Anton von Stiten
Siegel des Anton von Stiten

Anton von Stiten († 18. Juni 1564) war ein Lübecker Bürgermeister.

Leben

Stiten war der Sohn des Bürgermeisters Hartwig von Stiten aus dessen zweiter Ehe mit einer Tochter des Ratsherrn Ricbodo Kerckring. 1525 wurde er in die Zirkelgesellschaft aufgenommen, 1528 in den Rat gewählt. Er war schon früh evangelisch und unterstützte von Anfang die Belange der Lutherischen gegenüber dem Rat. Zwei seiner Schwäger, Marcus Tode (Vater von Christoph Tode) und Heinrich von Calven, waren Mitglieder im 64er Ausschuss, der mit dem Rat über Steuern und die Einführung des Reformation in Lübeck verhandelte. Nachdem am 30. Juni 1530 die Einführung der Reformation beschlossen war, reiste Anton von Stiten als Gesandter der Stadt zum Reichstag nach Augsburg, wo er mit den lutherischen Reichsstände verhandelte. Am 27. Februar 1531 unterzeichnete er als Vertreter Lübecks den Beitritt zum Schmalkaldischen Bund. Er gehörte auch zu den Ratsherren, die gemeinsam mit Johannes Bugenhagen die neue Kirchenverfassung ausarbeiteten.

Nach dem von Jürgen Wullenwever angezettelten missglückten Kaperkrieg gegen die Niederländer reiste er gemeinsam mit den Bürgermeistern Jürgen Wullenwever und Jochen Gercken zu Friedensverhandlungen im März 1534 nach Hamburg. Als Wullenwever und Marx Meyer die Verhandlungen vorzeitig verließen, weil sie Opposition gegen ihre Politik in Lübeck fürchten, ritt Anton von Stiten ihnen nach. Obwohl er Lübeck vor ihnen erreichte, konnte er nicht verhindern, dass Jürgen Wullenwever Volk und Rat erneut hinter sich brachte. Alle Gegner von Wullenwevers Politik, so auch Anton von Stiten, wurden aus dem Rat ausgeschlossen. Nach der Niederlage im Krieg gegen den Herzog von Holstein und dem Frieden von Stockelsdorf erzwangen die Bürger in November desselben Jahres die Wiederherstellung des Alten Rats. Beim Hansetag in Lüneburg und bei den Verhandlungen mit Christian III. von Dänemark nach der Grafenfehde 1535 vertrat er wieder die Stadt. Im Jahr 1540 wurde Anton von Stiten Bürgermeister.

Er starb 1564 auf einer Reise. Er war verheiratet mit Barbara, einer Tochter des Hermann von Wickede. Einer seiner Söhne, Gottschalk von Stiten (1530-1588), folgte ihm kurz nach seinem Tod in den Rat. Seine Tochter war mit dem Bürgermeister Joachim Lüneburg verheiratet.

Literatur

  • Emil Ferdinand Fehling: Lübeckische Ratslinie Lübeck 1925 Nr. 620
  • Carl Friedrich Wehrmann: Das Lübecker Patriziat in: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde (ZVLGA) 5 /1888, S. 293–452.
  • Georg Waitz: Lübeck unter Jürgen Wullenwever und die europäische Politik. 3 Bände, Berlin 1855–56.

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