Arado Flugzeugwerke GmbH

Die Arado Flugzeugwerke GmbH war ein deutscher Flugzeughersteller aus Warnemünde. Die Flugzeugwerft entstand 1921 auf dem Gelände und in den Hallen der früheren Filiale der Flugzeugbau Friedrichshafen. Ab 1924 wurden Motorflugzeuge für die unterschiedlichen Anwendungsfälle von Schulflugzeugen bis zu (späteren) Bombern produziert. Zwischen 1936 und 1942 existierten zahlreiche Zweigwerke in Deutschland. Die Flugzeugherstellung endete im Mai 1945, die Firma wurde 1961 liquidiert.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Arado Flugzeugwerke GmbH firmierten ursprünglich in Warnemünde unter Flugzeugbau Friedrichshafen, welche ihre Tätigkeiten mit Ende des Ersten Weltkriegs aufgrund der Bedingungen der Versailler Verträge einstellen mussten.

1921 kaufte Heinrich Lübbe die Fabrikgebäude der früheren Dinos-Automobilwerke in Warnemünde auf und begann 1924 mit der erneuten Herstellung von Flugzeugen, die allerdings nur für den Export bestimmt waren. Daher gründete er auch im damaligen Jugoslawien eine Zweigstelle namens Ikarus. Außerdem stellte Lübbe auch Walter Rethel als Chefentwickler ein, der zuvor schon bei Kondor und, wie Lübbe, bei Fokker tätig gewesen war.

1925 nannte Lübbe die Firma in Arado Handelsgesellschaft um mit Geschäftssitz im "Hamburger Hof", Jungfernstieg 30, in Hamburg, doch die Nationalsozialisten änderten den Namen nach der Machtergreifung in Arado Flugzeugwerke GmbH. Zur gleichen Zeit (Anfang 1932) wurde auch Rethel durch das Reichsverkehrsministerium von Walter Blume als Betriebsleiter ersetzt, der zuvor noch bei Albatros gearbeitet hatte.

Ab 1926 entstanden mit der S I und S III, sowie deren Nachfolger SC I und SC II die ersten leichten Schulflugzeuge (nur dies war durch den Vertrag von Versailles erlaubt) die fast alle an die Deutsche Verkehrsfliegerschule geliefert wurden. Ab 1927 wurde jedes Jahr mindestens ein neues Flugzeugmodell (sowohl zivile Post- und Verkehrsflugzeuge als auch Schulungsflugzeuge für das Militär wie z.B. die Arado W II) auf den Markt gebracht, dennoch wurden in dieser Zeit pro Jahr nur etwa zehn bis zwölf Flugzeuge verkauft. 1929 begann die Konstruktion des zweisitzigen Hochdeckers L I durch den Konstrukteur Hermann Hofmann, der im August 1929 mit ebendieser Maschine beim Europa Rundflug tödlich verunglückte. Walther Rethel entwarf trotz dessen noch im gleichen Jahr auf Basis der L I die als Prototyp eines modernen Sportflugzeug anzusehende Version L II. Diese blieb jedoch ebenfalls ein Einzelstück. 1930 wurden vier Maschinen der vergrößerten L IIa für einen weiteren Europaflug gebaut, von denen zwei das Ziel auf Platz 18 und 22 erreichten. [1]

Im September 1934 begannen die Bauarbeiten für ein Zweigwerk in Brandenburg an der Havel. Obwohl der Aufbau des Werkes bis 1939/1940 dauerte, begann man bereits 1937, den Werksteil Neuendorf zu errichten. Am 11. April 1935 verließ die erste in Brandenburg gebaute Maschine, ein Schulflugzeug des Typs Arado Ar 66, die Werkshallen.

Die Geschäftsführung setzte sich zunehmend gegen die rüstungspolitischen Ziele der Nationalsozialisten zur Wehr, mit dem Ergebnis, dass man die Arado Flugzeugwerke 1936 verstaatlichte und sie dadurch mehr und mehr zum Nachbaubetrieb degradiert wurden. Dadurch erlangte Arado in dieser Zeit Bedeutung als Lieferant für die Luftwaffe, wobei der Ar 66 zum Standardtrainingsflugzeug - noch bis weit in den Zweiten Weltkrieg hinein - wurde. Arado produzierte darüber hinaus mit dem Ar 65 und dem Ar 68 zwei der ersten Jagdflugzeug-Typen für die Luftwaffe.

Im selben Jahr bestand das Reichsluftfahrtministerium (RLM) darauf, dass Lübbe Parteimitglied der NSDAP werden müsse. Als Lübbe ablehnte, wurde seine Firma zwangsverstaatlicht, und er aus seiner eigenen Firma entlassen. Daraufhin übernahmen Erich Serno und Felix Wagenführ die Leitung der Arado Flugzeugwerke.

Von 1936 bis 1943 entstanden weitere Arado-Zweigwerke in Rathenow, Anklam, Potsdam-Babelsberg[2], Wittenberg, Alt-Lonnewitz, Landeshut und Sagan. Das Herz des Unternehmens, die Konstruktionsabteilung, wechselte 1935 von Warnemünde nach Brandenburg. Hier entstanden bis 1943 unter der Führung von Walter Blume (1895-1964), dem Chefkonstrukteurs der Arado-Flugzeugwerke, etwa 80 neue Flugzeugprojekte.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges war Arado zu einem bedeutenden Lieferanten für die Luftwaffe aufgestiegen. Die Ar 96 wurde das meistgenutzte Trainingsflugzeug und die Ar 196, ein Aufklärer, wurde zur Standardausstattung der großen Schiffe der deutschen Kriegsmarine.

Im Werk Brandenburg wurden mehr als 20 Flugzeugtypen als Muster oder in Serie gebaut. Trotz umfangreicher Lizenzfertigungen entstand hier 1939 beispielsweise das Weltrekordflugzeug Ar 79 und der erste Kampfzonentransporter der Welt, die Ar 232. Arados bekanntestes Flugzeug ist allerdings die Ar 234. Dabei handelt es sich um den ersten strahlgetriebenen Aufklärer und Bomber. Allerdings kam die Entwicklung dieses zukunftsweisenden Flugzeugtyps zu spät, um noch eine entscheidende Rolle im Krieg zu spielen. Dennoch setzte sie Zeichen für die Entwicklung der Nachkriegsflugzeuge.

Die Zahl der Arbeiter bei Arado in Brandenburg/Neuendorf stieg von 900 Mitarbeitern im Jahr 1935 auf 7900 1940 und erreichte 1944 mit annähernd 10000 den Höchststand. Bereits 1936 war Arado zum größten Betrieb in Brandenburg aufgestiegen. In Folge des Krieges und der Besetzung europäischer Länder kamen zunehmend ausländische Arbeitskräfte zu Arado nach Brandenburg; die Meisten waren Holländer, Franzosen und Tschechen.

In allen Arado-Werken waren im Juli 1935 3749 Mitarbeiter beschäftigt, im Jahr 1938 14.090 Mitarbeiter und bereits 1942 standen in Folge von Einberufungen 22.000 deutschen Beschäftigten rund 4.000 ausländische gegenüber. Am Ende des Jahres war die Zahl der ausländischen, überwiegend aus Fremdarbeitern, Gefangenen und Häftlingen bestehende Mitarbeiterzahl auf 17.600 gestiegen, während 9.300 deutsche Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Am 30. Juni 1944 verzeichnete das Unternehmen mit 30.670 Mitarbeitern die höchste Beschäftigungszahl.

Ein amerikanischer Bombenangriff auf das Arado-Werk in Heidefeld bei Rathenow am 18. April 1944 beendete dort die Produktion des Heinkel He 177, welcher zuvor von Balten, Serben, Spaniern, Franzosen, Holländern und Belgiern, die dort zu Tausenden Zwangsarbeit verrichten mussten, produziert wurde. Bei diesem Angriff kamen 121 Amerikaner ums Leben. Nach diesem Angriff konnte auf Grund der Zerstörungen am Kesselhaus und an zwei der drei großen Montagehallen nur noch die leichtere Focke-Wulf Fw 190 hergestellt werden. Die Produktion wurde zum Teil von Rathenower Betrieben wie der optischen Fabrik O. W. Wagener & Co. übernommen. Auch die Ofenfabrik Fritz Brucks sprang für Arado ein, bis die Fertigung nach 6 Wochen wieder voll aufgenommen werden konnte.

Weitere Luftangriffe am 6. August 1944 und 30. März 1945 unterbrachen den Flugzeugbau zeitweilig. Bis zur Einstellung der Montage im April 1945 verließen mehr als 4000 Maschinen die Brandenburger Werkhallen.

Mit der Besetzung des Werkes in Brandenburg durch die Rote Armee Anfang Mai 1945 endete der Flugzeugbau. Die Werksanlagen wurden dem Potsdamer Abkommen entsprechend zum größten Teil beseitigt, Maschinen und Geräte kamen als Reparationsgut in die UdSSR. Die Anlagen in Rathenow wurden nach dem Krieg Volkseigentum. 1954 wurde von einem Explosionsunglück auf dem ehemaligen Arado-Gelände berichtet, bei dem sechs sowjetische Soldaten ums Leben kamen und zahlreiche andere verletzt wurden, nachdem Artilleriemunition in einem Betonbunker explodiert war. Weitere Gebäude auf dem Areal wurden beschädigt.

1945 wurde die Firma aufgelöst und zerschlagen, jedoch wurde die Ar 96 noch bis 1949 von Avia und Letov hergestellt.

1961 wurde die Arado - Flugzeugwerke GmbH endgültig liquidiert.

Arado Flugzeugtypen

Literatur

  • Christian Möller: Die Einsätze der Nachtschlachtgruppen 1, 2 und 20 an der Westfront von September 1944 bis Mai 1945 - Mit einem Überblick über Entstehung und Einsatz der Störkampf- und Nachtschlachtgruppen der deutschen Luftwaffe von 1942 bis 1944, Dissertation (356 S., 196 Abb.), Aachen 2008, ISBN 978-3-938208-67-0

Weblinks

Einzelnachweise

  1. FliegerRevue April 2009, S.89-93, Arado setzt Akzente - Vom Kabinenflugzeug zum Anfangstrainer
  2. Teilschuldverschreibung über 1000 Reichsmark aus dem Jahr 1942, online; abgerufen am 13. März 2009

54.1767212.130477Koordinaten: 54° 10′ 36″ N, 12° 7′ 50″ O


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