Aquae Sulis
Das Bad mit dem Becken aus römischer Zeit

Aquae Sulis war eine römische Stadt in der Provinz Britannien, an der Stelle des heutigen Bath. Der Ort gelangte vor allem wegen seiner heißen Quellen und einem damit verbundenen Heiligtum der Göttin Sulis zu überregionaler Bedeutung.

Aquae Sulis lag im Tal des Avon an der Stelle, wo der Fluss durch die Cotswold-Berge austritt. Hier finden sich drei heiße Quellen, die einzigen ihrer Art auf den britischen Inseln. Diese Quellen scheinen schon in vorgeschichtlicher Zeit Menschen angezogen zu haben. Es fanden sich einige Artefakte aus neolithischer Zeit und der Eisenzeit.

Inhaltsverzeichnis

Der Name

Der Ort erscheint mit verschiedenen Namen in antiken Quellen. Ptolemaius nennt drei Orte im Gebiet der Belgae, in dem der Ort lag; darunter befindet sich Aquae Calidae (Kurort der heißen Quellen), bei dem es sich um Bath handeln muss. Daneben nennt er noch Venta, den Hauptort der Civitas und einen bisher nicht identifizierten Ort mit dem Namen Iscalis. In der Itinerarium Antonini wird die Stadt Aquis Solis genannt. Hier handelt es sich wahrscheinlich um eine Verschreibung von Aquae Sulis (Kurort der Göttin Sulis).

Die römische Stadt

Schon in der Mitte des ersten Jahrhunderts n. Chr., mit Beginn der Herrschaft der Römer, scheinen diese ein besonderes Interesse an dem Ort gefunden zu haben. Es wurde wahrscheinlich ein Militärlager errichtet, von dem sich aber keine architektonischen Reste fanden. Nur Waffen, Münzen, aber auch Grabsteine deuten dies an.

Die Quellen wurden unter der römischen Herrschaft ausgebaut. Die Hauptquelle wurde ummauert und das Wasser kanalisiert. Es entstand eine große Siedlung mit städtischem Charakter. Am Ende des ersten Jahrhunderts wurde ein großes Badehaus errichtet, das nach Ausgrabungen heute noch teilweise gut erhalten ist. Zentrum der Thermen war ein großes Becken, das mit Blei verkleidet war. Das Becken war von Säulen umgeben. Östlich und westlich davon befand sich jeweils ein kleineres Wasserbecken sowie kleinere Räume zum Wechseln der Kleidung oder zu anderen Zwecken.

Kopf im Giebelfeld der Tempelfassade
Kopf einer Bronzestatue

Der Sulis-Minervatempel

Nördlich des Bades und mit diesem verbunden schloss sich ein großer Tempel im klassischen Stil an. Da es nur wenige Tempel im klassischen Stil in Britannien gab, ist dieser von besonderem Interesse. Der Tempel war der keltischen Gottheit Sulis (die wiederum mit Minerva gleichgesetzt wurde) geweiht, die hier verehrt wurde und die die Schutzgottheit der Quellen war. Er stand auf einem Podium. Die Front war nach Osten orientiert. Hier standen vier Säulen, zu denen man über eine große Freitreppe gelangte. Auf beiden Seiten der Treppe wurden später Schreine errichtet, so dass der klassische Eindruck des Baues verloren ging. Der Tempel war von einer Mauer umgeben und stand wiederum in einem auch von einer Mauer eingefassten Bezirk. Im Süden reichte ein Teil der Badeanlagen mit einem runden Wasserbecken in den Tempelbezirk hinein. Das Giebelfeld des eigentlichen Tempels zeigte eine Gorgone oder vielleicht sogar Sulis Minerva.

Der Kopf einer vergoldeten Bronzestatue, der sich hier bei Ausgrabungen des achtzehnten Jahrhunderts fand, mag vielleicht sogar zu der Kultstatue gehört haben.

Weitere Bauten

Von einem Tholostempel fanden sich nur die charakteristischen gerundeten Bauteile. Sein einstiger Standort ist unbekannt. Es wird vermutet, dass er unter Hadrian erbaut wurde, der im Jahr 122 Britannien besucht hatte.

Etwas nördlich vom Sulis-Minervatempel stand vielleicht ein Theater, von dem bisher aber nur sehr wenige Reste ausgegraben wurden.

Das Zentrum der Stadt war von einer Mauer umgeben. Innerhalb der Mauer fanden sich Reste eines weiteren Bades und Reste von Wohnbebauung. Diese bestand im ersten Jahrhundert meist aus Holzbauten, wurde im zweiten Jahrhundert aber durch solche aus Stein ersetzt. Es kann mit Unterkünften für Pilger und Besucher von Außerhalb gerechnet werden, doch ist hier erst wenig erforscht worden. Mosaiken belegen immerhin den Reichtum der Stadt. Sie erlebte ihre größte Blüte im vierten Jahrhundert. Vor allem das Gebiet innerhalb der Mauern war zu dieser Zeit dicht bebaut.

Mosaik

Außerhalb der Stadtmauern gibt es weitere umfangreiche Reste römischer Bebauung. Es fanden sich reich ausgestattete Wohnbauten entlang der Straßen. Hier können auch Werkstätten vermutet werden.

Inschriften

Aus der Stadt stammen zahlreiche Inschriften, die ihre überregionale Bedeutung belegen. Die frühsten Inschriften sind Grabsteine von Soldaten, die in dem hier vermuteten Lager stationiert waren. Lucius Vitellius Tancinus war z.B. ein spanischer Reiter, der im Alter von 46 starb.

Viele Inschriften stammen von Pilgern, die die Quellen und das Heiligtum besuchten. Darunter ist die Inschrift des Sulinus, eines Bildhauers, zu nennen. Besonders viele Namen fanden sich auf Bleitafeln, die in die Quellen geworfen wurden und Weiheinschriften tragen.

Übergang zum Mittelalter

Im vierten Jahrhundert trat der Avon wiederholt über seine Ufer und überschwemmte Teile der Stadt. Vor allem der Badekomplex wurde davon betroffen. Der Boden des Tempelbezirkes wurde von Sand und Abfall aus anderen Teilen der Stadt bedeckt. Trotzdem scheint es weiterhin eine Besiedlung gegeben zu haben. Erst für 577 wird die Eroberung der Stadt durch die Angelsachsen berichtet.

Literatur

Weblinks

  • Aquae Sulis. In: Roman-Britain.org. Abgerufen am 28. Juli 2009 (englisch).
51.380889-2.359639

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