Ludwig XV. (Frankreich)
Ludwig XV.

Ludwig XV. (frz. Louis XV) (* 15. Februar 1710 in Versailles; † 10. Mai 1774 ebenda), vom Volk „der Vielgeliebte“ (frz. „le Bien-Aimé“) und später „der Ungeliebte“ (frz. „le Mal-Aimé“) genannt, 1710–1715 Herzog von Anjou, war von 1715 bis 1774 König von Frankreich und Navarra.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ludwig als kleiner Dauphin
Der erst fünfjährige Ludwig empfängt die Huldigungen nach seiner Proklamation als König

Ludwig wurde am 15. Februar 1710 als dritter Sohn des Ludwig von Burgund und dessen Gemahlin Maria Adelaide von Savoyen geboren. Er war der Enkel des Dauphin Ludwig von Frankreich und somit Urenkel von dessen Vater, dem regierenden König Ludwig XIV. Sein Großvater Ludwig verstarb 1711, sodass sein Vater Ludwig nunmehr Thronfolger war. Im darauffolgenden Jahr erkrankten jedoch seine Mutter, sein Vater und sein einziger überlebender älterer Bruder, Ludwig von der Bretagne, an Masern und verstarben in kurz hintereinander. Einzig der spätere König Ludwig, der durch den Tod seines Vaters und seines Bruders zum Thronfolger aufgestiegen war, überlebte die Krankheit.

Die wichtigste Bezugsperson Ludwigs in seiner Kindheit war seine 1710 auf diesen Posten berufene Gouvernante, die Herzogin von Ventadour. Diese stellte für ihn eine Ersatzmutter dar. Die Herzogin von Ventadour war eine Freundin der Marquise von Maintenon, auf deren Anraten sie bei dem jungen Ludwig einen relativ liberalen Erziehungsstil anwenden ließ. Ludwig lernte bereits in frühen Jahren Schreiben und interessierte sich besonders für die Beschäftigung mit Geographie. Zu Beginn des Jahres 1715 ließ ihn sein Urgroßvater an ersten zeremoniellen Veranstaltungen des Hofes teilnehmen.

Ludwig XIV. starb am 1. September 1715 in Versailles. Die Regentschaft für den minderjährigen König fiel von Rechts wegen seinem Onkel dem Herzog Philipp II. von Orléans zu. Ludwig XIV. hatte dessen Funktion in seinem Testament allerdings zugunsten eines Regentschaftsrats beschnitten. Der Herzog von Orléans foderte hingegen die uneingeschränkte Regentschaft für sich. Diese wurde ihm am 2. September durch das Pariser Parlament faktisch zugesprochen, da er nunmehr als Einziger die Personen des Regentschaftsrats auswählen konnte. Als Gegenleistung hob er die Einschränkungen des Remonstrationsrechts des Parlaments auf, die 1667 und 1673 durch Ludwig XIV. erfolgt waren.

Ab Dezember 1715 residierte der König in den Tuilerien in Paris. Erst im Juni 1722 wurde die Residenz des Königs wieder nach Versailles verlegt. Mit Erreichung des Alters von sieben Jahren im Februar 1717 wurde Ludwig traditionsgemäß in die Obhut eines Gouverneurs gegeben. Zum Gouverneur des Königs wurde, entsprechend dem Testament Ludwigs XIV., der Herzog von Villeroy ernannt. Der Präzeptor des Königs wurde der frühere Bischof von Fréjus, Fleury. Ludwig hielt allerdingsweiterhin Kontakt zur Herzogin von Ventadour. Der Herzog von Villeroy, der in erster Linie damit befasst war, den König in die zeremoniellen Angelegenheiten der Königsherrschaft einzuführen, entwickelte zu diesem nie eine engere Beziehung und wurde nach einem Konflikt mit dem Regenten 1722 ins Exil geschickt. Fleury leitete die restliche Ausbildung des Königs. Ludwig lernte als Fremdsprachen Latein und Italienisch und wurde in religiösen Dingen wohl umfassend unterwiesen. Besonderes Interesse entwickelte der König zu den Naturwissenschaften, insbesondere der Anatomie, Chirurgie, Astronomie und Geographie. Fleury gelang es, eine intensive persönliche Beziehung zum König aufzubauen, auf der sein späterer politischer Aufstieg fußte.

Die Periode der Herrschaft des Herzogs von Orléans wird auch als Régence bezeichnet. Im Dezember 1715 wurden die Posten der Minister und Staatssekretäre durch Ratsgremien bestehend aus mehreren Personen ersetzt. Hierbei wurde im Gegensatz zur Herrschaft Ludwigs XIV. auch wieder Hof- und Hochadlige und Angehörige des Klerus in höhere Regierungspositionen berufen. Hierin wird ein „Entgegenkommen des Regenten gegenüber den sich nach dem Tode des „Sonnenkönigs“ manifestierenden Ansprüchen des Hochadels“ gesehn.[1] Die maßgeblichen Weisungen der Politik wurden vom Regenten allein bestimmt. Dieser stützte sich hierbei auf seine Berater, unter denen der Kardinal Dubois an Bedeutung gewann. Dieser wurde im Jahre 1717 zum Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten und im Jahre 1722 sogar zum Premierminister ernannt.

Innenpolitisch begegenete er den opponierenden Paralamenten im Jahre 1718 mit einer erneuten Einschränkung des Remonstrationsrechts. Die Schuldenlast der Krone konnte bis zum Ende der Regentschaft von 2 Milliarden auf 1,5 Milliarden livres reduziert werden.[2] Hierbei bediente man sich neben der Abwertung der Währung durch Prägung von Münzen mit niedrigerem Edelmetallgehalt auch der Einrichtung eines Sondergerichtshofs, der die Rechtmäßigkeit der Vermögen von Schuldnern der Krone untersuchte. Ebenso zur Entlastung des Haushalts trug die 1716 erfolgte Gründung der Banque Generale bei, die Kredite auf Papiergeldbasis vergab. Diese von dem Bankier John Law angeregte Maßnahme wurde im folgenden Jahr durch die Gründung der Compagnie d'occidentale ergänzt, die der wirtschaftlichen Erschließung Louisianas dienen sollte. Die inzwischen in die Königliche Bank umgewandelte Generalbank ging im Jahr 1720 bankrott.

Der Herzog von Orléans ließ den König nach und nach in politische Angelegenheiten einführen, wobei ihn auch Dubois unterstützte. Am 25. Oktober 1722 wurde Ludwig, wie alle französischen Könige, in Reims gesalbt. Dabei hatte, entgegen der Tradition, das Volk keinen Zugang zur Kathedrale erhalten. Hier zeigte sich die Unnahbarkeit des Königs, der anders als sein Vorgänger die Privatheit schätzte und das steife Hofzeremoniell ungern erfüllte. Vor großen Mengen wirkte er eher unsicher, konnte aber auch übermäßig herrisch auftreten. Mit dem Erreichen des 13. Lebensjahres im Februar 1723 wurde Ludwig gemäß der für Könige geltenden Regelung volljährig. Er bestätigte allerdings den Kardinal Dubois in seinem Amt als Premierminister. Der Herzog von Orléans regierte faktisch weiterhin anstelle des Königs. Nach dem Tod des Kardinals im August desselben Jahres wurde der Herzog von Orléans neuer Premierminister. Nach dessen Tod im selben Jahr wurde Fürst Ludwig Heinrich von Condé, genannt Herzog von Bourbon, Premierminister. Dieser wurde im Juli 1726 verbannt. Daraufhin übernahm der König im Alter von 16 Jahren die Regierung selbst und ernannte Fleury zum leitenden Minister seines Kabinetts.

Am 5. September 1725 heiratete der erst Fünfzehnjährige die acht Jahre ältere polnische Prinzessin Maria Leszczynska, deren Erbe er mit Österreich gegen Lothringen tauschte (→ Haus Habsburg-Lothringen).

Politik

Ludwig XV., König von Frankreich und Navarra, gemalt von Hyacinthe Rigaud

Durch seine erfolglose Teilnahme am Siebenjährigen Krieg gegen England und Friedrich den Großen verlor er den größten Teil der französischen Kolonien in Nordamerika und Indien an die Briten. Dies waren vor allem in Nordamerika große Gebietsverluste. Frankreich verlor im Ersten Frieden von Paris 1763 ganz Kanada und das historische Louisiana. Zu beachten ist hierbei, dass das unter Ludwig XIV. erworbene und nach ihm benannte Louisiana, ein Gebiet umfasste, das im Norden durch Kanada begrenzt wurde und im Süden durch das damalige Neuspanien. Die Gebiete der beiden bourbonischen Mächte grenzten somit das englische Gebiet in Amerika komplett ein und waren territorial gesehen gewaltig. Von Frankreichs erheblichen Einfluss in Indien, welchen Ludwig in den sogenannten Karnataka-Kriegen verlor, blieben ihm nur die eigentlichen Besitzungen (Mahé, Karikal, Pondichéry, Yanaon, Chandanagar) und die weitläufigen Handelsprivilegien erhalten.

Aufgrund dieses herben kolonialpolitischen Rückschlages unterstützte Ludwig XV. die amerikanischen Siedler beim Widerstand gegen England, indem er Waffen lieferte und seine politische Unterstützung zusagte. Der Kampf der Siedler führte später zur amerikanischen Unabhängigkeit und 1783 zum für Frankreich siegreichen Zweiten Frieden von Paris, durch den das englische Kolonialreich ähnlich geschwächt wurde wie zwanzig Jahre zuvor die französische Kolonialpolitik. Für Frankreich konnte Ludwig das Herzogtum Lothringen und Korsika hinzugewinnen. Ersteres auf Grund der Heirat Franz Stephans von Lothringen, nachmaliger Großherzog der Toskana, mit Maria Theresia. Lothringen ging zunächst an den gescheiterten ehemaligen polnischen König und Ludwigs Schwiegervater Stanislaus Leszczyński - nach dessem Tod allerdings endgültig an Frankreich.

Unter seiner Regierung wurde der jahrhundertealte Gegensatz zwischen Frankreich und Österreich beigelegt und die neue Allianz durch die Heirat Marie-Antoinettes (Tochter Maria Theresias von Österreich) mit seinem Enkel, dem späteren Ludwig XVI., besiegelt. Die hiermit verbundene Umkehrung der Allianzen war ein wichtiger Bestandteil der Allianzenkoalition im Siebenjährigen Krieg. Leitender Minister war zwischen 1758 und 1770 Étienne-François de Choiseul. Er und Madame de Pompadour betrieben 1762 das Verbot des Jesuitenordens in Frankreich.

Fast während seiner gesamten Regierung hatte Ludwig XV. mit dem Widerstand der Parlamente (Gerichtshöfe) zu kämpfen, die sich gegen jede Staatsreform sträubten. Endlich im Jahre 1770 entschloss sich der Monarch einen eisernen Kurs gegen diese Opposition zu steuern und die Parlamente zu verbieten. Die obersten Richter und führende Abgeordnete wurden in die Verbannung geschickt oder zeitweilig ins Gefängnis geworfen. Damit hatte er bis zu seinem Tod Ruhe vor dieser unliebsam gewordenen Opposition. Außerdem gab es auch eine Adelsopposition angeführt vom Herzog von Orléans und unterstützt von den Fürsten von Condé und Conti. Ludwig XV. konnte diese Gruppe zu seinen Lebzeiten noch in Schach halten. Sein Nachfolger sollte damit, wie auch mit den Parlamenten, noch die allergrößten Probleme bekommen.

Am 5. Januar 1757 überlebte der König ein Attentat. Obwohl Ludwig XV. nur leicht verletzt wurde, wurde der Attentäter Robert François Damiens in Paris am 28. März 1757 in aller Öffentlichkeit gevierteilt und verbrannt.

Am 29. April 1774 erkrankte der 64-jährige Monarch an den Pocken, denen er am 10. Mai erlag. Der Abbé de Véri (1724–1799) urteilte: "Niemals war Frankreich (vorher) so wohlhabend und so reich an Manufakturen, so ausgezeichnet durch eine Menge von Gelehrten, so gut bestückt mit angebauten Feldern und so vielen Einwohnern als unter der Regierung Ludwigs XV."

Nach seinem Tode 1774 folgte ihm sein Enkel Ludwig XVI. auf den Thron, da seine Söhne schon vor ihm gestorben waren – Louis Ferdinand 1765 und Philippe Louis 1733.

Vorfahren

          ┌──> Ludwig XIV., (1638–1715)
          │      auch genannt Louis le Grand, Le Roi Soleil  
          │
     ┌──>Louis von Frankreich, (1661–1711)
     │    │ auch genannt Le Grand Dauphin 
     │    │  
     │    └──> Maria Theresia von Spanien, (1638–1683)
     │            Königin von Frankreich und Navarra
     │
┌──> Ludwig von Burgund, (1682–1712) 
│    │  
│    │
│    │
│    │    ┌──> Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern, (1636–1679) 
│    │    │      
│    │    │
│    └──>Maria Anna von Bayern, (1660–1690)
│         │  
│         │
│         └──> Prinzessin Adelaide Henriette von Savoyen, (1636–1676)
│                   
│
│
Ludwig XV., (1710–1774) König von Frankreich
│
│                                                    
│
│         ┌──> Karl Emanuel II. von Savoyen, (1634–1675)
│         │       
│         │
│    ┌──> Viktor Amadeus II., (1666–1732)
│    │    │ Herzog von Savoyen, König von Sizilien und erster König von Piemont-Sardinien
│    │    │   
│    │    │
│    │    └──> Maria Baptista von Savoyen-Nemours, (1644–1724])
│    │        duchesse d'Aumale, duchesse de Genève
│    │
└──> Maria Adelaide von Savoyen, (1685–1712) 
     │   
     │   
     │
     │    ┌──> Philipp I., Herzog von Orléans, (1640–1701)
     │    │    
     │    │
     └──> Anne Marie von Orléans , (1669–1728)
          │    
          │
          └──> Henriette Marie von Frankreich, (1644–1670)
                Prinzessin von England, Herzogin von Orléans
             

Familie und Nachkommen

Einige Familienangehörigen des Königs lehnten seinen Lebenswandel ab. Vor allem seine Frau und sein Sohn Ludwig waren sehr religiös eingestellt und wurden zum Haupt einer konservativen Opposition, die allerdings niemals eine Bedrohung oder Gefahr für den König darstellte. Diese belächelte Minderheit am Versailler Hof störte sich vor allem an der Mätressenwirtschaft des Königs. Besonders wurde an der Mätresse Jeanne-Antoinette Poisson Anstoß genommen, da sie eine Bürgerliche und am längsten Mätresse war (ab 23 Jahren bis zu ihrem Tod). Sie hatte selbst noch großen politischen Einfluss, als sie nicht mehr das Bett mit Louis teilte.(Buchquelle: Die Favoritin des Königs) In den Jahren zwischen 1761 und 1768 verlor Ludwig zuerst seinen kleinen hoffnungsvollen Enkel, den Herzog von Burgund, dann 1765 seinen Thronfolger, 1767 folgte seine Schwiegertochter Maria Josepha Carolina von Sachsen und 1768 starb schließlich die Königin. In diese Zeit fällt auch der Tod der Madame Pompadour (1764).

1770 vermählte er seinen Enkel den Herzog von Berry und zukünftigen Ludwig XVI. mit der Erzherzogin Marie Antoinette, einer Tochter von Kaiserin Maria Theresia.

Königin Maria Leszczyńska mit Sohn

Ludwig hatte mit seiner Gemahlin Maria Leszczyńska folgende Nachkommen:

Mätressen und uneheliche Kinder

Ludwigs erste vier Geliebte waren Schwestern. Dominique Guillaume Lebel, sein erster Kammerdiener, suchte oft die Mätressen für ihn aus. Er hatte wie sein Vorgänger zahlreiche illegitime Kinder. Da er schlechte Erfahrungen mit den Nachkommen seines Urgroßvaters hatte, lehnte er es ab, seine anzuerkennen. Er sorgte für ihre Erziehung, sorgte für ihre gesellschaftliche Stellung, aber traf sie niemals bei Hof. Nur Louis Aimé de Bourbon erkannte er an.

Madame de Pompadour war wahrscheinlich die bekannteste Maitresse von Ludwig XV.
Marie-Louise O'Murphy versuchte die Position der Pompadour zu verdrängen
Madame du Barry
  1. ∞ Abel-François Poisson de Vandières, marquis de Marigny
  2. ∞ François de La Cropte, marquis de Bourzac

Einzelnachweise

  1. Klaus Malettke: Die Bourbonen Band II, S. 25
  2. Malettke, S. 26-27

Literatur

  • Klaus Malettke: Die Bourbonen Band II: Von Ludwig XV. bis Ludwig XVI. : 1715 - 1789/92 . W. Kohlhammer, Stuttgart 2008. ISBN 978-3-17-020582-9

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