Arbeitslager Treblinka
Eisenbahnweg nach Treblinka.
Vernichtungslager Treblinka (Polen)
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KL Treblinka
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Warschau
Warschau
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Karte des heutigen Polen

Das Vernichtungslager Treblinka (auch Treblinka II) beim Dorf Treblinka in der Gemeinde Małkinia Górna in der Woiwodschaft Masowien, nordöstlich von Warschau war im Zweiten Weltkrieg das zuletzt errichtete und bald das größte nationalsozialistische Todes- oder Vernichtungslager im Rahmen der Aktion Reinhardt im deutschen Generalgouvernement des besetzten Polen. Von Juli 1942 bis Oktober 1943 beträgt die geschätzte Gesamtzahl der Todesopfer im KZ Treblinka ca. 750.000 Menschen aus ganz Europa [1].

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Den Baubefehl zur Errichtung des Vernichtungslagers erteilte der Reichsführer-SS, Heinrich Himmler, dem SS- und Polizeiführer im Distrikt Warschau, SS-Oberführer Arpad Wigand, in einer mündlichen Besprechung in Warschau am 17. April 1942.

Seine Errichtung war Teil der Aktion Reinhard, das heißt der systematischen Vernichtung der europäischen Juden. Die Bauarbeiten wurden Ende Mai, Anfang Juni 1942 mit jüdischen Häftlingen aus der Umgebung und aus Warschau sowie vom KZ Treblinka I aus begonnen. Zum Teil wurden deutsche Firmen am Bau beteiligt. Der Stacheldraht wurde aus der Deutschen Seil- und Drahtfabrik Freiberg in Sachsen bezogen. Die Bauaufsicht hatte der SS-Hauptsturmführer R. Thomalla. Es wurde extra ein Nebengleis vom Bahnhof Treblinka zum Vernichtungslager gelegt. Das Baumaterial stammte zum Teil aus dem Ghetto Warschau und wurde über dieses Gleis herangeschafft.

Die zunächst drei Gaskammern mit einer Fläche von 48 m² wurden von den „Spezialisten“ der Aktion T4 nach dem Muster des Vernichtungslagers Sobibor eingerichtet. Zunächst umgab nur ein Stacheldrahtzaun das Lager. In den Zaun eingeflochtene Kiefernzweige sollten den Einblick verhindern. Später kam ein äußerer Bereich aus eisernen, mit Stacheldraht bewehrten Panzersperren hinzu. An den Ecken des Lagers und im eigentlichen Vernichtungsbereich waren hölzerne, circa acht Meter hohe Wachttürme errichtet worden. Das Lagertor bestand aus zwei hohen Säulen und einem schmalen Dach. Die Säulen waren jeweils mit einer Blume aus Metall verziert. Ein daran befestigtes Schild trug die Aufschrift „SS Sonderkommando Treblinka“. Die daneben befindliche Wachstube war im Stil eines Tiroler Bauernhauses errichtet worden.

Das ganze Lager war in drei etwa gleich große Bereiche unterteilt: das sogenannte Wohngebiet für die Wachmannschaften und die Häftlingsbaracken, das Auffanglager und das Todeslager oder „Obere Lager“, das auf dem ansteigenden Gelände lag.

1) Auslade-Bahnsteig. 2) Eine falsche Bahnstation. 3) Baracken, in denen sich die Opfer entkleiden mussten. 4) Gaskammern. 5) Gruben in denen die vergasten Opfer verbrannt wurden.

Ein 100 x 100 m großer Bereich im Wohngebiet war das eigentliche Gefangenenlager mit drei großen Schlafbaracken und Werkstätten; daneben der Appellplatz, die Latrine; alles separat mit Stacheldraht eingezäunt.

Fahrplananordnung zur sogenannten Umsiedlung nach dem Osten vom 25. August 1942

Ins Auffanglager konnten die Transportzüge durch ein mit einem kleinen Wäldchen getarntes Tor im Lagerzaun hineinfahren und an der ca. 200 m langen Rampe halten. Es gab ein Gebäude, das einen Bahnhof vortäuschte. Von der Rampe wurden die Menschen über den Bahnhofsvorplatz zum wiederum eingezäunten Umschlagplatz gebracht. Hier wurden von der SS die Männer von den Frauen und den Kindern und vom Gepäck getrennt. In einer kleineren Baracke mussten sich die Frauen ausziehen. Friseure des jüdischen Arbeitskommandos schoren ihnen danach die Köpfe kahl. Die neu angekommenen Männer entkleideten sich unter freiem Himmel. Eine weitere Baracke diente hier als Lagerraum für das geraubte Gepäck. In der Anfangsphase der Vernichtungsaktionen schlief das jüdische Arbeitskommando in dieser Baracke.

Im Todeslager fand der eigentliche Massenmord auf einer Fläche von ca. 200 x 250 m umgeben von hohen Erdwällen statt. Hier standen die Gaskammern, wurden die Massengräber mit Verbrennungsrosten darüber angelegt. In zwei später zusätzlich eingezäunten Baracken wurde das jüdische Sonderkommando mit Küche, Toilette und Wäscherei untergebracht. Ein zusätzlicher Wachtturm und ein Wachhäuschen standen in der Mitte.

Treblinka war nach einer Meldung am 22. Juli 1942 bereit, Deportationstransporte zu empfangen. Damit konnte die „Große Aussiedlung“ aus dem Warschauer Ghetto und den östlichen Teilen des Distrikts Warschau beginnen. Der erste Transport mit Juden aus dem Warschauer Ghetto kam am 23. Juli an. Zwischen August und Oktober 1942 wurden zehn weitere Gaskammern von insgesamt 320 m² errichtet. Damit konnten Insassen von 20 Eisenbahnwaggons gleichzeitig ermordet werden. Die Hauptvernichtungszeiten in Treblinka erstreckten sich von Juli 1942 bis Januar 1943 mit Transporten aus Stadt und Distrikt Warschau, aus den Distrikten Radom und Lublin, Bezirk Bialystok, Theresienstadt, Februar bis Mitte März 1943 aus Bezirk und Stadt Bialystok, Ende März bis Anfang April 1943 mit Transporten aus dem von Bulgarien besetzten, zuvor griechischen Teil Thrakiens[2] und Griechenland und Mitte August 1943 (Stadt Bialystok).

Nach dem Aufstand (siehe unten) wurden am 21. August 1943 noch die Häftlinge aus zwei Zügen aus Bialystok (mit den Nrn. PJ 207 und PJ 208) vergast. Danach wurde das Lager abgebaut. Teile der Baracken wurden per Bahn zum SS-Arbeitslager Dorohucza bei Trawniki gebracht. Am 17. November 1943 verließ der letzte Transport mit Restmaterialien das Gelände, auf dem in der Folgezeit zur Tarnung ein Bauernhof entstand.[3]

Lagerpersonal, spätere Strafverfahren

Alle vier Lagerleiter Treblinkas hatten von Anfang an leitende Funktionen innerhalb der „Euthanasie“ im Rahmen der Aktion T4 ausgeübt. Erster Lagerleiter war von Mai bis September 1942 der Arzt Irmfried Eberl. An seine Stelle trat Kriminalsekretär Franz Stangl (September 1942 bis August 1943). Kriminalsekretär Ernst Schemmel vertrat Stangl während seines Urlaubs Ende September/Anfang Oktober 1942 für einige Wochen. Letzter Lagerleiter wurde SS-Untersturmführer der Waffen-SS Kurt Hubert Franz, dessen Hund Barry unter den Häftlingen gefürchtet war.

Als Eberl am 15. Februar 1948 von einem Mitgefangenen in Ulm auf das gerade erschienene Buch von Eugen Kogon „Der SS-Staat“ und den darin erwähnten gleichnamigen Arzt angesprochen wurde, entschloss sich Eberl wohl zum Selbstmord, den er am nächsten Tag, den 16. Februar 1948, durch Erhängen in seiner Gefängniszelle in Ulm ausführte. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Ermittlungsbehörden immer noch keine Kenntnis von der wahren Identität des toten Untersuchungsgefangenen.

Stangl wurde vom Landgericht Düsseldorf (Urteil vom 22. Dezember 1970 Az.: 8 Ks 1/69) wegen gemeinschaftlichen Mordes an mindestens 400.000 Menschen zu lebenslanger Haft verurteilt (Auszug aus dem Urteil s. Weblinks). Stangl legte gegen das Urteil Revision ein, verstarb jedoch am 28. Juni 1971 in der Haftanstalt an Herzversagen. Durch die Aussagen überlebender Häftlinge, beispielhaft Richard Glazar, wurden viele Details der von den Angeklagten mitzuverantwortenden Torturen des Lagers in der deutschen Öffentlichkeit bekannt.

Im Treblinka-Prozess wurde Franz vom Landgericht Düsseldorf mit Urteil vom 3. September 1965 (Az.: 8 I Ks 2/64) wegen gemeinschaftlichen Mordes an mindestens 300.000 Personen, wegen Mordes in 35 Fällen an mindestens 139 Personen und wegen versuchten Mordes zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Wegen seines Alters und aus gesundheitlichen Gründen wurde Franz Mitte 1993 entlassen und starb am 4. Juli 1998 in Wuppertal.

Der SS-Obergruppenführer Karl Wolff (Chef des Persönlichen Stabes von Himmler und Verbindungsoffizier der SS zu Hitler) wurde am 30. September 1964 vom Landgericht München wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen (Deportationen in das Vernichtungslager Treblinka) zu 15 Jahren Haft verurteilt. 1971 wurde ihm Haftverschonung wegen Haftunfähigkeit gewährt.

Aufstand

Nach einem für das Ziel einer Massenflucht kurzfristig organisierten Aufstand im Lager am 2. August 1943, in deren Verlauf immerhin fast 200 Häftlinge zumindest kurzfristig entkamen, wurden die Insassen, welche die darauf folgenden Strafmaßnahmen überlebt hatten, ins Todeslager KZ Sobibor verschleppt. Das Lager Treblinka II wurde abgerissen. Sobibor wurde nach einem Aufstand mit anschließender Massenflucht am 14. Oktober 1943 ebenfalls geschlossen.

Opferzahl

Im Jahr 2000 wurde die Abschrift eines Funkspruchs aufgefunden, in dem SS-Sturmbannführer Hermann Höfle die Anzahl der im Zuge der Aktion Reinhard(t) getöteten Juden für das Jahr 1942 meldete. Nach dieser Quelle, dem so genannten Höfle-Telegramm, wurden in Treblinka bis Ende des Jahres 1942 genau 713.555 Juden ermordet. Das entspricht 56 % aller in diesem Jahr in den angeführten vier „Reinhardt“-Vernichtungslagern ermordeten Juden. Unter den Opfern in Treblinka waren auch ungefähr 2000 Sinti und Roma.

Die Gesamtzahl der Opfer Treblinkas dürfte 1.000.000 übertroffen haben.

Ein später sehr berühmtes Opfer in Treblinka war der polnische Arzt und Pädagoge Dr. med. Janusz Korczak.

Arbeitslager Treblinka I

Wenige Kilometer vom Todes- oder Vernichtungslager Treblinka II entfernt befand sich spätestens von Dezember 1941 (wahrscheinlich vom 1. September oder etwas früher an) bis Juli 1944 das Arbeitslager Treblinka (I).[4] Es wurden dort Personen eingewiesen, die „gegen ein von einer deutschen Behörde des Generalgouvernements erlassenes Verbot oder Gebot“ vom 15. November 1941 verstoßen haben sollten. Als Haftdauer waren zwei bis sechs Monate vorgesehen, jedoch überlebten mehr als zwei Drittel aller Gefangenen diese Zeit nicht.[5] Polen, jüdische Polen und Ukrainer wurden separat eingesperrt. Im Arbeitslager wurden ständig zwischen 1.000 und 1.200 Häftlinge als Arbeitskommando gefangen gehalten und in einer benachbarten Kiesgrube und div. Werkstätten auf dem Gelände zur Zwangsarbeit eingesetzt. Am 23. Juli 1944 liquidierten die Trawniki-Wachmannschaften und SS-Leute das Lager, weil sich die Front näherte. Mehr als 500 jüdische Häftlinge wurden erschossen. Anfang August wurden die 20 polnischen Häftlinge des Aufräumungskommandos erschossen.[6]

Gedenkstätten

Gedenkstätte Treblinka im Winter

Auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers befindet sich seit 1964 ein Mahnmal. An der Stelle der früheren Gaskammern steht ein großer Turm aus Granitquadern, den etwa 17.000 Granitsteine umgeben, auf denen Inschriften die Länder und Orte nennen, aus denen Juden in Treblinka ermordet wurden. Sandsteinblöcke weisen den Weg zum Lager Treblinka I (ebenfalls mit Gedenkstätte).

Literatur

  • Yitzhak Arad: Belzec, Sobibor, Treblinka. The Operation Reinhard Death Camps, Bloomington and Indianapolis 1987, ISBN 0-253-34293-7.
  • Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. 9 Bände (bis 2008 erschienen: 8 Bände). C. H. Beck, München 2005– . ISBN 978-3-406-52960-3 (i. Dr.; Inhaltsregister)
    • Bd. 8: Riga. Warschau. Kaunas. Vaivara. Plaszów. Klooga. Chelmo. Belzec. Treblinka. Sobibor. 2008, ISBN 978-3-406-57237-1
  • Adalbert Rückerl (Hrsg.): Nationalsozialistische Vernichtungslager im Spiegel deutscher Strafprozesse. Belzec, Sobibor, Treblinka, Chelmno. München 1977, ISBN 3-423-02904-8.
  • Peter Witte and Stephen Tyas: A New Document on the Deportation and Murder of Jews during „Einsatz Reinhardt“ 1942. In: Holocaust and Genocide Studies, Vol. 15, No. 3, Winter 2001, ISBN 0-19-922506-0.
  • Richard Glazar: Die Falle mit dem grünen Zaun. Überleben in Treblinka. Münster 2008, ISBN 978-3-89771-819-7. Vorwort von Wolfgang Benz: [1]
  • Jean-Francois Steiner: Treblinka. Die Revolte eines Vernichtungslagers. Berlin 1994, ISBN 3-927170-06-2, aus dem Französischen übersetzt von Marianne Lipcowitz, mit einem Vorwort von Simone de Beauvoir
  • Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben (ISBN 3-423-12830-5) enthält eine ausführliche Beschreibung der Organisation des Abtransports von Juden aus Warschau ins Vernichtungslager Treblinka
  • Samuel Willenberg: Treblinka. Lager, Revolte, Flucht, Warschauer Aufstand. Münster/Hamburg 2009. ISBN 978-3-89771-820-3

Siehe auch

Weblinks

Fußnoten

  1. Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden, Band 2, 10. Auflage, Frankfurt am Main 2007, S. 956
  2. Gabriele Nissim: Der Mann, der Hitler stoppte. Dimitar Pesev und die Rettung der bulgarischen Juden, Verlag Siedler, 2000]
  3. Ino Arndt, Wolgang Scheffler: Organisierter Massenmord an Juden in nationalsozialistischen Vernichtungslagern. Ein Beitrag zur Richtigstellung apologetischer Literatur. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 2/1976, S. 105–135. Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart.
  4. In einer dt./poln. Anordnung des Warschauer Distriktgouverneurs (Adg.Nr. 50/41) vom 15. November 1941 wird rückwirkend zum 1. Sept. 1941 die Errichtung eines Arbeitslagers Treblinka im Amtsblatt Nr. 11 12 vom 16. Dez. 1941 bekanntgemacht. Insbesondere warum Personen dort 2 bis 6 Monate wegen volksschädigendem Verhalten eingewiesen werden können. (siehe online)
  5. Gleiches Amtsblatt Nr. 11 12 vom 16. Dez. 1941, Seite 2
  6. Grossman, S. 823, vgl. auch die Fußnote der Übersetzer.

52.63138888888922.0522222222227Koordinaten: 52° 37′ 53″ N, 22° 3′ 8″ O


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