Apollo-Theater (Gronau)

Das Apollo-Theater (Gronau) war ein beliebter Kino-, Theater- und Konzertsaal. In den Jahren 1934-1940 entwickelte er sich zu einer wichtigen deutsch-niederländischen Kulturinstitution. Nach Umbauten und Modernisierungen ist der verkleinerte Saal heute Teil eines Kinocenters in der Mühlenmathe 37 in Gronau (Westfalen).

Inhaltsverzeichnis

Kino-Lizenz ab 1912

Die Anfänge des Apollo-Theaters liegen in den vielfältigen Aktivitäten des Unternehmers Willi Lindebaum, der 1903 vom Holzhandel in das Hotelgewerbe wechselte. Der Gründerboom nach der Verleihung der Stadtrechte (1898) spielte hierbei sicherlich eine wichtige Rolle. Am 27. März 1912 erhielt Lindebaum eine Kino-Lizenz und gründete neben seinem Hotel die „Lichtspiele Westfälischer Hof“. Schon 1913 wurde Lindebaums Idee vom Hotel Horstmöller erfolgreich kopiert. Das Konkurrenzunternehmen „Walhalla“ entstand.

Der „Kinematographen-Saal“ der „Lichtspiele Westfälischer Hof“ wurde u.a. im März 1921 modernisiert und erweitert, er umfasste nun 293 Plätze. Über ein großzügiges Treppenhaus gelangte man zur Empore.

Aus diesen Jahren haben sich der Arbeitsvertrag des Kinopianisten Robert Vorstheim („je nach Leistung 35-40 M bei dreitägiger Spielzeit“), Notenmaterial des Kinoorchesters sowie ein Flügel erhalten. Mit dem Einsatz „Polyphar-Kinoton-Appatur“ endet mit dem 14. April 1930 die Stummfilm-Ära.

Umbau zum „Apollo-Theater“ (1934)

Nach 1933 begann die nationalsozialistische Gleichschaltung der Kinos. Willi Lindebaum führte seinen Kinobetrieb ab September 1934 als „Ufa“-Kino weiter und stellte so die technische Umrüstung zu einem zeitgemäßen Tonfilm-Theater sicher. Die „Lichtspiele Westfälischer Hof“ wurden nun in „Apollo-Theater“ umbenannt.

Lindebaum setzte bei der Modernisierung auf die Kombination von Kino-, Theater- und Konzertsaal. Dazu wurden eine Bühne und ein Orchestergraben für 30 Musiker eingebaut. Das Apollo-Theater umfasste insgesamt 564 Plätze (374 im Erdgeschoss, 190 auf der Empore, 7 Logen) und wurde dadurch zu einem Haus „mittlerer Größe“. Die architektonische Gestaltung der Decke und des Balkons zeigten Art Déco-Anklänge. Die Bestuhlung, der Vorhang und die Bemalung waren in Blau und Silber gehalten.

Die Eröffungsveranstaltung am 14. September 1934 orientierte sich an Berliner Vorbildern und zielte in ihrer Gestaltung (Sinfoniekonzert, Festrede, Tonfilm) auf den „gehobenen Geschmack“ eines bürgerlichen Publikum ab.

Durch den Umbau des Apollo-Theaters erhielt schnell wachsende Industriestadt Gronau einen modernen Saal, der die private Bühne des Fabrikantenclubs („Gesellschaft Erholung“) bzw. die Tonhalle Lilienfeld ablöste. Nun konnten auch Produktionen aus der niederländischen Nachbarstadt Enschede übernommen werden.

Historischer Apollo-Saal, Zustand nach der Renovierung (2004)

Das Kulturprogramm wurde vor allem von folgenden Institutionen getragen, für die eine deutsch-niederländische Kooperation unverzichtbar war:

Ein Höhepunkt war die Uraufführung der Operette „Insel der Träume“ (Musik: Hans-Martin Majewski, Libretto: Joachim von Ostau) im Mai 1938, bei der der Komponist selbst am Dirigentenpult stand.

Neben dem Kino- und Theaterprogramm gewann in den 1930er Jahren auch das Abend- und Tanzlokal („Apollo-Stuben“) an Bedeutung.

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges, besonders der deutsche Einmarsch in den Niederlanden, setzen dem lokalen Kulturprogramm im Apollo-Theater ein Ende. Nationalsozialistische Organisationen wie KdF und „Bayreuther Bund“ regelten 1941-1944 die Programmgestaltung.

Zweite Blütezeit nach 1945

In der Nachkriegszeit wurde das Apollo-Theater zum festen Spielort der seit 1945 bestehenden „Gronauer Kulturgemeinde“ bzw. ihrer Nachfolgeinstitution, des 1948 gegründeten „Kulturrings“. Auch das Abendlokal erlebte in der vom Jazz geprägten Tanzmusikszene der 1950er Jahre eine zweite Blütezeit.

Entwicklung zum Kinocenter

Anfang der 1990er Jahre wurde der historische Apollo-Saal vollständig umgebaut: Bühne und Orchestergraben wurden entfernt, der Zuschauerraum auf 308 Plätze verkleinert. Als „Saal 1“ ist er heute Teil eines „Multiplex“-Kinocenters mit neun Kinos.

Literatur

  • Hanspeter Dickel: „Garantiert flimmerfreie und ruhige Bilder!“ Ein neues Medium hält Einzug, in: ders. (Hg): Natur und Kultur des Raumes Gronau und Epe, Gronau 1982, S. 475.
  • Alfred Hagemann, Elmar Hoff (Hg.): „Insel der Träume“. Musik in Gronau und Enschede (1895-2005), Essen 2006, S. 397.
  • Klaus Kreimeier: Die Ufa-Story. Geschichte eines Filmkonzerns, Frankfurt a.M. 2002, S. 143, 216.
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