Ludolf Wienbarg

Christian Ludolf Wienbarg (* 25. Dezember 1802 in Altona; † 8. Januar 1872 in Schleswig) war ein Schriftsteller des Vormärz.

Wienbarg nahm 1822 ein Theologiestudium an der Universität Kiel auf, das er aber 1826 aus finanzieller Not abbrechen musste. Dafür nahm er eine Stelle als Hauslehrer bei Christian Günther Graf von Bernstorff in Lauenburg an. 1829 promovierte er in Marburg. 1833 kehrte er zurück an die Universität Kiel und nahm eine Dozentenstelle an.

1834 veröffentlichte er eine Sammlung mit 22 seiner Vorlesungen unter dem Titel „Ästhetische Feldzüge“. Mit der Widmung „Dir, junges Deutschland, widme ich diese Reden“ prägte er maßgeblich den Begriff Junges Deutschland. Im selben Jahr lernte er Karl Gutzkow kennen. Mit diesem plante er im Sommer 1835 die Herausgabe der Zeitschrift „Deutsche Revue“, die jedoch bereits vor Auslieferung des ersten Heftes verboten und beschlagnahmt wurde.

Im November 1835 wurden Wienbargs Schriften - zusammen mit denen der anderen sog. 'Jungdeutschen' - erst in Preußen und dann im Dezember im gesamten Bereich des Deutschen Bundes verboten. Er wurde aus Frankfurt a.M. ausgewiesen, floh nach Helgoland, kehrte aber im Herbst 1836 nach Hamburg zurück, wo er seine Tätigkeiten als Journalist und Herausgeber verschiedener Zeitschriften erneut aufnahm. Seit Ende der dreißiger Jahre wurde er finanziell von seinen Geschwistern unterstützt. Am 12. Mai 1839 heiratete er die Altonaer Bürgertochter Elisabeth Wilhelmine Dorothea Marwedel. Wienbargs äußere Lebensumstände wurden durch die Eheschließung keineswegs stabilisiert. Nächtliche Trinkeskapaden in Hamburger Kneipen, sicher mitverursacht durch Frustration angesichts der politischen Verhältnisse, inklusive Verbot seiner Schriften (siehe oben), ließen seinen schriftstellerischen und journalistischen Ehrgeiz mehr und mehr ermüden, seine Produktivität ließ in späteren Jahren deutlich ab.

Von 1840 bis 1842 redigierte Wienbarg die Beilage Börsenhalle. Deutsches Literaturblatt, von 1842 bis Juni 1846 die Hamburger literarischen und kritischen Blätter. Gelegentlich arbeitete er an den Hamburger Neuen Nachrichten und am Altonaer Mercur mit. Aufsehen erregte er im Sommer 1846, als sein Beschluss, nach Amerika auszuwandern, durch die Presse ging. Die nationale Begeisterung für die schleswig-holsteinische Bewegung ließ Wienbargs Auswanderungspläne platzen. Noch 1846 erschienen zwei Broschüren von ihm, mit denen er sich in den Kampf um die Unabhängigkeit Schleswig und Holsteins von dänischen Ansprüchen einmischte: Der dänische Fehdehandschuh, aufgenommen von Ludolf Wienbarg und Die Volksversammlung zu Nortorf am 14. September 1846. In den folgenden zwei Jahrzehnten engagierte er sich wiederholt als Publizist für die schleswig-holsteinische Befreiungsbewegung. 1848 beteiligte er sich als Stabsadjutant, 1849 als einfacher freiwilliger Jäger in einem Freikorps am schleswig-holsteinischen Krieg.

Nach 1850 lebte der mittlerweile schwer alkoholkranke, verarmte und von der literarischen Öffentlichkeit vergessene Wienbarg in Hamburg und in Altona. 1869 wurde er mit Verfolgungswahn in eine Heilanstalt in Schleswig eingewiesen, wo er 1872 starb.

Werke (Auswahl)

  • Aesthetische Feldzüge. Dem jungen Deutschland gewidmet. Hamburg: Hoffmann u. Campe 1834; [Neudruck (Orthographie u. Interpunktion modernisiert):] Ästhetische Feldzüge. Hg. v. Walter Dietze. Textredaktion: Jürgen Jahn. Berlin/DDR / Weimar: Aufbau 1964.
  • Zur neuesten Literatur. Von L. W., Verfasser der "ästhetischen Feldzüge. Mannheim: Löwenthal 1835.
  • Wanderungen durch den Thierkreis. Hamburg: Hoffmann u. Campe 1835; Reprint: Frankfurt a. M. 1973.
  • Tagebuch von Helgoland. Hamburg: Hoffmann u. Campe, 1838. Digitalisat
  • Die Dramatiker der Jetztzeit, H. 1. Altona 1839.
  • Die Volks-Versammlung zu Nortorf am 14ten September 1846. Hamburg: Hoffmann u. Campe 1846.
  • Der dänische Fehdehandschuh. Aufgenommen von L. W. Hamburg: Hoffmann u. Campe 1846.
  • Nach Helgoland und anderswohin. Gedanken auf Reisen. Hg. u. m. einem Nachw. v. Alfred Estermann. Nördlingen: Greno 1987 [ S. 234f.: Literatur-Hinweise].

Literatur

Weblinks

 Wikisource: Ludolf Wienbarg – Quellen und Volltexte

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