Ludwig August Theodor Beck
Ludwig Beck, 1937

Ludwig August Theodor Beck (* 29. Juni 1880 in Biebrich; † 20. Juli 1944 in Berlin) war ein deutscher Generaloberst, der sich am versuchten Staatsstreich vom 20. Juli 1944 gegen Adolf Hitler beteiligte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und Weltkrieg

Villa Beck in Wiesbaden-Biebrich, 2006

Beck entstammt einer alten hessischen Offiziersfamilie. Er wurde als Sohn des Industriellen Ludwig Beck und dessen Frau Bertha Beck (geb. Draudt) geboren. Ab 1898 wohnte die Familie in der Villa Beck in Biebrich (seit 1926 Stadtteil von Wiesbaden).

Nach seinem Abitur an der Diltheyschule in Wiesbaden 1898 trat Ludwig Beck Junior als Fahnenjunker in die preußische Armee ein. 1916 heiratete er Amelie geb. Pagenstecher, die anderthalb Jahre später, nach der Geburt seiner Tochter, starb. Im Ersten Weltkrieg tat er als Generalstabsoffizier Dienst in verschiedenen Verwendungen an der Westfront. 1919 wurde er in die durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages stark verkleinerte Reichswehr übernommen.

Generalstabschef des Heeres

Ludwig Beck, 1936

Im Oktober 1933 wurde Beck Chef des Truppenamtes im Reichswehrministerium, 1935 Generalstabschef des Heeres.[1] Nach kurzer Zeit erhielt er den Dienstgrad eines Generals der Artillerie. Als Generalstabschef war er neben anderen Militärs für die Aufrüstung des Heeres zuständig. Nachdem Adolf Hitler am 5. November 1937 vor dem Reichsaußenminister (Konstantin Freiherr von Neurath), dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht (Werner von Blomberg) sowie den Oberbefehlshabern des Heeres (Werner von Fritsch), der Kriegsmarine (Erich Raeder) und der Luftwaffe (Hermann Göring) seine Kriegsziele offen dargelegt hatte, kritisierte Beck die Absicht des Führers, die Tschechoslowakei so schnell wie möglich anzugreifen. Er „fand Hitlers Darlegungen ‚niederschmetternd‘“,[2] als Hoßbach ihm eine Kopie seiner Niederschrift zeigte. Beck lehnte zwar nicht grundsätzlich eine Expansion in Richtung Österreich und Tschechoslowakei ab, aber ihn entsetzte die Verantwortungslosigkeit, mit der Hitler bereit war, Deutschland in einen Krieg mit den Westmächten hineinzuführen.[3] In einer späteren, schriftlichen und zehn Punkte umfassenden Kritik stellte er es als wünschenswert dar, das Militär an den Entscheidungen über Krieg und Frieden zu beteiligen.[4]

Im Jahr 1938 versuchte Beck, ein gemeinsames Vorgehen der Generalität gegen die Kriegsplanungen Hitlers zu organisieren und schlug von Brauchitsch den geschlossenen Rücktritt der Generalität vor, falls Hitler weiterhin zum Krieg dränge. Das anschließende Generalstreffen am 4. August 1938 zeigte, dass alle Kommandierenden Generäle einen sich ausweitenden Krieg zu diesem Zeitpunkt als Katastrophe ansahen. Bei der Frage, ob ein Angriff auf die Tschechoslowakei unvermeidlich auch zum Konflikt mit den Westmächten führe, widersprachen nur die Generäle Busch und von Reichenau. Als Reichenau kurz darauf Hitler von dem Treffen berichtete, verlangte dieser die Abberufung des Generalstabschefs.[5] Schon in der Fritschkrise hatte er einem Minister anvertraut, der einzige Offizier, den er fürchte, sei Beck: „Der Mann wäre imstande, etwas zu unternehmen.“[6] Am 18. August 1938 trat Beck zurück, verzichtete allerdings auf Bitten Hitlers auf die öffentliche Bekanntgabe seiner Demission, was ihr die politische Symbolkraft nahm.

Widerstand und Tod

In den folgenden Jahren engagierte sich Beck im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Beck lebte während der Kriegsjahre zurückgezogen in seinem Berliner Haus. Die Generäle und Marschälle gingen ihm zwar aus dem Weg, aber mehr und mehr wurde seine Wohnung zur Zentrale der kleinen Zirkel des nationalkonservativen Widerstandes. Sie wurde ständig von der Gestapo observiert. Neben Carl Friedrich Goerdeler wurde er zu einer zentralen Figur des Widerstandes. Am 8. Januar 1943 trafen erstmals Vertreter des militärischen und zivilen Widerstandes, unter anderem des Kreisauer Kreises, unter der Leitung Becks in der Berliner Wohnung Yorcks zusammen, um ihre internen Unterschiede in der Beurteilung des Regimes, von dessen Beseitigung und der zukünftigen Rolle Deutschlands in Europa einander anzugleichen.[7] Bei diesem Geheimtreffen wurde Goerdeler als Kanzler einer Übergangsregierung akzeptiert. Beck war in späteren Vereinbarungen der Widerständler als neues Staatsoberhaupt (Reichsverweser) vorgesehen.

Nach dem missglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde die Widerstandsgruppe um Beck im Bendlerblock in Berlin kurz vor Mitternacht gefangengenommen. Ihm selbst wurde nach eigenem Bitten die Gelegenheit zur Selbsttötung durch Generaloberst Friedrich Fromm gegeben. Nachdem diese zweimal fehlgeschlagen war, erteilte Fromm einem Offizier den Befehl, den Sterbenden zu erschießen. „Doch der erklärte sich dazu außerstande und gab den Befehl an einen Feldwebel weiter, der Beck in ein Nebenzimmer zog und dort erschoß.“[8] So entging Beck einer demütigenden Verhandlung vor dem Volksgerichtshof wegen Hochverrats, wie sie u. a. Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben und Generaloberst Erich Hoepner erdulden mussten.

Gedenkstein in Berlin-Schöneberg an der kurzzeitigen Grabstätte Becks und weiterer Opfer des 20. Juli

Becks Leiche wurde, zusammen mit weiteren Opfern des 20. Juli, auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg begraben. Wenig später wurden die Toten von der SS exhumiert, im Krematorium Wedding verbrannt und die Asche auf Rieselfeldern verstreut.

Auszeichnungen

Gedenken

Die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden vergibt jährlich den Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage. Gedenktafeln befinden sich in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock in Berlin (seit 1960) an der Villa Beck in Wiesbaden-Biebrich (seit 1964) und an Becks einstigem Wohnhaus Goethestraße 24 in Berlin-Lichterfelde.

1964 widmete ihm die Deutsche Bundespost eine von E. und Gerd Aretz gestaltete Briefmarke aus einem Block zum 20. Jahrestag des 20. Juli 1944|20. Juli 1944.

Film

Ludwig Beck wurde im Film unter anderem von folgenden Schauspielern dargestellt:

Siehe auch

Literatur

  • Literatur von und über Ludwig Beck (Offizier) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Klaus-Jürgen Müller: General Ludwig Beck: Studien und Dokumente zur politisch-militärischen Vorstellungswelt und Tätigkeit des Generalstabschefs des deutschen Heeres 1933–1938. Boldt, Boppard am Rhein 1980. ISBN 3-7646-1785-3
  • Klaus-Jürgen Müller: Generaloberst Ludwig Beck. Eine Biographie. Schöningh, Paderborn 2007. ISBN 978-3-506-72874-6
  • Klaus-Jürgen Müller: Generaloberst Ludwig Beck; in: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite Bd. 1, Primus Verlag, Darmstadt 1998, ISBN 3-89678-083-2, S. 9–19
  • Joachim Fest: Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli. Berlin 1994, ISBN 3-88680-539-5
  • Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. Stuttgart 2000, ISBN 3-421-05132-1
  • Kurt Sendtner: Die deutsche Militäropposition im ersten Kriegsjahr. In: Vollmacht des Gewissens, hrsg. von Europäische Publikation e. V., Bd. 1, Berlin/Frankfurt a. M. 1960, S. 385 ff.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Joachim Fest: Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli. S. 379 (Kurzbiographien).
  2. Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. S. 91.
  3. Vgl. Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. S. 91.
  4. Vgl. Joachim Fest: Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli. S. 62.
  5. Vgl. Joachim Fest: Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli. S. 86f.
  6. Vgl. Kurt Sendtner: Die deutsche Militäropposition im ersten Kriegsjahr. S. 441.
  7. Vgl. Joachim Fest: Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli. S. 167f.
  8. Joachim Fest: Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli. S. 280.

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