Aphthe
Klassifikation nach ICD-10
K12.0 Rezidivierende orale Aphthen
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Eine Aphthe (sprich: Afte; Transliteration von griech. ἄφθη, vom Verb ἅπτω haptō „entfachen“) ist eine schmerzhafte, von einem entzündlichen Randsaum umgebene Schädigung der Schleimhaut des Zahnfleischs, der Mundhöhle, der Tonsillen oder der Zunge und in Einzelfällen auch anderer Schleimhäute, z. B. im Genitalbereich. Es handelt sich dabei um ein Ulcus mit weißlichem Fibrinbelag. Beim gleichzeitigen Auftreten mehrerer solcher Stellen im Rahmen einer Primärinfektion durch das Herpes-simplex-Virus spricht man vom Krankheitsbild der Mundfäule (Stomatitis aphthosa oder Gingivostomatitis herpetica). Treten Aphthen häufig wiederkehrend auf, spricht man von chronisch rezidivierender Aphthose. Die Häufigkeit (Prävalenz) beträgt 5 bis 21 Prozent.[1]

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Ursachen (Ätiologie) und Entstehungsmechanismus (Pathogenese) der rezidivierenden Aphthose sind weitgehend unklar. Eine multifaktorielle Entstehung mit genetischer Komponente wird angenommen.[2]

Mögliche assoziierte Faktoren sind Verletzungen der Mundschleimhaut, Zusammenhänge mit verschiedenen Nahrungsmitteln, Nahrungsdefiziten (Vitamin B12-, Eisen- oder Folsäuremangel) sowie Veränderungen des Hormonhaushaltes. In schweren Fällen können Systemerkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie, Morbus Behçet oder HIV-Infektionen zu Grunde liegen.[1][2]

Es wird keine Verbindung zu Menstruationszyklus, Schwangerschaft oder Menopause gesehen.[3] Eine Assoziation mit Stress wird diskutiert, ist aber nicht nachgewiesen.[4]

Chemische Irritation durch Inhaltsstoffe wie beispielsweise Natriumlaurylsulfat (SLS), das häufig in Zahnpasta enthalten ist, wird als möglicher Auslöser diskutiert.[5]

Raucher sind seltener betroffen als Nichtraucher.[6] Rauchverzicht kann das Auftreten von Aphthen negativ beeinflussen. Als Ursache wird die Hyperkeratose der Schleimhaut bei Rauchern vermutet.[7]

Krankheitsbild

Aphthe auf der Unterlippen-Innenseite
Aphte in unmittelbarer Nähe zum Gaumen
Häufig treten mehrere Aphthen gleichzeitig auf
Mehrere Aphthen am Gaumensegel

Kleinere Aphthen (Minor-Form) haben einen Durchmesser von unter einem Zentimeter, sie heilen innerhalb von ein bis zwei Wochen aus. Es wird aber auch von seltenen Aphthen mit einem Durchmesser von über einem Zentimeter bis etwa 30 mm und mehr berichtet. Bei diesen größeren Aphthen wird von der Major-Form, die Wochen bis Monate persistieren können und unter Narbenbildung abheilen, gesprochen. Bei herpetiformen Ulcera tritt eine große Zahl kleiner Aphthen auf, diese Form ist jedoch selten.[2][8]

Wie schmerzhaft Aphthen sind, ist individuell stark unterschiedlich. Aphthen können sehr schmerzhaft sein, bei stärkerem Befall ist oft die tägliche Lebensführung deutlich beeinträchtigt. Das Sprechen, Essen, Schlucken von Wasser oder Speichel ist schmerzhaft. Die Größe von Aphthen ist oft nicht ausschlaggebend für das Ausmaß an Schmerzen, das sie verursachen. Vielmehr ist die Stelle im Mund, an der die Aphthe auftritt, entscheidend. So kann etwa eine relativ kleine Aphthe mit einem Durchmesser von wenigen Millimetern, die auf der Zungenspitze auftritt, wesentlich schmerzhafter sein, als eine größere, die an einer mechanisch weniger beanspruchten Stelle im Mund (z. B. im zentralen Wangengewebe) entsteht. In wenigen Fällen treten auch nahezu nicht schmerzende Aphthen auf.

Diagnostik

Die Diagnose der rezidivierenden Aphthose basiert auf Anamnese und klinischem Bild, da spezifische Labortests nicht zur Verfügung stehen. Zur Erkennung zugrunde liegender Erkrankungen (Immunerkrankungen, Infektionen, Mangelzustände) können neben der Krankengeschichte auch verschiedene Laborparameter weiterhelfen.[2]

Behandlung

Neben der lokalen Behandlung steht bei systemischen Erkrankungen deren Behandlung im Vordergrund. Eine ursächliche Therapie rezidivierender Aphthen ohne zugrunde liegende systemische Grunderkrankung ist bislang nicht bekannt.

Zur symptomatischen Behandlung von Aphthen werden schmerzstillende Wirkstoffe wie beispielsweise Lidocain, Polidocanol oder Benzydamin eingesetzt; es stehen Sprays, Gurgellösungen und Gele bzw. Salben (Haftsalben für die Mundschleimhaut) für die Therapie zur Verfügung. Auch adstringierende Mittel wie Rhabarberwurzelextrakt, Myrrhentinktur, Silbernitrat,[9] Phenolsulfonsäureverbindungen und das Kresolsulfonsäure-Polykondensat Policresulen kommen zur Anwendung; ihre zusammenziehende bzw. ätzende Wirkung soll durch Abstoßung von abgestorbenem Gewebe den Heilungsprozess beschleunigen. Einen ähnlichen Effekt haben Zinksulfat und verdünnte Wasserstoffperoxidlösung, letztere wirkt zudem leicht antiseptisch. Bei Ausschluss einer infektiösen Ursache kann das entzündungshemmende, verschreibungspflichtige Triamcinolonacetonid, etwa als Haftsalbe, verwendet werden.

Volksheilkundlich werden entzündungshemmende Mittel wie australisches Teebaumöl, Melissenextrakt sowie Spülungen mit Kamillen- und Salbeitee angewendet.

Die Vermeidung des in Zahnpasten verwendeten Stoffes Natriumlaurylsulfat soll in Studien eine Reduktion der Aphthenentstehung um 64 % bewirkt haben.[5]

Literatur

  • P. Coli, M. Jontell, M. Hakeberg: The effect of a dentifrice in the prevention of recurrent aphthous stomatitis. In: Oral Health Prev Dent. 2, Nr. 2, 2004, S. 133–142 (PMID 15646947, PDF).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b W. C Gonsalves, A. C Chi, B. W Neville: Common oral lesions: Part I. Superficial mucosal lesions. In: Am Fam Physician. 75, Nr. 4, 2007, S. 501–507 (Review; PMID 17323710, online).
  2. a b c d Scully C, Gorsky M, Lozada-Nur F. The diagnosis and management of recurrent aphthous stomatitis: a consensus approach. J Am Dent Assoc. 2003 Feb;134(2):200-7. Review. PMID 12636124
  3. McCartan BE, Sullivan A: The association of menstrual cycle, pregnancy, and menopause with recurrent oral aphthous stomatitis: a review and critique. Obstet Gynecol. 1992 Sep;80(3 Pt 1):455-8. Review. PMID 1495706
  4. Pedersen A: Psychologic stress and recurrent aphthous ulceration. J Oral Pathol Med 1989;18(2):119–22. PMID 2746521[
  5. a b Zunt S. Recurrent aphthous stomatitis Dermatol Clin. 2003; 21(1):33-39. PMID 12622266
  6. Tüzün B, Wolf R, Tüzün Y, Serdaroğlu S. Recurrent aphthous stomatitis and smoking. Int J Dermatol. 2000 May;39(5):358-60. PMID 10849126
  7. Winn DM. Tobacco use and oral disease. J Dent Educ. 2001 Apr;65(4):306-12. Review. PMID 11336115
  8. Rogers RS 3rd. Recurrent aphthous stomatitis: clinical characteristics and associated systemic disorders. Semin Cutan Med Surg. 1997 Dec;16(4):278-83. PMID 9421219
  9. Alidaee, M.R.; Taheri, A.; Mansoori, P; Ghodsi, S. Z.: Silver nitrate cautery in aphthous stomatitis: a randomized controlled trial. Br J Dermatol. 2005 Sep;153(3):521-5. PMID 16120136
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  • Aphten — Klassifikation nach ICD 10 K12.0 Rezidivierende orale Aphthen …   Deutsch Wikipedia

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