Arabische Legion
Emblem der Arabischen Legion

Die Arabische Legion (arabisch ‏الجيش العربي‎ al-dschaisch al-ʿarabī, DMG al-ǧayš al-ʿarabī) wurde 1921 als Polizeieinheit militärischen Charakters durch den britischen Lieutenant Colonel Frederick Gerard Peake im britischen Mandatsgebiet Transjordaniens – dem späteren Haschimitischen Königreich Jordanien – gegründet.

Inhaltsverzeichnis

Namensgebung

Die Bezeichnung für die Arabische Legion lautete in arabischer Sprache "Arabische Armee" (Jaisch al-Arabi). Dies in Anlehnung an die Arabische Revolte, in deren Verlauf viele spätere Legionäre gekämpft hatten. Im englischsprachigen Schriftverkehr wurde "Arab Legion" verwendet, da Peake der Ansicht war der Begriff Armee sei auf einen so kleinen Verband nicht anwendbar.[1]

Geschichte

Britische Kolonialstreitkräfte (1920 - 1948)

1917 annektierte Großbritannien große Teile der ehemaligen Provinzen des aufgelösten Osmanischen Reichs. Das Gebiet des heutigen Jordaniens war dünn besiedelt und ökonomisch sehr gering entwickelt. Ganze Landstriche waren ob des Fehlens staatlicher Gewalt in tribale Rechtsstrukturen zurückgefallen. 1920 gründeten die britischen Behörden die Mobile Force unter Capt. Frederick Peake aus 150 Mann. Diese sollte unter Rekrutierung von Einheimischen die Kosten für die Besetzung dieses Teils des Empires senken. 1921 wurde das Territorium als Monarchie Abdallah ibn Husain I. formell in die Unabhängigkeit entlassen. Um seinen Herrschaftsanspruch gegen rivalisierende Stämme, insbesondere unter den Beduinen durchzusetzen benötigte der junge Staat militärische Hilfe. Abdallah wandte sich infolgedessen an die britische Regierung. Diese stellte den Aufbau der Mobile Force in Aussicht. Der Verband sollte ein verstärktes Bataillon umfassen. Britische Offiziere sollten maßgeblich mitwirken und den Oberbefehl übernehmen.[2] Diese Entscheidung fiel in der britischen Regierung auch aus Furcht Abdullah könne durch seine expansiven Bestrebungen Alleingänge durchführen.[3] 1922 beteiligte sich die Einheit erfolgreich mit der Royal Air Force an der Zurückschlagung der saudischen Ichwan, welche die Hauptstadt Jordaniens Amman erobern wollten.[2] Auch bei der Niederschlagung von Stammesaufständen war in mehreren Fällen die Royal Air Force zu Luftunterstützung der Legion aktiv.[3] Am 1. April 1923 wurde die Einheit feierlich in Anwesenheit Abdullah ibn Husseins in Arabische Legion umbenannt.[4] 1924 wurden eine nicht näher genannte Anzahl von Offizieren entlassen da sie sich als arabische Nationalisten gegen die britische Oberherrschaft und die Monarchie verschworen hätten.[1] Die Arabische Legion war neben der Zivilverwaltung das Hauptinstrument zur Durchsetzung eines zentralisierten haschimitischen Staates. Die Militärpräsenz erlaubte es moderne Gesetze gegenüber der Justiz von Stammesführern zurückzudrängen und Steuereintreibungen durchzusetzen.[5]

Bis 1926 wurde die Einheit auf 1.500 Mann aufgestockt.[2] Laut der britischen Führung war die Legion allerdings in den Gefechten gegen die Ichwan gegenüber den Erwartungen zurückgeblieben. Infolgedessen sollte sie sich noch mehr auf ihre Rolle als militarisierte Polizei konzentrieren.[4][1] Ebenso wurde als konkurrierende Einheit der Transjordan Frontier Force aufgestellt, welche die Grenzsicherung in den Wüstengebieten des Landes übernehmen sollte. Diese besaß anolog der British Indian Army nur britische Offiziere und es wurden vor allem nicht-jordanische Araber sowie Tscherkessen und Tschetschenen dafür rekrutiert. 1931 wurde unter John Bagot Glubb die Desert Mobile Force aufgestellt. Glubb rekrutierte für diese Einheit fast ausschließlich Beduinen im Gegensatz zur bisherigen Bevorzugung der Städter in der Armee. Seiner Meinung nach hätten die Nomaden oder Halb-Nomaden per se mehr Effizienz als Soldaten. Auch wenn Glubb in der Legion keine Zurücksetzung aufgrund von Ethnie oder Glaube tolerierte, so verschaffte seine Rekrutierungspolitik den Beduinen die zahlenmäßige Mehrheit unter den Legionären. [2][1]

Während des Arabischen Aufstands 1936 - 39 nahmen Teile der Arabischen Legion an der Aufstandsbekämpfung teil.[6] Während des Krieges nahmen Teile der Legion an Kampfhandlungen im Irak gegen die abtrünnigen arabischen Truppen Gailani's und gegen Vichy-Frankreich in Syrien teil. 1945 hatte die Legion 8.000 Soldaten, davon eine 3.000 Mann starke mechanisierte Brigade. Die Brigade war vom, mittlerweile zum Kommandeur aufgestiegenen Glubb aus dem Kern der Desert Mobile Force aufgestellt worden. Die Transjordan Frontier Force wurde vollständig in die Legion integriert Allgemein verstärkte sich unter Glubb die Tendenz Beduinen in die Legion zu rekrutieren. Die Legion bot eine für das Land sehr gute Bezahlung, selbst für einfache Soldaten. Infolgedessen gab es zu fast allen Zeiten ein Mehrfaches des Bedarfs an Freiwilligen aus denen ausgewählt werden konnte. Die Selbstrekrutierungsquote war dabei hoch.[2]

Palästinakrieg

Artilleriefeuer der Legion mit Leuchtmunition über Jerusalem, 1948

Am 13. Mai 1948, einen Tag vor der israelischen Unabhängigkeitserklärung, beteiligten sich Truppen der Arabischen Legion mit kleineren Einheiten an der Eroberung und dem Massaker in der jüdischen Siedlung Kfar Etzion, welche auf dem Weg von Jerusalem nach Hebron liegt. Insgesamt starben 157 Menschen in der Schlacht von Gusch Etzion. Dabei wurden bis zu 106 Bewohner und Kriegsgefangene mit Maschinengewehrfeuer massakriert. An dem Massaker waren Legionäre und arabisch-palästinensische Milizen beteiligt. Drei Menschen wurden durch Offiziere der Legion gerettet. Dabei setzte in mindestens einem Fall ein Offizier tödliche Gewalt gegen seine eigenen Untergebenen ein. Die Legion hatte in den Kämpfen 27 Gefallene zu beklagen. Die verbündeten Milizen hatten 38 Gefallene. Die an Kfar Etzion angrenzenden Siedlungen wurden nach Gesprächen mit der Legion der Abzug und freies Geleit gesichert. Infolgedessen evakuierte die Legion 357 jüdische Kriegsgefangene, darunter Frauen und Kinder. Die Legion verbrachte sie auf jordanisches Territorium um sie vor Repressalien zu bewahren, dort verblieben sie bis Kriegsende. Auf dem Transport dahin lieferte sich die Legion mehrere Feuergefechte mit palästinensischen Bewaffneten, welche den Flüchltingskonvoi angriffen.[7]

Am Tag der Unabhängigkeitserklärung rückten rund 4.500 Kampftruppen der Legion über die Allenby-Brücke in Palästina ein.[8] Die Legion bestand bis dato aus zwei Bigaden. Glubb ließ eine personell stark reduzierte Einheit aufstellen, welche die Israelis überzeugen sollte dass noch eine Brigade in Reserve stehe.[2] Der Einmarsch wurde persönlich von Abdullah bin Hussein überwacht, welcher in einer Ansprache den Krieg in nationalistische Rhetorik und religiöser Preisung des Märtyrertums rechtfertigte. Die Legion griff - trotz gegenteiliger Beteuerungen gegenüber Israel - Jerusalem an. Ostjerusalem mit der Altstadt wurden erobert. Das jüdische Viertel der Altstadt kapitulierte.[8] Die britische Regierung zog die ihr noch rechtlich zugehörigen, abbefohlenen Offiziere der British Army ab, da sie keine Verletzung des UN-Teilungsplans mittragen wollte.[2]

In Folge blockierte die Legion die Straße nach Jerusalem bei Latrun und eroberte am 28. Mai das jüdische Viertel der Altstadt. Pioniere der Einheit zerstörten sämtliche Synagogen, darunter die Hurva-Synagoge und vier sephardische Synagogen. Darüber hinaus kam es zu Plünderungen von Synagogen zusammen mit arabischen Irregulären. Westjerusalem blieb in jüdischer Hand. Die Versuche die Einschließung durch die Eroberung Latruns zu durchbrechen wurde von der Legion in den Schlachten von Latrun abgewehrt. Die israelische Armee errichte infolgedessen die Burma Road um Westjerusalem zu versorgen. Aufgrund des anglo-amerikanischen Waffenembargos für den Nahen Osten stellte sich jedoch eine Munitionsknappheit ein, welche die Kampfkraft der Legion entscheidend einschränkte.[8]

Anfang Juli 1948 befahl Abdullah bin Hussein der Legion eine defensive Rolle anzunehmen. Der Oberbefehlshaber Glubb bezeichnete dies in seinen Memoiren als Scheinkrieg. Jeder vierte Legionär war nach den zweimonatigen Gefechten gefallen. Den israelischen Streitkräften gelang es kurz darauf mit Lydda und Ramla zwei große Städte und ihr Umland zu besetzen. Glubb hatte dort nur kleinste Einheiten belassen, welche sich zurückzogen da er der Ansicht war dass das Gebiet nicht sinnvoll hätte verteidigt werden können. Infolgedessen kam es in der Arabischen Liga zu Vorwürfen Jordanien verrate den gemeinsamen Kampf gegen Israel. Insbesondere Glubb wurde als britischer Agent dargestellt. König Hussein bezichtigte Glubb auch als Schuldigen an derem Fall, jedoch nicht als illoyal.[7] Insbesondere ägyptische Politiker verbreiteten nach dem Krieg die Ursache der Niederlage sei bewusst-unterlassene Waffenhilfe der Legion gewesen. Glubb selbst bezeichnete die Ägypter und die palästinensische Führung unter Al-Husseini seien fast so feindlich gegenüber der Legion wie die Juden und hoffe sie würden von Israel militärisch besiegt. Nach Kriegsende entwaffnete die Legion zwangsweise die in der West Bank verbliebenen palästinensisch-arabischen Freischärler der Armee des heiligen Krieges.[9]

Insgesamt beurteilten sowohl britische als auch jordanische Stellen den Einsatz der Legion als positiv. Das Minimalziel des Krieges, die Okkupation weiter Teile der West Bank wurde erreicht. Darüber hinaus kam Ostjerusalem unter jordanische Herrschaft.[2]

Nachkriegszeit (1949 - 1956)

John Bagot Glubb (rechts) mit König Abdallah bin Hussein (links) am Ende seiner Regentschaft, 1951

Bereits kurz nach dem Krieg setzte die jordanische Führung Pläne zur Erweiterung der militärischen Fähigkeiten in Gang. Die Legion sollte in eine reguläre Armee überführt werden. Diese wurde als Berufsarmee nach dem Vorbild der British Army noch weiter ausgebaut. Dazu wurden massiv britische Offiziere entweder abkommandiert oder als Offiziere verpflichtet, in den fünfziger Jahren war jeder zweite Offizier Brite. 1950 gründete Abdallah bin Hussein das Royal Military College in Amman. Bereits 1949 war die Legion auf 12.000 Mann aufgestockt werden. 1951 wurde eine erster Grundstein für eine Luftwaffe gelegt. 1955 folgte die Gründung Royal Jordanian Air Force. Die Annexion der West Bank, ein Hauptkriegsziel des Königs im Palästinakrieg stellte die Legion gleichzeitig vor Probleme. Die meist urbaneren Palästinenser besaßen mehr technisch versierte Rekruten. Allerdings wurde ihre Loyalität vom Königshaus in Zweifel gezogen. Insgesamt dominierten die Beduinen seit Glubbs Übernahme personell in der Legion. Sowohl unter Offizieren als auch Mannschaften. Die Legion griff aber auch auf Palästinenser und Städter zurück, jedoch meist in Unterstützungseinheiten. Oftmals mussten ethnisch separate Einheiten erstellt werden um Konflikte und Senkung der Moral vorzubeugen. Die Karriere als Soldat oder Offizier war hoch geachtet, vergleichsweise sehr hoch bezahlt. Es meldeten sich stets ein Mehrfaches der freien Stellen in der Armee.[2]

Im März 1956 versetzte der neue König Talal Glubb in den Ruhestand. Ebenso wurden die britischen Offiziere außer Dienst gestellt. Die Hintergründe dieser Aktion liegen in der doppelten Loyalität der Briten in den Augen der politischen Kreise und Bevölkerung. Die arabisch-jordanischen Offiziere sahen darin einen Weg, ihre Karrieren zu befördern. Die Arabische Legion wurde offiziell in Jordanische Arabische Armee (Jaish al-Arabija al Urdunija) umbenannt und ging in den Jordanischen Streitkräften auf. Trotz des abrupten Endes der Legion blieb weiterhin eine große militärische Kooperation mit den britischen Streitkräften an der Tagesordnung.[2] Ebenso erfolgte 1956 zum ersten Mal die Gründung staatseigener nicht-militärischer Polizeiverbände. Jedoch behält das Militär weitgehende rechtliche Kompetenzen zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung.[10] Das jordanische Militär und ihre Vorgänger fungierten im jungen Nationalstaat Jordanien als staatlich sanktioniertes Nationalsymbol und Legitimierungsgrundlage der haschimitischen Dynastie.[11]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d Al-Massad Joseph : Colonial Effects : The Making of National Jordan, New York, 2001, S. 100-131
  2. a b c d e f g h i j Kenneth Pollack: Arabs at War, Lincoln, 2004; S. 267 - 292
  3. a b Beverley Milton-Edwards, Peter Hinchcliffe : Jordan - A Hashemite Legacy, 2. Auflage New York, 2009, S. 3 - 21
  4. a b Ma'an Abu Nuwar : The creation and development of Transjordan, 1920-1929, Band 3, Reading, 1989, S. 82, S. 222
  5. Yoav Allon : Tribal Shaykhs and the Limits of British Imperial Rule in Transjordan 1920-46, The Journal of Imperial and Commonwealth History, Vol.32, No.1, 2004, S.69–92
  6. Martin van Crefeld : The Sword and the Olive. A critical history of the Israeli Defence Force, New York, 2002, S. 67
  7. a b Benny Morris: 1948 – A History of the First Arab-Israeli War; New Haven, 2008; S. 167–173
  8. a b c Benny Morris: 1948 – A History of the First Arab-Israeli War; New Haven, 2008; S. 207–232
  9. Wolfgang Zank : The modest Progress of Arab Integration, or why some Arab Countries have integrated more with Europe than with their Neighbours, CCIS Working Paper, Aalborg, 2009
  10. Nawaf Tell: Jordanian Security Sector Governance: Between Theory and Practice. DCAF Conference Paper, Genf, 2004, S. 2-4.
  11. Alexander Bligh: The Jordanian Army : Between Domestic and External Challenges. In: Middle East Review of International Affairs. Vol 5, No 2, Juni 2001.

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