Aprikosenkern
Aprikosenkerne

Bei den Aprikosenkernen handelt es sich um die Mandel (biologisch den Samen) des Aprikosensteins (den Kern in der Frucht als Steinfrucht).

Es gibt, wie auch bei den echten Mandeln, sogenannte süße und bittere Aprikosenkerne. Die süßen Kerne stammen aus den Zuchtsorten der Aprikosen, die für den Frischmarkt angeboten werden. Die bitteren Aprikosenkerne, mit ihrem typischen aromatischen Bittermandelgeschmack, werden aus den kleinen säuerlichen Wildaprikosen gewonnen. Es gibt Kerne, die heller oder dunkler in der Fruchtschale sind, in der Regel sind die süßen Kerne jedoch länglich, die bitteren Kerne gedrungener in der Form.

Aprikosenkerne dienen in der Süßwarenindustrie vor allem als Rohstoff zur Herstellung von Persipan, einer dem Marzipan ähnlichen Masse.

Inhaltsverzeichnis

Ernte

Im Juli werden die Früchte geerntet und getrocknet. Bei den süßen Aprikosen wird dann der Stein nach der halben Trocknungszeit mit der Hand aus den Früchten gedrückt. Bei der sauren Wildsorte, welche die bitteren Aprikosenkerne enthalten, wird die Aprikose halbiert, und die Steine werden aus den Aprikosen herausgenommen. Dann werden auch die Aprikosensteine noch einmal getrocknet, danach geknackt, um den eigentlichen Aprikosenkern (die Mandel) zu gewinnen. Die Aprikosenkerne werden dabei sorgfältig von Hand verlesen, damit möglichst wenig Bruch oder Schalenteile in die Verkaufsware gelangen.

Nahrungsergänzung/Alternativmedizin

Aprikosenkerne werden in Reformhäusern, Bioläden und in Internet-Shops als Nahrungsergänzungsmittel verkauft und als gesundheitsfördernd beworben. Das Volk der Hunzukuc (auch fälschlich Hunza genannt), das auf Grund von Gerüchten immer wieder als besonders langlebig bezeichnet wird, soll unter anderem regelmäßig Aprikosenkerne verzehren. Außer den ganzen Kernen werden auch Kapseln mit zermahlenen Kernen im Handel angeboten, häufig im Internet. Diese Produkte sind in Deutschland aber nicht zugelassen.

Bittere Aprikosenkerne werden außerdem in alternativen Krebstherapien als wirksam bezeichnet. Aprikosenkerne enthalten u.a. Amygdalin, das giftige Blausäure abspaltet. Die Blausäure soll Tumorzellen abtöten können- dies ist jedoch nicht erwiesen. In den USA wurde die Substanz unter dem Namen Laetril in den 1950er Jahren auf den Markt gebracht. Dort und auch in Deutschland ist das Mittel nicht mehr als Arzneimittel zugelassen.[1]

Süße Aprikosenkerne

Süße Aprikosenkerne schmecken fruchtig, teilweise auch leicht säuerlich. Sie werden in den ursprünglichen Aprikosenanbaugebieten auch gegessen. Seit einiger Zeit sind sie auch in Deutschland in Bioläden im Handel. Wie bei süßen Mandeln ist der Amygdalingehalt gegenüber den bitteren Sorten so gering (Blausäuregehalte < 70 mg/kg), dass ein Verzehr als unbedenklich eingestuft werden kann[2]. Auch in den süßen Aprikosen kommt ein geringer Prozentsatz an bitteren Kernen vor. Ebenso gibt es bei den Kernen aus den wild wachsenden Aprikosen solche, die weniger bitter schmecken.

Bittere Aprikosenkerne

Bittere Aprikosenkerne enthalten einen relativ hohen Anteil an Amygdalin. Nach Aussage des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz können bereits wenige Kerne täglich zu Vergiftungserscheinungen führen. Die Kerne enthalten bis zu 300 Milligramm Cyanid je 100 Gramm bzw. bis zu einem Milligramm pro Kern. Bei übermäßigen Verzehr könne die Blausäure wichtige Enzyme der Zellatmung blockieren und im schlimmsten Fall zu innerer Erstickung führen. Bei geringeren Konzentrationen kann der menschliche Organismus Blausäure normalerweise ausscheiden. Anzeichen für eine Blausäurevergiftung sind starke Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit sowie eine bläuliche Verfärbung der Haut und Erstickungsgefühle. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät, maximal zwei bittere Kerne pro Tag zu essen oder ganz darauf zu verzichten.[3]

Bewertung

In der Stellungnahme des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz heißt es: „Die Nachfrage nach Bitteren Aprikosenkernen ist gestiegen, seit in verschiedenen Medien der Verzehr als alternativmedizinische Maßnahme zur Krebsbehandlung empfohlen wurde. Diese Empfehlungen zielen auf nicht wissenschaftlich anerkannte, therapeutische Wirkungen ab und lassen die für ein Lebensmittel anzuwendenden Sicherheitsaspekte in gefährlicher Weise außer Acht.“[4]

Auch die Apothekerkammer Westfalen warnt vor dem Verzehr von bitteren Aprikosenkernen wegen der Gesundheitsrisiken. In einer Stellungnahme heißt es: „In verschiedenen Medien wurden sie als Alternativmedizin gegen Krebs empfohlen – wissenschaftlich ist dies nicht gesichert. Aprikosenkerne sind nach jetzigem Wissensstand als gesundheitsgefährdende Lebensmittel einzustufen und nicht als medizinisch wirksame Arzneimittel.“[5]

Die Substanz Amygdalin, die aus Aprikosenkernen isoliert werden kann, hat weder in Tierversuchen noch in einer klinischen Studie mit Krebspatienten irgendeine Wirkung auf die Entwicklung des Tumors gehabt. „Im Rahmen einer im renommierten Medizinjournal New England Journal of Medicine publizierten klinischen Studie wurden 178 Krebspatienten mit Amygdalin behandelt. Ein Drittel der Patienten hatte zuvor keine Chemotherapie erhalten. Die Patienten befanden sich in einem guten klinischen Zustand. Es wurden verschiedene in praxi eingesetzte Dosierungsregime von Amygdalin untersucht. Es wurde kein Benefit in Bezug auf Heilungsraten, Verbesserung oder Stabilisierung der Krebserkrankung, Verbesserung der mit der Krebserkrankung korrelierten Symptomatik oder eine Ausdehnung der Lebensspanne beobachtet. Jedoch wurden bei verschiedenen Patienten Symptome einer Cyanidintoxikation festgestellt oder Blutspiegel gemessen, die annähernd letal-toxische Werte annahmen. Die Autoren resümieren als Ergebnis ihrer klinischen Untersuchung: Amygdalin sei eine toxische Substanz ohne Effekte bei der Krebstherapie.“[3]

Der Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung verweist darauf, dass schon Ende der 1980er Jahre in wissenschaftlichen Untersuchungen über Vergiftungen und Todesfälle durch Blausäure berichtet wurde.[1]

Einzelnachweise

  1. a b UGB-Verband über Pseudovitamine
  2. Mitteilung des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
  3. a b Informationen des Zentrums für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis der ABDA, Stand Juli 2007
  4. Mitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (2006)
  5. Apothekerkammer Westfalen

Weblinks


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