Aphrodisius

Aphrodisius († wohl 3. Jahrhundert in Béziers) war der Legende zufolge der erste Bischof von Béziers.

Gregor von Tours berichtet, dass Aphrodisius ein Ägypter gewesen sei, der im Languedoc mit seinen Gefährten Caralippus, Agapius und Eusebius den Märtyrertod erlitten habe.

Der Legende zufolge habe Aphrodisius die Heilige Familie bei ihrer Flucht nach Ägypten in Heliopolis aufgenommen. Er sei später, als er von den Wundern hörte, die Christus vollbracht habe, von Ägypten nach Palästina gereist und habe zu Pfingsten den Heiligen Geist empfangen. Er sei dann gemeinsam mit Paulus von Narbonne in den Süden Galliens gereist, wo Paulus in Narbonne Bischof geworden sei, während Aphrodisius auf einem Kamel weiter nach Béziers gezogen sei, wo er sich als Einsiedler in einer Höhle niedergelassen habe. Er sei dann Bischof der Stadt geworden, später aber von Einheimischen enthauptet worden. Aphrodisius habe dann sein eigenes Haupt aufgehoben und sei mit diesem unter dem Arm durch die Straßen der Stadt gezogen. Einige Bürger hätten ihm Schnecken in den Weg gelegt, auf die Aphrodisius getreten sei, ohne eine davon zu zerstören. Er sei auch von Steinmetzen am Straßenrand verhöhnt worden, die daraufhin in Steine verwandelt worden seien, so jedenfalls die lokale Sage zur Erklärung der sieben Steine entlang der Rue des Têtes. Aphrodisius sei schließlich mit seinem Haupt bis zu seiner Höhle gewandert und sei dort gestorben und bestattet worden. Hier erhob sich zunächst eine Petruskapelle, später eine Basilika, die nach Aphrodisius benannt wurde.

Im 9. Jahrhundert berichtet Ado von Vienne in seinem Bericht über Paulus von Narbonne auch über Aphrodisius, ohne ein Martyrium zu erwähnen. Dieses taucht erst deutlich später, im 16. Jahrhundert, in Legenden auf, die dann auch erstmals von einem Kamel berichten. Gedenktag des Heiligen ist der 28. April. An diesem Tag wird in Béziers traditionell bis heute ein hölzernes Kamel durch die Stadt geführt.

Es ist anzunehmen, dass Aphrodisius nicht bereits, wie es die Legende will, unter Kaiser Nero das Martyrium erlitten hat, sondern dass es in Wahrheit eine Person aus dem 3. Jahrhundert, also ohne Bezug zur Heiligen Familie oder zu Pfingsten, ist, da auch Paulus von Narbonne in die Zeit der Christenverfolgung unter Decius gehört, während man ihn früher mit Sergius Paulus gleichsetzte, dem in der Apostelgeschichte erwähnten Prokonsul von Zypern.

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