibt er auch wieder Konzerte.

1952 tritt er in das „Kleine Rundfunkorchester“ des Südwestfunks (SWF) unter Willi Stech ein und erwirbt sich daneben einen hervorragenden Ruf als Gitarrenpädagoge. 1953 und 1955 begegnet Stingl dem weltbekannten Gitarristen Andres Segovia. 1955 ist er an der Uraufführung von Pierre Boulez' „Le Marteau sans maître“ beteiligt, die seinen internationalen Ruf begründet, der ihn zu Konzertreisen in ganz Europa führt.

1961 wird eine erste Schallplatte mit Gitarrenmusik bei Christophorus eingespielt. 1968 beginnt eine Zusammenarbeit mit Oksana Sowiak, die in einer ersten gemeinsamen, preisgekrönten Schallplattenaufnahme mit Folklore der Ukraine mündet. Nach Auflösung des „Kleinen Orchesters“ wird er im Sinfonieorchester des Südwestfunks weiterbeschäftigt.

1971 erhält er einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Freiburg, wo er 1976 Professor wird. 1974 erhält Stingl das Bundesverdienstkreuz am Bande und begegnet in diesem Jahr auch Julian Bream. 1980/81 musiziert er mit den Freiburger Barocksolisten. Zahlreiche weitere Schallplatten- und CD-Aufnahmen folgen.

Nach einer schweren Erkrankung 1991 kann er wieder genesen. Er engagiert sich in seiner Kirchengemeinde (Hl. Dreifaltigkeit in Freiburg) und unternimmt noch im Alter von 91 Jahren eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela. Nach kurzer schwerer Krankheit stirbt Stingl im Frühjahr des Jahres 2000 in Freiburg.

Literatur

  • Jörg Sommermeyer: Anton Stingl 75 Jahre, In: Gitarre & Laute V/1983, Heft 2, S. 106 - 109

Weblinks


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