Apollinariskirche (Remagen)
Apollinariskirche von Osten
Abendstimmung
Lage am Rhein
Krypta
Christusbild in der Altarapsis
Kapelle auf dem Martinsberg um 1830

Die Apollinariskirche liegt oberhalb der Stadt Remagen auf einer Anhöhe, die heute Apollinarisberg heißt. Wie Funde aus der Römerzeit belegen, wurden bereits in der Antike hier römische Götter verehrt.

Inhaltsverzeichnis

Erste Kirchen auf dem Apollinarisberg

Während des 5. und 6. Jahrhunderts erhielt der Berg den Namen Martinsberg, weil hier in fränkischer Zeit vermutlich eine Kapelle zu Ehren des heiligen Martin stand, der der Patron der Franken war. Im 9. Jahrhundert entstand anstelle der Kapelle eine romanische Kirche. Im Jahr 1110 errichteten die Benediktiner der Abtei Michaelsberg auf Initiative der Bevölkerung von Remagen eine Propstei. Ende des 14. Jahrhunderts gelangten wahrscheinlich die Reliquien des heiligen Apollinaris auf den Berg. Seit dem Jahr 1384 ist auf dem Apollinarisberg eine Wallfahrt bezeugt. Ebenfalls stammt der Sarkophag mit der Hauptreliquie in der Krypta der Kirche aus dem 14. Jahrhundert.

Neugotischer Bau im 19. Jahrhundert

Im Zug der Napoleonischen Kriege und der Säkularisation wurde 1802 die Propstei der Benediktiner aufgehoben. Nach der Aufhebung kauften 1807 die Brüder Sulpiz und Melchior Boisserée das gesamte Anwesen. Sie versteigerten im August 1836 den Besitz für 24.200 Taler an den Freiherrn Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim, der 1840 in den Grafenstand erhoben wurde. Seine Pläne, in der vorhandenen alten Kirche ein Hauptwerk der neuen religiösen Malerei anzubringen, ließ sich nicht durchführen, da die Kirche baufällig war. Daher entschied er, die Kirche abzureißen und durch eine neue zu ersetzen. Die Grundsteinlegung war am 22. Juli 1839 und am 24. März 1857 wurde sie eingeweiht. Der Düsseldorfer Architekt Rudolf Wiegmann legte für den Bau einen Entwurf im neuromanischen Rundbogenstil vor. Die Neuromanik galt damals aber in katholischen Gebieten als protestantischer Baustil; deshalb entschied sich Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim für die Neugotik, die als ein katholischer Baustil angesehen wurde. Er beauftragte den Architekten Ernst Friedrich Zwirner, der zu dieser Zeit in Köln den Kölner Dom fertig baute, mit dem Bau einer neugotischen Kirche mit möglichst vielen Wandflächen.

Eine bautechnische Besonderheit sind die durchbrochenen Pyramidenhelme der Türme (Höhe 45 m) und die Balustraden, die nicht aus Stein, sondern aus Gusseisen bestehen. Hersteller war die Isselburger Hütte von Nering, Bögel u. Cie am Niederrhein.[1]

Bereits 1837 hatte der Bauherr Kontakt zu den Schülern des Malers Johann Gottfried Schadow aufgenommen, der zu dieser Zeit Rektor an der Kunstakademie Düsseldorf war. Zu der Gruppe der Nazarener gehörten die Maler Ernst Deger, die Brüder Andreas Müller und Karl Müller sowie Franz Ittenbach. Sie malten die Kirche bis 1852 zu einem Gesamtkunstwerk aus, das auch heute noch einmalig ist.

Franziskaner und Apollinariskirche

Vom 25. März 1857 bis zum 31. Dezember 2006 betreuten die Franziskaner die Wallfahrt auf dem Apollinarisberg. Seit dieser Zeit findet in jedem Jahr die zweiwöchige Apollinariswallfahrt im Juli und August statt. Während des Kulturkampfes wurde das Franziskanerkloster aufgehoben, jedoch konnte dank der großen Verbundenheit mit der Remagener Bevölkerung eine kleine Gruppe der Ordensleute weiter hier seelsorglich tätig sein. 1884 ließ die Familie von Fürstenberg-Stammheim, die im Besitz der Apollinariskirche ist, auf dem Gelände der Kirche eine Gruft anlegen, in welcher der 1859 verstorbene Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim seine letzte Ruhestätte fand.

Während des Zweiten Weltkrieges, von dem die Stadt Remagen wegen ihrer strategisch wichtigen Rheinbrücke stark betroffen war, blieb die Apollinariskirche weitgehend unversehrt. Die Franziskaner boten der Bevölkerung in ihren Räumlichkeiten Schutz und standen ihr seelsorglich zur Seite.

Seit 1985 wurde die Apollinariskirche umfangreich renoviert. Die Außenrenovierung konnte 2005 abgeschlossen werden. Seit Mitte 2005 fanden im Inneren der Kirche weitere umfassende Restaurierungsarbeiten statt. Die Renovierungsarbeiten wurden unter anderem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Förderverein der Apollinariskirche unterstützt.

Ende des Jahres 2006 verließen die Franziskaner Kloster und Kirche. Am zweiten Weihnachtstag wurden sie in einem feierlichen Pontifikalamt im Beisein von Weihbischof Jörg Michael Peters verabschiedet. Im Februar 2007 übernahm die Gemeinschaft der gekreuzigten und auferstandenen Liebe, ein niederländischer Orden aus Maastricht, die Betreuung des Wallfahrtsortes.

Literatur

  • Stephanie Rösler-Schinke: Die Apollinariskirche in Remagen - ein Gesamtkunstwerk des 19. Jahrhunderts. Inaugural-Dissertation. München 1994.
  • Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Die Apollinariskirche in Remagen, Reihe 'Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz - Forschungsberichte' Band 7, mit Beiträgen von Wolfgang Brönner, Paul-Georg Custodis, Herbert Dellwing, Wolfgang Franz, Klaus Häfner, Dieter Kastner, Franz Ronig, Barbara Schock-Werner, Eduard Sebald und Arnold Wolff, 246 S., 209 Abb., Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2005.
  • Heinrich Josef Langen: Zur Geschichte des Apollinarisberges und seiner Bewohner in den Jahren 1807 - 1836 - Gebrüder Boisserée und Graf Reinhard. C. Dreesbach, Remagen 1927.

Weblinks

 Commons: Apollinariskirche (Remagen) – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Paul-Georg Custodis: Die Apollinariskirche in Remagen, Heimatjahrbuch 2003 Landkreis Ahrweiler

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