08/15 (Film)
Filmdaten
Originaltitel: 08/15
Produktionsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 1954
Länge: 95 Minuten
Originalsprache: Deutsch
Altersfreigabe: FSK 16
Stab
Regie: Paul May
Drehbuch: Hans Hellmut Kirst (auch Buch), Claus Hardt, Paul May, Ernst von Salomon
Produktion: Walter Traut
Musik: Rolf Wilhelm
Kamera: Heinz Hölscher
Schnitt: Walter Boos, Arnfried Heyne
Besetzung

08/15 ist der Titel eines deutschen Spielfilms aus dem Jahr 1954, der auf dem gleichnamigen Roman 08/15 von Hans Hellmut Kirst beruht.

Inhaltsverzeichnis

08/15 (1. Teil)

Handlung

Der Kanonier Vierbein, ein Rekrut des Jahrgangs 1938/39, wird von seinem Kompaniefeldwebel, dem Hauptwachtmeister Schulz und seinem Zugführer, Wachtmeister Platzek, bei jeder sich bietenden Gelegenheit schikaniert. Vierbein, ein sensibler Junge, der eigentlich Musiker werden wollte, kann sich nicht wehren, und so muss er unter dem Druck des immer brutaler werdenden Drills kollabieren. Als er bei einer Schießübung auch noch die Munition mitgehen lässt, beschließt sein Kamerad, Gefreiter Asch, sich dafür zu rächen. Asch, der eigentlich einer der besten Soldaten ist und von Schulz sehr geschätzt wird, bewahrt Vierbein vor dem Selbstmord und schafft es mit Hilfe des Kameraden Kowalski, Vierbeins Munition als Verlust zu melden – Platzek hat das Nachsehen. Nun beginnt Asch, die Fehler und Dienstvergehen seiner Vorgesetzten systematisch aufzudecken und den Spieß umzudrehen. Unteroffizier Lindenberg meldet einen Ungehorsam von Asch, macht aber ungenaue Angaben über die anwesenden Zeugen und benennt Kowalski, der aber die Aussage nicht bestätigen will. Asch provoziert auch den Zorn des Küchen-Unteroffiziers Rumpler, als er die Portionen in der Verpflegung kontrolliert und einen beträchtlichen Schwund aufdeckt. Rumpler beschuldigt Asch der Meuterei und macht Meldung, zieht sie aber nach Androhung des HptW. Schulz, die Küche einer genauen Überprüfung zu unterziehen, wieder zurück. Platzek versucht, den Fehlbestand der Munition zu vertuschen und greift dabei auf Asch zurück. Asch macht zwar mit, macht aber Platzek klar, dass er (Platzek) damit die Munitionsbücher gefälscht hat – und somit Urkundenfälschung begangen hat. In der Zwischenzeit gehen die Beschwerden gegen Asch bei Hauptwachtmeister Schulz ein. Schulz, der Asch selbst zur Beförderung zum Unteroffizier vorgeschlagen hat, weiß nicht recht, wie er damit umgehen soll und meldet die Angelegenheit Hauptmann Derna, in dem er einen willfährigen Bundesgenossen sieht. Hauptmann Derna setzt den Stabsarzt Dr. Sämig ein. Dr. Sämig untersucht Asch, stellt ihm suggestive Fragen und sperrt ihn erst einmal in die Isolationszelle ein. Anschließend versucht er, ihm Unzurechnungsfähigkeit zu bescheinigen. Asch aber durchschaut den Plan, und es gelingt ihm, den Arzt bloßzustellen. Dr. Sämig beschuldigt Asch, ihn im Kampf überwältigt zu haben. Inzwischen hat die Sache solche Ausmaße angenommen, dass schließlich die ganze Mappe mit den unerledigten Dienstmeldungen beim Abteilungskommandeur dieser Einheit, Major Luschke, landet. Luschke greift entschieden ein und macht kurzen Prozess. Er maßregelt Lindenberg und Schulz, legt Platzek eine Versetzung und Schulz einen Verzicht auf seine Dienststellung des KpFw nahe und droht dem Arzt mit dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst. Kowalski und Asch aber werden befördert. Die Revolte scheint sich zunächst ausgezahlt zu haben. Kurz darauf bricht allerdings der Zweite Weltkrieg aus und man sieht die Rekruten, wie sie auf dem Kasernenhof der Rede Hitlers zum Kriegsbeginn zuhören.

Kritiken

  • „Zu anekdotenhaft spaßig und zu unpolitisch, um als ernstzunehmende Abrechnung mit dem preußischen Kommiß unter Hitler gelten zu können.“ – 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 324
  • „Im Dreck robben, Latrinen reinigen, Saufgelage bis zum Zapfenstreich, verklemmte Strumpfbanderotik: Menschenschinder-Planspiele über den deutschen Untertanengeist, gut fotografiert und gespielt als Kasernenhof-Satire. Fragwürdig in seiner Wirkung: Das angeblich kritische Werk vermittelt eher den Spaß am Soldatenleben. Nach dem Bestseller von Hans Hellmut Kirst, einer der großen Erfolgsfilme 1954.“ (Wertung: 2 Sterne = durchschnittlich)Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 614–615
  • „Anekdotisch, derb, oft vulgär und im Grunde unpolitisch, löst der Dreiteiler seinen Anspruch auf ein kritisches antimilitärisches Engagement kaum ein; er bedient vielmehr geschickt die Unterhaltungserwartung des Publikums und wurde folgerichtig zu einem der größten deutschen Kassenerfolge der 50er Jahre.“ – „Lexikon des internationalen Films“ (CD-ROM-Ausgabe), Systhema, München 1997

08/15 – Im Krieg (2. Teil)

Auch an der Ostfront geht der 08/15-Kommissbetrieb weiter: Der überaus erfolgreiche und bei den Soldaten beliebte Chef der Artilleriebatterie Wedelmann, in der Asch, Vierbein und Kowalski eingesetzt sind, wird von Hauptmann Witterer, der bisher an der Heimatfront war, abgelöst. Dieser will es sich zum einen so bequem wie möglich machen, zum anderen endlich einen Orden bekommen. Vierbein, der anfangs sanftmütige, verträumte Junge, wird zunächst für einen Spezialauftrag in die Heimat abkommandiert. Zurück an der Front wird er Opfer des fanatischen, hasserfüllten und karrieresüchtigen Witterer. Vierbein überlebt trotz des Schutzes seiner Freunde Asch und Kowalski den Krieg nicht. Die beiden schwören Rache.

Kamera: Georg Krause

Darsteller:

Kritiken

  • „Ordinärer noch als der erste Teil und mehr am Gelächter im Parkett interessiert als an der kritischen Beleuchtung der Landsermoral. Der ernste Schluß bildet kein ausreichendes Gegengewicht.“ – 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 324
  • „Der Zweite Weltkrieg als spaßige Unterhaltung – Filmfortsetzung nach dem Trivialroman von Kirst.“ (Wertung: 2 Sterne = durchschnittlich)Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 615
  • „(…) noch ordinärer als der erste Teil und – trotz des aufgesetzt ‚ernsthaften‘ Schlusses – völlig unbrauchbar als Auseinandersetzung mit der Landsermoral.“ – „Lexikon des internationalen Films“ (CD-ROM-Ausgabe), Systhema, München 1997

08/15 – In der Heimat (3. Teil)

Der 3. Teil schildert letztendlich das Kriegsende und wie plötzlich aus Nazifunktionären und „Kommissköppen“ Widerstandskämpfer und Regimegegner wurden und diese im neuen Deutschland wieder zu „Amt und Würden“ kamen – eben 08/15.

Kamera: Georg Krause
Darsteller:

Kritiken

  • „Wiederum eher am Lacherfolg interessiert, deshalb nur an wenigen Stellen eindrucksvoll kritisch und erschütternd.“ – 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 324
  • „(…) routiniert inszenierter Wehrmachtsfilm (…). Kritischer als seine beiden Vorgänger, versucht der satirisch angelegte Film das Soldatenleben zu entzaubern.“ (Wertung: 2 Sterne = durchschnittlich)Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 615

Hintergrund

Der Roman von Hans Hellmut Kirst war ein Bestseller im Nachkriegsdeutschland und beruhte auf seinen Erfahrungen als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Kirst war von 1933 bis 1945 Berufsoffizier in der Wehrmacht. Nach der Veröffentlichung entwickelte sich eine öffentliche Debatte zwischen Landsern, welche die geschilderten Erfahrungen teilten, und ehemaligen Wehrmachtsoffizieren, die das Buch als Angriff auf ihren Stand begriffen.

Dies war die erste große Rolle von Joachim Fuchsberger. Im folgenden Jahr wurden gleich zwei Fortsetzungen unter dem Titel „08/15 im Krieg (2. Teil)“ und „08/15 in der Heimat“ gedreht. Auch hier führte Paul May Regie.

Der Filmtitel leitet sich von der Redewendung 08/15 ab. Die Redewendung steht für durchschnittliche bzw. überholte Standards. „08/15“ bezeichnete ursprünglich ein im ersten Weltkrieg von den Deutschen eingesetztes Maschinengewehr 08/15 (1908 als MG 08 entwickelt, als verbesserte Version unter der Bezeichnung MG 08/15 im Jahr 1915 eingeführt).

Literatur

  • Hans Hellmut Kirst: 08/15. Gesamtausgabe der Trilogie. Kaiser, Klagenfurt um 1994, 892 S., ISBN 3-7042-5015-5

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