Antoniterkloster Grünberg

Das Antoniterkloster Grünberg in Grünberg (Hessen) wurde wohl im Jahre 1193 gegründet und bestand bis zur Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen im Jahre 1526.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Antoniter, ein Hospitalorden aus Frankreich, 1095 als Laienbruderschaft gegründet und 1298 in einen Chorherrenorden umgewandelt, hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die von der im Mittelalter weit verbreiteten Kribbelkrankheit (Antoniusfeuer) Befallenen zu pflegen und zu heilen. Die Bruderschaft breitete sich schnell über ganz Europa aus. Verantwortlich dafür waren wohl die vielen Jakobspilger, die aus ganz Europa ins spanische Santiago de Compostela reisten und auf ihrem Rückweg den Glauben an die Heilkräfte des Hl. Antonius und seiner Bruderschaft verbreiteten.

Die Niederlassung in Grünberg war anfänglich ein einfaches Kloster mit angeschlossenem Hospital. Seine verkehrstechnisch günstige Lage unweit zweier Hauptverkehrswege führte jedoch schon bald dazu, dass es sich zu einer Generalpräzeptorei entwickelte, deren Einzugsbereich, mit ihren Tochtergründungen und Filialklöstern, auf ihrem Gipfelpunkt von Friedberg in Hessen bis ins norwegische Nonnesetter bei Bergen und von Wetzlar bis nach Lennewarden im heutigen Lettland reichte. Das erste dieser von Grünberg aus gegründeten Filialklöster war das am 7. Juni 1222 im Zuge der Christianisierung Mecklenburgs durch Fürst Heinrich Borwin I. gestiftete Tempzin bei Wismar.

Der letzte Präzeptor (Klostervorsteher) von Grünberg starb im Jahre 1526.

Nachdem Landgraf Philipp (1504-1567) auf Beschluss der Homberger Synode vom Oktober 1526 die Reformation in der Landgrafschaft Hessen eingeführt hatte, löste er die Klöster auf. Die Ländereien des Antoniterklosters Grünberg übertrug er der von ihm gegründeten Universität Marburg; 1625 kamen sie dann an die 1607 gegründete Universität Gießen. Philipps Sohn Ludwig IV. von Hessen-Marburg, der nach seines Vaters Tod die Teil-Landgrafschaft Hessen-Marburg geerbt hatte, ließ das Klostergebäude 1577 als Witwensitz für seine Frau Hedwig von Württemberg (1547-1590) zum Schloss ausbauen.

Anlage

Der Querbau im Südwesten, mit den Strebepfeilern und dem gotischen Sakristeifenster, war früher die Kirche. Im Nordwesten, auf der Stadtmauer, befindet sich der ehemalige Mönchsbau, der ursprünglich über die Außenmauern hinaus ging. Das gegenüberliegende Gebäude, seit dem Umbau nach 1577 das eigentliche „Schloß“, enthält noch viele bauliche Reste aus der klösterlichen Zeit. Die Fachwerkteile stammen alle aus der Umbauzeit nach 1577. An der Hofinnenseite eingemauert steht in vertieftem Feld die Figur eines Mönchs mit dem Antoniterkreuz auf der Brust; er hält zwei Wappenschilde, das hessische und das mecklenburgische. An der Innenseite des Schlosshofs befindet sich der Grabstein des Präzeptors Nikolaus von Lindenstruth von 1350. Auf der gegenüberliegenden Seite steht der ehemalige Marstall, der aus dem Jahr 1500 stammt.

Literatur

  • Adalbert Mischlewski, Der Antoniterorden in Deutschland, Sonderdruck aus dem "Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte", Band 10, 1958.
  • Herbert Vossberg, Luther rät Reißenbusch zur Heirat - Aufstieg und Untergang der Antoniter in Deutschland, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1968.
  • Adalbert Mischlewski, Grundzüge der Geschichte des Antoniterordens bis zum Ausgang des 15. Jh., Bonner Beiträge zur Kirchengeschichte 8, Köln/Wien, 1976.

Weblinks

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