Aral-See
Aralsee
Aralsee aus der Satellitenperspektive am 5. Oktober 2008
Aralsee aus der Satellitenperspektive am 5. Oktober 2008
Geographische Lage: Kasachstan, Usbekistan
Zuflüsse: Amudarja, Syrdarja
Abflüsse: keine, weil Beckenlage
Daten
Koordinaten 44° 48′ 47″ N, 59° 36′ 55″ O44.81305555555659.6152777777787Koordinaten: 44° 48′ 47″ N, 59° 36′ 55″ O
Aralsee (Usbekistan)
DEC
Aralsee
Höhe über Meeresspiegel 31 m (2003)
Fläche ca. 17.160 km² (2004)dep1
Volumen ca. 113 km³ (2003)dep1
Animierte Karte vom Austrocknen des Aralsees

Der Aralsee (kasach. Арал теңізі/Aral tengisi, in Lateinschrift Aral teñizi; usbek. Orol dengizi; russ. Аральское море/Aralskoje more) ist ein abflussloser, mittlerweile wegen Austrocknung in mehrere Teile zerfallener Salzsee in Asien. Er liegt innerhalb der Aral-Kaspi-Senke in einem Becken, dem Tiefland von Turan. Er gehört je zur Hälfte zu Kasachstan und Usbekistan. Aufgrund des kontinentalen Klimas herrschen Halbwüsten- und Wüstenklimate vor. Die seit ca. 1960 zunehmende Austrocknung des Sees stellt weltweit eine der größten vom Menschen verursachten Umweltkatastrophen dar.

Inhaltsverzeichnis

Verlandung

Die Hauptzuflüsse sind die Flüsse Amudarja und Syrdarja. Da diesen Flüssen seit der Stalin-Ära (Beginn des intensiven Baumwollanbaus in Kasachstan und Usbekistan) viel Wasser für die künstliche Bewässerung der riesigen Anbauflächen entnommen wird, sank und sinkt der Wasserspiegel des Sees kontinuierlich stark, so dass der Aralsee möglicherweise in absehbarer Zeit nicht mehr existieren wird.

In den 1960er Jahren lag der Wasserspiegel noch bei 53,4 m, seitdem ist er sehr stark, auf 35 m (1997) gesunken. Von 1960 bis 1997 ging die Fläche des Sees um 44,3 % zurück auf 29.630 km², das Wasservolumen um 90 % und der Salzgehalt hat sich vervierfacht[1]. Mit ursprünglich rund 68.000 km² war der Aralsee der viertgrößte Binnensee der Erde. Heute ist er durch Verlandung in zwei Hauptteile zerfallen, den südlichen Großen Aralsee und den nördlichen Kleinen Aralsee. 1990 wies der Große Aralsee noch eine Fläche von etwa 33.000 km² auf, der Kleine Aralsee von etwa 3.000 km². Ein weiterer Teil des Sees im Südwesten hat sich allerdings vor 1960 als Aibugirsee abgetrennt.

Zwischen November 2000 und Juni 2001 ist die Wosroschdenije-Insel zur Halbinsel geworden. Sie war noch im 19. Jh. die drittgrößte Insel, gegen 1960 die zweitgrößte Insel des Aralsees. Die Insel Barsakelmes war vor 1960 die zweitgrößte und verlandete ca. 1995/96. Die im Norden gelegene Insel Kokaral, vor 1960 größte Insel, verlandete Ende der 1960er Jahre im Westteil und gegen Ende 1989 im Osten, was zur Teilung in Kleinen Aralsee und Großen Aralsee führte. Es ist damit zu rechnen, dass auch der Große Aralsee in naher Zukunft in einen westlichen, tiefen Teil und einen östlichen, flachen Teil zerfallen wird. Beide Teile haben schon jetzt eine nur noch wenige Kilometer breite Verbindung im Norden. Die noch 1960 am Ufer gelegenen Städte Aral (russ.: Aralsk) am Nordufer und Mujnak am Südufer liegen heute aufgrund der Verlandung jeweils mehr als 150 km entfernt von der Uferlinie.

Die jeweils aktuelle Größe des Aralsees ist abhängig von der Witterung und den Niederschlagsmengen. Daher variieren die zu verschiedenen Zeitpunkten erhobenen Messwerte zu seiner Flächenausdehnung und Tiefe erheblich. Infolgedessen weichen auch die diesbezüglichen Angaben in vielen Quellen deutlich voneinander ab.

Der Wasserspiegel sank im Großen Aralsee im Sommer 2003 schneller als vorausgesagt. Die Oberfläche lag nur noch 30,5 Meter über dem Meeresspiegel bzw. über NN. Damit lag sie 3,5 Meter niedriger, als in den frühen 1990er Jahren prognostiziert worden war. Das Wasser ist angeblich 2,4 mal so salzig wie das der Ozeane. In den tiefsten Bereichen des Großen Aralsees ist das Wasser der unteren Schichten salziger und schwerer als das an der Oberfläche, es findet keine Vermischung statt. So wird nur das oberflächennahe Wasser des Großen Aralsees im Sommer aufgeheizt und verdunstet deshalb schneller als erwartet.

Bei weiterer Abnahme des Wasserspiegels wird zuerst der östliche Teil austrocknen. Dieser besitzt zwar eine große Fläche, allerdings ist er ziemlich flach. Dieses Ereignis könnte bereits in wenigen Jahren eintreten. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass sowohl der Zufluss des Amudarja als auch die Niederschläge von etwa 100 mm/Jahr in dieser Region dem Aralsee immer eine kontinuierliche Versorgung des Wasserhaushalts sicherstellen, wenn auch in kleinem Maße. Somit ist anzunehmen, dass der Aralsee nicht völlig austrocknen kann. Das ausgetrocknete Areal um den östlichen Teil des Sees bildet mittlerweile eine neue Wüste und wird als Aralkum bezeichnet.[2] [3]

Jahr 1960[1] 1971[1] 1976[1] 1987[1] 1989[1] 1992[1] 2003[Beleg?] 2006[4]
Wasserspiegel über NN 53,41 51,05 48,28 40,50 38,60 36,70 31,0 30,41
Wasservolumen (km³) 1090 925 763 404 330 k. A. 112,8 k. A.
Oberfläche (km²) 68.000 60.200 55.700 41.000 36.900 33.600 18.240 27.000
Salinität (g/L) 10 11,2 14 26,8 30,1 34,4 20[5]; 75-150[6][5] (Details) k. A.

Inzwischen hat die russische Regierung für den Sommer 2007 ein gegensteuerndes Bewässerungsprojekt geplant, um die weitere Austrocknung des weltweit beobachteten Prestigesymbols zu verhindern. Ähnlich wie in den Rocky Mountains in den USA soll Gletscherwasser aus den russischen Bergen per Pipeline den See mit einem stabilen Minimum wieder etwas mehr füllen. Die alte Größe des Aralsees kann damit jedoch nicht wieder zurückgewonnen werden. Das Projekt, das nach Expertenmeinung aus finanziellen Gründen frühestens im Winter 2011 gestartet werden kann, soll die russische Regierung bis zu 30 Milliarden Dollar kosten. Der russische Umweltminister Dimitri Uschnowska sagte: „Auch wenn der Aralsee kein Teil von Russland ist, sind wir durch unsere Politik in der Sowjetunion zu diesem Handeln verpflichtet.“

Vorgeschichte und Lage

Aralsee 1985

Auf Grund natürlicher Klimaschwankungen war der Spiegel des Aralsees mehrmals großen Schwankungen unterworfen. Während des Oligozäns herrschte ein deutlich feuchteres Klima. Über den größten Teil der Aral-Kaspi-Senke erstreckte sich ein riesiges Binnenmeer. Das Sarmatische Meer war über das Kaspische Meer mit dem Schwarzen Meer verbunden[7]. Eine Verbindung zum Mittelmeer und dadurch zum Atlantik bestand jedoch nicht, da nach gängiger Lehrmeinung die Verbindung zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer erst zu einem späteren Zeitpunkt entstand. Die Aral-Senke entstand durch die Tektonik zwischen 3 - 5 Mio. Jahren im Zeitalter des Pliozäns. Wegen der Abnahme der Niederschläge in der Nacheiszeit und auf Grund der Ablagerung von Sedimenten wurde diese Verbindung unterbrochen. Die verstärkte Verdunstung führte zum Absinken des Wasserstandes und zur Aufteilung der großen Wasserfläche in einzelne Seen. Sicher ist, dass die großen Gewässer vom Mittelmeer bis zum Aralsee die Überreste des Urozeans Tethys darstellen.

Auch für die Nacheiszeit sind deutliche Wasserstandsschwankungen belegt. In der Jungsteinzeit lag der Wasserspiegel des Sees tief genug, dass in 42 bis 46 m über NN Siedlungen angelegt werden konnten. Aus dem 13. Jahrhundert wurde sogar eine Siedlung gefunden, die nur 32 m über NN liegt.

In der Region von Turan herrscht semiarides Klima. Sie ist Teil der Eurasischen Steppe, wobei der Bewuchs der einer Trockensteppe ist. Begünstigt wird dies durch die Hochgebirge im Südwesten bis Osten, die z.B. den von Süden kommenden Monsun des Indischen Ozeans abhalten. Feuchtigkeit kommt hingegen im Sommer von nordatlantischen und europäischen Nordmeerwolkenmassen. Die dominierenden Winde kommen aus Westen, sowie Nordwesten bis Nordosten. Örtliche Tiefdruckgebiete bedingen eine große Anzahl Wirbelstürme. Pro Jahr fallen zwischen 30 und 200 mm Niederschlag, am See etwa 100 mm . Die Niederschlagsverteilung ist sehr unregelmäßig. Es kann zu monatelanger Trockenheit, aber auch zu Schneefall kommen. Es ist möglich, dass der Aralsee vor 1960 die Luftfeuchtigkeit in Bodennähe zwischen 3 und 5 % anhob und den jährlichen örtlichen Niederschlag um 10 mm erhöhte.

Versalzung und Umweltverschmutzung

Schiff auf dem Trockenen, Desertifikation am Aralsee

Durch die Umleitung großer Wassermengen erreicht heute insbesondere den südlichen Teil kaum noch Wasser. Alleine der vom Amudarja abzweigende Karakumkanal zweigt einen erheblichen Teil des Wassers ab, das zu früheren Zeiten von Süden in den Aralsee floss. Die starke landwirtschaftliche Nutzung und die sich beschleunigende Verlandung des abflusslosen Salzsees führten in den letzten 30 Jahren zur zunehmenden Versalzung des Sees, der Uferregionen und auch umgebender Bereiche.

Im Satellitenbild ist südwestlich des Sees eine weiße Region zu erkennen, bei der es sich um eine Ansammlung vom Wind angewehter Salze handelt, die sich an dieser Stelle zu Dünen sammeln. Die früher östlich des Sees beginnende Kysylkum-Wüste reicht mittlerweile bis an den See heran, die sehr salzreichen Dünen teilweise am Westufer bis in den See hinein. Die Wüste dehnt sich auch zunehmend in die fruchtbaren landwirtschaftlichen Bereiche südlich des Sees hin aus.

Gleichzeitig stieg der Salzgehalt an, was ein Fischsterben mit dem Niedergang von Fischerei nach sich zog. Der ursprüngliche Salzgehalt des Sees lag bei ca. 9 g/L (Gramm je Liter = 0,9 % = 9 ‰; 1960). Bis 1980 hatte er sich bereits auf 16,5 g/L und bis Mitte der Neunziger Jahre auf 30 g/L erhöht. 2003 wurde im Großen Aralsee im westlichen Becken eine durchschnittliche Salinität von mehr als 75 g/L gemessen und im östlichen Becken über 150 g/L[6][5], im Kleinen Aralsee allerdings nur 20 g/L[5].

Ehemalige Hafenstädte, Bade- und Uferorte liegen heute mitten in der Wüste, mehr als 100 km von der aktuellen Uferlinie entfernt. Nach dem Rückzug der Wasserlinie bleibt eine Salz- und Staubwüste, die durch jahrzehntelange hohe Einträge an künstlichen Düngemitteln, Herbiziden, Pestiziden und anderen Schadstoffen zudem hoch gesundheitsgefährdend ist.

Zur Entlaubung der Baumwollkulturen für die maschinelle Baumwollernte wurde extensiv das durch dessen Einsatz durch die US-Armee im Vietnamkrieg bekannt gewordene Agent Orange verwendet, das mit dem hochgiftigen und erbgutschädigenden TCDD verunreinigt war. Agent Orange wurde im gesamten Aralbecken in der Regel direkt über den Feldarbeitern versprüht, die nur wenige Sekunden Vorwarnzeit hatten, um unter Zeltplanen notdürftig Schutz zu suchen, was sie allerdings nicht vor dem Kontakt mit den kontaminierten Pflanzen schützte. TCDD ist eine relativ stabile Verbindung, die noch heute mit dem Wüstenstaub durch die Region um den Aralsee gewirbelt wird.

Die Salz- und Staubverschmutzung vergrößert sich noch dadurch, dass der Aralsee in einer großen Luftschneise von West nach Süd liegt. Der Luftstrom nimmt auch Aerosole auf und verteilt sie bis in die höheren Schichten der Stratosphäre, ein Vorgang, der die globale Luftverschmutzung um ca. 5 % ansteigen lässt. Aus diesem Grund können Pestizide aus der Aralregion sogar im Blut von Pinguinen der Antarktis nachgewiesen werden. Auch kann man den Aralstaub auf Grönlands Gletschern, in Norwegens Wäldern und in der Mongolischen Wüste finden.

Veränderung der Uferlinie des Aralsees von 1973 bis 2000

Seit den 70er Jahren stieg die Zahl der Magen- und Darmerkrankungen sowie die der Atmungsorgane sprunghaft an. So breiteten sich Typhus, Paratyphus, Hepatitis und Tuberkulose aus. Typhuserkrankungen nahmen teilweise um das 20- bis 30-fache zu. Auch organische Erkrankungen treten gehäuft auf und die Krebserkrankungen nahmen extrem zu. Am schlimmsten betroffen sind Kinder und schwangere Frauen. Die Kindersterblichkeit ist viermal höher als in Russland und in den meisten Regionen stirbt jedes zehnte bis zwölfte Kind vor dem 1. Lebensjahr. Sie wird durch verseuchte Nahrungsmittel und der Aufnahme von hohen Anteilen von Pflanzenschutzmitteln in der Muttermilch begünstigt. Damit ist die Säuglingssterblichkeit vergleichbar mit armen afrikanischen Staaten wie Kamerun, Kenia, Sudan oder Simbabwe. Einher geht dies mit einer wachsenden Zahl von Missbildungen und Behinderungen Neugeborener wie z.B. Hasenscharten oder Anenzephalie (angeborenes Fehlen des Gehirns). 30 % der Kindersterblichkeit sind auf akute Darmerkrankungen zurückzuführen. 70 % der Mütter und 96 % der gebärfähigen Frauen leiden aufgrund von Mangelernährung an Anämie. Salzstaub führt bei vielen zu Atemwegs- und Augenerkrankungen. Nagetiere aus den vertrocknenden Sumpfregionen flohen in die bewohnten Gebiete und übertrugen Erreger, wenn sie sich in Brunnen und Böden aufhielten. Dazu gehören Pest, Cholera und Tularämie. 1989 hatten von 10 Personen mindestens 6 ein Krankheitsbild, ob Kind oder Erwachsener. Man schätzt, dass ungefähr 25 % der Bevölkerung in den Baumwollanbaugebieten geistig retardiert ist. Es wird davon ausgegangen, dass die gesundheitlichen Folgen der Austrocknung des Aralsees vom Ausmaß ähnlich den Folgen des Reaktorunfalls in Tschernobyl sind, jedoch ist die Aufmerksamkeit für den Aralsee in der westlichen Welt sehr gering.

Zusammengefasst sind die Gründe der hohen Mortalität und Morbidität:

  • Schlechte Gesundheitsfür- und -vorsorge
  • Schlechte soziale Lebensbedingungen
  • Starke Versalzung und chemische und bakteriologische Verschmutzung des Trinkwassers
  • Einatmen von Salz und Staub aus der Luft
  • Verseuchung der Nahrungsmittel durch Pestizide und Düngemittel in den Böden
  • Vererbung von Krankheiten und Gendefekten

Im Süden des Aralsees hat sich in der Sarykamysch-Senke aus umgeleitetem Wasser des Amudarja und landwirtschaftlichen Abwässern mittlerweile der Sarykamyschsee gebildet. Das Wasser dieses Sees gilt als giftig, da es einen hohen Anteil an Pestiziden und Schwermetallen aufweist.

Die Arten- und Individuenzahl am Aralsee verringert sich zunehmend. Gleiches ist auch an den Uferregionen zu erkennen. Nach dem Rückgang des Sees werden Uferflächen von wirbellosen Kleintieren, Eidechsen, Schlangen und Nagetieren besiedelt, die allerdings rasch verschwinden, da der Sand der Kysylkum diese Areale schließlich in lebensfeindliche Salzsteppe verwandelt.

„Rettung“ des Aralsees

Um zumindest den kleineren (nördlichen) Teil des Aralsees zu retten, wurde in den 1990er Jahren von Kasachstan ein Deich gebaut, um das Wasser zurückzuhalten. Während seines Bestehens erhöhte sich der Wasserspiegel im Kleinen Aralsee, das Klima verbesserte sich, und es konnten wieder mehr Fische gefangen werden. Aufgrund der unzulänglichen Bauweise brach dieser Damm jedoch nach kurzer Zeit. Daraufhin wurde 2003 erneut mit dem Bau eines Dammes begonnen. Da auch die Weltbank Mittel hierfür bereit stellte, konnte diesmal Beton als Baumaterial verwendet werden. Dieser neue Damm wird auch Kokaral-Damm genannt. Zusätzlich zu diesem Dammbau wurden auch Maßnahmen ergriffen, um die Bewässerungssysteme des Syr-Darja zu verbessern, welcher in den nördlichen Teil des Sees mündet. Dabei wurden Kanäle repariert und zum Teil auch ausbetoniert. Damit sollte zusätzliches Wasser in den See geleitet werden. 2005 wurde der Kokaral-Damm fertiggestellt.

Im April 2007 erschien ein Bericht in der Zeitschrift Nature, der dem Rettungsversuch für den Nordaralsee erste Erfolge bescheinigte.[8] Bis 2006 stieg der Seespiegel um 3 Meter, die Fläche nahm um 900 km² zu, das Volumen stieg um 11 km³ und der Salzgehalt sank deutlich ab. Da der Kleine Aralsee einen Abfluss hat, sank auch die Konzentration der Giftstoffe: Sie wurden in den Großen Aralsee gespült. Infolgedessen stiegen die Fischereierträge und die Staubbelastung sank deutlich – zumindest wenn kein Südwind weht, welcher Staub aus dem Großen Aralsee herbeiträgt. An manchen Stellen hat sich die Küstenlinie um mehr als 75 km verlagert. Die kasachische Regierung hofft, dass sich der Kleine Aralsee durch weitere Verbesserungen der Bewässerungssysteme weitgehend erholen wird.

Der Nachteil des Projektes ist, dass die Austrocknung des Südteils weiter beschleunigt wird: Das Wasser, das den Nordteil des Sees wieder füllt, fehlt im Süden. Demzufolge greift Usbekistan, welchem die Südhälfte des Großen Aralsees gehört, das Projekt als Egoismus an. Die kasachische Regierung hält dagegen, dass keine Hoffnung bestehe, den gesamten See zu retten, wenn Usbekistan nicht auf die Bewässerung entlang des Amu-Darja verzichte, weshalb man das Beste aus der Situation gemacht habe.

Nutzung

Die im See gelegene Insel der Wiedergeburt diente dem sowjetischen Militär von 1936 bis 1991 über viele Jahre als Testgelände von Biowaffen. Unter anderem wurde Milzbrand (Bacillus anthracis), die Pest (Yersinia pestis), und die Tularämie (Francisella tularensis) getestet. Die Militärs in Usbekistan und der NATO befürchten, dass sich Terroristen auch hier Material für biologische Waffen besorgen könnten. Diese Gefahr wurde noch erhöht, als sich im Jahr 2002 die ehemalige Insel mit der Südküste verband und somit zu einer Halbinsel wurde.

Aus dem Jahr 1852 existieren Berichte, die vom Reichtum an Ziegen, Wölfen, Antilopen, Welsen, Stören, Pelikanen, Möwen, Igeln und Tigern in und um den See erzählen.

Literatur

  • Ernst Giese, Gundula Bahro, Dirk Betke: Umweltzerstörungen in Trockengebieten Zentralasiens (West- und Ost-Turkestan). Ursachen, Auswirkungen, Maßnahmen. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998.
  • René Létolle, Monique Mainguet: Der Aralsee. Eine ökologische Katastrophe. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 1996.
  • J. Sehring: Aralsee. In: Steinbach, U.; Von Gumppenberg, M.-C.: Zentralasien. Geschichte – Politik – Wirtschaft. München 2004, S. 21–26.
  • Philippe Sorrel: The Aral Sea. A palaeoclimate archive. Dissertation, Universität Potsdam / Université Claude Bernard – Lyon 1, 2006. (Volltext)
  • Äbdischämil Nurpeissow: Der sterbende See, Roman, Berlin 2006.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Ernst Giese, Gundula Bahro, Dirk Betke (1998): Umweltzerstörungen in Trockengebieten Zentralasiens (West- und Ost-Turkestan). Ursachen, Auswirkungen, Maßnahmen. S. 59.
  2. Sigmar-W. Breckle: Combating desertification and rehabilitation of the salt deserts in the region at the Aral Sea, http://www.uni-bielefeld.de/biologie/Oekologie/aralsee.html
  3. Sigmar-W. Breckle: Der verschwundene Aralsee – Desertifikationsbekämpfung durch Phytomelioration, http://www.saharaausstellung.de/index.php?id=67
  4. fba (2006): Verdurstender Aralsee; http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,427867,00.html
  5. a b c d In: Aladin, N. V. et al. (2005): Modern hydro-biological state of the Small Aral sea. In: Envirometrics 2005, Nr. 16, S. 375–392.
  6. a b Mirabdullayev I. M, Mustfaeva Z. A, & B. A. Tashmukhamedov (2003): Succession of the ecosystems of the Aral sea during its transition from oligohaline to polyhaline waterbody. 35th International Workshop on Ocean Dynamics—Dying and Dead Seas. Liège, Belgium.
  7. UNEP/DEWA/GRID: The geological evolution of the Black Sea, http://www.grid.unep.ch/bsein/publish/geoevol1.htm
  8. Nature: Northern Aral Sea recovering. Kazakhstan plans second phase of project. Bericht vom 12. April 2007, doi:doi:10.1038/news070409-8

Weblinks


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