Apfelaroma
Kulturapfel
Kulturapfel (Malus domestica), blühender Baum

Kulturapfel (Malus domestica), blühender Baum

Systematik
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Spiraeoideae
Tribus: Pyreae
Untertribus: Kernobstgewächse (Pyrinae)
Gattung: Äpfel (Malus)
Art: Kulturapfel
Wissenschaftlicher Name
Malus domestica
Borkh.

Der Kulturapfel (Malus domestica) ist eine weithin bekannte Art aus der Gattung der Äpfel in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Er ist eine wirtschaftlich sehr bedeutende Obstart. Die Frucht des Apfelbaumes wird Apfel genannt. Äpfel werden sowohl als Nahrungsmittel im Obstanbau als auch zur Zierde angepflanzt. Außerdem wird ihnen eine Wirkung als Heilmittel zugeschrieben. Als die Frucht schlechthin symbolisieren der Apfel und der Apfelbaum das Themenumfeld Sexualität, Fruchtbarkeit und Leben, Erkenntnis und Entscheidung und Reichtum.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Malus domestica[1]

Habitus und Belaubung

Der Kulturapfel ist ein sommergrüner Baum, der im Freistand eine etwa 8 bis 15 Meter hohe, weit ausladende Baumkrone ausbildet. Tatsächlich ist diese Wuchsform selten zu beobachten, da die einzelnen Sorten in Verbindung mit ihren Unterlagen eine davon oft stark abweichende Wuchshöhe zeigen (als Extremfälle der Hochstamm und der Spindelbusch), die darüber hinaus durch den Schnitt nicht zur Ausprägung kommt. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind oval bis eiförmig oder elliptisch, meist gesägt, selten ganzrandig und manchmal gelappt.

Holz

Das Holz des Kulturapfels gleicht dem des Holzapfels, hat einen hellrötlichen Splint und einen rotbraunen Kern. Es ist hart und schwer und zählt zu den heimischen Edelhölzern. Die besten Stücke liefern die mächtigen Stämme der Mostapfelbäume.

Blütenstände und Blüten

Blüten

Einzeln oder in doldigen Schirmrispen stehen die Blüten. Die fünfzähligen, radiären Blüten sind bei einigen Sorten halbgefüllt, oder gefüllt, meist flach becherförmig, häufig duften sie und haben meist einen Durchmesser von 2 bis 5 Zentimeter. Die fünf Kronblätter sind weiß oder leicht rosa, im knospigen Zustand immer deutlich rötlich. Je nach Blüte sind viele Staubblätter und fünf Fruchtblätter vorhanden.

Der Apfel blüht im Mai und Juni. Der Blühbeginn des Apfels markiert im phänologischen Kalender den Beginn des Vollfrühlings. Durch die Protokollierung der örtlichen Verschiebungen der Apfelblüte, konnten Rückschlüsse auf allgemein beobachtbare Klimaveränderungen gezogen werden.[2] Die Apfelblüte ist eine typische Bienenblüte, die Honigbiene sorgt für die Bestäubung.

Früchte

Das fleischige Gewebe (Fruchtfleisch) des Apfels, das normalerweise als Frucht bezeichnet wird, entsteht jedoch nicht aus dem Fruchtknoten, sondern aus der Blütenachse. Der Biologe spricht daher von Scheinfrüchten. Die Apfelfrucht – für die der Apfel typisch ist – ist eine Sonderform der Sammelbalgfrucht. Ein Balg besteht aus einem Fruchtblatt, das an einer Naht mit sich selbst verwächst. Innerhalb des Fruchtfleisches entsteht aus dem balgähnlichen Fruchtblatt ein pergamentartiges Gehäuse. Im Fruchtfleisch selbst sind höchstens noch vereinzelt Steinzellennester enthalten.

Äpfel reifen nach der Ernte nach. Sie zählen zu den klimakterischen Früchten. Ein beigelegter Apfel und eine Abdeckung lassen Bananen und andere Früchte schneller reifen. Grund ist das gasförmige Pflanzenhormon Ethen, welches bei der Nachreifung freigesetzt wird. Aufgrund der enzymatischen Bräunung wird das Fruchtfleisch dort, wo es nicht durch die Schale geschützt ist, je nach Sorte verschieden schnell braun. Das ist gesundheitlich unbedenklich, beeinflusst jedoch die medizinische Heilwirkung. Beim Rohverzehr wird das Kerngehäuse zumeist verschmäht. Es wird oft gesagt, dass Äpfel nicht ganz gegessen werden sollen, da ihre Kerne (die Samen) Blausäure enthalten. Der Blausäuregehalt von Apfelsamen ist allerdings sehr gering und somit unbedenklich beim Essen von ganzen Äpfeln.

Entstehung und Herkunft

Der Kulturapfel ist eine Zuchtform, die nach bisherigen Vermutungen durch Kreuzung des auch heute noch wild vorkommenden Holzapfels (Malus sylvestris) mit Malus praecox und/oder Malus dasyphylia entstanden ist. Neuere gentechnische Untersuchungen weisen dagegen auf eine Abstammung vom Asiatischen Wildapfel (Malus sieversii) hin. [3] Die ursprüngliche Heimat des Kulturapfels liegt möglicherweise in Asien. Wie und wann er nach Mitteleuropa gelangte, ist nicht bekannt. Die wahrscheinlichste Verbreitungsmöglichkeit sind Handelswege, da die Frucht seit früher Zeit als lebensverlängerndes Heilmittel galt.

Inhaltsstoffe des Apfels

Die durchschnittliche Frucht des Kulturapfels besteht zu 85 Prozent aus Wasser.

100 g Apfel enthalten:[4]
Energiewert Wasser Fett Kalium Calcium Magnesium Vitamin C
217–228 kJ (52–55 kcal) 85 g 0,4 g 144 mg 7 mg 6 mg 12 mg
Tagesbedarf eines Erwachsenen[5]
Kalium Calcium Magnesium Vitamin C
7 % 1 % 2 % 16 %

Apfelaroma

Das komplexe Aroma des Apfels setzt sich aus zahlreichen Stoffen zusammen. In der quantitativen Zusammensetzung der Aromastoffe des Apfels gibt es große sortenbedingte Unterschiede. Im Wesentlichen sind Ester, Aldehyde und Alkohole am Apfelaroma beteiligt. Zu den wichtigsten Estern zählen Ethyl-2-methylbutyrat, Ethylbutyrat, 2-Methylbutylacetat, Butylacetat und Hexylacetat. Zu den Aldehyden, die zum Teil erst beim Zerkleinern oder Kauen im Mund durch eine sehr schnelle enzymatische Umwandlung von Fettsäuren entstehen und die häufig auch als Grünnoten (Geschmack nach grünen Äpfeln, wie z.B. Granny Smith) bezeichnet werden, gehören Hexanal und 2-Hexenal. Bei den Alkoholen sind 1-Butanol, 2-Methylbutanol, Hexanol und 2-Hexenol von Bedeutung. Weitere Schlüsselaromastoffe des Apfels sind β-Damascenon und α-Farnesen.

Das Apfelaroma wird sehr stark von der Apfelsorte, klimatischen Faktoren, dem Erntezeitpunkt und der Lagerdauer nach der Ernte beeinflusst. Im Stadium der frühen Reife sind häufig keine Ester nachweisbar bzw. die Estergehalte sehr gering. Bei länger gelagertem Obst können die Estergehalte je nach Sorte dramatisch ansteigen. Diese Aromabildung während der Nachreifung wird aber nur bis zu einem bestimmten Ausmaß als angenehm und harmonisch empfunden. In der Endphase werden die Äpfel als überreif und parfümiert sensorisch abgelehnt. Die Nachreifung und die damit verbundene Aromabildung kann durch Kühlung und Lagerung unter kontrollierter Atmosphäre gestoppt bzw. verringert werden, wodurch es möglich ist, über ein ganzes Jahr hinweg sensorisch akzeptable Apfelqualitäten anzubieten.

Nutzung

Bereits die Kelten und Germanen verarbeiteten die wohl kleinen und harten Früchte des einheimischen Apfels. Sie verkochten das Obst zu Mus und gewannen Most daraus. Den Saft vergor man zusammen mit Honig.

Der Kulturapfel hat im Obstbau überragende Bedeutung. Das liegt daran, dass er von allen heimischen Obstarten am vielfältigsten verwendbar ist. Es gibt vom Apfel daher die weitaus meisten Zuchtformen, er gilt in unseren Breiten als das „Obst“ schlechthin.


Sorten

Früchte von verschiedenen Kulturapfelsorten

Die älteste dokumentierte Sorte des Kulturapfels ist vermutlich der Borsdorfer Apfel, der bereits 1170 von den Zisterziensern erwähnt wurde.

Um 1880 waren mehr als 20.000 Apfelzüchtungen weltweit in Kultur, davon allein in Preußen über 2.300 Sorten. Seit dem Beginn der Industrialisierung bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde vielfältiger Obstbau und Züchtung zur Versorgung der städtischen Großräume politisch gefördert und motiviert. Unterstützt durch Obstbauliteratur und Pomologenvereine konnte eine große regionale Sortenvielfalt dokumentiert und erhalten werden.

Heute gibt es in Deutschland ungefähr 1.500 Sorten, von denen aber lediglich 60 wirtschaftlich bedeutend sind. Die aufwändige Sortenkunde und der Erhalt alter oder nicht mehr industriell genutzter Sorten wird heute von verschiedenen Vereinen verfolgt.

Im Gartenhandel, bzw. bei Direktvermarktern, sind zur Zeit nur noch etwa 30 bis 40 Sorten erhältlich - Tendenz sinkend. In den Auslagen der Supermärkte schrumpft das Angebot sogar auf 5-6 globale Apfelsorten zusammen. Neben der Vielfalt des Angebotes gehen zunehmend auch innere Qualitäten der Sorten verloren. Neuerdings spricht man auch von Markenäpfeln, sogenannten Clubsorten, wie zum Beispiel 'Pink Lady', die nur in Lizenz verkauft werden dürfen.

Die verschiedenen Apfelsorten werden grundsätzlich in Sommerapfel-Sorten, Herbstapfel-Sorten und Winterapfel-Sorten unterschieden.

Tafelsorten im modernen Obstbau

Seine größte Bedeutung hat der Apfel als Tafelapfel: Die Sorten, die im Großanbau normalerweise als Tafelobst angebaut werden, sind auf die Anforderungen des Frischmarktes im Lebensmitteleinzelhandel ausgerichtet. Die Äpfel müssen knackig und saftig sein, sowie eine gute Lager- und Transportfähigkeit aufweisen. Viele lokale Sorten werden diesen Anforderungen nicht gerecht, daher werden im Erwerbsobstbau nur wenige Sorten – und diese oft in weltweiter Verbreitung – angebaut. In Deutschland liegt der Anteil an der gesamten jährlichen Obsternte bei 60 Prozent.

Wegen des hohen Ertrags, gepaart mit dem hohen Wasseranteil der Früchte ist der Apfel das Saftobst schlechthin, der überwiegende Anteil der Jahresapfelernte wird als Saftapfel verflüssigt: 450 Firmen in Deutschland produzieren alljährlich eine Milliarde Liter Apfelsaft. Unter den 41 Litern Fruchtsäften und –nektaren, die jeder Bundesbürger laut deutschem statistischen Bundesamt pro Jahr konsumiert, ist der Apfelsaft Spitzenreiter mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 11,7 Litern. Danach erst kommt Orangensaft mit 9,8 Litern. Die Zahlenverhältnisse sind in Österreich und der Schweiz ähnlich.

In Europa machen drei gängige Apfelsorten nahezu 70 % des Gesamtangebotes am Apfelfrucht-Markt aus:

Weitere wirtschaftlich bedeutende Sorten, die im Erwerbsobstbau mit geringen Kosten angebaut werden können (grob absteigend nach wirtschaftlicher Bedeutung sortiert):

Nutzung alter Apfelsorten

Die Apfelfrucht als Nahrungsmittel, zum Beispiel bedeckter Apfelkuchen

Unter der Bezeichnung „Alte Apfelsorte“ versteht man Sorten, die heutzutage kaum mehr in Kultur sind. Manche sind – aufgrund lokaler klimatischer oder kultureller Umstände – regional noch von Bedeutung, manche nurmehr vereinzelt, in Obstbauversuchsanlagen oder Saatgutbanken.

Der Apfel ist die Obstart, die über die längste Zeit des Jahres verfügbar war. Daher hatten alte Bauerngärten meist eine ganze Serie von Apfelbäumen stehen, die durch ihren optimalen Reifegrad eine kontinuierliche Versorgung mit Obst vom Frühsommer bis in das nächste Frühjahr sicherstellten.

Alte Tafelapfelsorten mit hervorragendem und einmaligem Geschmack, die heute kaum noch angebaut werden, da sie wenig ertragreich oder schwer zu kultivieren sind etwa:

Die besondere Eignung des Apfels als Lagerobst hat zu Sorten geführt, die speziell als Lagerapfel genutzt wurden. Manche Lagerbirnen waren bis in den Januar hinein haltbar, aber nur beim Apfel gibt es Sorten, die bis in den Mai hinein nicht verderben. Spät geernete Sorten bezeichnet man als Winterapfel, diese sind dann meist erst nach Weihnachten genießbar.

  • Das bekannteste Beispiel eines Lagerapfels ist der typische relativ kleine, hochrote „Krampusapfel“, das sind Sorten wie der Rotpassermaner, die um Anfang Dezember ihre Genussreife erreichen, dann aber sehr schnell verderben, und darum in der vorweihnachtlichen Fastenzeit großzügig an die Kinder, Alte und Kranke verteilt wurde.

Als Wirtschaftsapfel bezeichnet man – neben minderwertigeren Einzelstücken – Sorten, die vor allem zum Verarbeiten für Saft, Most, als Backapfel oder Kochapfel vorgesehen sind und sich weniger für den direkten Verzehr eignen.

Bei der Apfelsaftherstellung ist ein hoher Säureanteil wichtig, weshalb man dabei auf die säurehaltigeren älteren Sorten aus dem Streuobstanbau und aus Privatgärten zurückgreift, zumal ein erwerbsmäßiger Anbau von speziellen Äpfeln zur Safterzeugung in Mitteleuropa kaum rentabel ist.

  • Der spezielle Mostapfel wird zur Herstellung von alkoholischen Getränken wie Apfelwein, Cidre, klaren Schnäpsen (Obstler und Calvados) verwendet.

Auch als Kochobst ist der Apfel herausragend gut geeignet. Kochapfelsorten sind meist sehr süß und trotzdem auch ziemlich sauer und verlieren ihre feste Konsistenz und ihre Aromen beim Erhitzen nicht. So gibt es etwa den Behm-Apfel, der seinen Namen den berühmten Mehlspeisen der Böhmischen Küche (in Bereichen außerhalb Ostösterreichs eher als Wiener Küche bekannt) verdankt, allen voran dem zu internationalem Ruf gelangten Apfelstrudel.

Der Apfel ist das ideale Obst zum Einkochen, da er durch seinen hohen Pektingehalt als natürliches Konservierungs- und Geliermittel wirkt. Außer für Apfelmus wird er verwendet, um anderen Obstarten zugesetzt diese einkochtauglich zu machen. Auch die Früchte vieler Wildäpfel kann man entsaften und zu Apfelgelee verarbeiten, einige sind aber ausschließlich gekocht genießbar. (siehe auch Opekta)

Heilpflanze

Als Heilpflanze taucht der Apfel bereits in einer alten babylonischen Schrift aus dem 8. vorchristlichen Jahrhundert auf, die die Pflanzen des Heilkräutergartens des Königs Mardukapaliddina aufzählt. Auch die mittelalterliche Medizin schrieb dem Apfel allerlei heilkräftige Wirkungen zu. Die Mehrzahl der Früchte der damaligen Apfelsorten dürfte für den heutigen Geschmack noch reichlich sauer, gerbstoffhaltig und holzig gewesen sein. Vieles liegt noch im Dunkeln, wie, wann und welche Teile der Apfelpflanze genutzt wurden.

Apfelfaser ist ein Ballaststoff, der durch ein schonendes Produktionsverfahren aus entsafteten und getrockneten Äpfeln gewonnen wird. Er enthält einen hohen Anteil an Pektinen.

Vermarktung

Jeder zweite Freitag im November ist in Österreich dem Tag des Apfel gewidmet. Damit soll auf den hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalt, die Fähigkeit als Durstlöscher und die positive gesundheitlichen Wirkung aufmerksam gemacht werden.

Apfelanbau

Es gehört wohl zu den sehr frühen kulturellen Errungenschaften, die Nutzung des Apfels als Nahrungsmittel von Zufallsfunden auf eine Pflege des Apfelbaums umzustellen und könnte noch älter sein als die typischen ackerbaulichen Methoden: Sie lässt sich auch in nichtsesshafter Lebensweise durchführen.

Den Apfelobstbau, so wie wir ihn heute kennen, haben in Mitteleuropa letztlich die Römer eingeführt. Sie begannen laut Quellenlage mit der gezielten Züchtung und brachten die Kunst des Pfropfens und Klonens in ihre Kolonien und Provinzen. Seit dem 6. Jahrhundert hat man den Apfel in Mitteleuropa bewusst angebaut. Seit dem 16. Jahrhundert wurde er dann auch zu einem Wirtschaftsgut.

In Deutschland legte der Obstbaupionier Otto Schmitz-Hübsch 1896 die erste Apfelplantage an und führte dabei zugleich die Dichtpflanzung mit Niederstammbäumen ein.

Kultur

Die Kultur gelingt am besten in mäßig nährstoffreichem, feuchtem, aber wasserdurchlässigem Boden in voller Sonne oder halbschattig. Sie sind voll frosthart.

Die Keimlinge (aus den Kernen = Samen) eines Apfels sind in den seltensten Fällen sortenrein. Für die Erhaltung und Zucht von Apfelsorten eignen sich daher nur die unterschiedlichen Techniken der vegetativen Vermehrung. Dabei wird grundsätzlich eine Unterlage, d. h. eine Sorte, die ausschließlich für den Wurzel- oder Stammaufbau zuständig ist, mit einem einjährigen Trieb der gewünschten Edelsorte veredelt. Diese bildet mit ihren Zweigen in den folgenden Jahren die Baumkrone bzw. die fruchttragenden Baumteile. Die Unterlagen selbst waren früher aus Kernen gezogene Sämlinge, mittlerweile wird mit speziellen Unterlagenzüchtungen eine für den Erwerbsobstbau geeignete Pflanzencharakteristik erzielt. Aus Apfelkernen gezogene Unterlagen bilden mächtige Wurzeln und Stämme aus, tragen erst nach 8 bis 10 Jahren Früchte und sind Grundlage historischer Streuobstanlagen oder Einzelbäume. Die nach den gewünschten Eigenschaften selektierten und vegetativ vermehrten Unterlagen für den Erwerbsobstbau bilden kaum Holz (solche „Bäume“ brauchen lebenslang Stützkonstruktionen), wurzeln flach, sodass in trockenen Perioden künstliche Bewässerung notwendig ist, bringen jedoch bereits nach wenigen Jahren den gewünschten Fruchtertrag.

Vermehrung

Apfelsprösslinge auf Nährboden im Labor

Zur Vermehrung von Unterlagen werden Apfelkerne im Herbst im Saatbeet gesät. Sie müssen durch Kälteeinwirkung keimfähig gemacht (stratifiziert) werden. Apfelkerne verfügen häufig über keimhemmende Substanzen, die erst durch Gärungsprozesse abgebaut werden - Kerne aus Pressgut (Trester) eignen sich daher besonders für die Keimung, während Kerne, die man einfach beim Apfelessen zur Seite legt, selten keimen. Die kleinen Apfeltriebe können dann in den folgenden Jahren veredelt werden.

Die angebauten Apfelsorten werden, sobald sie als Sorte stabil und interessant sind, durch vegetative Vermehrung, Klonen (ungeschlechtliche Vermehrung, die von einem geschlechtlich gezüchteten Individuum ausgeht) oder durch Veredelung/Pfropfen auf einen Apfelstamm (meist auch nur auf einen bewurzelten Zweig (geringere Kosten)) vermehrt.

Die Gefahr ist groß, dass Sorten unwiederbringlich verloren gehen. Im Prinzip reicht ein Apfelbaum (nicht sehr langlebig, etwa 100 Jahre, zum Beispiel Linden sind dagegen erst mit 300 Jahren ausgewachsen und werden etwa 2000 Jahre alt) aus, um eine Apfelsorte zu erhalten, da jeder Apfel durch Veredelung oder Klonen in beliebiger Zahl reproduziert werden kann.

Heute wird versucht, den in der hohen Sortenvielfalt steckenden genetischen Reichtum durch Rückkreuzung, Bestimmen und Sammeln alter Baumbestände (Zufallssämling) und Neuzüchtungen zu erhalten und zu vergrößern oder zumindest die Verarmung zu verlangsamen. Mit Gendatenbanken, Gengärten und Genbaumschulen bereitet man sich auf neue Krankheiten, (Inhaltsstoffe, Resistenz) und neue Umweltbedingungen vor. Da der Erhalt alter Baumsorten schlecht kommerziell genutzt werden kann, ist es schwierig, diese aufwendige Arbeit mit der Industrie umzusetzen. (Siehe auch: genetischer Flaschenhals). Ein Refugium für alte Apfelsorten sind Streuobstwiesen. (Siehe auch: Artenvielfalt).

Schädlinge, Krankheiten, Unwetter

Apfelblütenstecher (Anthonomus pomorum)

Der Feuerbrand ist die derzeit (2008) bei weitem folgenschwerste Bedrohung für den Obstbau in Mitteleuropa – besonders die heutigen Erwerbsbausorten zeigen sich als hochanfällig, er befällt aber auch viele der alten Sorten aggressiv.

Folgende Schädlinge und Krankheiten können im Apfelanbau Probleme hervorrufen:

  • Blattschäden, die die Photosyntheseleistung des Baumes schwächen und zu vermindertem Fruchtertag führen:
  • Fruchtschäden, die den Ertrag im Wert mindern oder ganz unbrauchbar machen:
    • Blattläuse sondern auch ein Sekret ab, das die Früchte klebrig macht.
    • Die Weibchen des Apfelblütenstechers legen im Frühjahr ein Ei in eine Knospe. Die Larve frisst diese aus und schneidet anschließend die Blütenblätter an. Dadurch entfalten sich die Blüten nicht und folglich bildet sich keine Frucht.
    • Die Larven des Apfelwicklers befallen die Früchte (umgangssprachlich als „wurmstichig“ bezeichnet).
    • Apfelschorf befällt die Früchte und ist ein rein ästhetisches Problem; es macht die Äpfel für Verkaufszwecke unansehnlich, kann jedoch gerade ein Indiz für spritzmittelfreie Kultur sein.
    • Apfelsägewespe (Hoplocampa testudinea)
    • Stippe Mangelerscheinung
    • Fleischbräune die zu nicht mehr ansprechenden Früchten führt
  • Pflanzenschäden, die den ganzen Baum schwächen oder gar zum totalen Absterben führen können:

Darüber hinaus können im ganzen Obstbau auch Wind-, Schneebruch oder Hagelschlag sowie extreme Spätfröste regional zu gravierenden Ernteausfällen führen.

Anbaugebiete

Streuobstwiese im Siebengebirge
Apfelernte in der Steiermark
Apfelplantagen in den USA,Yakima, Washington

Große Apfelkulturen (Apfelplantagen) finden sich meist in den Randgebieten klimatisch begünsigter Weinbaugebiete, Streuobstwiesen und Apfelbaum-Alleen sind im Alpenraum weit verbreitet, Alleen auch in Mecklenburg, aber auch anderen deutschen Landen noch häufig anzutreffen.

Die wirtschaftlich bedeutendsten Apfelanbaugebiete Europas sind die Normandie und die Poebene, und der gesamte Mittelmeerraum für den Import, klassische Obsterwerbsanbaugebiete in Mitteleuropa sind:

Von der Südhalbkugel – vor allem aus Neuseeland, Chile und Argentinien – werden Äpfel in großen Mengen importiert und decken großteils die Apfelnachfrage im Frühling und Sommer.

Die größten Apfelproduzenten

Die mit Abstand bedeutendste Apfel-produzierende Nation ist China, gefolgt von den USA, Polen und Frankreich. Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die größten Produzenten von Äpfeln weltweit:

Die größten Produzenten weltweit (2004)
Quelle: Handelsblatt Die Welt in Zahlen (2005)
 Rang  Land  Menge 
 in Tsd. t 
   1 China 20.503
   2 USA 4.290
   3 Polen 2.500
   4 Frankreich 2.400
   5 Iran 2.350
   6 Türkei 2.300
   7 Italien 2.012
   8 Russische Föderation    1.900
   9 Deutschland 1.600
 Rang  Land  Menge 
 in Tsd. t 
   10 Indien 1.470
   11 Argentinien    1.262
   12 Chile 1.100
   13 Brasilien 978
   14 Japan 881
   15 Ukraine 850
   16 Rumänien 810
   17 Südafrika 701
   18 Ungarn 680

Symbolik

Der Apfel spielt in allen eurasischen Kulturen eine Rolle, und zwar als Symbol der Liebe, Sexualität, der Fruchtbarkeit und des Lebens, der Erkenntnis und Entscheidung, des Reichtums. Aufgrund seiner Verbreitung taucht der Apfel in zahllosen Märchen auf und spielt in Mythologien und Ritualen eine Rolle. In der Kunst dient ein dargestellter Apfel dann als Sinnbild für die symbolischen Bedeutungen und hängt in seiner Ikonografie stark vom Kontext ab, in dem er dargestellt ist.

Der Liebesapfel

Als uraltes Symbol der Erde wurde der Apfel schon von Anfang an der Offenbarung des weiblichen Prinzips und Göttinnen der Liebe, Sexualität, der Fruchtbarkeit zugeordnet.

Bei den Babyloniern war es Ischtar, die mit dem Symbol des Apfels verehrt wurde, bei den Griechen Aphrodite und bei den Germanen Iduna.

Die Konnotation ist aber nicht auf weibliche Aspekte eingeschränkt, iIm Hohelied Salomos (2, 3) um 1000 v. Chr. heißt es:

Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Liebster unter allen andren Männern! In seinem Schatten möchte ich ausruhn und seine Früchte genießen.

Der Apfel ist eine gängige alte Umschreibung für die weibliche Brust.

Bei Johann Wolfgang von Goethe sagt Faustus in der Walpurgisnacht:
Einst hatte ich einen schönen Traum: Da sah ich einen Apfelbaum, Zwei schöne Äpfel glänzten dran; Sie reizten mich, ich stieg hinan.
Und die Schöne antwortet:
Der Äpfelchen begehrt Ihr sehr, Und schon vom Paradiese her. Von Freuden fühl ich mich bewegt, Daß auch mein Garten solche trägt.

Der Apfel steht auch für die Frucht an sich und die Fruchtbarkeit:

  • Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm heißt soviel wie „das Kind ähnelt seinen Eltern“; siehe Genotyp und Phänotyp.
  • Wenn bei Darstellungen der Heiligen Familie oder Sippe auch der Apfelbaum bzw. ein Behälter mit geernteten Früchten hinzutreten, so wird auf die wunderbare Fruchtbarkeit Mariens bzw. Annas hingewiesen. Eine barocke Darstellung dafür ist beispielsweise Rubens Heilige Familie unter dem Apfelbaum (Kunsthistorisches Museum Wien).

Der Lebensapfel

Schneewittchen isst den vergifteten Apfel, deutsche Briefmarke, 1962

Eine alte Legende, die in den unterschiedlichsten Kulturen immer wieder auftauchte, ist die Geschichte vom Apfelbaum als Baum des ewigen Lebens.

  • In der nordischen Sage schenkte die Göttin Iduna goldene Äpfel an das Göttergeschlecht der Asen, die dadurch ewige Jugend erhielten.
  • In der griechischen Mythologie wird auch von den goldenen Äpfeln der Hesperiden erzählt, die ewiges Leben gewährleisteten, die schließlich von Herakles geraubt wurden, von Athene aber wieder zurückgegeben.
  • Martin Luther wird das Zitat zugeschrieben: Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.

Der Apfel trägt das Leben in sich, aber auch den Tod:

  • Schneewittchen: Mit einem vergifteten Apfel wird die Heldin in den Verderb geführt.
  • Bis in das 18. Jahrhundert trug man bei Prozessionen auch Apfelbäumchen mit einem Totenkopf und einer künstlichen Schlange, die einen Apfel im Maul trug, mit.

Der Apfel der Prüfung

Der Sündenfall von Lucas Cranach (1472-1533)

Der Apfel steht allgemein für etwas Begehrenswertes, und insbesondere der Prüfung, der Versuchung des Diebstahls zu widerstehen:

  • Der bekannteste Mythos ist wohl der von Adam und Eva im Garten Eden und ihre Vertreibung daraus, die in der Bibel erzählt wird. Eine Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gute und Böse, die Adam und Eva verbotenerweise essen, um wie Gott zu werden, ist der Auslöser. Obwohl in der Bibel nur allgemein von „Frucht“ die Rede ist, hat sich in der westlichen Welt der Gedanke festgesetzt, es sei ein Apfel gewesen. Andere Früchte, die mit dem Mythos in Verbindung gebracht werden, sind Feige, Granatapfel, Apfelsine, nicht aber der – erst in der Neuzeit nach Europa eingeführte – „Paradiesapfel“ (Paradeiser, Tomate).
    Daher dient der Apfel als Emblem der ganzen Thematik vom Paradies, der Unschuld und deren Verlust für den Menschen. Dieser Kontext wird in vielen Märchen, auch im arabischen Raum, verarbeitet. In der christlichen Ikonographie repräsentiert er dabei den gesamten Themenkomplex von Sünde und der Erlösung davon:
    • Am Baum hängend, in Zusammenhang mit Schlange, ist er das Sinnbild der Versuchung.
    • In den Händen des Menschen das der Sünde, den Sündenfall.
    • In den Händen Christi steht er für die Erlösung von der durch den Sündenfall bedingten Erbsünde.
    • Auf Bildern, die das Jüngste Gericht darstellen, halten Erlöste Äpfel als Symbol des wiedereroberten Paradieses in der Hand.
    • Typisch für das Spätmittelalter sind Darstellungen, auf denen die Muttergottes dem Kind den Apfel überreicht. Dies steht in der Bedeutung: Christus nimmt die Sünden der Welt auf sich und erlöst dadurch die Menschheit. Insbesondere in der Marienverehrung umfasst der Kontext auch, dass ihm durch Maria die Macht überreicht wird, den Menschen von der Sünde freizusprechen. Hierbei steht es in Zusammenhang mit dem unten erläuterten Symbol des Reichsapfels. Dabei wird die Vorstellung von Maria als „der neuen Eva“ weiter ausgestaltet, etwa in der Darstellung Evas, die Äpfel an die Sünder verteilt und der Maria, die Hostien an die Gläubigen verteilt (Missale des Berthold Furtmeyr, 1481, München) oder die Schlange mit dem Apfel im Maul zu Füßen Marias als Hinweis auf die Überwindung der Erbsünde.

Der Apfel stellt den Menschen vor die Entscheidung zwischen einem geliebten Menschen und persönlichem Vorteil:

  • In einigen Versionen der Sagen wird Wieland der Schmied von einem seiner Brüder unterstützt. Dieser ist ein berühmter Bogenschütze und Jäger. Um ihn zu testen, lässt ihn König Nidung einen Apfel vom Kopf seines Sohnes schießen. Dieser Apfelschuss ist auch von Wilhelm Tell bekannt.

Der goldene Apfel ist ein Preis, den es zu zahlen gilt, um einen Ehepartner zu gewinnen:

Der Apfel als Ernte

Reichsapfel

Der Apfel – insbesondere der, der vom Baum fällt – symbolisiert den Kontext von Ernte und daraus entstehendem Reichtum und Macht, auch im geistigen Sinne von Erkenntnis:

  • Frau Holle: Die Protagonistinnen dieses Märchens begegnen unter anderem einem Apfelbaum, der voller Äpfel hing. Diese riefen ihnen zu: „Ach schüttel mich, ach schüttel mich, wir Äpfel sind alle reif.“ Während die positive Heldin den Wunsch des Baumes erfüllte und für ihren Fleiß belohnt wurde, ging die negative Heldin achtlos an ihm vorüber und wurde dafür bestraft.
  • Es wird die Geschichte erzählt, dass Isaac Newton, der grübelnd unter einem Apfelbaum saß, ein Apfel auf den Kopf fiel, was ihn auf die Idee brachte, die Himmelsmechanik beruhe auf derselben Gravitation wie der Fall von Äpfeln auf die Erde. Dies ist ein Gegenmythos zur biblischen Symbolik, der dem Zeitalter der Aufklärung zuzuweisen ist.
  • Als Reichsapfel ist der Apfel im mitteleuropäischen Kaisertum das Symbol des Besitzanspruches und das Szepter das Zeichen der Verfügungsgewalt. Aber dieser Apfel war – gelegentlich - mit Sand oder Asche gefüllt als Memento Mori, zum Zeichen der Vergänglichkeit aller irdischen Macht. Gefasst ist er in ein christliches Kreuz, zum Zeichen der Herleitung des Machtanspruchs von einer höheren Macht, aber auch der Unterordnung unter diese.

Der Zankapfel

Das Urteil des Paris von Peter Paul Rubens 1636

Als „Zankapfel“ bezeichnet man einen Gegenstand oder eine Tatsache, die zu einer Auseinandersetzung führt.

  • In der griechischen Mythologie gibt es den goldenen Apfel der Eris, der Göttin des Streits und der Zwietracht. Zu der Hochzeit des Peleus und der Thetis waren alle olympischen Götter bis auf Eris eingeladen. Aus Rache wirft sie einen Apfel mit der Aufschrift „der Schönsten” unter die Göttinnen, um Zank und Streit hervorzurufen. Paris, ein trojanischer Königssohn, soll die Entscheidung fällen (Urteil des Paris) und wählt Aphrodite, die Liebesgöttin als Schönste, was dann zum Trojanischen Krieg führt. Im Trojanischen Krieg stand Hera auf der Seite der Achäer (Griechen), da Paris nicht ihr, sondern Aphrodite den goldenen Apfel der Eris zuerkannte.

Goldener Apfel

In der griechischen Mythologie ist der goldene Apfel im oben erwähnten Urteil des Paris und als im Garten der Hesperiden wachsende, ewige Jugend spendende Frucht vertreten. In der osmanischen Tradition wurde die Bezeichnung „goldener Apfel“ als Synonym noch nicht eroberter, jedoch zur Eroberung verlockenden Ziele verwendet.

  • Vor seiner Eroberung durch die Osmanen war die Bezeichnung Der goldene Apfel Synonym für die Stadt Konstantinopel. Nach seiner Eroberung und Umbenennung in Istanbul fiel dieses Attribut weg.
  • Bis zur gescheiterten Belagerung wurde auch Wien als goldener Apfel bezeichnet.

Als bedeutende Machtzentren ihrer Zeit waren sie primäre Ziele potentieller Eroberungen durch das expandierende Reich der Osmanen.

Siehe auch

Literatur

  • Eckart Brandt: Brandts Apfellust. München, Mosaik-Verlag, 2000, ISBN 3-576-11441-6
  • Eckart Brandt: Mein großes Apfelbuch. München, Bassermann, 2003, ISBN 3-8094-1533-2
  • Pierre-Marie Valat, Pascale de Bourgoing: Der Apfel und andere Früchte, Mannheim 1992, ISBN 341108541X
  • Udo Becker: Lexikon der Symbole. o.A., ISBN 3-89836-219-1

Weblinks

Bilder, Medien, Gesprochene Wikipedia

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Einzelnachweise

  1. Otto Wilhelm Thomé: Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gera 1885
  2. Die Aktion „Apfelblütenland 2007“ des WDR liefert hierzu ausführlichere Informationen
  3. Der englischsprachige Artikel gibt hier ausführlichere Information (30. September 2006)
  4. EU Nährwertkennzeichnungsrichtlinie (90/496/EWG) und Rewe Nährwerttabelle
  5. EU Nährwertkennzeichnungsrichtlinie (EU NWKRL 90/496/EWG)
  6. a b Eintrag Malus domestica Borkh. im Liber herbarum II (30. September 2006)


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