Anton von Hohberg und Buchenwald

Anton Freiherr von Hohberg und Buchwald (* 21. September 1885 in Wismar; † wohl 2. Juli 1934 in Dulzen bei Preußisch-Eylau)[1] war ein deutscher Armee- und SS-Offizier.

Leben und Wirken

Anton Freiherr von Hohberg und Buchwald wurde als Sohn eines ostpreußischen Gutsbesitzers geboren. Nachdem er zunächst eine Laufbahn als Kavallerieoffizier in der kaiserlich-deutschen Armee eingeschlagen hatte, in der er bis zum Rittmeister befördert wurde, wechselte er nach dem Ersten Weltkrieg ins Privatleben.

In den frühen 1930er Jahren zählte Hohberg zu den Profiteuren der sogenannten Osthilfe, einem umstrittenen staatlichen Programm zur Sanierung der ostelbischen Landwirtschaft.[2] Insgesamt sollen ihm, laut einer 1978 in der DDR erschienenen Veröffentlichung, fast 450.000 RM als Kredite bewilligt worden sein, obwohl der Wert seines Gutes sich tatsächlich auf lediglich 250.000 RM belaufen habe und es zudem schon mit einer Hypothek in Höhe von 150.000 RM belastet gewesen sei.[3] Bruno Buchta beziffert in einer 1959 in der DDR erschienen Dissertation die dem Staat durch die Umschuldung von Hohbergs Rittergut entstandenden Verluste auf 384.000 RM.[4]

In den frühen 1930er Jahren trat Hohberg, der mit Gertrud (Gerda) von Rheinbaben (1888-1949), einer Tochter des ehemaligen preußischen Innen- und Finanzministers Georg von Rheinbaben[5] verheiratet war, auf Bitten von Werner Lorenz in die NSDAP und in die SS ein. Dort gehörte er zeitweise dem Stab des SS-Führers von Ostpreußen Erich von dem Bach-Zelewski an, mit dem er sich schließlich aufgrund von persönlicher Rivalitäten entzweite.

Am 14. Mai 1934 wurde Hohberg als SS-Oberabschnittsreiterführer entlassen und wenige Wochen später am 1. oder (wahrscheinlicher) 2. Juli 1934 im Zuge der Röhm-Morde im Rauchersalon[6] seines Rittergutes in Dulzen bei Preußisch-Eylau auf Weisung von dem Bach-Zelewskis durch den SS-Obersturmführer Carl Deinhard und Bach-Zelewskis Chauffeur, SS-Scharführer Zummach, erschossen. Aus der Liste der in dieser Mordwelle Getöteten ragt Hohberg als einziger SS-Angehöriger im eigentlichen Sinne hervor (im Gegensatz zu den getöteten SA-Führern, von denen einige nur nominell auch SS-Titel führten). Obwohl, wie Paul Ronge betont, die Tötung Hohberg und Buchwalds „in ganz Ostpreußen“ Empörung hervorrief,[7] blieb die Tat zunächst ungesühnt.

Bach-Zelewski wurde nach dem Krieg, am 16. Januar 1961, von der bundesdeutschen Justiz wegen des Mordes an Hohberg und Buchwald zu einer Haftstrafe verurteilt, während deren Verbüßung er 1972 starb.[8]

Fußnoten

  1. Geburts- und Todesdatum, sowie Geburts- und Sterbeort, nach Matthias Schmettow: Gedenkbuch des deutschen Adels, 1967, S. 144. Alfred Gerigk: Deutschland und das Weltgeschehen, 1961, S. 285, bestätigt den 2. Juli als "Erschießungstag"
  2. Politik und Landwirtschaft in Ostpreussen 1919-1930. 1969, S. 298.
  3. Volker Kelmm, Hans Scholz: Von den bürgerlichen Agrarreformen zur sozialistischen Landwirtschaft in der DDR. 1978, S. 110.
  4. Bruno Buchta: Die Junker und die Weimarer Republik. Charakter und Bedeutung der Osthilfe. 1959, S. 54.
  5. Sein Schwager, der Bruder seiner Gattin und Sohn Georg von Rheinbabens, war der dem DVP-Führer Gustav Stresemann nahe stehende Schriftsteller und Aktivist Rochus von Rheinbaben, siehe: Reinhold Zilch: Rheinbaben, Georg von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, S. 487.
  6. Bernt Engelmann: Einig gegen Recht und Freiheit, 1975, S. 328 spricht vom „Arbeitszimmer“, Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS, 1967, S. 115, hingegen vom „Herrenzimmer“.
  7. Paul Ronge: Im Namen der Gerechtigkeit. Erinnerungen eines Strafverteidigers. 1963, S. 195.
  8. Wojskowy Instytut Historyczny: Historia Militaris Polonica. 1974, S. 273. An gleicher Stelle wird die fragwürdige „Ironie“ betont, dass Bach-Zelewski lediglich wegen des Mordes an einem anderen SS-Mann von der bundesrepublikanischen Justiz belangt wurde, während er wegen der Verbrechen gegen „viele tausend“ Polen und Russen, an denen er beteiligt war, von dieser „niemals bestraft wurde“.

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