Michael O'Leary

Michael O'Leary
Dieser Artikel behandelt den Geschäftsmann Michael O’Leary. Für den gleichnamigen Schauspieler siehe Michael O’Leary (Schauspieler).

Michael O’Leary (* 1961) ist ein irischer Geschäftsmann und Vorsitzender der Billigfluggesellschaft Ryanair. Unter seiner Führung ist Ryanair von einer defizitären Regionalfluggesellschaft zu Europas größter Low-Cost-Airline und der drittgrößten europäischen Fluggesellschaft überhaupt gewachsen. O’Leary gilt durch seine extravaganten Auftritte und Eskapaden als „enfant terrible“ der Luftfahrtbranche.[1] O’Leary ist verheiratet und lebt auf seinem Anwesen „Gigginstown House“ bei Mullingar, Irland.

Inhaltsverzeichnis

Die frühen Jahre

Michael O’Leary wird als Sohn eines irischen Bauern geboren. Er freundete sich schon früh mit Cathal und Declan Ryan an, beides Söhne von Tony Ryan, einem Teilhaber der in den 1980er Jahren mächtigen Leasinggesellschaft Guinness Peat Aviation (GPA). Als Tony Ryan 1985 die Ryanair gründete, war O’Leary noch nicht mit an Bord.

Der Aufstieg bei Ryanair

1988 wurde O’Leary aufgrund seiner Kenntnisse im Rechnungswesen als persönlicher Berater von Tony Ryan eingestellt. Die kleine Ryanair war stark defizitär, so dass sich O’Leary nach Möglichkeiten umschaute, um die Fluggesellschaften in die Gewinnzone zu bringen. O’Leary reduzierte die Kosten stark und eliminierte unter anderem die First Class an Bord der Flugzeuge. Doch diese Maßnahmen trugen nicht zur Besserung bei. Die staatliche Aer Lingus drückte ihre Preise stets auf das Niveau von Ryanair herunter. O’Leary empfahl Ryan „die verdammte Fluggesellschaft zu schließen“.[2]

1989 Sprach Tony Ryan beim irischen Verkehrsminister Séamus Brennan vor und berichtete von der finanziellen Lage der Ryanair. Brennan versprach, die Fluggesellschaft zu retten und regulierte die Flüge auf der Route zwischen Irland und London. Dabei erhielt Aer Lingus die Rechte für die Flughäfen Gatwick und Heathrow, Ryanair hingegen für die kostengünstigeren und wenig ausgelasteten Flughäfen Luton und Stansted. Damit war die Fluggesellschaft vorerst gerettet.

1992 reiste O’Leary nach Dallas, um das Modell der amerikanischen Billigfluggesellschaft Southwest Airlines kennenzulernen. Dazu traf er sich zu Gesprächen mit dem Vorsitzenden der Southwest, Herb Kelleher. O’Leary fing darauf hin an, das Modell von Southwest auf die Ryanair zu übertragen. Dazu gehörte unter anderem die Umstellung der Flotte auf einen einzigen Flugzeugtyp (nämlich Boeing 737NG) und kurze Bodenzeiten von 25 Minuten. Im Laufe der Jahre entwickelte Ryanair jedoch eigene, extremere Konzepte, um Kosten einzusparen. Dazu gehörte der Anflug von kostengünstigeren, abgelegenen Flughäfen. O’Leary scheute sich dabei nicht, die Flughäfen gegeneinander auszuspielen,[3] um Ermäßigungen und Subventionen zu erhalten. 1993 zog sich Ryan zurück und beschränkte sich auf beratende Funktionen. O’Leary wurde sein Nachfolger als Vorsitzender der Fluggesellschaft. Unter seiner Führung wurde Ryanair zur größten Billigfluggesellschaft Europas. Heute ist Ryanair sogar deutlich größer als der ehemalige große Rivale Aer Lingus. Die Low-Cost-Airline ist nach Air France/KLM und Lufthansa mittlerweile die drittgrößte Fluggesellschaft Europas.

O'Leary in den Medien

Michael O’Leary ist stets bemüht, seine Fluggesellschaft in den Medien präsent zu halten. Er begrüßt daher jede Art von Aufmerksamkeit, sei es gute oder schlechte Publicity. Zwar fiel Ryanair auch durch großzügige Sonderangebote und außergewöhnlich große Bestellungen bei Boeing auf. Großes Aufsehen machen jedoch auch diverse von O’Leary initiierte Werbekampagnen (teilweise mit Angriffen auf Konkurrenten oder auf den Flughafenbetreiber von Dublin, Aer Rianta) sowie die eigenen Auftritte. Dazu gehörten unter anderem:

  • Plakate mit dem belgischen „Männeken Pis“ und dem Werbespruch „Pissed off with SABENA’s high fares?“
  • Einige mit provokanten Sprüchen lackierte Ryanair-Maschinen (z. B. „Auf Wiedersehen Lufthansa“ oder „Say no to BA fuel charges“)
  • Eine Werbekampagne, in der es heißt, das vierte Geheimnis von Fátima enthielte die niedrigen Preise der Ryanair
  • 2003 fuhr O’Leary mit einem Panzer aus dem 2.Weltkrieg vor den Hauptsitz des Konkurrenten easyJet und behauptete, das Volk von Easyjets hohen Preisen befreien zu wollen.
  • 2003 schaltet Ryanair eine Kampagne mit einem Foto des für seine irreführenden Behauptungen bekannten irakischen Informationsministers Mohammed al-Sahaf („Comical Ali“) mit der Aussage „easyJet hat die niedrigsten Preise“. In einem anderen Zusammenhang verglich er easyJet-Chef Ray Webster mit al-Sahaf.
  • 2004 lässt sich O’Leary für den offiziellen Jahresbericht der Fluggesellschaft in einem Putzfrauenkostüm ablichten.
  • 2004 lässt O’Leary seinen Mercedes als Taxi registrieren, um in Dublin auch die Busspur benutzen zu dürfen.
  • 2005 demonstriert O'Leary für Meinungsfreiheit in der Düsseldorfer Innenstadt. [4]
  • 2008 kündigt O'Leary auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf an, auch für Langstrecken ein Billigflugkonzept anzubieten: In der Businessklasse solle es guten Service und „Blowjobs“ geben.[5]

Ein weiteres Markenzeichen O’Learys ist sein lässiger Kleidungsstil. Er erscheint stets in Freizeithemden und ist selten im Anzug zu sehen. Seine teilweise als arrogant bezeichneten Auftritte und sein Erscheinungsbild haben Michael O’Leary sowohl Bewunderer als auch Feinde eingebracht.[6] Tatsache ist jedoch, dass der Ire selbst in für die Luftfahrt schwierigen Zeiten wirtschaftliche Erfolge vorweisen kann. Er wurde 2003 von „Business Weekly“ zu den besten Managern des Jahres gezählt und erhielt 2001 vom amerikanischen „Fortune Magazine“ die Auszeichnung „Geschäftsmann des Jahres“.

Einzelnachweise

  1. Ryanair warns of a 50% plunge in profits - http://www.thisismoney.co.uk/ (englisch)
  2. "Wings World" über Ryanair (PDF, 875kB)
  3. Artikel aus "Die Welt" über Ryanair
  4. Videofilm der Demo
  5. Videofilm der Pressekonferenz
  6. ePolitix.com - Ryanair slams air passenger duty (englisch)

Weblinks


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