Aquaedukt
Die römische Aquäduktbrücke „Pont du Gard“ in Südfrankreich (2002)

Aquädukt bedeutet (aus dem lateinischen) Wasserleitung (von aqua = Wasser + ductus = Führung, Leitung; wörtl. übersetzt also „Wasserführung“).

Inhaltsverzeichnis

Wasserleitungen in den alten Hochkulturen und in Griechenland

Die ältesten Aquädukte in der historischen Überlieferung werden Ramses dem Großen, Semiramis und dem König Salomo zugeschrieben.

Die Überreste der Aquädukte von Palmyra und Samos (Tunnel des Eupalinos, im 6. Jahrhundert v. Chr. von Eupalinos von Megara erbaut) sind Beispiele von unterirdischen Kanälen, die das Wasser aus mehr oder minder entfernt liegenden Quellen in die Städte führten.

Auch die Griechen beherrschten den Bau von Aquädukten. In Athen wurde das Wasser vom Hymettos und Pentelikon hergeleitet. Weitere Aquädukte fand man in Griechenland bei Theben, Megara, Samos, Pharsalos und anderen Orten.

Wasserleitungen im Römischen Reich

Hauptartikel: Wasserversorgung im Römischen Reich

Allgemeines

Am bekanntesten sind die Aquädukte der Römer, da sie oft auf gewölbten Bogenstellungen geführt wurden und zu den bedeutendsten Bauwerken der Antike gehören. Die Leitungen der Römer bestanden aus Holz, Blei oder Leder, meist waren es jedoch Steinkanäle. Die in die einzelnen Häuser führenden Leitungen waren, wie Ausgrabungen in Pompeji ergaben, gewöhnlich aus Blei. Einige Aquädukte hatten mehrere Stockwerke und in jedem floss Wasser einer anderen Quelle. Da das Wasser stetig weiterfließen musste, wurden die Aquädukte so gebaut, dass sie ein stetiges leichtes Gefälle aufwiesen. Dies wurde durch frühere Architekten genaustens ausgemessen. So betrug das Gefälle nach Vitruvius mindestens 0,5%.

Ruine des Aquädukts von Aspendos, Kleinasien von der Oberstadt her gesehen

Der Beginn des Aquädukts ist das Quellhaus, das Ende des Laufes bezeichnet das Reservoir, von wo aus das Wasser in die Bäder, Gärten etc. geleitet wird. Besondere Beamte waren für die Regelung der Wasserzuteilung zuständig, die durch strenge Gesetze den Schutz der Anlagen gewährleistete. Im Gegensatz zu den größeren Überlandleitungen mit Freispiegelgefälle verwendete man in der Stadt häufig Druckleitungen und schaltete im Bedarfsfalle „Wassertürme“ dazwischen. Die Druckleitungen bestanden aus Blei- oder Tonrohren. Die Bleirohre wurden industriell aus in der Breite genormten, gegossenen Bleiplatten gefertigt. Durch das Zusammenbiegen und Verlöten erhielten die Rohre einen etwa birnenförmigen Querschnitt. Für die Rohrherstellung wurden aber auch noch andere Baustoffe wie Holz, Stein und sogar „Fertigbeton“ eingesetzt.

Aquädukte in Rom

Aqüeducte de les Ferreres bei Tarragona

Die imposantesten Aquädukte wurden in Rom errichtet. Sie führten das Quellwasser aus dem Gebirge 15–30 Stunden lang über Täler, Schluchten und Abgründe oder durch Höhlen herbei. Die erste Wasserleitung, die aqua Appia, erbaut 312 v. Chr. durch Appius Claudius Caecus, begann an der Via Praenestina, wurde fast vier Wegstunden lang unterirdisch geführt, trat bei der Porta Capena in die Stadt und goss im Campus Martius ihr Wasser aus.

Im weiteren Verlauf der Republik und in der Kaiserzeit wurden weitere Wasserleitungen errichtet, so dass Rom schließlich aus insgesamt 14 Aquädukten versorgt wurde, deren Gesamtlänge mehr als 400 km betrug, davon 64 km Bogenaquädukte und 2,5 km Tunnel. Mit den Aquädukten wurde selbst aus viele Kilometer entfernten Quellen Wasser in die Millionenstadt geführt, - die Quelle in Subiaco war ca. 100 km entfernt - und zwar in einer solchen Menge, dass man sich auch die riesigen Badehäuser, die Thermen leisten konnte. Die Aquädukte stellen die erste städtische Kanalisation in Europa dar. Nie zuvor hatte eine Stadt über derartige Wassermassen verfügt. Der Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung betrug das Drei- bis Vierfache des heutigen Wertes. Um das Jahr 100 n. Chr. herum strömten täglich zwischen 520.000 - 635.000 m³ Trinkwasser in die Stadt.

Die frühesten römischen Aquädukte verliefen noch in unterirdischen Schächten aus Tuffblöcken. Der Bau der ersten erhöhten Wasserleitung wurde 144 v. Chr. begonnen. Die Wasserleitungen konnten in den Aquädukten in mehreren Etagen übereinander erfolgen (Eine Besonderheit bildet die Stadt Perge an der kleinasiatischen Südküste. Dort verlief eine Wasserleitung in einem Kanal auf erhöhter Ebene auf einem Mittelstreifen der Straße).

Die Aquädukte mündeten am höchsten Punkt der Stadt in einen Verteiler (castellum), der dem heutigen Wasserturm vergleichbar ist. Von dort gingen drei Hauptäste ab. „Der erste war für die Sozialwasserversorgung, opera publica. Das waren die öffentlichen Straßenbrunnen für Trinkwasser, aus denen die Bevölkerung ihr Wasser holte. Der zweite speiste die sonstigen öffentlichen Anlagen [...]: Theater und Parkanlagen [...] und Thermen“[1].

Das römische Aquädukt in Segovia

Welche Wassermenge diese gesamten Aquädukte einst Rom gespendet haben mögen, lässt sich daraus ermessen, dass die drei noch jetzt bestehenden hinreichend jedes Haus sowie die unzähligen öffentlichen Brunnen der heutigen Stadt versorgen.

Diese sind:

  • die Fontana di Trevi (Aqua Virgo), von M. Agrippa 22 v. Chr. angelegt, von Papst Pius IV. wiederhergestellt;
  • die Aqua Felice oder di Termini (Aqua Claudia), von Caligula angefangen, von Claudius 50 n. Chr. beendigt, von Papst Sixtus V. wiederhergestellt, und
  • die Algentina, welche die herrlichen Wasserfälle in der Villa Aldobrandini bildet. 1882 ist die Wasserleitung des Bitilenus bei Alatri aufgedeckt worden.

Die Kanäle der römischen Wasserleitungen waren nach Sextus Iulius Frontinus, der die genaueste Schilderung dieser hinterlassen hat, durchweg gemauert, sowohl unter als über der Erde, und hier auf Unterbauten oder Bogengängen in Hausteinen oder Ziegeln ausgeführt und nach oben überall entweder mit Gewölben oder Steinbalken überdeckt. Der Querschnitt der Kanäle richtete sich nach der Quantität des zu leitenden Wassers, und die Höhe übertraf stets den höchsten Wasserstand. Die inneren Wände und Sohlen der Kanäle erhielten anstelle eines Sandputzes einen wasserdichten, aus Kalk und zerschlagenen Ziegelstückchen gemischten Bewurf, der auch in den durch festes Felsengebirge getriebenen Stollen nicht fehlte.

Aquädukte in Italien und den römischen Provinzen

Von Aquädukten in den römischen Provinzen sind noch Reste vorhanden, so die Römersteine in Zahlbach bei Mainz, dem so genannten Römerkanal aus der Eifel nach Köln, die sogenannte Heidenmauer in Wiesbaden, zu Metz, zu Nîmes in Frankreich (Pont du Gard), zu Segovia, Tarragona und Mérida in Spanien, sowie zu Pergamon, Phaselis und Aspendos in der Türkei.

Der philhellenische Kaiser Hadrian ließ 125 auf dem Peloponnes ein Aquädukt vom Stymphalischen See bis Akrokorinth bauen. Es war bis ca. 1800 in Betrieb. Die ersten ca. 5 km sind seit einer Restauration um 1885 erneut in Betrieb.

Hervorzuheben ist noch das vom Ostgotenkönig Theoderich um 500 zwischen zwei steilen Abhängen erbaute Aquädukt bei Spoleto in der italienischen Provinz Umbrien. Das Aquädukt mit 89 m Höhe wurde aus zwei Etagen mit 10 unteren Öffnungen von je 21, 4 m Spannweite und 30 oberen Bogen errichtet, welche eine Rinne tragen, worin das Wasser über den Wildbach Mareggia nach Spoleto geleitet wird.

Aquädukte in nachrömischer Zeit

Blick auf das Aquädukt der Wiener Wasserleitung in Mödling
Das Aquädukt am Leinakanal

Weitere Aquädukte, die nach den Römern errichtet wurden, stehen in Lissabon und Caserta bei Neapel, sowie einige in England und Schottland, das Aquädukt von Arcueil (1613-1624 für die Fontäne im Jardin du Luxembourg in Paris erbaut und 3500 m lang) und das Aquädukt Maintenon in Versailles. Das letztere, unter Ludwig XIV. nach den Entwürfen und unter der Leitung Vaubans begonnen, sollte auf einer sogar dreifachen, oben 4.990 m langen, 70 m hohen Arkadenreihe von 242 Bogen die Wasser der Eure den Bassins und Wasserkünsten im Luxembourg-Park zuführen, jedoch wurde nur die unterste Bogenreihe mit einem Kostenaufwand von 22 Mill. Livres wirklich vollendet. Auch im Orient waren Aquädukte im Mittelalter weit verbreitet. Das von Fustat (Kairo) ist noch heute in Teilen erhalten.

Außerdem sind die noch in Verwendung befindlichen Aquädukte der Wiener Hochquellenwasserleitung bei Baden und Mödling sowie das Aquädukt des Leinakanals bei Gotha zu erwähnen.

Heutzutage werden Aquädukte durch Druckrohrleitungen ersetzt.

Siehe auch

Literatur

  • Wasserversorgung im antiken Rom. Oldenbourg, München 1982, ISBN 3-486-26111-8.
  • Die Wasserversorgung antiker Städte. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1987, ISBN 3-8053-0933-3.
  • Renate Tölle-Kastenbein: Antike Wasserkultur. München 1990, ISBN 3-406-34602-2.
  • Waldemar Haberey: Die römischen Wasserleitungen nach Köln. Die Technik der Wasserversorgung einer antiken Stadt. 2. Auflage. Rheinland-Verlag, Bonn 1972, ISBN 3-7927-0146-4.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Erika Brödner: Wohnen in der Antike. 2. Auflage. Darmstadt 1993, S. 102.

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