Maurice Thorez
Maurice Thorez (1936)
sowjetische Briefmarke

Maurice Thorez (Aussprache: [mɔˈʀis tɔˈʀɛːz]; * 28. April 1900 in Noyelles-Godault, Pas-de-Calais; † 11. Juli 1964 bei einer Überfahrt auf dem Schwarzen Meer) war ein französischer Politiker, der von 1930 bis 1964 Generalsekretär der Parti communiste français (PCF) und von 1946 bis 1947 Vizepremierminister seines Landes war.

Inhaltsverzeichnis

Leben

In einer Bergarbeiterfamilie geboren, arbeitete Thorez schon mit zwölf Jahren in einem Bergwerk und später als Bauarbeiter. 1919 gehörte er bereits den Militanten in der SFIO an. Nach dem Parteikongress von Tours 1920 schloss er sich den Kommunisten an und nahm bald wichtige Posten ein. Im gleichen Jahr begann er seinen Militärdienst. 1923 wurde er Sekretär der kommunistischen Föderation des Pas-de-Calais, ein Jahr später Sekretär der Region Nord. 1925 wurde er, nach einem kurzen Flirt mit der linken innerparteilichen Opposition, Mitglied des Politbüros der KPF. 1926 wurde er Organisationssekretär seiner Partei. Zwischen 1925 und 1926 engagierte er sich aktiv gegen den Krieg in Marokko. Zwischen 1929 und 1930 verbüßte er eine Haftstrafe wegen Provokation militärischen Ungehorsams.

1930 wurde Thorez zum Generalsekretär der KPF gewählt und genoss die Unterstützung Josef Stalins, dessen Kampf gegen Leo Trotzki und die von Trotzki herbeigeführten Abspaltungen Thorez unterstützte. 1932 wählte man ihn im Wahlkreis Ivry in die Deputiertenkammer, die ihn in die provisorische Konsultativversammlung entsandte. Später wurde er im Wahlkreis Seine in die konstituierende Nationalversammlung wiedergewählt, der er vom 10. November 1932 bis zu seinem Tod angehörte. Während er im Januar 1934 die Sozialistische Partei noch ausdrücklich als Feind nannte, unterzeichnete Thorez sechs Monate später einen Pakt mit der SFIO und der Parti Radical Socialiste über die Bildung der Volksfront.[1] Infolge der tiefen wirtschaftlichen Depression gelangte die Volksfront unter dem von Thorez unterstützten Premierminister Léon Blum 1936 an die Macht, in der sie wichtige Sozialreformen, wie zum Beispiel den Urlaub für Arbeitnehmer, einführte. Wegen des Nichtangriffspakts zwischen Stalin und Hitler 1939 wurde die erstarkte KPF unter Leitung von Thorez aus der Volksfrontregierung ausgeschlossen. Die Spannungen in der französischen Bevölkerung am Vorabend des Krieges hatten stark zugenommen. Rechte Kreise planten Attentate auf linke Politiker und Gewerkschafter.

Am 4. Oktober 1939, kurz nach Beginn des Krieges gegen Deutschland, desertierte Thorez, der als Reservist im 3. Pionierregiment in Arras diente, auf Befehl Moskaus und floh über Belgien nach Moskau. Am 29. November 1939 verurteilte ihn ein Militärgericht zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren, zudem wurde ihm die französische Staatsbürgerschaft aberkannt. In Moskau war er in der Kommunistischen Internationale tätig und wirkte 1943 an der Auflösung der Komintern mit.

Nach der Befreiung kehrte er nach Begnadigung durch die provisorische Regierung General de Gaulles am 29. November 1944 nach Frankreich zurück, wo er wieder die Leitung der KPF übernahm. Er führte die KPF auf dem Weg des parlamentarischen Kampfs um die Macht und sorgte dafür, dass die kommunistischen Partisanen der Résistance ihre Waffen abgaben. Nach seiner Wiederwahl zum Abgeordneten beider Konstituanten 1945 berief ihn de Gaulle als Staatsminister ohne Geschäftsbereich im November 1945 in sein Kabinett, wo er bis zum Januar 1946 am Gesetz über den Status des Beamtentums arbeitete. In den Regierungen Félix Gouin, Georges Bidault und Paul Ramadier der Vierten Republik mit den Sozialisten wurde er Vizepremierminister. Thorez nahm aktiv am Wiederaufbau Frankreichs nach dem Krieg an der Seite anderer politischer Bewegungen unter Einsatz seines ganzen Einflusses teil. Im beginnenden Kalten Krieg übte die US-amerikanische Regierung über den Marshall-Plan massiven Druck auf die französische Regierung aus, die kommunistischen Minister aus der Regierung auszuschließen. Aber auch die Spannungen zwischen den kommunistischen und den übrigen Ministern über die Wirtschafts- und Kolonialpolitik insbesondere in Indochina wuchs. Schließlich trug die Kontroverse über das Einfrieren der Löhne während der Hyperinflation der Nachkriegszeit zum Rücktritt von Thorez und den übrigen kommunistischen Ministern im Mai 1947 bei. Im gleichen Jahr heiratete er Jeannette Vermeersch, die seit 1945 KP-Abgeordnete in der Nationalversammlung war.

Thorez' Grab auf dem Père Lachaise

1950 wurde er von einer Bluterkrankung überrascht, woraufhin er sich in der Sowjetunion behandeln ließ. Unter seiner Leitung erfreute sich die KPF breiter Unterstützung im Volk, die durch den politischen Prozess in den 1950er Jahren jedoch sank. Als Charles de Gaulle 1958 die Fünfte Republik gründete, verlor die KPF schlagartig 10 Sitze in der Nationalversammlung, Thorez behielt seinen allerdings weiter inne. Obwohl sich sein Gesundheitszustand zusehends verschlechterte, behielt er bis kurz vor seinem Tode 1964 die Leitung der KPF. Nach seinem Rücktritt wählte die KPF ihn zu ihrem Ehrenvorsitzenden. Er starb bei einer Reise an das Schwarze Meer in der Türkei an Bord der "Latwija". Sein Nachfolger wurde Waldeck Rochet.

Während der 34 Jahre an der Spitze der KPF war Maurice Thorez ambitioniert und stellte sich nur einmal gegen das Politbüro, indem er aktiv seine ablehnende Haltung zum Krieg in Marokko vertrat und entgegen den Weisungen eine Geldstrafe zahlte, um einer Haft zu entgehen, und die geforderte Selbstkritik gelangweilt ausführte. Sonst war er ohne allzu große Skrupel, etwa 1930 beim Ausschluss von Barbé und Célor, zwei Funktionären der kommunistischen Jugendorganisation Jeunesses Communistes, deren ultralinken Kurs er zuerst unterstützt hatte. Anschließend machte er sie allerdings für die hohen Mitgliederverluste von 55000 auf 25000 ab 1927 verantwortlich. Thorez war ein pragmatischer Stratege bei der Allianz mit der SFIO in der Volksfront und unbedingter Gefolgsmann Stalins, führte die Befehle aus Moskau und der Komintern aus und stellte sich blind gegenüber den stalinistischen Verbrechen. Dem Prozess der Entstalinisierung, den Chruschtschow 1956 begann, stand Thorez lange Zeit ablehnend gegenüber.

Ehrungen

Die Stadt Tores in der ukrainischen Oblast Donezk wurde nach ihm benannt, sowie ein Fremdsprachen-Institut in Moskau (heute Staatliche Linguistische Universität Moskau). Neben diversen Straßen in Frankreich und der ehemaligen Sowjetunion war von 1965 bis 1991 auch das Zentrale Pionierlager in Arendsee (Bezirk Magdeburg) sowie die Könneritzstraße in Leipzig nach ihm benannt.

Werke

  • Maurice Thorez: Autobiografie: Fils du peuple 1937–1960
  • Maurice Thorez: Une politique de grandeur française 1945

Literatur

  • Philippe Robrieux: Maurice Thorez, vie secrète et vie publique. Fayard, 1975.

Weblinks

 Commons: Maurice Thorez – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Julian Jackson: The Popular Front in France. Defending Democracy, 1934–38, Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1988, S. 22

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