Anšlavs Eglītis

Anšlavs Eglītis (* 14. Oktober 1906 in Riga; †  4. März 1993 in Los Angeles) war ein lettischer Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der Vater von Anšlavs Eglītis war der Schriftsteller Viktors Eglītis, seine Mutter die Lehrerin und Übersetzerin Marija Eglīte. Die Schule besuchte Eglītis zunächst in Riga. Während dieser Zeit verbrachte er den Sommer meist in Cesvaine bei den Verwandten der Mutter. 1915 zog die Familie nach Russland in ein Dorf in der Nähe von Moskau. Der Vater arbeitete dort an der Schule als Lehrer. Durch seinen Vater machte Eglītis schon früh Bekanntschaft mit Odysseus, Orpheus, den Argonauten und lettischen mythologischen Gestalten wie Kurbads und Niedrīšu Vidvuds.

1917–1918 lebte die Familie in Sormova (Nähe Nizhniy Novgorod, am Ufer der Wolga). Eglītis besucht hier weiterhin die Schule. 1918 kehrten sie wieder nach Lettland zurück und lebten einige Zeit in Alūksne. 1919 zogen sie nach Rīga und lebten in der Valdemāra iela 23. Eglītis besuchte die 2. Vidusskola und war Kunstschüler bei V. Tone. Eglītis erkrankte 1923 an Tuberkulose und wurde in die Schweiz geschickt (Lausanne am Genfer See). Er verbrachte dort ein Jahr, und entdeckte seine Liebe zu den Bergen.

Am 19. September 1926 wurde sein erstes Gedicht Lords in der Zeitschrift Brīvā Zeme veröffentlicht. Edvards Virza machte Eglītis mit Eriks Adamsons bekannt (ein europäischer Mensch, von innen und außen). Durch Adamsons wurde er auch mit der Englischen und anderen Europäischen Literatur bekannt. Adamsons und Eglītis diskutierten viel über Literatur. Von 1930 bis 1935 besuchte er die Lettische Kunstakademie (Latvijas Mākslas Akadēmija). Anschließend arbeitete er 3 Jahre als Zeichenlehrer am Beķers gimnāzija in Rīga. Während dieser Zeit reiste er viel durch Europa und schrieb für verschiedene Zeitungen.

1936 erschien der Erzählband Maestro. Ab 1938 war er Mitarbeiter bei der Zeitschrift Jaunākās Ziņas. 1939 erschien sein Roman Līgavu mednieki als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift Atpūta und wurde 1940 als eigenständiges Buch publiziert. 1940–1941 arbeitete er beider Zeitschrift Atpūta. 1941 heiratete er Veronika Janelsiņa (Malerin und Schriftstellerin). Sie gestaltete fast alle Bücher Eglītis' grafisch, er illustrierte nur wenige selbst. Während der deutschen Okkupation veröffentlichte er die Erzählung Ģīmetne und den Roman Homo Novus (1943 als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift Tēvija), sein Theaterstück Kosma konfirmācija wurde am Dailes Theater gespielt und Rīgas dramatiskais teātris führte Par purna tiesu auf.

Zeit in Deutschland

Im Oktober 1944 fuhr er nach Kurzeme, von wo aus er weiter nach Berlin ging. Er lebt mit seiner Frau in der Uhlandstraße 16 und arbeitete bei einer Lettischen Zeitung. Seine Frau illustrierte ein deutsches Märchenbuch. Am 3. Februar 1945 wurde seine Wohnung von einer Bombe zerstört. Daraufhin zog Eglītis nach Tailfingen (Baden-Württemberg) und blieb dort 5 Jahre. Sein Ziel war eigentlich die Schweiz doch hat es ihm in Tailfingen so gut gefallen, dass er dort geblieben ist.

Er traf sich öfter mit Freunden und Bekannten die in Esslingen in einem Flüchtlingslager lebten. Zu dieser Zeit verfasste er Teoduls Supersakso (Erzählungen), sein Roman Homo Novus erschien 1946 als eigenständiges Buch, 1948 erschien Čingishana gals, in Stuttgart erschien der Novellenband Kazanovas metelis (1946). Unter gleichem Titel schrieb er auch ein Theaterstück, welches aber nur von einer der Personen des Novellenbandes handelt.

Zeit in den USA

1950 musste Eglītis mit seiner Frau in ein DP Lager nach Pfullingen umziehen, im Juni ging er mit seiner Frau zunächst nach Hannover und emigrierte dann per Frachtschiff in die USA. Sie lebten zuerst einige Wochen in New York (Brooklyn) zogen dann aber nach Salem, Oregon. Dort lebten zu dieser Zeit auch V. Karkliņš, Z. Lazda, Andrievs Niedra. Das Leben in Oregon verarbeitete er in dem Roman Cilvēks no Mēness.

1952 zog Eglītis nach Los Angeles (Pacific Palisades). Dort arbeitete er als Maler, Transportarbeiter und machte andere Hilfsarbeiten. Ab 1952 war seine Hauptbeschäftigung aber die literarische Arbeit und der Journalismus. Er war Mitglied im Hollywood Press Corps. Seine Erlebnisse schilderte er in der Erzählung Trīsdesmit trešā eglīte. Eglītis' Eindrücke aus Hollywood finden sich in den Romanen Lielais mēmais und Ekrāns un skatuve (1992) wieder. Während der Emigration verfasste Eglītis um die 50 Werke.

Ab 1952 schrieb er seine Romane für die Zeitschrift Laiks (Hrsg. H. Rudzītis). Sie wurden erst später in Buchform veröffentlicht. 1963 unternahm er mit einer Gruppe von Schauspielern zwei Tourneen durch die USA und Kanada und führte das Theaterstück Cilvēks grib spēlēt auf. Unter den Schauspielern waren Ansis Tipāns und Maija Cukura. In den 80ern erschienen keine Romane von ihm.

Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, er beklagte sich aber bei keinem, sondern schrieb so lange weiter wie er konnte. Auf seinen Wunsch hin wurde seine Asche in den Santa Monica Mountains ausgestreut.

Werk

Eglītis schrieb für ein breites Publikum. Weil er seine Romane zunächst als Fortsetzungsroman schrieb, sie sind auf eine Art und Weise geschrieben, dass die Leser auch die nächste Ausgabe der Zeitung kaufen wollen. Eglītis schloss sich keiner literarischen Strömung an, konzentrierte sich auch viel auf die Malerei.

Ende der 30er Jahre Anfang der 40er Jahre fehlte es in Riga an Theaterstücken. J. Roze, der Theaterdirektor des Nationaltheaters, verführte Eglītis dazu, Theaterstücke zu schreiben. Also schrieb er innerhalb einer Woche eine seiner Erzählungen Profesora Eipura orķestri zu einem Theaterstück um. Es wurde aber vor Roze sehr kritisiert, so dass Eglītis das Schreiben eines Theaterstücks mit Schachspielen vergleicht. Das Theaterstück geht unter dem Titel Kosma konfirmācija an das Dailes Theater.

„no tā laika tā ir mana pārlieciba, ka labi aktieri un krietns režisors var nospēlēt teicamu komēdiju arī no telefona grāmatas.“
(Seit dieser Zeit bin ich überzeugt, dass gute Schauspieler und ein tüchtiger Regisseur eine ausgezeichnete Komödie auch nach einem Telefonbuch spielen können.)

Da seine Leidenschaften Schach, Malerei und Bergsteigen waren, schrieb er auch viel darüber. Die Kunst wird unter anderem thematisiert in: Homo Novus, Cilvēks no Mēness (zwei Künstler Ģedimins Kūrs und Bierants) und Galma gleznotājs (Theaterstück über Leonardo da Vinci und seine Schüler).

In den Bergen spielen: divi kāpieni (1961), Bezkaunīgie veči, Adžurdžonga (1951, Abenteuerroman in Tibet). Er thematisiert aber auch Lettland und seine Flüchtlinge Sīkstā dzīvība (1950) sowie die Situation der lettischen Legionäre Seržants Klaips.

Seine Werke bewegen sich zwischen verschiedenen literarischen Genre. Sie bewegen sich zwischen Erzählung, Novelle und Skizze. Inhaltlich geht es bei den späteren Werken (Skizzen) meist um Amerika. Er vermischt in seinen Werken auch echten Personen und literarischen Personen: Die Erzählung izsalkuša zēna pavārgrāmata handelt von einem Jungen namens Arno, der die leckersten Rezepte sammelt. Dieser Junge war ein Nachbar von Eglītis. Die Zeit der russischen Okkupation verarbeitete er 1976 im Roman Piecas dienas.

Werke (Auswahl )

Novellen und Erzählungen

  • Maestro (1936)
  • Uguns pilsēta (1946)
  • Kazanovas metelis (1946)
  • Sīkstā dzīvība (1950)
  • Pēdējais mohikāns (1969)
  • Pasmaidot (1970)
  • Kas izpostīja latvisko stūrīti (1977)
  • Mana banka (1982)

Romane

  • Līgavu mednieki (1940)
  • Homo Novus (1946) (Deutsch: Homo Novus, 2006, ISBN 3-931135-90-X)
  • Čingishana gals (1948) (Deutsch: Dschinghis Khans Ende, 1968 ISBN 3-7636-3258-1)
  • Laimīgie (1952)
  • Cilvēks no mēness (1954)
  • Es nebiju varonis (1955)
  • Misters sorrijs (1956)
  • Omartija kundze (1958)
  • Ilze (1959)
  • Malahīta dievs (1961)
  • Vai te var dabūt alu (1961)
  • Bezkaunīgie veči (1968)
  • Es nepievienojos (1971)
  • Piecas dienas (1976)

Trilogie

  • Nav tak dzimtene (1966)
  • Cilvēks mežā (1970)
  • Vai zini zemi, citronas kur zied? (1980)

Quellen und Literatur

  • Hausmanis, Viktors: Latviešu rakstinieku portreti – trimdas rakstnieki, 1994, S. 27-49
  • Eglītis, Anšlavs: Anšlavs Eglītis – Pretskatā un profilā, 1996
  • Rožkalne, Anita: Latviešu rakstniecība biogrāfijās, 2003, S. 168-169

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