Apostrophitis
Kombination von falscher Verwendung des Apostrophs mit falschem Apostrophzeichen (Akut statt Apostroph-Zeichen) und Leerzeichen im Kompositum
Imperativ mit Gravis, der nie einen benötigt
Falsche Apostrophsetzung und Leerzeichen im Kompositum auf einem Supermarktschild

Apostrophitis ist eine polemische Bezeichnung von Sprachkritikern und Sprachpflegern für die normwidrige Verwendung des Apostrophs. Den auf solche Weise falsch gesetzten Apostroph bezeichnen manche Sprachkritiker auch als Deppenapostroph oder Idiotenapostroph. Die griechische Endung -itis (-ίτις) bezeichnet im ursprünglichen medizinischen Sprachgebrauch eine Entzündung und transportiert hier, wie oftmals in der Umgangssprache, die Wertung, es handele sich um „krankhaftes” Verhalten.

Inhaltsverzeichnis

Der englische Genitiv als Ausnahme im Deutschen

Der englische Genitiv wird durch das Anhängen eines durch Apostroph vom Wortstamm getrennten -s gebildet. Der Name englischer Handelsmarken und Franchise-Geschäfte besteht gelegentlich aus einem bloßen Genitiv, wie beispielsweise McDonald’s. Dies ist eine im Englischen übliche Ellipse, eine Verkürzung des längeren McDonald’s restaurant oder McDonald’s corporation. So heißt es auch üblicherweise im Englischen: “I am going to the butcher’s” (wörtlich: „Ich gehe zu des Fleischers“), das eigentliche Substantiv, der „Laden“, wird nurmehr mitgedacht.

Einige deutsche Restaurants orientieren sich bei ihrer eigenen Namensgebung an der englischen Schreibweise – wissend oder unwissend, dass die Genitivbildung mit Apostroph-s nicht den deutschen Rechtschreibregeln entspricht. Dabei handelt es sich oft um eine Form der Überanpassung, wie sie sich auch in Leerzeichen in Komposita zeigt.

Auch die englische Sprache kennt das Problem der falsch gesetzten Apostrophe. Dort ist es meist das Plural-s, das zur Setzung eines Apostrophs verleitet, da es ausgesprochen wie ein Genitiv-s klingt. Vor dem 19. Jahrhundert war es noch üblich, den Plural von Substantiven mit fremdem Wortklang (banana’s, pasta’s, ouzo’s) mit einem Apostroph zu bilden, um die Aussprache zu verdeutlichen, doch dies wird heute in der formalen Schriftsprache nicht mehr als korrekt angesehen.[1]

Der Apostroph zur Verdeutlichung der Stammform

Neuregelung durch die Rechtschreibreform

Seit 1996 gilt im Zuge der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 der gelegentliche Gebrauch des Apostrophs dann als richtig, wenn er die Grundform eines Personennamens vor der Genitivendung -s oder dem Adjektiv-Suffix -sch verdeutlicht (§ 97 E der amtlichen Regelung). Der Duden nennt hierzu Andrea’s Blumenecke als Beispiel. Die Schreibweise soll verdeutlichen, dass die Grundform des Namens „Andrea“, nicht „Andreas“ ist.[2] Die Unterscheidung wurde vor der Rechtschreibreform nur über den Stammformapostroph vorgenommen: Andreas Blumenecke (die Blumenecke von Andrea) bzw. Andreas’ Blumenecke (die von Andreas). Aber auch dann, wenn eine Verwechslung der Grundformen eigentlich nicht möglich ist, kann eine Verdeutlichung im Sinne der Neuregelung vorliegen; das dokumentiert der Duden durch sein zusätzliches Beispiel Willi’s Würstchenbude.

Kritik

Diese Regelung stieß in der Presse auf Kritik.[3] Mitunter wird falsche Apostrophsetzung als sich ausbreitendes „Virus“ beschrieben.[4][5][6] Kritiker des zusätzlichen Apostrophs sind der Meinung, dass er die Lesegeschwindigkeit verringere. Er erschwere das Überfliegen von Texten, da die Aufmerksamkeit von den sinntragenden Wörtern weg zu sinnarmen Syntaxzeichen hingelenkt werde. Zudem führe das Herausragen aus den Buchstabenzeilen und der zusätzliche Leerraum zwischen den Buchstaben zu einem unruhigeren, zerrissenen Schriftbild.

Belege

  1. Truss, Lynne. Eats, Shoots & Leaves. pp. 63–65.
  2. Duden, Band 1: Die deutsche Rechtschreibung. 21. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 1996, Richtlinien zur Rechtschreibung, Zeichensetzung und Formenlehre in alphabetischer Reihenfolge, S. 25.
  3. Der Deutschlandfunk zum „Sieg des Deppenapostrophs“: Schluss mit lustig
  4. Jochen Bölsche: Überall Fliegendreck. In: Der Spiegel. Nr. 26/2000, 26. Juni 2000, S. 118 (Artikel online auf Spiegel Online, abgerufen am 22. August 2011).
  5. Friedrich W. Würfl: Deutsch am Abgrund – Die Leiden eines Korrektors. Hierophant, 2008, ISBN 978-3-940868-29-9.
  6. Friedrich W. Würfl: Apostrophitis – ein Virus breitet sich aus. In: Deutsch am Abgrund – Die Leiden eines Korrektors. Hierophant, 2008, ISBN 978-3-940868-29-9, S. 31 ff (Online bei Google Books).

Weblinks

 Commons: Falsch gesetzte Apostrophe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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