Arado Ar 240
Arado Ar 240
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Typ: Zerstörer, Schnellbomber, Höhenjäger, Aufklärer, Nachtjäger
Entwurfsland: Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Hersteller: Arado Flugzeugwerke GmbH
Erstflug: 10. Mai 1940
Indienststellung: nur Truppenerprobung
Stückzahl: 15

Die Arado Ar 240 war ein Zerstörer und Schnellbomber der Arado Flugzeugwerke vom Anfang der 1940er-Jahre. Sie wurde ohne Ausschreibungswettbewerb direkt vom Technischen Amt des Reichsluftfahrtministeriums (RLM) beauftragt[1] und sollte als fortschrittliche Ergänzung zu der zur gleichen Zeit in der Entwicklung befindlichen Messerschmitt Me 210 dienen.

Das Flugzeug war als Zerstörer, Schnellbomber, Höhenjäger, Aufklärer und Nachtjäger konzipiert. Eine besondere konstruktive Eigenart war der patentierte „Arado Wanderflügel“, der eine Weiterentwicklung der Fowlerklappen darstellte. Diese Auftriebshilfen mit großer Tiefe wurden notwendig, da die Konstruktion auf eine hohe Geschwindigkeit mit minimaler Flügelfläche optimiert wurde, was zwangsläufig eine relativ hohe Flächenbelastung mit sich brachte.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ausgangspunkt der Entwicklung der Ar 240 waren die Bemühungen des Technischen Amtes des RLM, neben der Me 210 einen weiteren Entwurf als Zerstörer und Schnellbomber zu entwickeln. Dieser sollte gegenüber der Messerschmitt-Konstruktion fortschrittlicher ausgelegt sein. Ziel war dabei, kleinste Oberflächen, geringste Querschnitte und damit einen minimalen Luftwiderstand zu erreichen. Die Ar 240E sollte eine Rumpfquerschnittsfläche von 1,42 m² erhalten, nur geringfügig größer als der einer Messerschmitt Bf 109 mit 1,05 m². Auch die Triebwerksanordnung und -ausführung sollte aerodynamisch optimiert werden. Mit dem aber gleichzeitig geplanten Einbau von Sturzflugbremsen, einer Druckkabine und eines Waffenturms war eine deutliche Gewichtserhöhung und kritische Flächenbelastung zu erwarten, die bis zu 390 kg/m² gehen sollte.

Deshalb kam der Verwendung von auftriebserhöhenden Hilfsflügeln eine entscheidende Bedeutung zu. Nach einem zunächst geplanten sogenannten „Fächer-Querruder“ wurde schließlich der „Arado-Wanderflügel“ eingesetzt. Dieser war ein Stück des Tragflächenprofils, wobei die feste vordere Tragfläche nach hinten bereits vor dem Profilende abschloss. Der restliche Teil des Profils ragte mit seinem vorderen Teil unter den festen Teil des Profils und war dabei nach hinten verschieb- und schwenkbar.

Im Sommer 1939 begann der Bau von zwei Prototypen, die innerhalb von 13 Monaten fertiggestellt wurden. Die Flugzeuge hatten noch keine militärischen Einbauten, da die vorgesehenen ferngesteuerten Waffendrehtürme noch nicht verfügbar waren. Die Flugerprobung dieser Abwehrwaffen wurde innerhalb von drei Monaten 1940 in einer umgebauten Messerschmitt Bf 110 C-1 durchgeführt. Wegen Vereisungsproblemen verzögerte sich die Entwicklung der zugehörigen Periskope jedoch, vor allem bei Sturzflügen erblindete die Optik. Das Problem wurde schließlich durch eine Überdruckfüllung mit vorgetrockneter Luft gelöst. Auch die Sichtbereichsüberwachng durch die Optik des Periskopvisiers war noch nicht optimal gelöst, da selbst bei 1,6-facher Vergrößerung des Bildes der Schütze sein Ziel nicht früh genug erfassen konnte.

Am 10. Mai 1940 erfolgte der Erstflug der Ar 240 V1, zwei Monate später folgte die V2. Beide Flugzeuge zeigten in der nachfolgenden Erprobung außerordentlich schlechte Flugeigenschaften. Daraufhin wurde zuerst der Rumpf verlängert und die Kabine rückte vom Bereich des Mittelflügels nach vorne in die Bugspitze. Mit diesen Änderungen begann die Erprobung der Ar 240 V3 im Frühjahr 1941, die Seitenstabilität erwies sich jedoch immer noch als zu gering. Als Abhilfe wurden zusätzliche Hilfsflossen an der Ober- und Unterseite des „Hecksteißes“ (Sturzflugbremsen) vorgesehen. Zur Behebung der ebenfalls mangelhaften Querstabilität erhielt die V3 die neuen „Wanderflügel“-Querruder. In diesem Zustand wurde sie im Sommer 1941 zur Truppenerprobung an die Luftwaffe abgegeben. Dort wurden wegen der Unzuverlässigkeit sowohl die ferngesteuerten als auch die Starrwaffen ausgebaut und die Maschine als Aufklärer eingesetzt, wobei sie sich wegen der hohen erreichbaren Geschwindigkeit jedem Jägerangriff entziehen konnte.

Die Ar 240 V4 wurde als Sturzbomber gebaut und erhielt erstmals DB-603A-Triebwerke, während die ersten drei Prototypen noch mit den DB 601 ausgerüstet waren. Die V5 und V6 starteten im Oktober 1942 zu ihren Erstflügen und sollten die beiden Mustermaschinen für die A-0-Vorserie sein. Die Flugeigenschaften konnten durch die Verwendung eines neuen Profils mit größerer Dickenrücklage deutlich verbessert werden. Für den Bau von 40 weiteren Ar 240 A-0 waren die AGO-Werke in Oschersleben vorgesehen. Die Produktionseinrichtung und der Materialzuschnitt war bereits zu 80 % abgeschlossen, als Erhard Milch die gesamte Serie stoppen und das Material verschrotten ließ. Lediglich drei weitere Maschinen konnten noch fertiggestellt werden.

Die A-01 und A-02 wurden beim Jagdgeschwader 5 (Eismeergeschwader) eingesetzt, während die dritte Maschine bei der zweiten Staffel der Fernaufklärergruppe 122 (2.(F)/122) in Italien verwendet wurde. Diese Maschine führte im Juli 1943 einen einzigen Aufklärungsflug durch und musste nach einer Bruchlandung abgeschrieben werden. Auch die vierte A-0-Maschine wurde hier eingesetzt und konnte ebenfalls nur einen einzigen Einsatzflug durchführen.

Die nachfolgenden V7 und V8 waren gleichzeitig die ersten Maschinen der geplanten B-Nullserie und waren mit dem DB 605A ausgerüstet. Die Truppenerprobung erbrachte aber sehr schlechte Ergebnisse, sodass weitere Änderungen notwendig wurden. So erhielt der neunte Prototyp (Ar 240 C-0) eine Tragfläche mit einer von 14,30 m auf 16,59 m vergrößerten Spannweite und DB-603A-Triebwerke. Es folgten drei weitere C-0, von denen die V10 als Nachtjäger und die V11 und V12 als Kampfzerstörer ausgerüstet wurden. Die Erprobung der C-0-Serie begann im Frühjahr 1943 aber ohne jede Dringlichkeit seitens des RLM. Die Truppenbeurteilung der Maschinen war mit Ausnahme der hohen Geschwindigkeit von 700 km/h so schlecht, dass die Einstellung des Bauprogramms angeordnet wurde. Alle weiteren geplanten Varianten (D, E, F) blieben lediglich Projektentwürfe. Insgesamt wurden nur 15 Maschinen gebaut.

Konstruktion

Der Rumpf der Ar 240 war in vier Teilen in Glattblech-Schalenbauweise ausgeführt, die Druckkabine besaß eine doppelte Wandung mit einer Filmschicht, die bei Durchschüssen für eine selbsttätige Abdichtung sorgen sollte. Die dreiteilige Tragfläche hatte zwei Holme und ein durchgehendes Mittelstück. Die automatischen Vorflügel öffneten sich nur bei ausgefahrenen Fowlerklappen („Wanderflügel“). Die im Flug verstellbare Flosse des Höhenleitwerks wurde bei Betätigung der Fowlerklappen mit verstellt. Die Warmluftenteisung der Tragflächen und des Leitwerks erfolgte mittels Kärcher-Öfen. Höhen- und Seitenruder waren vollständig gewichtsausgeglichen.

Die Steuerung erfolgte elektrisch über Servomotoren. Die einziehbaren Einbein-Knickstreben des Spornradfahrwerks waren doppelt bereift. Die Triebwerke waren mit Ringkühler und darunter befindlichen Ölkühlern sowie automatisch verstellbaren Propellern ausgestattet. Die drehbaren Waffenstände wurden hydraulisch betätigt, das Durchladen erfolgte elektrisch/pneumatisch. Als Sonderausrüstung wurde ein Schlauchboot im Mittelrumpf mitgeführt, das durch einen Notzug ausgelöst werden konnte.

Technische Daten (Arado Ar 240C)

Kenngröße Daten
Länge    13,45 m
Tragflächenspannweite    16,59 m
Höhe    3,95 m
Antrieb    zwei V12-Motoren Daimler-Benz DB 603A mit je 1.750 PS
Höchstgeschwindigkeit    670 km/h in 7.000 m
Normale Reichweite    2.090 km
Besatzung    2 Mann
Dienstgipfelhöhe    9.800 m
Gesamtgewicht    10.700 kg
Bewaffnung    sechs MG 151, zwei ferngesteuerte Drehtürme EDL 131 Z mit je zwei MG 131

Abbildungen

Literatur

  • Rüdiger Kosin: Die Entwicklung der deutschen Jagdflugzeuge. Bernard & Graefe, 1990, ISBN 978-3-7637-6100-5.
  • Armin Kranzhoff: Die Arado-Flugzeuge: Vom Doppeldecker zum Strahlflugzeug. Reihe Die deutsche Luftfahrt, Bd. Bernard & Graefe, 2000 ISBN 3-7637-6122-5.
  • Gerd W. Heumann: Der Weg zur Arado 240. Flug Revue Dezember 1963.

Einzelnachweise

  1. Gerd W. Heumann: Der Weg zur Arado 240. FR 12/63, S. 34.

Weblinks


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