Arbeiterjugendzentrum Bielefeld

Das Arbeiterjugendzentrum Bielefeld ist eines der ersten gegründeten autonomen Jugendzentren in der Bundesrepublik Deutschland. Das Arbeiterjugendzentrum (AJZ) Bielefeld ist seit seiner Entstehung selbstverwaltet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am 21. April 1973 wurde das „Haus der offenen Tür“ (HOT) in der Poststraße in Bielefeld-Brackwede besetzt, welches im März 1972 als städtisches Jugendzentrum eröffnet wurde. Zu der Hausbesetzung kam es, da Brackwede durch die kommunale Neuordnung der Stadt Bielefeld zugeordnet wurde. Das Bielefelder Jugendamt wollte daraufhin den Heimleiter zum 1. Januar 1973 abziehen. Aus diesem Grund entwickelten die Jugendlichen ein Konzept für ein selbstverwaltetes und unabhängiges Arbeiterjugend- und Schülerzentrum, welches vom Jugendamt anerkannt wurde und erstmals am 6. Januar 1973 öffnete. Zu diesem Zeitpunkt bekam das AJZ keine öffentlichen Zuschüsse und alle Entscheidungen die das Haus betrafen wurden auf der Hausversammlung (HV) beschlossen.

Da das Jugendamt und die Polizei ein Problem in der Selbstverwaltung sahen, wurde das Zentrum schon Ende Januar wieder geschlossen. Doch bevor es zur Besetzung des HOT kam, wurde unter anderem mit Infoständen und einer Demonstration für ein selbstverwaltetes JZ geworben und zu einer „Solidaritätsfete“ eingeladen, welche am 21. April 1973 stattfand. Noch auf der Fete wurde beschlossen, das HOT noch am selben Tag zu besetzen. Fünf Tage lang hielten ca. 300 Jugendliche das Haus besetzt und verbarrikadierten sich in diesem. In das Haus selbst konnte nur über eine Leiter in den ersten Stock gelangt werden. Als das Haus am 26. April 1973 für die Bevölkerung geöffnet wurde, um die Gerüchte auszuräumen, welche in der Öffentlichkeit bestanden, räumte die Polizei das Haus. In Folge dessen kam es 1974 zu mehreren Prozessen gegen mehrere Hausbesetzer.

Da das Jugendamt nicht mit der Hausversammlung, welche sich nun in einer Kneipe traf, verhandeln wollte, wurde im August 1973 der „Verein zur Einrichtung und Förderung eines unabhängigen Arbeiterjugendzentrums Bielefeld-Brackwede e.V.“ gegründet, welcher im Dezember desselben Jahres als förderungswürdig anerkannt wurde. Mit der Fahrradsattelfabrik Dargel in der Heeper Straße 132 konnte auch ein passendes Gebäude gefunden werden, welches zum 1. Mai 1974 teilweise angemietet wurde. Im restlichen Gebäude produzierte weiterhin die Sattelfabrik. Nachdem das Haus bis zum Herbst größtenteils renoviert und instandgesetzt werden konnte, wurde das AJZ schließlich im Dezember als förderungswürdig anerkannt. Die Förderung sollte kein halbes Jahr später wieder gestrichen werden, da die CDU in ihrem Wahlkampf den Antrag stellte dem AJZ die Förderungswürdigkeit wieder abzuerkennen. Dem Antrag wurde jedoch im Herbst 1975 nicht stattgegeben.

Im Zuge des Deutschen Herbst musste das AJZ mehrere Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen, sobald in Bielefeld Flugblätter oder sonstige Broschüren auftauchten in denen die Behörden einen Verstoß gegen §129a sahen. Jedoch führte keine der Durchsuchungen zu einem Ergebnis. Im Januar 1978 wurde auf der HV der Beschluss gefasst das Haus zu kaufen, da die Eigentümerin es verkaufen wollte und deswegen Schwierigkeiten bei der Verlängerung des Mietvertrages, welcher zum 30. April 1979 auslief, entstanden wären. Trotz einer erneuten Kampagne von Seiten der CDU gegen das AJZ, konnte im Juli 1978 der Kaufvertrag unterzeichnet werden. Durch den neu gewonnenen Raum entstand in den Räumen der nun geschlossenen Sattelfabrik unter anderem eine neue Kneipe, ein neuer Veranstaltungsraum, die neue Metallwerkstatt, das Kino und der „Infoladen Anschlag“.

1991 wurde dem AJZ die Förderungswürdigkeit aberkannt, jedoch war zu diesem Zeitpunkt schon ein Großteil des Hauses, welches von der Sparkasse vorfinanziert wurde, abbezahlt und der Rest konnte durch Spenden beglichen werden.

Auseinandersetzungen mit Behörden, der Polizei und Rechten

Neben den üblichen Beschwerden und Problemen wegen Ruhestörung, kam es vor allem Ende der 1980er Jahre immer häufiger zu Auseinandersetzungen mit Rechten, die in der benachbarten Bleichstraße ein Zentrum hatten, und der Polizei. Den Höhepunkt bildete sicherlich der 27. März 1987, an dem Hausbewohner beschlossen, das Nazizentrum in der Bleichstraße anzugreifen, was in der Belagerung des AJZ durch die Polizei endete.

Da das Bundesamt für den Zivildienst (BAZ) den Einsatz Zivildienstleistender im AJZ als zu gefährlich ansah, sollten diese versetzt werden, doch sie weigerten sich ihre neuen Dienststellen anzuerkennen. Bis 1992 konnten somit die Zivildienststellen gehalten werden, jedoch suchte das BAZ nach weiteren Gründen die Stellen zu streichen. Diese fand es in einem roten Stern und dem Georg Büchner-Zitat „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“. Der rote Stern musste letztendlich entfernt werden, jedoch hatte das BAZ noch weitere Vorwände, weshalb die Zivildienststellen schließlich gestrichen wurden.

Im August 2008 musste das AJZ zwei Bußgelder von insgesamt ca. 1000 Euro bezahlen, da an Karfreitag 2008 ein Konzert mit der Band Turbostaat veranstaltet wurde.

Gegenwärtige Arbeit

Vor allem durch die Konzerte erlangte das AJZ seit jeher überregionale Bedeutung. So spielten international bekannte Bands wie Turbonegro, The Unseen, The Toasters, Lesbians on Ecstasy und Hammerhead, um nur eine kleine Auswahl zu nennen, im AJZ.

Zudem gibt es neben der Donnerstagskneipe die „AntiBar“, die einmal im Monat veganes Essen gegen Spende serviert. Auch können die verschiedenen Werkstätten (Metallwerkstatt, Holzwerkstatt) genutzt werden. Im „Infoladen Anschlag“ findet Montags immer das „Antifa Café“ statt.

Gruppen im Haus

Ehemalige Gruppen und Kollektive

  • „Rote Socke“ – Fußballgruppe die in der „Wilden Liga“ spielte
  • AJZ-Frauensportgruppe
  • Songgruppe – sang und schrieb Lieder z.B. zu Themen wie: Anti-AKW, Faschismus
  • Theatergruppe – spielte Stücke über die Besetzung, Jugendprobleme
  • Wohngruppe – vermittelte Jugendliche untereinander die sich alleine keine Wohnung leisten konnten und auch nicht alleine wohnen wollten
  • KFZ-Kollektiv – war eine reguläre KFZ-Werkstatt in der Schillerstraße, in der jedoch alle Betreiber_Innen gleichberechtigt waren und sich zum Ziel gesetzt hatte Reparaturen ohne die branchenüblichen Zuschläge durchzuführen
  • Kulturgruppe - Befinden sich jetzt im Forum, Meller Str.
  • Kinogruppe - bespielte sonntags das hauseigene "AJZ-Kino"
  • Netzwerkstatt – Computergruppe, die auch Partys veranstaltet
  • Rude Sounds – Konzertgruppe die vornehmlich Konzerte im Reggae und Ska Bereich organisiert

Aktuelle Gruppen

  • „Bolzenbande links außen“ – aktuelles „Wilde Liga“-Team des AJZ
  • AJZ-Radio – unkommerzielle Radiogruppe, die seit Ende 1994 im Bürgerfunk sendet
  • AJZ-Druck – seit 1976 existierender Verlag mit eigener Druckerei
  • AJZ-Disco – Discogruppe im AJZ
  • Punk-Rock-Gruppe – Konzertgruppe die Konzerte mit meist international bekannten Punk- und Hardcorebands veranstaltet
  • Ladyshake -Veranstaltet Konzerte, themenbezogene Partys, Filmabende und Lesungen im feministisch/queeren Kontext, für Ladies+Gentlemen.
  • Bite Back Concerts – Konzertgruppe die auch regionalen Bands Auftrittsmöglichkeiten bietet
  • Freedom Run Concerts - Konzertgruppe für Stoner/Doom/Psychedelic
  • club!ajz - Partys mit elektronischer Tanzmusik

Literatur

  • Hausversammlung des Arbeiterjugendzentrums Bielefeld: 5 Jahre Selbstverwaltung. Eine Dokumentation des Arbeiterjugendzentrums in Bielefeld, Bielefeld 1978
  • AutorInnenkollektiv (Hrsg.): 30 Jahre AJZ: Autonom und selbstverwaltet: eine Dokumentation über das ArbeiterInnen-Jugend Zentrum/Bielefeld, Bielefeld 2003.

Weblinks

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