Apus horus
Horussegler
Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Segler (Apodidae)
Gattung: Apus
Art: Horussegler
Wissenschaftlicher Name
Apus horus
Heuglin, 1869

Der Horussegler (Apus horus) ist eine Vogelart aus der Familie der Segler (Apodidae). Das Verbreitungsgebiet ist auf Afrika südlich der Sahara beschränkt. Die Gestalt wirkt im Vergleich zum verwandten, in Mitteleuropa häufigen Mauersegler massig, der Flug ist weniger elegant. Als Nistplätze werden Höhlen verwendet, die von anderen Arten – vor allem Bienenfressern – in sandige Wände gegraben wurden und übernommen werden. Der Horussegler ist zumindest in Teilen seines Verbreitungsgebiets häufig und wird als ungefährdet eingestuft.[1]

Horus, an den der Name der Art erinnert, war ein Gott der frühen ägyptischen Mythologie.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Horussegler zählt mit einer Körperlänge von knapp 15 Zentimetern zu den kleinen Apus-Arten. Die Flügellänge liegt zwischen 143 und 161 Millimetern, das Gewicht beträgt durchschnittlich etwa 26 Gramm. Die Gestalt ist im Vergleich zu den verwandten Seglern recht massig, ähnlich dem Haussegler. Das Gefieder ist vorwiegend einheitlich dunkel, von grau-braun bis schwarz. Der recht große, helle Kehlfleck bildet einen deutlichen Kontrast, weniger deutlich bei abgetragenem Gefieder. Sehr auffallend ist auch der weiße Bürzel, der sich sehr stark von den dunklen umgebenden Gefiederpartien abhebt. Wie beim Haussegler setzt sich der Bürzel auch an den hinteren Flanken fort, so dass dieser aus beinahe jeder Perspektive zu erkennen ist. Der Schwanz weist für Apus-Arten eine mittlere Länge auf und auch die Schwanzgabelung ist mit einer Länge des Einschnitts zwischen 9 und 13 Millimetern im mittleren Bereich. Beide Geschlechter sehen gleich aus.

Wie der Haussegler fliegt der Horussegler sehr schwirrend und lässt den graziösen, kraftvollen und schwalben-ähnlichen Flug der verwandten Arten vermissen. Deshalb und wegen des ebenfalls weißen Bürzels stellt der Haussegler auch die am schwersten zu unterscheidende Art dar. Das beste Unterscheidungsmerkmal ist der Schwanz, der beim Horussegler etwas länger ist, und vor allem weist der Schwanz des Haussegler praktisch keine Gabelung auf sondern ist gerade abgeschnitten. Der zweite, sympatrisch vorkommende weißbürzelige Segler ist der Kaffernsegler; die stromlinienförmigere Gestalt und der wesentlich deutlicher gegabelte Schwanz sind die besten Merkmale, um den Kaffern- vom Horussegler zu unterscheiden.

Der Ruf des Horusseglers ist tiefer als der des Kaffern- und Hausseglers. Er wirkt ziemlich „geschäftig“ und klingt wie „priiiuuu priiiuuu“. Während der Brutzeit ruft der Horussegler häufiger als diese ähnlichen Arten, außerhalb der Brutzeit ist er hingegen ziemlich ruhig.

Verbreitung und Wanderungen

In Afrika südlich der Sahara, vorwiegend in Ost- und Südafrika, ist der Horussegler endemisch. Weiter westlich gibt es verstreute Populationen, Bestimmungsprobleme erschweren die vollständige Erfassung der Verbreitung, möglicherweise ist die Art weiter verbreitet, als bisher angenommen.

Der Horussegler kommt im Bergland von Äthiopien und in Kenia von der Mitte bis zur tansanischen Grenze im Süden vor; diese Vorkommen bilden aber keine zusammenhängende Population, da die Art im Norden Kenias fehlt. Weiter findet sich der Horussegler im Nordwesten Ugandas, den angrenzenden Gebieten Burundis und der Demokratische Republik Kongo. Das größte zusammenhängende Areal befindet sich im südlichen Afrika. Der Horussegler findet sich dort im Süden Sambias, in Simbabwe, im Norden Botswanas, im mittleren Mosambik sowie in Südafrika – vor allem von Transvaal im Norden bis Port Elizabeth im Süden, aber auch in einem schmalen Streifen vom Westkap an der Südküste entlang, wo kürzlich das De Hoop Nature Reserve besiedelt wurde. Neben diesen größeren zusammenhängenden Gebieten wurden verstreute Populationen in Nigeria, Kamerun, Sudan, Niger und Angola beobachtet. Mögliche Sichtungen von Zugvögeln gab es auf den Agalega-Inseln und den Seychellen.

In weiten Bereichen des Gebiets ist der Horussegler Standvogel. Hauptsächlich im südafrikanischen Highveld ist er aber nur zur Brutzeit anzutreffen, gleiches gilt für das Highveld in Simbabwe. Dort brütet die Art zwischen Oktober und Mai. Möglicherweise ziehen die Vögel in letzterem Gebiet lediglich in das Lowveld, wo die Art ebenfalls als Standvogel vorkommt und das ganze Jahr brütet. Berichten zufolge ist der Horussegler im Tal des Sambesi als Gastvogel während der Trockenzeit anzutreffen. Im ostafrikanischen Teil des Verbreitungsgebiets zeigt die Art vorwiegend Dismigrationsverhalten.

Lebensraum

Der Lebensraum ist hauptsächlich gebunden an den anderer Arten, vor allem der Bienenfresser, da der Horussegler im Normalfall deren verlassene Nester übernimmt. Deshalb ist der Horussegler oft in der Nähe sandiger Gebiete anzutreffen, sowohl natürliche als auch vom Menschen geschaffene. In Kenia brütet die Art in einer Höhe zwischen 1600 und 2000 Metern, in Natal zwischen 1500 und 2400 Metern. Größere Siedlungsgebiete werden bei auch Nahrungssuche gemieden.

Verhalten und Nahrungserwerb

Horussegler sind normalerweise gesellig, auch wenn sie nur in kleineren Gruppen anzutreffen sind, maximal wurden 30 gezählt. Oft bilden sie auch Schwärme mit anderen Seglern oder Schwalben. Zur Nahrungssuche fliegt der Horussegler im Normalfall in mittlerer Höhe zwischen 20 und 30 Metern, also über dem Palmensegler, aber unterhalb des Kaffernseglers. Gelegentlich jagt der Horussegler auch im höheren Luftraum, wenn diese Höhenzone nicht durch andere Arten besetzt ist. Im Flug werden Termiten, Fliegen und Ameisen erbeutet.[2]

Fortpflanzung

In der Kapprovinz brütet der Horussegler von November bis Dezember und von März bis April, in Transvaal von Januar bis März. In Simbabwe sind brütende Vögel das ganze Jahr über zu beobachten mit einem Schwerpunkt von November bis März. Die ist in Äthiopien im Juni, in Malawi von April bis Mai, in Sambia in den Monaten August und September. Der Horussegler ist kein richtiger Koloniebrüter, aber ebenso wie isolierte Brutplätze gibt es Gemeinschaftsbruten von bis zu 12 Brutpaaren, gelegentlich auch mehr, oft etwas verstreut inmitten einer Brutkolonie von Bienenfressern oder Uferschwalben. Das gemeinschaftliche Brüten wird deshalb auch als eine Folge der Übernahme der Nester koloniebrütender Arten angesehen.

Zur Brut werden die verlassenen, typischerweise an Flussufern liegenden Nester Höhlen grabender Arten übernommen, vor allem der Bienenfresser, Eisvögel, Erdspechte (Geocolaptes olivaceus), Bindenschwalben (Riparia cincta) und möglicherweise auch der Termitenschmätzer (Myrmecocichla formicivora). Eine gewaltsame Übernahme der Bauten wurde noch nicht beobachtet. Das Nest liegt am Ende der Höhle und ist eine flache Schlale mit 10 bis 14 Zentimetern Durchmesser. Das Nistmaterial ist vorwiegend pflanzlich – vor allem Gras, Daunen, Maisblätter sowie Moos – und wird mit Speichel Haaren und Federn verfestigt. Die Kopulationen finden im Nest statt. Das Gelege besteht aus ein bis vier Eiern, die im Mittel 25,9 x 16,8 Millimetern messen. Die Bebrütungszeit liegt im Mittel bei 28 Tagen, die Nestlingszeit bei 6 Wochen.

Bestand und Gefährdung

In großen Teilen des Verbreitungsgebiets kommt der Horussegler regelmäßig vor, im Äthiopischen Hochland ist er teilweise häufig. In einer Kenianischen Kolonie bei Nakuru wurde die Population auf mehrere hundert Brutpaare geschätzt.

Die Größe des Verbreitungsgebiets wird auf 1.200.000 km² geschätzt. Zahlen für den weltweiten Bestand liegen nicht vor, die Art ist aber in einigen Teilen des Verbreitungsgebiets häufig und es gibt Anzeigen einer Bestandszunahme, weshalb die Art als ungefährdet eingestuft wird.[3]

Systematik

Mit A. h. fuscobrunneus wird eine Unterart unterschieden, die auf den Südwesten Angola beschränkt ist. Sie unterscheidet sich von der Nominatform durch einen kleineren, grauen Kehlfleck und durch das Fehlen des weißen Bürzels, der stattdessen graubraun gefärbt ist, sonst ist fuscobrunneus allgemein blasser gefärbt.

Weiterhin wird eine Farbmorphe unterschieden, die Toulsoni genannt wird. Vögel dieser Morphe haben wie fuscobrunneus einen kleineren Kehlfleck und einen braunen Bürzel, sind aber insgesamt dunkler als diese Unterart. Diese Form findet sich im Nordwesten Angolas und in Simbabwe.

Einige Autoren sehen diese beiden dunklen Formen als Paraspezies innerhalb einer horus-Superspezies. Bei der Unterartengliederung dieser Art gilt es aber zu bedenken, dass das Gefieder des Horusseglers wegen der Nutzung gegrabener Höhlen oft eine starke Abnutzung aufweist, und das Gefieder einzelner Vögel schon deshalb sehr starke Unterschiede in der Tönung aufweisen kann.

Literatur

  • Phil Chantler, Gerald Driesses: A Guide to the Swifts and Tree Swifts of the World. Pica Press, Mountfield 2000; ISBN 1-873403-83-6
  • del Hoyo, Elliot, Sargatal (Hrsg.): Handbook of the Birds of the World. Volume 5: Barn-Owls to Hummingbirds. Lynx Edicions, 1999, ISBN 84-87334-25-3

Einzelnachweise

  1. Diese und alle nicht gesondert gekennzeichneten Angaben sind folgender Quelle entnommen: Chantler, Driessens: A Guide to the Swifts and Tree Swifts of the World. Seite 244ff, siehe Literatur
  2. del Hoyo et al. (1999): Handbook of the birds of the world. Seite 456f, siehe Literatur
  3. BirdLife International: Horus Swift – BirdLife Species Factsheet

Weblinks

  • Apus horus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2008. Eingestellt von: BirdLife International, 2008. Abgerufen am 15. Januar 2009

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