Magdalenien
Solche Harpunen sind typische Fundstücke des Magdalénien. Das linke Exemplar zeigt eingesetzte Mikrolithen.

Magdalénien ist ein jüngerer Abschnitt des Jungpaläolithikum in Mittel- und Westeuropa, steht also am Ende der Eiszeit und der Altsteinzeit. Benannt wurde dieser Zeitabschnitt (etwa 22.000 bis 12.700 Jahre v.Chr.) nach der Halbhöhle La Madeleine bei Tursac in der Dordogne. Der Begriff Magdalénien wurde von dem französischen Prähistoriker Gabriel de Mortillet 1869 geprägt.

Vor etwa 12.000 Jahren begann die Eiskappe der letzten Eiszeit im Norden Europas zu schmelzen. Die mitteleuropäische Park-Tundra wanderte langsam nach Norden. Entlang der Donau und in Südfrankreich entstanden die ersten lichten Wälder. Hänge-Birke, Nadelbäume und Haselnusssträucher breiteten sich aus. Die allmählich einsetzende Bewaldung in Mitteleuropa zwang Tier und Jäger, der zurückweichenden Tundra nach Norden zu folgen. Die Fauna bestand aus Wildpferden, Rentieren, Hirschen, Auerochsen, Wisenten und Wölfen.

Typisch waren Klingenindustrien, die schon erste Tendenzen der Mikrolithisierung zeigten, wie sie im Mesolithikum charakteristisch wurden. Dominierende Jagdbeute der Menschen waren das Rentier und das Pferd. Aus dem Magdalénien stammen auch die bekannten Höhlenmalereien, z. B. in Lascaux in Frankreich, sowie verzierte bewegliche Objekte, die als jungpaläolithische Kleinkunst bezeichnet werden.

Die Menschen lebten in Gruppen und errichteten Zelte mit einem Durchmesser bis 8 m. Gekocht wurde in Gruben im Boden, die mit Leder oder Tiermägen abgedichtet waren. In diese Gruben gab man im Feuer erhitzte Steine, die die Flüssigkeit zum Sieden brachten. Aushöhlungen in dicken Schieferplatten, in die man Tierfett und einen Docht gab, dienten als Lampen. Das rote Eisenoxyd Hämatit wurde zum Färben und wahrscheinlich auch zur Körperbemalung verwendet. Als Jagdwaffen verwendete man Speerschleudern und Harpunen, mit denen man Weiten bis zu 140 Metern erreichen konnte. Die Jäger folgten den Rentier- und Wildpferdherden bei ihren jahreszeitlichen Wanderungen und versuchten, sie an Engstellen und sich verengenden Tälern zu stellen. An solchen Stellen wurden teilweise hunderte Skelette der erlegten Tiere gefunden. Schmuckschnecken, die aus dem Mittelmeer oder Atlantik stammen, belegen, dass es schon damals einen weitreichenden Handel gab. (Ritz-) Zeichnungen und Verzierungen von Gegenständen zeigen beginnenden Jagd- und Fruchtbarkeitszauber und lassen Riten, durchgeführt von Schamanen, vermuten. Wunschobjekte (Jagdbeute, erotische Darstellungen, Fruchtbarkeitssymbole), eventuell auch bereits die Nutzung von Musikinstrumenten, deuten auf eine Ausweitung des Interesses auf Jenseitsvorstellungen und/oder auch einfach auf ein Leben hin, das nicht mehr nur vom reinen Überleben gekennzeichnet war.

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