Apg (Buch der Bibel)
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Die Apostelgeschichte des Lukas (lat. Actus Apostolorum, die Taten der Apostel, Abkürzung auf deutsch Apg.) ist ein Buch des Neuen Testaments der christlichen Bibel. Es wird seit dem Mittelalter in 28 Kapitel unterteilt. Im Griechischen ist der Titel Práxeis Apostolôn, das heißt Taten der Apostel ; in vielen anderen Sprachen hat das Buch einen Titel, der sich als Buch der Taten wiedergeben lässt, zum Beispiel auf Englisch: Book of Acts.

Inhaltsverzeichnis

Autor

Die Tradition nennt als Autor des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte den Evangelisten Lukas, einen Begleiter des Paulus, der nach Kolosser 4,14 Arzt war. Diese Identifizierung setzten die Schriften jedoch nie voraus, so hat beispielsweise der Autor keine spezifische Theologie des Paulus (wie sie in seinen Briefen zu finden ist) aufgenommen und erwähnt diese später so bedeutenden Briefe mit keinem Wort.

Die liberal-theologische Forschung geht davon aus, dass Lukasevangelium und Apostelgeschichte zwar zweifellos aus einer Hand stammen, dass der Autor des Doppelwerkes des Lukas und der Paulusbegleiter aber keinesfalls identisch sind. Unerklärt bliebe dann allerdings, warum der Erzähler in einigen (aber nicht allen) Passagen in der ersten Person schreibt und sich selbst somit als Beteiligten eines Teils der geschilderten Ereignisse darstellt. Möglicherweise habe der Autor hier einen ihm vorliegenden Augenzeugenbericht eingearbeitet.

Der Sicht der liberalen Theologen widerspricht jedoch die Darstellung der frühen Kirchenväter: Papias, Bischof von Hierapolis (etwa 130 n. Chr.), Justin der Märtyrer (nach 160 n. Chr.), Irenäus von Lyon (um 200 n. Chr.), Clemens von Alexandria und Origenes (um 200 n. Chr.). Alle bestätigen die Autorenschaft der Apostel (Matthäus und Johannes) und ihrer Nachfolger (Markus von Petrus, Lukas von Paulus). Ebenso Eusebius von Caesarea und der/die anonymen Schreiber des Muratori.

Adressat

Die Apostelgeschichte ist ebenso wie das Lukasevangelium namentlich an Theophilus gerichtet, über den nichts aus anderen Quellen bekannt ist. Er wird mit kratistos angeredet (mächtigster, hochverehrter – eine Anrede zum Beispiel für Provinzstatthalter). Da Orte in Palästina genau beschrieben sind, während Orte in Italien nicht näher erläutert werden, kann man annehmen, dass er in Italien gelebt hat. Es ist jedoch auch möglich, dass dieser Theophilus (übersetzt: Gottesfreund) keine historische Person ist, sondern eine literarische Fiktion des Autors darstellt, mit der er seine Leser persönlich ansprechen möchte.

Datierung

Für die Datierung gibt es heute im Wesentlichen zwei Argumentationslinien:

Argumente für eine frühe Datierung 63:

  • Wesentliche Ereignisse vor 70 sind nicht erwähnt: Christenverfolgung, Tod des Paulus, Tod von Jakobus dem Gerechten, Jüdischer Aufstand 66 bis 70 n.Chr. und Zerstörung Jerusalems.
  • Das Verhältnis von römischen Regierungspersonen zum Christentum wird als neutral geschildert – nichts von staatlicher Christenverfolgung wie sie unter Nero im Jahr 64 stattfand.
  • Das gespannte Verhältnis Judenchristen – Heidenchristen ist ein immer wiederkehrendes Thema, war es historisch allerdings nur bis zum Fall von Jerusalem.
  • Lukas bezieht sich nicht auf die Paulusbriefe. Diese waren jedoch nach Ansicht vieler Forscher bereits um 70 als Sammlung im Umlauf.

Argumente für eine Datierung 80-90

  • Diskrepanzen zwischen der Apostelgeschichte und den Paulusbriefen
  • Diskrepanzen zwischen Apostelgeschichte und Flavius Josephus
  • Einige Vertreter der historisch-kritischen Theologie gehen davon aus, dass es sich bei den im Markus-Evangelium beschriebenen Zerstörung Jerusalems ( Endzeitreden ) nicht um eine echte Prophetie, sondern stattdessen um ein vaticinium ex eventu handelt. Dieser Vermutung zufolge, wäre dann das Markusevangelium erst nach der Eroberung Jerusalems - also nach dem Jahr 70 - geschrieben worden. Da das Lukasevangelium wiederum das Markusevangelium als Quelle nutzt, müsse das Lukasevangelium also zwangsläufig nach dem Markusevangelium entstanden sein. Aufgrund der angenommenen Autorengleichheit von Lukasevangelium und Apostelgeschichte des Lukas könne somit bezüglich der Apostelgeschichte nicht von einer frühen Datierung (Jahr 63) ausgegangen werden.

Inhalt

Das Kommen des Heiligen Geistes

El Greco: Ausgießung des Heiligen Geistes

Die Apostelgeschichte setzt mit einem sehr kurz gehaltenen Bericht über die Zeit nach Ostern ein, in der Jesus Christus für vierzig Tage den Aposteln erschienen ist und dann in den Himmel aufgenommen wird (1,1-14). Der Kreis der ursprünglich zwölf Apostel wird kurz darauf nach dem "Wegfall" des Judas Iskariot wieder ergänzt: Per Losentscheid wird Matthias zum 12. Apostel gewählt (1,15-26). Zu Pfingsten senkt sich der Heilige Geist auf die christliche Gemeinde herab und bewirkt Zungenrede, die bei Außenstehenden teils Schrecken, teils Spott hervorruft (2,1-13).

Fra Angelico: Missionspredigt des Petrus

Petrus predigt den Verschreckten und Spottenden das Evangelium (Glaube) von Jesus Christus (2,14-36), woraufhin sich viele Juden zum Christentum bekehren und taufen lassen: Die erste christliche Gemeinde entsteht (2,37-47), die schnell anwächst. Petrus ruft nach der Heilung eines Gelähmten auch im Jerusalemer Tempel die Juden zur Bekehrung zu Christus auf (3), woraufhin er und seine Begleiter festgesetzt und verhört werden: Trotz Einschüchterungsversuchen halten die Christen an ihrer Botschaft fest (4,1-22). Angesichts der Drohungen des Hohen Rates betet die Gemeinde um "Freimut beim Reden", Zeichen und Wunder (4,23-31). Einige Gemeindemitglieder fühlen sich sogar derart stark miteinander verbunden, dass sie eine Gütergemeinschaft bilden (4,32-37).

Die Urgemeinde in Jerusalem

In der Episode über Hananias und Saphira wird die Konsequenz einer Lüge gegen Gott verdeutlicht, nämlich der Tod (5,1-11). Durch viele Wunder begleitet, geht die Mission erfolgreich weiter (5,12-16), so dass die Apostel abermals festgesetzt und vor dem Hohen Rat verhört werden (5,17-33). Die für die Apostel lebensbedrohende Situation wird durch den angesehenen Rabbi Gamaliel gerettet, der darauf hinweist, dass, handele es sich bei der Lehre Jesu um reines Menschenwerk, diese sich ebenso von allein wieder überleben würde wie die Lehren diverser früherer Messias-Anwärter. Die Apostel werden daraufhin nach Geißelung freigelassen (5,34-42). Schon kurz danach kommt es in der jungen und schnell wachsenden Gemeinde zum ersten Streit zwischen hebräischen und griechischen Juden. Die "Griechen" meinten, Ungerechtigkeiten bei der Versorgung der Witwen erblicken zu können, woraufhin man offizielle Armenpfleger (Diakone) bestellt, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken (6,1-7).

Die Rede des Stephanus

Das von Lukas geschilderte Ereignis stellt eine Gerichtssituation im Sanhedrin dar. Eine Gruppe Hellenisten behauptet, Stephanus predige, dass Jesus, der Nazoräer, sowohl die Stätte – gemeint ist der Tempel - zerstören als auch die jüdischen Gebräuche auflösen möchte. Der Hohepriester wendet sich aufgrund der Vorwürfe mit der Frage „Ist das so?“ an Stephanus, woraufhin dieser mit der längsten „Rede“ der Apostelgeschichte antwortet. Gegen eine Apologie spricht die Tatsache, dass Stephanus mit keinem Wort auf die Vorwürfe eingeht. Die neutestamentliche Wissenschaft kommt zu dem Schluss, dass es sich um eine fiktive Rede handelt. Ebenfalls eignet sie sich kaum als Bekenntnisvorlage für Märtyrer, die der Schreiber den nachfolgenden Generationen überliefern wollte. Dafür fehlt das klassische Bekenntnis zu Jesus Christus. Lediglich in V.52 wird ein Gerechter erwähnt.
Als in der Geschichte Israels Gelehrter und in der Linie der verworfenen Propheten wirkt Stephanus wie ein Bußprediger, der den Anklägern mit Hilfe der Geschichte Israels und der Ablehnung ihrer Propheten vor Augen führt, dass sie selbst auf der Anklagebank sitzen und die Fehler begehen, die bereits ihre Väter begangen hatten. Die heilsgeschichtliche Darstellung ist offensichtlich weniger apologetisch im Sinne der eigenen Verteidigung. Die Historizität dieser Rede gilt für unwahrscheinlich weil die Historisch-kritische Methode in Kapitel 7 die redaktionelle Arbeit des Verfassers der Apostelgeschichte sieht.[1] Dies deutet darauf hin, dass die Rede mit der Kritik am jüdischen Volk der deuteronomistischen Schule entspringt. Walter Schmithals [2] postuliert daher für die eigentliche Stephanustradition lediglich folgende Verse:
Von der sogenannten Synagoge der Libertiner, Cyrenäer und Alexandriner und von denen aus Cilicien und Kleinasien erhoben sich einige und stritten mit Stephanus. Sie stifteten Männer an, die das Volk in Aufruhr brachten, ihm entgegentraten, über ihn herfielen, ihn wegschleppten, zur Stadt hinauswarfen und steinigten. Fromme Männer bestatteten Stephanus und hielten eine große Totenklage über ihn.

Gliederung:

  • 1-3 Abrahamserzählung
  • 4-8 Erzvätererzählung
  • 9-16 Josefsgeschichte
  • 17-35 Mosegeschichte
  • 36-43 Heil und Verwerfung bei Mose
  • 42-46 Kulturkritik
  • 47-53 Gerichtsankündigung

Das siebte Kapitel der Apostelgeschichte markiert dennoch einen Scheitelpunkt in der lukanischen Darstellung. Die Missionstätigkeit der jungen Kirche breitet sich weiter von Jerusalem nach Judäa, Samaria und Antiochia aus.[3]

Die Mission in Samarien

Die durch die Verfolgung verstreute Christengemeinde beginnt damit, nun auch außerhalb Jerusalems das Evangelium zu verkünden. Philippus trifft dabei in Samaria auf den Zauberer Simon, der erkennt, dass durch Handauflegen der Apostel der Heilige Geist empfangen wird. Er bietet den Aposteln Geld, damit diese ihm diese Gabe schenken. Petrus weist Simon zurecht und legt ihm ehrliche Buße nahe (8,4-25). Auf der Rückreise nach Jerusalem trifft Philippus einen zum Judentum konvertierten äthiopischen Kämmerer, dem er den Propheten Jesaja auslegt. Der Kämmerer bekehrt sich daraufhin zu Christus und lässt sich umgehend taufen. Philippus wird nach Aschdod entrückt (8,26-40).

Paulus wird berufen

Caravaggio: Die Bekehrung des Paulus

Saulus, der eifrig mit der Verfolgung der Christen beschäftigt ist, hat eine Jesuserscheinung ("Saul, Saul, warum verfolgst du mich?"), durch die er erblindet. Jesus befiehlt ihm, nach Damaskus zu gehen, um dort weitere Anweisungen zu erhalten. Dem in Damaskus lebenden Jünger Hananias wird von Gott im Traum befohlen, dem Saulus die Hände aufzulegen und ihn zu heilen. Trotz großer Angst vor dem bekannten Christenverfolger tut Hananias, was ihm geheißen wurde, Saul erhält sein Augenlicht wieder, bekehrt sich und lässt sich taufen (9,1-19a). Schon bald predigt er sehr erfolgreich in Damaskus und wird selbst ein potentielles Ziel der Christenverfolger. Gemeinsam mit dem schon in der ersten Zeit in Jerusalem bekehrten Leviten Barnabas flieht er zurück nach Tarsos (seiner Heimatstadt) und die Mission der Christen geht ruhig weiter (9,19b-31). Petrus wirkt weitere Wunder in Lydda (9,32-35) und Joppe (heute Jaffa; Auferweckung der Tabita, 9,36-43), woraufhin sich alle Bewohner der Orte bekehren..

Nichtjuden in der Gemeinde

Die christliche Mission wird nun auch auf die Heiden (hier: Nicht-Juden) ausgedehnt: Mit dem römischen Hauptmann Kornelius tauft Petrus auf Weisung Gottes erstmals einen unbeschnittenen, und für die Juden damit unreinen Mann (10). Die Heidenmission wird von Teilen der Jerusalemer Urgemeinde kritisiert, so dass Petrus sich rechtfertigen muss. Schließlich jedoch wird sie allgemein akzeptiert (11,1-18).

Die Gemeinde in Antiochia

Der Kreis um Stephanus siedelte sich nach der Verfolgung auch in Antiochia an und wendete sich immer stärker einer Mission unter Heiden zu. Deshalb wurde die Gruppe der Christusgläubigen immer weniger als Teil des Judentums und immer stärker als eigenständige Gruppe betrachtet, weshalb ihnen der Name Chrestianer bzw. Christen zugelegt wurde (11,26). Die antiochenische Gemeinde wächst schnell, Petrus hält sich viel in Antochia auf, Saulus/Paulus wird durch Barnabas ebenfalls nach Antiochia geholt. Damit befinden wir uns etwa in der Mitte der 40er Jahre. Die antiochenische Gemeinde sammelt eine Kollekte für Jerusalem und lässt das Geld durch Barnabas und Paulus überbringen (11,27-30; 12,25).

Die Gemeinde in Jerusalem

Durch König Herodes Agrippa I. beginnt eine neue Christenverfolgung, bei der Petrus gefangengenommen wird und Jakobus, Bruder des Johannes, getötet wird. Petrus kann auf wundersame Weise aus dem Gefängnis entkommen (12,1-25). Herodes wird kurz darauf von einem Engel Gottes "mit Würmern geschlagen" und stirbt; diese Szene ist wesentlich für die Chronologie der Ereignisse des gesamten Neuen Testaments, da Herodes' Todesjahr (44 n. Chr.) als eines der wenigen Ereignisse des Neuen Testamentes aus weltlichen Geschichtswerken gut bekannt ist (12,18-25).

1. Missionsreise des Paulus

Saulus und Barnabas werden zur Heidenmission berufen und ziehen von Antiochia fort (13,1-3). Auf Zypern, woher Barnabas stammt, treffen sie auf den Zauberer Barjesus, der ihnen Widerstand leistet und mit Blindheit geschlagen wird, woraufhin sich Sergius Paulus, der Statthalter Zyperns, bekehrt (13,4-12). In Antiochia (Pisidien) hält Paulus – ab Zypern wird Saulus mit dem lateinischen Namen Paulus statt dem hebräischen Saulus bezeichnet – in der Synagoge eine umfangreiche Predigt, nach der viele Juden sich bekehren.

Apostelkonzil in Jerusalem

Auf die Anfeindungen der neidischen Religionsoffiziellen hin erwähnt Paulus nochmals seinen Auftrag zur Heidenmission (13,13-52). Ähnliches passiert in Ikonien (14,1-7) und Lystra (14,8-20a) und Derbe. Paulus und Barnabas setzen in den neu gegründeten Gemeinden Älteste ein und kehren dann für längere Zeit nach Antiochia zurück (14,20b-28). Nach einiger Zeit kommt es dort zwischen den Tora-gesinnten Judenchristen und Paulus zum Streit über die Beschneidung der nichtjüdischen Christen, die jene für dringend notwendig erachten. Eine Versammlung der Apostel in Jerusalem soll Klarheit in dieser Frage schaffen. Nach langem Streit (15,1-21) trifft die Versammlung den Beschluss, dass die Beschneidung nicht heilsnotwendig ist.

2. Missionsreise des Paulus

Paulus und Barnabas werden von Jerusalem zur weiteren Mission entsandt (15,22-29) und kehren nach Antiochia zurück, wo sie weiterhin leben und predigen (15,30-35). Paulus beginnt eine weitere Missionsreise (diesmal begleitet von Silas, nachdem er sich mit Barnabas zerstritten hatte), die ihn nach Kleinasien führt (16,1-8). In einer nächtlichen Erscheinung wird Paulus nach Mazedonien gerufen (16,9f.), woraufhin die Reise nach Philippi fortgesetzt wird (16,11-13). Die bekehrte Lydia bietet den Reisenden Quartier an (16,14f.). Als Paulus und Silas dem Besitzer einer wahrsagenden Sklavin durch Austreibung des Wahrsagegeistes die Geschäftsperspektiven verdunkeln, zeigt dieser sie kurzerhand wegen Aufwiegelung der Bevölkerung an (16,16-22). Paulus und Silas werden ins Gefängnis gesteckt, müssen aufgrund eines Erdbebens das Gefängnis verlassen und kommen bei ihrem Aufseher unter, der sich ebenfalls bekehrt. Als die Stadtoberen erfahren, dass Paulus ein römischer Bürger ist, lassen sie ihn ziehen (16,23-40).

Athen: Areopag

Auch auf den folgenden Stationen, Thessalonich (17,1-9) und Beröa (17,10-15) geht die von Konflikten mit den Juden begleitete Mission weiter. In Athen spricht Paulus auf dem Areopag und verkündet den Einen Gott, erntet teilweise Spott, gewinnt aber auch neue Anhänger (17,16-34), darunter Dionysius Areopagita. In Korinth trifft er auf Aquila und Priszilla, ein judenchristliches Ehepaar, das aus Rom vertrieben worden war. Damit befinden wir uns etwa im Jahre 49, denn aus historischen Geschichtswerken ist bekannt, dass Kaiser Claudius für dieses Jahr ein Edikt erließ, wonach alle Juden Rom zu verlassen hatten (vgl. Sueton). Die Ankunft des Ehepaars und des Paulus in Korinth dürfte dann etwa in das Jahr 50 fallen. Die beiden werden zu engen Mitarbeitern des Paulus. Auch in Korinth bekehren sich viele, dennoch schweben die Christen ständig in der Gefahr, verfolgt zu werden. In einer erneuten Erscheinung wird Paulus aufgefordert, „weiterhin nicht zu schweigen“ (18,1-17). Paulus wird in Korinth von Juden vor Gericht gezerrt. Richter ist der Statthalter Gallio, dessen Amtszeit sich für 51/52 n.Chr. recht sicher belegen lässt.

3. Missionsreise des Paulus

Paulus verlässt Korinth und kehrt nach Antiochia zurück (18,18-22). Nach einiger Zeit bricht er zu einer dritten Missionsreise auf (18,23-28), die ihn zunächst nach Ephesus führt. Dort lehrt er zuerst in der Synagoge, später dann in der Schule des Tyrannos. Einige jüdische Beschwörer missbrauchen den Namen Jesu für ihr Handwerk und werden schwer zugerichtet, woraufhin viele, die vorher Zauberei betrieben hatten, ihre Bücher verbrennen (19,1-22). Einige Kunsthandwerker unter einem Demetrius geraten in Zorn darüber, dass durch die Christen viele Menschen dem Artemis-Kult abspenstig gemacht werden, so dass ihre „Silbernen Tempel der Artemis“ (wohl Nachbildungen, die an reiche Pilger verkauft wurden) keine Abnehmer mehr finden. Die Stadtoberen lassen die Situation jedoch nicht eskalieren, sondern verweisen Demetrius auf den ordentlichen Gerichtsweg (19,23-40). Unter starker Verfolgung reist Paulus über Mazedonien und Griechenland (20,1-5) nach Troas, wo ein junger Mann, der bei der überlangen Predigt des Paulus eingeschlafen ist, aus dem Fenster im dritten Stock fällt, stirbt, und von Paulus wiederbelebt wird (20,6-12), dann nach Milet (20,13-16). Paulus verabschiedet sich von den Ältesten von Ephesus (20,17-38) und kehrt über Cäsarea (21,1-14) nach Jerusalem zurück.

Paulus als Gefangener

In Jerusalem sind die Apostel beglückt über seine Missionserfolge (21,15-26), doch lässt die Verhaftung des Paulus nicht lange auf sich warten. Paulus entgeht nur knapp durch die Hilfe des Militärs dem Tode (21,27-40) und darf eine Verteidigungsrede halten, in der Paulus von seiner Berufung berichtet (22,1-21). Beim Verhör mit einem römischen Oberst betont Paulus, ein römischer Bürger zu sein, und entgeht so weiterer Geißelung (22,22-30). Dennoch wird er erneut vor dem Hohen Rat verhört, wo seine Äußerungen zu Zwietracht zwischen Pharisäern und Sadduzäern führen, die derartig eskaliert, dass der römische Oberst Paulus aus Angst um dessen Leben zurück in die Burg bringt (23,1-11). Einige Juden beschließen, Paulus in einem Hinterhalt zu töten.

Der Oberst erfährt durch Paulus' in Jerusalem lebenden Neffen von dem Komplott (23,12-22) und lässt Paulus nach Caesarea überführen (23,23-35). Dort wird Paulus erneut verhört: Diesmal vom Statthalter Felix. Die Juden beschuldigen Paulus im Verhör, der Anführer der Sekte der Nazoräer zu sein, Aufruhr zu stiften und den Tempel zu entweihen. Paulus weist alle Vorwürfe zurück (24,1-21). Felix verschleppt den Prozess, weil er sich von Paulus Bestechungsgelder erhofft (24,22-27). Paulus bleibt im Gefängnis, bis Felix durch den neuen Statthalter Porcius Festus abgelöst wird. Diese Ablösung ist auf das Jahr 59 datierbar. Es kommt zu einem neuerlichen Verhör (25,1-8), bei dem sich Paulus auf sein römisches Bürgerrecht beruft und auf sein Recht, nur vor dem Kaiser zum Tode verurteilt werden zu können (25,9-12).

Paulus kommt nach Rom

Bei einem Besuch des galiläischen König Agrippa bei Festus bittet der König darum, Paulus ebenfalls verhören zu dürfen (25,13-27). Paulus hält vor Agrippa eine lange Verteidigungsrede, in der er seinen Weg vom eifernden Pharisäer zum Christen nachzeichnet und die Auferstehung Jesu bekennt. Agrippa findet nichts Verwerfliches und würde Paulus freilassen, wenn dieser sich nicht auf den Kaiser berufen hätte (26). So wird Paulus als Gefangener nach Rom geschickt (27,1-12), gerät auf der Überfahrt in einen heftigen Seesturm (27,13-26) und erleidet einen glimpflich ausgehenden Schiffbruch vor der Insel Melita (Malta) oder Melite (Mljet) (27,27-44). Auf Malta werden die Gestrandeten freundlich aufgenommen, Paulus heilt viele Kranke und gelangt zu großer Ehre (28,1-10). Nach drei Monaten kann die Reise nach Rom fortgesetzt werden (28,11-15). In Rom angekommen, kann Paulus dank eines offenen Strafvollzugs auch dort umgehend mit der Verkündigung beginnen (28,16-31). Damit endet die Apostelgeschichte.

Historische Zuverlässigkeit

In der Vergangenheit wurde der Autor der Apostelgeschichte als genauer und zuverlässiger Erzähler der Ereignisse betrachtet. Durchgängig wird anerkannt, dass der Autor gute geographische, soziale und politische Kenntnisse der Region hat. Er ist bei Namen und Titeln der römischen Beamten, die in seiner Erzählung vorkommen, sehr genau und scheint auch über die römische Rechtslage bestens informiert zu sein.

Der schottische Archäologe Sir William Ramsay (1851 - 1939) meinte:

"Luke is a historian of the first rank; not merely are his statements of fact trustworthy [...] this author should be placed among with the very greatest of historians."

(deutsch: "Lukas ist ein Historiker ersten Ranges; nicht nur seine faktischen Aussagen sind verbürgt, er besitzt eine echte historische Gesinnung; [...] dieser Autor sollte zu den allergrößten Historikern gerechnet werden." William M. Ramsay, Paulus in der Apostelgeschichte.)

Verschiedene Orte und Titel, die Lukas in der Apostelgeschichte erwähnt, waren lange Zeit unbekannt, bis die Archäologie im 19. und 20. Jhdt. Beweise dafür fand.

Ob diese allgemeine historische Zuverlässigkeit auch auf die Daten der frühen christlichen Gemeinde bezogen werden kann, ist in der theologischen Forschung umstritten. Nachdem in den 70er und 80er Jahren des 20. Jhs. die Ansicht verbreitet war, Lukas sei als Geschichtsschreiber unglaubwürdig, macht sich in letzter Zeit verstärkt die Ansicht breit, den lukanischen Angaben doch mehr Vertrauen entgegen zu bringen.

Literatur

Weiterführende Informationen zu diesem Thema: Apostelgeschichte des Lukas/Bibliografie

Einzelnachweise

  1. Wilfried Eckey, Die Apostelgeschichte, Teilband 1, Neukirchen, 2000
  2. Walter Schmithals, Züricher Bibelkommentar, Die Apostelgeschichte des Lukas, Zürich, 1982
  3. Martin Dibelius, Aufsätze zur Apostelgeschichte, Göttingen, 1961

Weblinks


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