Apollo-Theater (Berlin)
Berliner Gedenktafel in der Friedrichstraße 218, Berlin-Kreuzberg

Das Apollo-Theater befand sich in Berlin-Kreuzberg, in der Friedrichstraße 218.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Anfänge 1870

Bereits um 1870 wurde an dieser Stelle musikalische Unterhaltung im Sommerkonzertgarten geboten, damit war der Ort dem Berliner Publikum lange vor Eröffnung des Apollo-Theaters als Ort des Vergnügens und der Unterhaltung bekannt. 1874 wurde ein Saalbau errichtet, der einen ganzjährigen Betrieb ermöglichte.

Olympia

Im Dezember 1877 spielte man im Hause, das jetzt „Olympia“ hieß, ein Varietéprogramm, das sich aber nur einige Monate halten konnte.

Berliner Flora

1878 kehrte man mit neuen Namen „Berliner Flora“ zum musikalischen Unterhaltungsprogramm zurück.

Concordia

Innenansicht des Concordia-Theaters 1891

1884 gestaltete Direktor Adolf Düssel das Haus endgültig zum Varieté um und nannte es nun „Concordia“. Mit Musik und Akrobatik stieg es um 1880 zu den angesehensten Vergnügungsorten Berlins auf. 1890 baute der Architekt Gustav Ebe das Vergnügungsetablissement zum Theater um.[1] Als das Apollo-Theater dann 1892 eröffnete, konnte es von dem guten Ruf des „Concordia“ profitieren.

Oskar Messter

Im Dezember 1896 kam es hier zu den ersten Filmvorführungen durch Oskar Messter mit dem Messterschen Kinetographen bzw. Kosmographen, die in den nächsten zehn Jahren hier regelmäßig über die Leinwand flimmerten. 1903 stellte Oskar Messter hier erstmals seinen Filmprojektor „Kosmograph“ in Verbindung mit einem Grammophon öffentlich vor.

Paul Lincke

1893 wurde hier Paul Lincke als Kapellmeister auf Probe angestellt. Er hatte die wechselnden Varieté-Programme mit dem Hausorchester zu begleiten und konnte dabei seine musikalischen Phantasien ausleben. Davon machte er offensichtlich auch regen Gebrauch, denn sein mitreißender musikalischer Schwung und sein Einfühlungsvermögen in die artistischen Darbietungen brachten ihm bald die Berufung zum Ersten Kapellmeister ein. Am 1. Mai 1899 hatte Paul Lincke hier seine Premiere der Operette Frau Luna. Auch Otto Reutter trug hier seine Couplets vor. 'Verkehrte Welt' oder 'Frau Luna' 'Lysistrata' und 'Don Juan in der Hölle' seien als Beispiele für die jeweils mehrere hundert Male zur Darstellung gebrachten Stücke genannt.

Paul Lincke führte hier u.a. auf:

  • Venus auf Erden (Alfred Schmasov), parodistische Operette 1 Akt (6. Juni 1897 Berlin, Apollo-Theater)
  • Frau Luna (Heinrich Bolten-Baeckers), burlesk-phantastische Ausstattungsoperette 1 Akt (31. Dez. 1899 Berlin, Apollo Theater); mehrere Umarbeitungen; Fassung in 2 Akten mit zusätzlichen Nummern aus Berliner Luft (1922 Berlin)
  • Im Reiche des Indra (Alfred Schmasov und Leopold Ely), komische Operette 1 Akt (18. Dez. 1899 Berlin, Apollo Theater); Neufassung (Hans Brennecke) 2 Akte (1926 Berlin)
  • Fräulein Loreley (Heinrich Bolten-Baeckers), Operette 1 Akt (15. Okt. 1900 Berlin, Apollo Theater)
  • Lysistrata (Heinrich Bolten-Baeckers und Max Neumann), phantastische Operetten-Burleske 1 Akt) (1. April 1902 Berlin, Apollo Theater)
  • Nakiris Hochzeit, oder Der Stern von Siam (Heinrich Bolten-Baeckers), Ausstattungsoperette 2 Akte (6. Nov. 1902 Berlin, Apollo Theater)
  • Prinzeß Rosine (Heinrich Bolten-Baeckers), Operette 2 Akte (18. Nov. 1905 Berlin, Apollo Theater)

Cines Apollo

1913 stellte man auf reinen Kinobetrieb um und unterstrich dies mit dem Zusatz „Cines-Apollo“. Viele gewagte und politisch umstrittene Filme hatten hier ihre Uraufführung, so zum Beispiel 1926 „Panzerkreuzer Potemkin, zu dieser Zeit (Stand 1914) hatte das Theater 890 Sitzplätze.

Das Ende

1930 wurde der Kinobetrieb eingestellt und das Theater wieder als reine Sprechbühne genutzt. Auf dem Berliner Stadtplan „Westermanns Plan von Berlin“ von 1932 ist es jedoch nicht verzeichnet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zerstört. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Wohnhaus.

Literatur

  • Sylvaine Hänsel, Angelika Schmitt: Kinoarchitektur in Berlin 1895–1995. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-496-01129-7.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Deutsche Bauzeitung, 1891, S. 453.
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