Antonin Konias

Antonín Koniáš (* 1. Februar 1691 in Prag; † 27. Oktober 1760 in Prag), war ein tschechischer Jesuitenpriester, Missionar und religiöser Schriftsteller. Er ist berüchtigt wegen seiner rücksichtslosen Jagd nach verbotenen Büchern.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Koniáš war der Sohn eines Druckers. Er wurde in der Jesuitenkirche Dom des Hl. Klement und auf der Prager Universität Clementinum ausgebildet. 1708 trat er dem Jesuitenorden bei. Nach Beendigung des Theologiestudiums trat er als Missionar in Ost-, West- und Südböhmen auf.

Sein ganzes Leben arbeitete er für die katholische Kirche an der Gegenreformation in Böhmen. Sein Kampf gegen die Protestanten führte nach genau geführten Verzeichnissen zur Verbrennung von etwa dreißig Tausend Büchern.

Person

Antonín Koniáš hielt fünfmal täglich in Deutsch und Tschechisch glühende Predigten, die bei der Bevölkerung gut ankamen. Er steigerte sich teilweise derart herein, dass er ohnmächtig aus der Kirche getragen werden musste. Er soll die Höllenqualen derart bildlich geschildert haben, dass viele Gläubige reumütig zum katholischen Glauben zurückkehrten, anderen wiederum wurden nach dessen Predigten verrückt.

Er lebte bescheiden, trank kein Alkohol, aß kein Obst und während andere schliefen, las er oder revidierte Bücher von sündigen Passagen. Er sammelte sogenannte sündige Bücher. Der Geber erhielt als Ersatz oft kostenlos oder für einen kleinen Obolus ein sündenfreies Buch. Bei einigen Büchern schwärzte er die anstößigen Seiten oder riss einfach Blätter heraus, viele wurden jedoch verbrannt.

Koniáš war auch als religiöser Schriftsteller tätig und schrieb Texte, die den Katholizismus propagierten. Das Buch Cytara Nového Zákona sollte die evangelischen Gesangbücher ersetzen. Er veröffentlichte 1729 und 1749 ein bibliographisches Verzeichnis der Ketzer unter dem Titel Clavis haeresim claudens et aperiens, das auch eine Liste der verbotenen Bücher enthielt - die Titel vieler Bücher sind heute nur noch aus dieser Liste bekannt. Koniáš wird daher auch, leicht scherzhaft, als Begründer der tschechischen Bibliografie bezeichnet.

Werke

  • Cytara Nového Zákona (1727, 1729, 1746)
  • Clavis haeresim claudens et aperiens – Klíč kacířské bludy k rozeznávání otvírající, k vykořenění zamykající (1729)
  • Jediná choť Beránkova (1729)
  • Pravá moudrost (1753)
  • Zlatá neomylná římsko-katolické pravdy dennice (1754)
  • Vejtažní naučení

Literatur

  • Martin Svatoš: Karel Slavíček und Ignaz Kögler – jesuitische Missionare und Wissenschaftler aus Mitteleuropa am chinesischen Hofe, Seite 303-308.

siehe auch Liste tschechischer Schriftsteller


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