Arbeitsvermittler

Es gibt in Deutschland den Beruf Arbeitsvermittler als Beschäftigter bei der Bundesagentur für Arbeit oder den gemeinsamen Einrichtungen der Bundesagentur für Arbeit mit den jeweiligen Kommunen (genannt Jobcenter) sowie bei den privaten Arbeitsvermittlern. In den gemeinsamen Jobcentern werden die Arbeitsvermittler als Persönliche Ansprechpartner bezeichnet. In der Schweiz werden solche Arbeits- und Stellenvermittler auch Temporärbüro genannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Erste Ansätze einer Arbeitsvermittlung in Deutschland gehen auf die Krise 1834-1837 und die nachfolgenden Hungerjahre zurück. Die Leiterin der Dresdner Armen-Arbeitsanstalt Henriette Heber (1795-1869) gründete 1840 den “Verein für Arbeit und Arbeiternachweisung” in Dresden. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg organisierten bestimmte Kommunen und Länder eine öffentliche Arbeitsvermittlung (z.B. in Münster (Westfalen), Bielefeld, Wiesbaden[1] und Bayern) in sog. Arbeitsnachweisämtern. Diese Aktivitäten wurden teils in enger Verbindung mit kirchlichen und privaten Fürsorgeeinrichtungen durchgeführt.

Die Erfahrungen des Krieges 1914 - 1918, aber auch der Wunsch der Gewerkschaften, die Arbeitsvermittlung im ganzen Deutschen Reich einheitlich zu regeln, führten 1920 zu der Errichtung des Reichsamts für Arbeitsvermittlung und 1922 zum Arbeitsnachweisgesetz (ANG), das die Arbeitsvermittlung auf kommunaler Ebene organisierte und das Reichsamt für Arbeitsvermittlung in der "Reichsarbeitsverwaltung" unterbrachte. Die Koppelung von Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, wie sie heute noch in Deutschland charakteristisch ist, kam erst mit dem Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung (AVAVG) vom 16. Juli 1927 (in Kraft ab 1. Oktober 1927) zustande, das auch die gesetzliche Grundlage für die Errichtung der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung (RAfAuA) darstellte.

Agentur für Arbeit

Arbeitsvermittler sind im Wesentlichen in der Bundesagentur für Arbeit bzw. in den Jobcentern (gemeinsame Einrichtungen nach dem SGB II) tätig und beraten dort Arbeitslose und andere Ratsuchende u. a. im Hinblick auf offene Stellenangebote auf dem Arbeitsmarkt und informieren über Möglichkeiten bezüglich Arbeitsaufnahme, Weiterbildung, anderer Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch und Förderung der Existenzgründung. Darüber hinaus sind Arbeitsvermittler auch Ansprechpartner der regional ansässigen Firmen und Wirtschaftsverbände (Arbeitgeber).

Zu den Aufgaben im Bereich der Bundesagentur tätigen Arbeitsvermittler gehören im Einzelnen

  • die Arbeitgeberberatung: qualifizierte umfassende Beratung im Innen- und Außendienst, proaktive Stellenakquisition sowie spezielle Kampagnen für Arbeitgeber;
  • die Unterstützungsfunktion für die Stellenbesetzung: Dienstleistungen im Kontext und Nachfolge der Stellenentgegennahme wie Absprachen über Art der Stellenveröffentlichung, die Anzahl der Vermittlungsvorschläge oder Nachhalten der qualifizierten Erstreaktion;
  • integrationsunterstützende Maßnahmen: Veranlassung von Arbeitsplatzbesichtigungen und Stellungnahmen des Technischen Beratungsdienstes, Arbeitsmarktprüfungen im Rahmen von Arbeitserlaubnisprüfungen und für Saisonkräfte; ferner arbeitgeberorientierte Leistungsberatung und die Bearbeitung des Rücklaufes von Vermittlungsvorschlägen.[2]

Viele Aktivitäten werden jedoch im Rahmen von Vergabeverfahren an private Dienstleister ausgegliedert. Eine Studie von Strotmann ergab, dass im ersten Halbjahr 2004 nur ca. 13 % der Personaleinstellungen einer Betriebsstichprobe in Baden-Württemberg auf die Tätigkeit der Agenturen zurückgeführt werden konnten.[3]

Nach wie vor werden viele Schwachstellen im Vermittlungsprozess und widersprüchliche Anforderungen an die Vermittler beklagt. Das gilt auch für die JobCenter. Während deren aus den Sozialverwaltungen stammenden Beschäftigten ein sozialintegratives Fallmanagement mit oft schwieriger Klientel in ihren Konzepten verfolgen und oft einen sozialpädagogischen Qualifikationshintergrund aufweisen, liegt der Schwerpunkt der Arbeitsverwaltung auf dem vermittlungsorientierten Fallmanagement mit dem Ziel der Integration in den ersten Arbeitsmarkt. In den JobCentern werden außerdem besonders viele Quereinsteiger aus unterschiedlichen Berufen - oft mit befristetem Arbeitsverhältnis - als Persönliche Ansprechpartner beschäftigt.[4] Auch unterschiedliche Tarife, Dienstvereinbarungen und Qualifikationsvoraussetzungen von Beschäftigten der Sozialverwaltung und der BA behindern eine gerechte Verteilung der Arbeit.[5]

Ausbildung und Weiterbildung

Bis 2005 bot die Fachhochschule des Bundes, Fachbereich Arbeitsverwaltung in Mannheim und Schwerin den Studiengang Arbeitsförderung an, der vielen Absolventen den Zugang zur Tätigkeit als Arbeitsvermittler ermöglichte. Seit 2006 bietet die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit - eine staatlich anerkannte Fachhochschule für Arbeitsmarktmanagement - mit Sitz in Mannheim und Schwerin, einen Studiengang Arbeitsmarktmanagement an, der u.a. auf die Tätigkeit eines Arbeitsvermittlers vorbereitet.

Als Weiterbildung für Quereinsteiger aus anderen Berufen, die in Jobcentern oder Optionskommunen als Arbeitsvermittler tätig werden, ist in Deutschland auch das international anerkannte Zertifikat Global Career Development Facilitator (GCDF) verbreitet (2011 etwa 500 Personen).[6]

Private Arbeitsvermittler (PAV)

Im August 1994 fiel das Vermittlungsmonopol der Bundesanstalt für Arbeit und im März 2002 die Erlaubnispflicht. Die Erlaubnis musste formell beim zuständigen Landesarbeitsamt beantragt werden. Dazu waren entsprechende Angaben des Antragstellers nötig, die überprüft und bei Unbedenklichkeit wurde die Erlaubnis zunächst befristet erteilt. Nach Ablauf musste erneut ein Antrag gestellt werden und diesem wurde i.d.R. unbefristet stattgegeben. Seitdem ist private Arbeitsvermittlung (PAV) ein freies Gewerbe.

Private Arbeitsvermittler arbeiten einerseits für alle, die Arbeit suchen (also für Arbeitssuchende oder Wechselinteressierte) und andererseits für Unternehmen und Institutionen, welche Personal suchen. Die Honorierung der Arbeit bzw. Dienstleistung kann vom Stellensuchenden, vom Arbeitgeber oder auch vom Staat (z.B. Bundesagentur für Arbeit) übernommen werden. Private Arbeitsvermittler vermitteln auch Arbeitssuchende gegen von der Arbeitsagentur ausgegebene Vermittlungsgutscheine nach (§ 421g SGB III) im Wert von grundsätzlich 2.000 € (seit 1. Januar 2008 in definierten Ausnahmefällen bis zu 2.500 €). Ihre Dienstleistung besteht neben der aktiven Vermittlung in ein gewünschtes Arbeitsverhältnis in Hilfen für den Bewerber wie Profiling, Coaching und Erstellen von Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Anschreiben, etc.). Diese sind bei einer Vermittlung nach § 421 g SGB III kostenlos durch die Arbeitsvermittler zu erbringen.

Der Vermittlungsgutschein (VGS)

Im Jahr 2002 wurde der Vermittlungsgutschein (VGS) eingeführt, um den Wettbewerb zwischen staatlichen und gewerblichen (freien/privaten) Arbeitsvermittlern einzuführen. In den Folgejahren wurde dieses arbeitsmarktpolitische Instrument nach § 421g SGB III von der Politik immer wieder befristet fortgeführt und verändert. Derzeit ist die gesetzliche Regelung bis zum 31. Dezember 2011 befristet.

Der Vermittlungsgutschein ist das einzige arbeitsmarktpolitische Instrument

  • welches von dem Betroffenen unmittelbar eingesetzt werden kann
  • welches ausschließlich erfolgsabhängig und unmittelbar wirkt (Vermittlungsgebühr wird nur ausgezahlt, wenn Vermittlung in Arbeit tatsächlich erfolgt ist und die Beschäftigung mindestens 3 Monate andauert) Abrechenbar sind die 2000,00 Euro in zwei Raten. Erste Rate nach 6 Wochen, zweite Rate nach 6 Monaten. In diesem Betrag ist die MwSt enthalten, die davon noch abgeführt wird.
  • die direkte Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verlangt

Mit dem Vermittlungsgutschein bestätigt der Aussteller (Agentur für Arbeit, ARGE oder Optionskommune), dass er in die Zahlungsverpflichtung des Vermittelten eintritt und stellt diesen von der Zahlung frei.

Gesetzliche Grundlagen für den Vermittlungsgutschein sind § 296 und § 421g SGB III sowie § 16 SGB II.

Arbeitsvermittler in Österreich

Der Mitarbeiter des österreichischen Arbeitsmarktservice haben ähnliche Aufgaben wie die der deutschen Arbeitsagentur.[7] Auch hier gibt es Vermittlungsgutscheine, die private Personalvermittler für erfolgreiche Vermittlungen erhalten. Auch Zeitarbeitsfirmen spielen eine bedeutende Rolle bei der Vermittlung. Der AMS gehört seit 2005 neben den skandinavischen Vermittlungsdiensten zu den ersten Arbeitsverwaltungen, die von den Kunden selbst abrufbare und EDV-basierte Stelleninformationssysteme entwickelten. Die Interessenten können hierbei mit den Arbeitsplatzanbietern direkten E-Mail-Kontakt aufnehmen.[8]

Arbeitsvermittler in der Schweiz

Die Schweizerische Arbeitsmarktbehörde ist verantwortlich für das Arbeitsvermittlungs- und das Arbeitslosenversicherungsgesetz. Ihre Partner bei der Durchführung dieser Aufgaben sind die Kantone, die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren, die Logistikstellen für arbeitsmarktliche Massnahmen und die Arbeitslosenkassen.[9]

Arbeitsvermittler in den Niederlanden

Die öffentliche Arbeitsvermittlung UWV (Uitvoeringsinstituut Werknemers Verzekeringen) WERKbedrijf hilft bei der Stellensuche, berät, informiert und vermittelt Hilfen. Sie ist in ein Netzwerk von Partnern und Zeitarbeitsagenturen eingebunden, sodass die meisten bei diesen Partnern gemeldeten freien Stellen auch in der Online-Datenbank des WERKbedrijf[10] veröffentlicht werden.[11] Zeitarbeitsfirmen spielen eine bedeutende Rolle bei der Vermittlung.[12] Sie sind in der Regel in oder neben den staatlichen Jobcentern untergebracht und übernehmen die Betreuung schwer vermittelbare Personen nach 12 Monaten.

Arbeitsvermittler in Großbritannien

Das britische System der Arbeitsvermittlung ist stark zentralisiert. Zuständig ist das Ministerium für Arbeit und Renten (DWP). Zugleich ist das System jedoch das liberalste in der EU.[13] Seit 1909 gibt es eine staatliche Arbeitsvermittlung, die zunächst überwiegend für Gelegenheitsarbeiter gedacht war. Hauptarbeitsvermittler in Großbritannien sind heute die staatlichen Arbeitsämter, die Job Centres (seit 2002 offiziell: Jobcentre Plus service), die auch für die Arbeitslosenunterstützung zuständig sind. Daneben gibt es schon seit 1893 zahlreiche private Vermittlungsagenturen, deren Tätigkeit allerdings erst 1973 vollständig liberalisiert wurde. Häufig sind sie auf bestimmte Berufsgruppen und Arbeitsgebiete spezialisiert und/oder im Unterauftrag der Job Centres arbeiten.

Die Vermittlung von Arbeitsuchenden durch den Jobcentre Plus service wird nach 12 Monaten an private Träger ausgelagert, die oft auch schwer vermittelbare Gruppen erfolgreich betreuen.[14] Die staatliche Vermittlung kann auch von ausländischen Interessenten genutzt werden.[15] Eine Overseas Placing Unit (OPU) vermittelt Stellenangebote und -gesuche aus anderen EU-Ländern und hilft ausländischen Bewerbern. Den jungen Arbeitssuchenden zwischen 16 – 25 Jahren helfen die Careers Offices weiter. Die Online-Datenbank der staatlichen Arbeitsvermittlung bezieht auch deren Informationsquellen ein und hat eine Million Besucher pro Woche. Callcenter spielen eine wachsende Rolle auch bei der staatlichen Arbeitsvermittlung.

Arbeitsvermittler in Irland

Die nichtkommerzielle Arbeitsvermittlung leistet in Irland die Foras Aiseanna Saothar / Training and Employment Authority (FAS). Sie unterhält neben der Zentrale regionale Büros im ganzen Land und vermittelt sowohl einheimische als auch ausländische Interessenten. Während die FAS für die Provinz eine große Bedeutung hat, sind in der irischen Hauptstadt Dublin private Stellenvermittler stark vertreten. Bezahlt werden sie oft, aber nicht immer von den Arbeitgebern.[16] Häufig werden Stellen nicht direkt von Unternehmen, sondern von beauftragten Vermittlern ausgeschrieben. Bewerber wenden sich nur an diese, die auch die Vorauswahl und erste Vorstellungsgespräche durchführen. Seriöse Arbeitsvermittler haben eine staatliche Lizenz der Employment Agency Section des Department of Enterprise and Employment.

Arbeitsvermittler in Frankreich

Die französische Arbeitsvermittlung Agence national pour l'emploi (ANPE)[17] ist öffentlich organisiert und stark zentralistisch ausgerichtet, jedoch werden viele Aufgaben im Rahmen von Vergabeverfahren an private Dienstleister ausgegliedert. Hier ist der Druck der Wirtschaft in Richtung stärkerer Regionalisierung und Privatisierung stark ausgeprägt, während die Gewerkschaft SNU-ANPE seit 10 Jahren gegen die Privatisierung der Vermittlung kämpfen.[18] Für Akademiker und Führungskräfte gibt es eine spezielle Arbeitsvermittlung in Frankreich, die Agence pour l'emploi des Cadres (APEC) mit jährlich etwa 400.000 privaten und 25.000 Unternehmenskunden.

Arbeitsvermittler in Italien

Die italienischen Arbeitsvermittler sind meist Angestellte des örtlichen Centro per l’Impiego oder Centro di Iniziativa Locale per l’Occupazione (CILO). Eine Anlaufstelle für Arbeit suchende junge Menschen sind die lokalen Informagiovani. Auskünfte zu Fortbildungen und der Arbeitssuche erteilen die Centri d’Informazione Disoccupati (DIS) der Gewerkschaften. Die übergeordnete Behörde aller Arbeitsämter ist das Ministero del Lavoro e della Previdenza Sociale.[19]

Arbeitsvermittler in Spanien

Für die Arbeitsvermittlung ist in Spanien der Servicio Público de Empleo Estatal sachlich zuständig, der in jeder Provinz über eine Niederlassung (Dirección Provincial del Servicio Público de Empleo Estatal) verfügt. Die Mitarbeiter der lokalen oficinas de empleo (Arbeitsämter) beraten Arbeitslose bei Stellenvermittlung, Berufswahl, Weiterbildungsmaßnahmen und Beschäftigungsförderungsmaßnahmen und nehmen Anträge auf Arbeitslosenleistungen entgegen.[20] Die Arbeitsvermittlung durch Zeitarbeitsfirmen ist in Spanien streng geregelt.

Arbeitsvermittler in Dänemark

Die dänische Arbeitsvermittlung wurde 2009 kommunalisiert. Anders als bei den deutschen Optionskommunen werden die kommunalen Jobcenter über staatliche Zielvorgaben und eine entsprechende Ressourcenzuteilung gesteuert. Es gibt eine strikte Aktivierungspolitik bei der Integration von Migranten und ein Benchmarking zwischen den Kommunen im Hinblick auf Vermittlungs- und Integrationsdauer, was in den letzten Jahren zu verbesserten Vermittlungserfolgen geführt hat.[21] Entlassene dänische Arbeitskräfte Mitarbeiter haben Anspruch auf ein Arbeitslosengeld von bis zu 90 Prozent des letzten Gehalts. Dafür sind sie verpflichtet, jede Beschäftigung anzunehmen, die ihnen der Arbeitsvermittler anbietet, sonst wird ihnen die Unterstützung gestrichen. Die Mitarbeiter der einzelnen Jobbutiken können sich ganz auf die Vermittlung konzentrieren. Die Berechnung von Leistungsansprüchen ist Sache der Arbeitslosenkassen, die oft mit den Gewerkschaften verbunden sind. So bleibt den Vermittlern mehr Zeit, individuelle Handlungspläne für die Arbeitssuchenden zu entwerfen oder mit den Arbeitgebern Kontakt durch Betriebsbesuche zu halten.[22]

Arbeitsvermittler in Schweden

Die schwedische Arbeitsvermittlung (arbedsformedlingen) arbeitet ähnlich wie die Bundesagentur für Arbeit.[23] Eine schwedische Zeitung berichtete im Jahr 2006, dass ein Arbeitsvermittler in einem schwedischen Arbeitsamt im Durchschnitt einen Job pro Jahr vermittelt. Dies förderte ein Untersuchungsbericht des vom schwedischen Reichstag eingesetzten Ermittlungsausschusses RUT zu Tage. Die Untersuchung ergab ferner, dass 75 % aller Jobs über Kontakte vermittelt werden und dass in 90 % aller Fälle das Arbeitsamt gar nicht beteiligt war.[24]

Arbeitsvermittler in Russland

Die russische Föderale Agentur für Arbeit[25] hat einen im Vergleich zu vielen westeuropäischen Ländern relativ hohen Einschaltungsgrad in die Arbeitsvermittlung. Er soll bei ca. 15 % liegen. Daneben gibt es zahlreiche private Agenturen und NGO, die sich mit Arbeitsvermittlung befassen. Rostrud fördert auch Existenzgründungen, Umschulung, Weiterbildung sowie seit der Krise von 2009 auch temporäre Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Seit 2009 verfügt Rostrud auch über eine Online-Stellenbörse,[26] die auch in der Ukraine und Weißrussland genutzt wird.

Arbeitsvermittler in den USA

Städte und Kommunen verfügen in den USA über keine Arbeitsämter. Daher hat das U.S. Department of Labor eine eigene Website einrichtet, um Tipps zur Arbeitsuche in den USA und Hinweise zu rechtlichen Besonderheiten zu geben. Die Vermittlung ist weitgehend dereguliert. Die meisten Vermittlungen erfolgen mit Hilfe des Internets oder durch Anzeigen in Tageszeitungen. Es gibt jedoch auch ein dichtes Netz an kleinen und mittleren privaten Vermittlungsagenturen, die bei der Arbeitsuche helfen können. Hierbei werden zwei Formen unterschieden:

  • Vermittler mit Provision von Unternehmen
  • Vermittler mit Gebühren vom Arbeitnehmer

Das US-Gesetz lässt dem Vermittler die Wahl, sich für eine der Varianten zu entscheiden.[27] Daneben sind auch kirchliche Stellen und soziale Initiativen bei der Arbeitsmarktintegration von benachteiligten Gruppen (z.B. Migranten) tätig, oft im Rahmen staatlicher Projekte.

Arbeitsvermittler in Australien

Die staatliche australische Arbeitsvermittlung Employment National[28] befindet sich in einem Prozess der Umstrukturierung. So sind die meisten lokalen Büros privatisiert worden.[29][30] Insbesondere die Vermittlung von Zeitarbeit ist fast völlig dereguliert. Jobmessen und das Internet spielen bei der Arbeitsvermittlung in dem dünn besiedelten Kontinent eine große Rolle.

Arbeitsvermittler in Japan

Das öffentliche Arbeitsamt (Hello Work) ist eine staatliche Einrichtung für Beratung und gebührenfreie Vermittlung von Arbeitsplätzen. Getrennt davon sind Berufsberatungszentren und Vermittlungszentren für Ausländer (gaikokujin koyô sâbisu sentâ). Der Arbeitsmarkt wurde im Jahre 2004 weitgehend liberalisiert. Private Vermittler spielen vor allem im Bereich der Zeit- und Leiharbeit eine Rolle, in der bereits über ein Drittel der Erwerbstätigen in Japan tätig sind.

Arbeitsvermittler in China

Seit der Einführung der freien Arbeitsplatzsuche in China ist auch die Arbeitsvermittlung teilweise liberalisiert. Neben dem System der staatlichen Arbeitsämter, das über eine Online-Datenbank verfügt, auf das Arbeitgeber kostenlos zugreifen können, in dem aber häufig nur gering qualifizierte Arbeitsuchende (oft mit veralteten Daten) erfasst sind, ist ein Netz von privaten oder halbstaatlichen Jobvermittlungen, Human Resource-Firmen und Zeitarbeitsagenturen[31] entstanden. Über 200 Millionen teils hochqualifizierter Arbeitsuchender können jedoch nur auf quantitativ unzureichende (teils auch sehr teure oder noch wenig professionell arbeitende) Kapazitäten in der Vermittlung zurückgreifen.[32] Wachstumsungleichgewichte und der Abbau des staatlichen Sektors führten zu einem erheblichen regionalen, sektoralen und qualifikatorischen "Mismatch" auf dem Arbeitsmarkt sowie zu massiver Binnenmigration, denen das Vermittlungssystem noch kaum gewachsen ist.[33] Teilweise herrscht bereits demographisch bedingter Arbeitskräftemangel. Während einerseits China International Contractors Association (ChinGG) als staatlich finanzierte Non-Profit-Organisation die im Auftrag des Wirtschaftsministeriums die Vermittlung ausländischer Spezialisten nach China und chinesischer Arbeitskräfte ins Ausland übernimmt und die Hochschulen ihre Career Services ausbauen, werden Millionen von Wanderarbeitern noch in einem aus planwirtschaftlichen Zeiten stammenden Meldesystem erfasst.[34] Der Standard des Electronic recruiting entspricht etwa europäischem Niveau. Der Trend geht eindeutig in Richtung flexibler informeller Beschäftigung.

Über die Qualifikation der Arbeitsvermittler und -berater ist wenig bekannt. Im Bereich der Vermittlung von Hochschulabsolventen spielt das von 3.000 Personen erworbene internationale Zertifikat Global Career Development Facilitator eine gewisse Rolle.[35]

Weblinks

 Commons: Arbeitsvermittler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • IAB-Infoplattform Private Arbeitsvermittlung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bietet Informationen zum Forschungsstand und zur Diskussion um die private Arbeitsvermittlung als Ergänzung zur öffentlichen Arbeitsvermittlung. Interessierte, die keinen Vermittlungsgutschein vorlegen, können zur persönlichen Haftung, also zur Selbstzahlung verpflichtet werden

Einzelnachweise

  1. http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-5843/diss_brockfeld.pdf
  2. http://www.bpb.de/themen/AKY07D,3,0,Die_%F6ffentliche_Arbeitsvermittlung.html Website der Bundeszentrale für Politische Bildung
  3. H. Strotmann, Einschaltungsgrad bei der Personalsuche und Marktanteile der Arbeitsagenturen im Jahr 2004, IAW Kurzbericht Nr. 3/2005
  4. http://www.sofeb.de/Kurzfassung%20pap-Ergebnisse.pdf
  5. Stefan Sell, Modernisierung und Professionalisierung der Arbeitsvermittlung, Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 2006, S. 80
  6. http://www.job-promotor.de
  7. http://www.ams.or.at Website des österreichischen Arbeitsmarktservice
  8. http://www.jobroom.at Online-Infosystem des AMS
  9. http://www.seco.admin.ch/themen/00385/01880/index.html
  10. http://www.werk.nl Website der niederländischen Arbeitsvermittlung
  11. http://www.ba-auslandsvermittlung.de/lang_de/nn_2752/DE/LaenderEU/Niederlande/Arbeiten/arbeiten-knoten.html__nnn=true
  12. Oliver Bruttel, Die Privatisierung der öffentlichen Arbeitsvermittlung: Australien, Niederlande und Großbritannien: Ein Vergleich aus neo-institutionenökonomischer Perspektive. Baden-Baden: Nomos, 2005
  13. Oliver Bruttel, Die Privatisierung der öffentlichen Arbeitsvermittlung: Australien, Niederlande und Großbritannien: Ein Vergleich aus neo-institutionenökonomischer Perspektive. Baden-Baden: Nomos, 2005
  14. http://www.migration-online.de/beitrag._aWQ9NzUwOA_.html
  15. http://jobvacanciescentre.com/
  16. http://www.eu-info.de/arbeiten-europa/Arbeiten-in-der-EU/arbeiten-irland/
  17. http://www.anpe.fr
  18. http://institute.adecco.com/Research/Articles/Documents/2009_Europe_German_PartnerschaftenZwischen.pdf
  19. http://www.justlanded.com/deutsch/Italien/Artikel/Jobs/Italienische-Arbeitsaemter
  20. http://www.spanieninfo.biz/de/wirtschaft/arbeitsmarkt
  21. http://www.migration-online.de/beitrag._aWQ9NzUwOA_.html
  22. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,454057,00.html
  23. http://www.arbetsformedlingen.se/ Website der schwedischen Arbeitsvermittlung
  24. http://www.schwedenforum.com/read.php?1,55929,55966
  25. http://www.rostrud.ru Website der russischen Arbeitsagentur
  26. http://www.trudvsem.ru Online-Stellenbörse von Rostrud
  27. http://www.bewerbungsservice-spezial.de/arbeiten-amerika.html
  28. http://www.jobnetwork.gov.au Website der australischen Arbeitsvermittlung; http://www.jobsearch.gov.au Australian Jobsearch - Website der Datenbank
  29. Oliver Bruttel, Die Privatisierung der öffentlichen Arbeitsvermittlung: Australien, Niederlande und Großbritannien. Ein Vergleich aus neo-institutionenökonomischer Perspektive, Baden-Baden: Nomos 2005
  30. http://employment.byron.com.au/agencies Liste der privaten Jobvermittler
  31. Feng Xu: The Emergence of Temporary Staffing Agencies in China. In: Comparative Labor Law & Policy Journal. 2009, Vol. 30, S. 431.
  32. Dirk Holtbrügge, Jonas F. Puck: Geschäftserfolg in China: Strategien für den größten Markt der Welt. Springer, 2008, S. 181.
  33. Hans H. Bass: Auswirkungen des WTO-Beitritts auf den chinesischen Arbeitsmarkt.
  34. Alexander Fedossov: Der chinesische Arbeitsmarkt: Konzepte und Maßnahmen zur Integration von "Landflüchtigen" in städtische Arbeitsmärkte. Grin: E-Book, 2007.
  35. Weiguo Ji: The GCDF certification is off to a quick start in China! The GCDF connection, 2005.

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