Archaisch

Der Begriff der Archaik bezeichnet eine Epoche in der politischen und kulturellen Entwicklung Griechenlands zwischen ca. 700 v. Chr. und ca. 500 v. Chr. Sie schließt somit an die geometrische Zeit (ca. 900–700 v. Chr.) an und geht der Klassik (ca. 500/480–336 v. Chr.) voraus.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Archaisch bedeutet altertümlich, aus der Urgeschichte der Menschheit stammend. Der Terminus „Archaik“ stammt ursprünglich aus der Archäologie bzw. der Kunstgeschichte, wurde aber früh auch als historische Epochenbezeichnung übernommen.

Historie

Die Epoche der Archaik ist historisch gesehen eine Krisenzeit[1]. Das griechische Gemeinwesen war von zwei grundsätzlichen Problemen gezeichnet, die - wenn auch in unterschiedlich starker Ausprägung - in allen griechischen Staaten auftraten: Erstens der kompetitiven Mentalität der Adelshäuser und zweitens der Not der kleinen Bauern. Die Lösung dieser Probleme wurde forciert durch das allmähliche Entstehen des Gemeinschaftsgefühls als Griechen. Dieses Phänomen wird als Panhellenismus bezeichnet.

Zwei verschiedene Lösungsansätze wurden entwickelt: entweder konnte sich im Wettstreit der Adelshäuser ein Adeliger mit Hilfe des Volkes nachhaltig durchsetzen und errichtete eine Tyrannis. Der Tyrann musste darauf bedacht sein, die Not der Bauern zu lindern, um seine Popularität zu erhalten, und seine adeligen Konkurrenten an sich zu binden oder zu eliminieren. Oder es entwickelte sich ein Gemeinwesen mit verschriftlichtem Recht und institutionalisierter Herrschaft, das rudimentär demokratische Züge trug und als Polis bezeichnet wird. Die Entwicklungsprozesse lassen sich am Beispiel Spartas und Athens am besten verdeutlichen. In Sparta entwickelte sich ein militarisiertes Gemeinwesen, an dessen Spitze ein König stand, der von Ephoren und einer Volksversammlung kontrolliert wurde. In Athen hingegen wurde der Ausgleichsprozess, den die Reformen Solons anstoßen sollten, zunächst durch die Tyrannis des Peisistratos unterbrochen. Nach dem Ende seiner Nachfolger traten die Konflikte wieder zu Tage; die Reformen des Kleisthenes mündeten in der Entstehung der attischen Demokratie. Mit dieser Lösung wird aus historischer Perspektive das Ende der archaischen und der Beginn der klassischen Epoche angesetzt.

Kulturelle Aspekte

Der Begriff des „Archaischen“ trägt allerdings den Makel des „Primitiven“ an sich. Dieses Urteil ist undifferenziert und sachlich nicht immer gerechtfertigt. Das betrifft die bildende Kunst im ganz besonderen Maße. Die archaische Kore (Skulptur) und der Kouros der frühen und mittleren Archaik mit der charakteristischen aufrechten Haltung und der Symmetrie sowohl im Gesicht mit dem sogenannten archaischen Lächeln unterscheiden sich deutlich von den spätarchaischen bzw. frühklassischen, die man gewöhnlich dem sogenannten strengen Stil zuordnet. Archaische Zeichen und Darstellungen sind in der Regel allgemeinverständlich und kulturübergreifend.

Die erste Hälfte der Archaischen Zeit wird auch als orientalisierende Phase bezeichnet. Denn im 7. Jahrhundert – teilweise auch schon vorher – werden in zunehmendem Maße Elemente aus dem Nahen Osten übernommen. Dies betrifft sowohl die Kunst, als auch Bräuche und vermutlich sogar gesellschaftliche Aspekte.

Aus der archaischen Zeit sind viele Gesetze überliefert und manche bis auf den heutigen Tag gültig. Die Reformen des Solon fallen z. B. in diese Zeit.

Umgangssprache

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die Bezeichnung archaisch verwendet im Sinne von "altertümlich" in einer emotional überhöhten, mitunter auch primitiv-monumentalen Weise.

Siehe auch

  • Archaik ist nicht zu verwechseln mit Archaikum

Einzelnachweise

  1. Hans-Joachim Gehrke: Kleine Geschichte der Antike, München 1999. S.49.

Weblinks

  • Archaik - Übersicht zu Themen rund um die Archaik

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