Aposiopese

Die Aposiopese (vom griechischen aposiopao, „abbrechen“, „verstummen“, lateinisch reticentia) ist als Sonderform der Ellipse (phatische Ellipse) eine rhetorische Figur, bei der ein Satz abgebrochen wird, bevor er beendet ist, und der letzte Teil durch eine Pause ersetzt wird. Der Abbruch kann z. B. emotionale Überwältigung (vergl. Pathos) oder eine unausgesprochene Drohung zum Ausdruck bringen. Manchmal kann man auch den Faden verloren haben, oder nach einem Wort suchen. Dann ist es eine Aufforderung zur Hilfe. Oft ist es auch ein Abbruch, der auf gemeinsames Wissen und die Unnötigkeit der Fortsetzung des Satzes hinweisen soll. Der Dialogpartner soll den Satz in Gedanken oder laut ergänzen. In der heutigen Umgangssprache sehr häufig ist auch der Abbruch eines an einen Hauptsatz angeschlossenen Nebensatzes unmittelbar nach der Konjunktion und der Anschluss eines weiteren Hauptsatzes, z. B.: „Die Idee ist ganz gut, obwohl ... völlig überzeugt bin ich noch nicht.“

Eine Sonderform ist die apotropäische Aposiopese: Der Satz bleibt unvollendet, um einen heiligen oder verfluchten Namen nicht aussprechen, „berufen“ zu müssen.

Beispiele

„Er kam, sah und …“

„Guck mal, das ist ein …“

„Der kann mich mal …“

„Denk mal, die kommen heute zu Besuch und ich schaffe es nicht mehr …“

(aufzuräumen, einzukaufen, fertigzuwerden)

„Nehmen wir an, sie sind …“

(einverstanden, hungrig)

„Kommen Sie mit, Sie sind doch sicher auch …“

„Wenn es mir nicht gelingt, den Grafen augenblicklich zu entfernen: so denk’ ich – Doch, doch, ich glaube, er geht in diese Falle gewiß.“

Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti

„Kameraden! Dieser Brief- freut euch mit mir!“

Friedrich Schiller: Die Räuber

„Quos ego –“

Vergil: Aeneis

Auf Deutsch:

„Euch werd’ ich –“

Vergil: Aeneis

Verwandte Stilfiguren


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