Antonio Michele Ghislieri
Pius V. in einer Darstellung von El Greco

Pius V., bürgerlicher Name Antonio Michele Ghislieri, (* 17. Januar 1504 in Bosco Marengo bei Alessandria; † 1. Mai 1572 in Rom) war von seiner Inthronisation am 17. Januar 1566 bis zu seinem Todestag Papst. Als bislang vorletzter Papst wurde er 1712 heilig gesprochen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach Eintritt in den Dominikanerorden im Jahr 1518 und der Priesterweihe 1528 wurde er Provinzial der lombardischen Ordensprovinz, Inquisitor für Como und Bergamo, 1556 Bischof von Nepi und Sutri. 1557 wurde er zum Kardinal ernannt, 1558 zum Großinquisitor, 1560 zum Bischof von Mondovì, und am 7. Januar 1566 schließlich zum Papst gewählt. Auf ihn geht die Sitte zurück, dass der Papst bis heute eine weiße Soutane trägt; nach seiner Wahl zum Papst blieb Pius beim weißen Habit der Dominikaner, spätere Päpste folgten seinem Beispiel und kleideten sich in Weiß. 1567 gründete er das Studenteninternat Collegio Ghislieri in Pavia, das noch heute besteht.

Nach außen milde und gütig, gegen sich streng und asketisch, verkörperte er das Ideal eines religiösen Papstes, wenngleich das römische Volk entsetzt war, einen als unbarmherzig bekannten Großinquisitor als Papst bekommen zu haben. Sich dessen bewusst, soll Pius unmittelbar nach seiner Wahl gesagt haben: "Ich hoffe, so zu regieren, dass die Trauer bei meinem Tode größer sein wird, als die bei meiner Wahl." Pius' vorbildlicher Lebenswandel, seine Bescheidenheit und Einfachheit, aber auch sein Eifer und die Neigung, sich für alle Belange der Menschen zu interessieren, brachten ihm, zusammen mit seinen Reformen nicht nur die Kirche betreffend, bald die Verehrung des Volkes ein. Es war ergriffen, „wenn es ihn in den Prozessionen sah, barfuß und ohne Kopfbedeckung, mit dem reinen Ausdruck einer ungeheuchelten Frömmigkeit im Gesicht …; sie meinten sein bloßer Anblick habe Protestanten bekehrt“ (Leopold von Ranke). Unerbittlich hart und streng zeigte er sich jedoch, wo es sich um Vergehen gegen kirchliche Grundsätze handelte; Entweihung des Sonntags, Gotteslästerung und Ehebruch ahndete er mit solch drakonischen Strafen, dass man ihm vorhalten musste, er habe es nicht mit Engeln, sondern mit Menschen zu tun. Für Pius waren Gotteslästerung und Ketzerei Ausdruck einer Perversion, die es unerbittlich zu bekämpfen galt.

Pius V. litt gegen Ende seines Lebens unter starken Unterleibsschmerzen, verursacht vermutlich durch Krebs, die medizinisch zur damaligen Zeit nicht zu lindern waren. Pius ertrug diese Schmerzen jedoch in großer Demut und Frömmigkeit und hat sich bis kurz vor seinem Tod geweigert, weniger hart zu arbeiten.


Innenpolitik

Pius sorgte dafür, dass Rom seinen Ruf als "Cloaka Maxima", als "größte Kloake", loswurde, indem er große Summen in den Ausbau und die Renovierung der Infrastruktur investierte.

Reformen

Als Papst war Pius V. ein großer Reformer. Seine Amtszeit war beeinflusst durch das ihr vorausgegangene Konzil von Trient 1545–1562. Seinen Ordensgenossen Thomas von Aquin († 1274) ernannte er 1567 zum Kirchenlehrer und verlieh so seinem Werk offiziellen Charakter.

Er reformierte die Kurie und ließ 1566 den Catechismus Romanus, 1568 das Breviarium Romanum und 1570 das Missale Romanum überarbeiten und neu herausgeben. Mit der Bulle „Sanctissimus“ verbot er 1566 unter Strafe der Suspension a divinis alle Abendmessen einschließlich der abendlichen Feier der Osternacht.

Antisemitismus

In negativer Erinnerung blieb Pius V. durch repressive Maßnahmen gegen Juden: So erließ er am 25. Februar 1569 in Rom eine Bulle mit den Namen Haebrorum Gens, die bestimmte, dass alle Juden in seinem Reich („in der Ausdehnung seiner derzeitigen Vormacht“) innerhalb von drei Monaten dieses Gebiet verlassen mussten. Ansonsten drohte ihnen eine Exekution. Lediglich Rom und Ancona wurden davon ausgenommen.

Überblick über seine veröffentlichen Bullen gegen Juden:

  • 1566 Romanus Pontifex
  • 1567 Cum nos super
  • 1569 Haebrorum gens

Der Nachfolger von Pius V. führte das Rosenkranzfest ein, das er auf den Tag des großen Sieges der Heiligen Allianz unter Führung Pius V. über das Osmanische Reich bei Lepanto (7. Oktober) legte.

Außenpolitik

Außenpolitisch tat sich Pius V. als eigentlicher Architekt der Heiligen Liga im Kampf gegen die Türken hervor, die er zusammen mit Spanien und Venedig gründete. Eine Allianz dieser Mächte schien auf Grund ihrer teils diametral entgegenlaufenden Interessen nahezu unmöglich, entsprechend langwierig und zäh gestalteten sich die Verhandlungen unter Führung Pius' V. In seine Amtszeit fiel der Sieg christlicher Flotten über die Türken bei Lepanto im Jahr 1571. Er unterstützte die französischen Katholiken in ihrem Kampf gegen die Hugenotten. Dadurch wurde von späteren Geschichtsschreibern teilweise behauptet, er habe die Bartholomäusnacht mit organisiert und unterstützt, jedoch war er zu dieser Zeit bereits tot.

Pius V. exkommunizierte die Königin Elisabeth I. von England, was zur Verfolgung der Katholiken in England führte.

Als Großinquisitor wie auch als Papst zeichnete er sich durch repressive Maßnahmen gegen Kirchenfeinde aus. Vor allem seine unnachgiebige Härte gegenüber vermeintlichen Häretikern ist der Grund, warum der Protestantismus in Italien kaum Fuß fassen konnte.

Ohne die Restauration der Heiligen Allianz des Kirchenstaates mit Venedig und Spanien (die anderen europäischen Nationen verweigerten aus machtpolitischen Erwägungen die Gefolgschaft), wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis das Osmanische Reich, nachdem es das Mittelmeer unter seine Vorherrschaft gebracht hatte, Italien und Südeuropa angegriffen hätte und dadurch ein Großteil Europas muslimisch geworden wäre. (siehe hierzu auch Hans Conrad Zander „Kurzgefasste Verteidigung der Heiligen Inquisition“ und Peter Godman „Die Geheime Inquisition“)

Er ist in der Cappella Sistina, einer Seitenkapelle von Santa Maria Maggiore, beigesetzt. Pius V. wurde 1712 von Papst Clemens XI. heilig gesprochen.

Gedenktag

Pius' Grabmal in der Capella Sistina in Santa Maria Maggiore

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