Antoni Tapies

Antoni Tàpies i Puig (* 13. Dezember 1923 in Barcelona) ist ein bedeutender katalanischer Künstler. Er gilt als der wichtigste spanische Maler und Grafiker des Informel.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Antoni Tàpies wurde als Sohn des Rechtsanwalts Josep Tàpies und seiner Frau Maria Puig Guerra geboren. Von 1926 bis 1932 besuchte er die deutsche Schule in Barcelona. 1934 kam er auf die Höhere Schule und hatte durch diverse catalanische Publikationen ersten Kontakt mit der zeitgenössischen Kunst, vor allem durch die Weihnachtsausgabe des Magazins D’aci i d’alla, mit Reproduktionen von Pablo Picasso, Georges Braque, Juan Gris, Fernand Léger, Piet Mondrian, Constantin Brâncuşi, Wassily Kandinsky, Marcel Duchamp, Hans Arp, Joan Miró und anderen. Ein Unfall mit 17 Jahren löste seelisch eine Krise aus und er begann zu zeichnen und zu malen.

Von 1943 bis 1946 absolvierte der Katalane ein dreijähriges Jurastudium, das er ohne Abschluss abbrach und seine schon 1936 aufgenommene malerische Praxis wieder aufnahm. Hierbei entwickelte er seine eigene künstlerische Sprache. Hatte der Autodidakt in den späten 1930ern und frühen 1940ern Portraits im Stile Picassos und van Goghs gemalt, wendete er sich nun der abstrakten Malerei zu. Tàpies trägt die Farbe und andere Materialien dick auf und gestaltet durch Farbauftrag und Abkratzen bzw. -schaben Gemälde, deren Oberfläche an alte Mauern erinnern, die alte Farbaufträge und abblätterndes Material dokumentieren. Beeinflusst durch die Werke Mirós, Max Ernsts und von Paul Klee, wendete er sich ab 1946 phasenweise dem Surrealismus zu. 1948 gründete er mit anderen Künstlern die Gruppe „Dau al Set“ und unter gleichem Namen eine Kunstzeitschrift. Im selben Jahr beteiligte er sich am „Salón de Octubre“ in seiner Geburtsstadt.

Ein einjähriges Stipendium in Paris brachte ihn in Kontakt mit der lebhaften Kunstszene der französischen Hauptstadt und damit neue Anregungen. Hier begegnete er der informellen Malerei, lernte Jean Dubuffet und seine Art Brut kennen und reduzierte seine künstlerischen Mittel auf das ihm Wesentliche. Gleichzeitig erweiterte er sein künstlerisches Spektrum indem er Alltagsgegenstände in seine Gemälde integrierte. Religiöse Symbole wie auch magische Elemente griff er ebenfalls in seinem Werk auf. Ende der 1960er Jahre nahm er öffentlich Partei für eine unabhängige Kunst und schöpferische Freiheit und erzeugte damit auch in Westdeutschland, z. B. bei Joseph Beuys, Wirkung. Neben dem malerischen Werk gehörte zu seinem Œuvre auch ein umfangreiches druckgrafisches Werk. Insbesondere in den 1970ern ist Tàpies auch politisch aktiv und wendete er sich gegen die Franco-Diktatur in seinem Heimatland, setzte sich für die Amnestierung politischer Gefangener ein.

Antoni Tàpies’ Werk wurde in vielen internationalen Ausstellungen gewürdigt; z. B. vertrat er 1952 Spanien auf der Biennale in Venedig, er war mehrfach auf einer documenta (1959, 1964, 1968 und 1977) in Kassel präsent. 1984 gründete er eine eigene Stiftung, die Fundació Antoni Tàpies in Barcelona.

Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)

  • 1972: Städtische Galerie im Haus Seel, (Rubenspreis der Stadt Siegen)
  • 1974: Stephan-Lochner-Medaille, Köln
  • 1979: Kunstpreis der Stadt Barcelona, Spanien
  • 1988: Ehrendoktorwürde der Universität Barcelona; Musée Cantini, Marseille, Frankreich

Ausstellungen (Auswahl)

Literatur

  • Youssef Ishaghpour: Antoni Tàpies. Works, writings, interviews, Ediciones Polígrafa, Barcelona 2006, ISBN 84-343-1124-0
  • Barbara Catoir: Empremtes – Spuren. Antoni Tàpies. Das Werk. DuMont, Köln 2003, ISBN 3-8321-7352-8
  • Antoni Tàpies, Achim Sommer, Andreas Franzke: Tàpies, Werke auf Papier 1943-2003. Wienand, Köln 2003, ISBN 3-8790-9821-2
  • Barbara Catoir: Gespräche mit Antoni Tàpies. Prestel, München 1997, ISBN 3-7913-1765-2
  • Antoni Tàpies: Die Praxis der Kunst. Erker, St. Gallen 1997, ISBN 3-9055-4462-8
  • Antoni Tàpies: Kunst und Spiritualität. Erker, St. Gallen 1993, ISBN 3-9055-4631-0
  • Antoni Tàpies: Erinnerungen. 2 Bände. Erker, St. Gallen 1988, ISBN 3-9055-4584-5
  • Diether Rudloff: Unvollendete Schoepfung. Kuenstlertum im zwanzigsten Jahrhundert, Stuttgart 1982, Urachhaus, ISBN 3-87838-368-1

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