Arbiträr

Arbitrarität (wörtl. „Willkürlichkeit“, von lat. arbitrarius – „willkürlich“) bedeutet die Entstehung oder Beschaffenheit einer Sache aufgrund von Willkür oder Willensentscheidung statt Naturnotwendigkeit.

Der Ausdruck bezeichnet in der Sprachwissenschaft und Semiotik eine grundlegende Eigenschaft von sprachlichen Zeichen, dass nämlich die Beziehung zwischen dem Bezeichnenden (Signifikant, Lautbild, Zeichengestalt) und dem Bezeichneten (Signifikat) auf menschlicher Konvention und Setzung statt auf einer naturgegebenen Gesetzmäßigkeit beruht.

Im Englischen ist das Lautbild „tree“ der Vorstellung (Concept) ‚Baum‘ zugeordnet

Geprägt wurde der Begriff der Arbitrarität in neuerer Zeit von dem Schweizer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure in seinem 1916 postum veröffentlichten Werk Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft (Cours de linguistique générale). Saussure bezieht Arbitrarität auf das Verhältnis von Lautbild (image acoustique) und Vorstellung (concept) eines sprachlichen Zeichens und belegt die Willkürlichkeit dieser Zuordnung mit der Tatsache, dass dasselbe Objekt der Realität von Sprache zu Sprache verschieden benannt wird.

Arbitrarität bedeutet nicht, dass ein einzelner Sprecher bei der Konstruktion sprachlicher Ausdrücke grundsätzlich, außer bei der Erzeugung eines Neologismus, frei wählen kann. Beim Spracherwerb und in der Kommunikation mit anderen Personen erfährt der Sprecher den Zusammenhang zwischen Zeichen und Bedeutung als eine gewohnheitsmäßige Verbindung. Die Zuordnung von Bezeichnungen und Bedeutungen ist somit durch die Konventionen einer Sprachgemeinschaft geregelt. Arbitrarität bedeutet vielmehr, dass es keinen objektiven Grund gibt, warum konventionell einem Objekt oder Konzept ein ganz bestimmtes Lautbild zugeordnet ist.

Arbitrarität bedeutet auch nicht, dass die Gestalt des Signifikanten grundsätzlich nicht durch das Signifikat motiviert sei. Lautmalerische Wörter (Onomatopöien), die einen Naturlaut nachahmen („Kuckuck“, „blöken“) oder grammatische Phänomene wie in einigen Sprachen Pluralbildung durch Reduplikation zeigen vielmehr, dass auch sprachliche Zeichen zumindest teilweise durch eine Ähnlichkeitsbeziehung zum Bezeichneten motiviert sein können. Man spricht in solchen Fällen von „relativer Motiviertheit“ des Zeichens bei gleichzeitig prinzipiell bestehender Arbitrarität.

Der geschichtliche Hintergrund für den Begriff in der modernen Sprachwissenschaft liegt in der sprachphilosophischen Auseinandersetzung zwischen Konventionalisten und Naturalisten, wie ihn in ausführlicher Form zuerst Platon in seinem Dialog Kratylos dargestellt hat (außerhalb des europäischen Kontextes finden sich ähnliche Ideen allerdings auch in den „Inneren Kapiteln“ des daoistischen, chinesischen Klassikers Zhuangzi). Während der Konventionalismus die Entstehung der Sprache auf menschliche Setzung und Übereinkunft zurückführt, vertritt der Naturalismus die Auffassung, dass die Wörter der Sprache aufgrund einer natürlichen Affinität zwischen ihrer Lautgestalt und ihrer Bedeutung das Wesen der bezeichneten Sache darstellten. Eine solche Affinität wird nicht nur bei offensichtlichen Onomatopöien gesehen, sondern es gibt nach platonischer Vorstellung vielmehr eine ursprüngliche natürliche Beziehung zwischen den einzelnen Lauten und dadurch bezeichneten sachlichen Eigenschaften, Vorgängen und Handlungen (z. B. zwischen dem Vibrationslaut „r“ und der Eigenschaft „Bewegung“), die sich in der Sprachentwicklung durch sinnvolle Wortbildungsmuster und Bedeutungsübertragungen forterbe und es darum ermögliche, bei der Untersuchung eines Wortes von dessen Lautgestalt und Herkunft auf das Wesen der bezeichneten Sache zu schließen. Dieser Ansatz hat sich besonders in der antiken und mittelalterlichen Etymologie als außerordentlich fruchtbar erwiesen, wenn etwa das lateinische Wort „vulpes“ (Fuchs) damit erklärt wurde, dass der Name dieses Tieres aus „veloces pedes“ entstanden sei und also auf die „schnellen Füße“ des Fuchses hinweise.

Literatur

  • Franz Dotter: Nichtarbitrarität und Ikonizität in der Syntax. Buske, Hamburg 1990, ISBN 3-87118-964-2.
  • Franz von Kutschera: Sprachphilosophie. Fink, München 1971, ISBN 3-7705-0628-6, S. 119–124 (=UTB, Nr. 80).
  • Ferdinand de Saussure: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. 3., erweiterte Auflage. De Gruyter, Berlin 2001, ISBN 3-11-017015-9.
  • Edmond Wright: Arbitrariness and Motivation: A New Theory. In: Foundations of Language. Jg. 14, 1976, ISSN 0015-900x, S. 505–523.

Zur Kritik an Saussures Begriff der Arbitrarität

  • Rudolf Engler: Lexique de la terminologie saussurienne. Spectrum, Utrecht 1968.
  • Gerold Ungeheuer: Zum arbiträren Charakter des sprachlichen Zeichens. Ein Beitrag zum Verhältnis von synchronischer und ahistorischer Betrachtungsweisen in der Linguistik. In: Sprache. Gegenwart und Geschichte. Probleme der Synchronie und Diachronie. Jahrbuch 1968. Pädagogischer Verlag Schwann, Düsseldorf 1969, S. 65 (=Sprache der Gegenwart, Nr. 5). Nachgedruckt in: Gerold Ungeheuer: Sprache und Kommunikation. 3., erweiterte und völlig neu eingerichtete Auflage, herausgegeben und eingeleitet von Karin Kolb und H. Walter Schmitz. Nodus, Münster 2004, ISBN 3-89323-654-6, S. 35–44.



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  • arbitrar — {{#}}{{LM A03186}}{{〓}} {{ConjA03186}}{{\}}CONJUGACIÓN{{/}}{{SynA03259}} {{[}}arbitrar{{]}} ‹ar·bi·trar› {{《}}▍ v.{{》}} {{<}}1{{>}} {{♂}}Referido a una competición deportiva,{{♀}} hacer de árbitro, cuidando de que se cumpla el reglamento: •… …   Diccionario de uso del español actual con sinónimos y antónimos

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