Arachis hypogaea
Erdnuss
Erdnuss (Arachis hypogaea)

Erdnuss (Arachis hypogaea)

Systematik
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Gattung: Erdnüsse (Arachis)
Art: Erdnuss
Wissenschaftlicher Name
Arachis hypogaea
L.

Die Erdnuss (Arachis hypogaea), auch Aschanti-, Arachis- oder Kamerunnuss, ist eine Nutzpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae oder Leguminosae) aus der Neuen Welt und wird daher in der Schweiz Spanische Nuss genannt. Die Frucht der Erdnuss ist botanisch eine Hülsenfrucht und keine Nuss im eigentlichen Sinne. Diese Verwechslung dürfte sich aus der Beschaffenheit der Samen erklären, insbesondere der Konsistenz, dem hohen Fettgehalt und dem vergleichsweise niedrigen Anteil an Stärke. Der englische Name der Erdnuss, peanut (zu deutsch „Erbsennuss“) deutet dagegen auf die biologische Zugehörigkeit zu den Hülsenfrüchtlern hin. Subtile Konsequenz hieraus ist der im Vergleich mit echten Nüssen geringe Anteil an Omega-3-Fettsäuren. Im Gegensatz zu den meisten anderen Hülsenfrüchten sind Erdnüsse allerdings roh genießbar. Das allergene Potenzial ist im Vergleich zu anderen Lebensmittelallergenen relativ hoch.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Anbau

Ursprünglich in den Anden Südamerikas beheimatet, hat sich der Anbau der Erdnuss seit ihrer wachsenden Bedeutung als Ölfrucht über die ganzen Tropen und Subtropen ausgebreitet.

Archäologen datierten die ältesten bekannten Funde domestizierter Erdnüsse aus Peru auf ein Alter von 7.600 Jahren.[1] Von dort ihren Ursprung nehmend verbreitete sich der Erdnussanbau auf weitere Teile Süd- und Mesoamerikas, wo spanische Konquistadoren an den Märkten von Tenochtitlán auf die tlalcacáhuatl (Nahuatl für „Erdnuss“, wörtlich „Kakaobohne der Erde“, von diesem Wort stammen auch die spanischen und französischen Begriffe für die Erdnuss, cacahuete bzw. cacahuète) aufmerksam wurden.

Auch in Brasilien war die Erdnuss schon vor 2000 Jahren im Anbau und wurde von dort im Zuge des Sklavenhandels nach Afrika gebracht. Heute wird die Erdnuss weltweit in warmen Gebieten angebaut. Hauptanbaugebiete sind Westafrika, China, Indien, Nord- und Südamerika.

Die geernteten Feldfrüchte werden zunächst im Wassergehalt von 40 % auf 5 % bis 10 % heruntergetrocknet. In warmen Ländern lässt man die Erdnüsse im Freien trocknen, in gemäßigten Klimazonen werden sie mit künstlicher Wärmezufuhr getrocknet. Nach der Trocknung werden die Nüsse gedroschen oder gebrochen und gegebenenfalls noch entschalt. Erdnüsse kommen meist geröstet und gesalzen in den Handel.

Gestalt der Erdnuss

Die Erdnuss ist eine bis zu 60 cm hohe, buschige Pflanze. Die Blütenstiele („Fruchtstiele“) wachsen nach der Selbstbestäubung der Blüte nach unten und bohren sich in den Boden ein; die Hülsen mit den Samen reifen unter der Erde. Die Samen sind oval, etwa 5 mm dick und knapp 1 cm lang.

Obwohl die Erdnuss zu den Leguminosen gehört, verhält sich ihre Frucht anders als die sich öffnenden Hülsen; sie bleibt geschlossen und gehört demnach morphologisch zu den Nüssen. Die Frucht besteht aus holzigem, netzrunzeligem, gelbem Perikarp, welches genauer als Mesokarp zu bezeichnen ist. Während der Fruchtentwicklung im Boden stirbt zuerst das Exokarp, später das Endokarp ab, welches zeitweilig zu einem Speichergewebe anschwillt, dann aber zu weißer, watteartiger Schicht komprimiert wird (die weiße Auskleidung der Erdnussschale), so dass als Hülle nur das Mesokarp übrig bleibt. Daraus resultiert auch die Bezeichnung „Mesokarpnuss“.

Früchte der Erdnuss

Inhaltsstoffe und gesundheitliche Aspekte

Reife Erdnüsse können roh, geröstet oder gekocht verzehrt werden. Die Erdnuss hat mit 25 % Eiweißgehalt einen hohen Nährwert. 100 g Erdnüsse enthalten 180 mg Magnesium. Damit gehören Erdnüsse zu den magnesiumreichsten pflanzlichen Nahrungsmitteln. Insbesondere bei vegetarischer Ernährung kann die Erdnuss einen sehr wertvollen Beitrag leisten.

Für Allergiker sind außer Para- und Haselnüssen auch Erdnüsse problematisch. Das darin enthaltene Eiweiß kann bereits in kleinsten Mengen zu heftigen, teilweise sogar zu tödlichen allergischen Reaktionen führen. Besonders betroffen sind Kinder. Auftretende Symptome sind Nesselsucht, tränende Augen und Atembeschwerden. Erdnussöl ist in einer Vielzahl von Produkten enthalten, wie z. B. in Keksen, Puddings, Müslis etc. Es wird auf der Zutatenliste häufig nur als „pflanzliches Öl“ aufgeführt, was Allergikern die Auswahl von Lebensmitteln erschwert.

Auf EU-Ebene ist eine geplante Verordnung in der Diskussion, die Erdnüsse und andere Allergene auf der Verpackung künftig deklarationspflichtig machen soll. Etliche Hersteller drucken den Warnhinweis Kann Spuren von Erdnüssen enthalten auf die Verpackung von Schokolade und Süßwaren, egal ob tatsächlich Spuren vorhanden sind. Sie versuchen dadurch rechtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Unter schlechten Lagerbedingungen wird die Erdnuss vom Pilz Aspergillus flavus befallen, der giftige Aflatoxine in den Erdnüssen produziert. Aus diesem Grund sind die Einfuhrkontrollen für Erdnüsse in Deutschland sehr streng. Erwähnenswert ist ebenfalls der sehr hohe Arginin-Gehalt von Erdnussprodukten.

Nährwerte je 100 g (essbar, roh)

Energie 2412 kJ (577 kcal), Wasser 5,5 g, Eiweiß 25,3 g, Fett 49 g, Kohlenhydrate 8,6 g

Mineralien Kalium 700 mg, Phosphor 375 mg, Magnesium 175 mg, Calcium 60 mg, Natrium 9 mg, Zink 2,8 mg, Eisen 2,4 mg

Vitamine Niacin 15 mg, E 8,5 mg, B5 2,7 mg, B1 0,8 mg, B6 0,3 mg, B2 0,13 mg, B9 110 µg, B7/H 34 µg

Erdnussprodukte

Ein bedeutendes Erdnussprodukt ist das vor allem in Indien und China beliebte Erdnussöl. Weitere Produkte sind:

Handel

Die Hauptanbauländer und somit auch die Hauptexporteure von Erdnüssen sind die USA, Argentinien, Sudan, Senegal und Brasilien. Die Exporte dieser fünf Länder zusammen machen 71 % des gesamten weltweiten Exports an Erdnüssen aus, wobei die USA in den letzten Jahren eine führende Rolle beim Export einnahmen. Schätzungen zufolge werden rund 50 % aller der in den USA produzierten Erdnüssen in einem Umkreis von 160 Kilometern um die Stadt Dothan, Alabama angebaut.

Obwohl auch Indien und China beträchtliche Mengen an Erdnüssen produzieren, ist ihr Anteil am internationalen Handel mit weniger als 4 % verschwindend gering. Die Erdnüsse werden meist dazu verwendet, den inländischen Bedarf zu decken. So werden in Indien zum Beispiel 90 % der einheimisch produzierten Erdnüsse dazu verwendet, Erdnussöl herzustellen und nur eine sehr kleine Menge wird für den Export freigegeben.

Die Hauptabnehmer für Erdnüsse sind die Länder der Europäischen Union, Kanada und Japan, welche zusammen für 78 % der weltweiten Erdnussimporte verantwortlich sind. In der Europäischen Union gibt es ein erdnusserzeugendes Land, Zypern. Der Import in die EU wird vor allem für Nahrungsmittel wie geröstete Erdnüsse oder als Bestandteil von Süßigkeiten verwendet.

Siehe auch

Einzelnachweis

  1. http://www.eurekalert.org/pub_releases/2007-06/vu-eeo062507.php

Weblinks


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