Archikatedra św. Jana Chrzciciela
Die Ulica Świętojańska mit der Fassade der Kathedrale und der Jesuitenkirche im Hintergrund
Inneres der Kathedrale vor der neugotischen Umgestaltung
Die Kathedrale um 1900
Der Chor der Kathedrale

Die Johanneskathedrale, auch Johannesdom (polnisch: Archikatedra św. Jana Chrzciciela), in der Altstadt der polnischen Hauptstadt Warschau ist seit 1798 Domkirche des Erzbistums Warschau und zugleich älteste Warschauer Kirche. Das Gebäude selbst, das dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht ist, befindet sich südlich des Altstädter Markts und stellt einen gotischen Neubau von 1948 bis 1956 dar.

Geschichte

Bereits gegen Ende des 13. Jahrhunderts entstand an der Stelle der heutigen Kathedrale eine hölzerne Kirche, die 1339 zur Stadtpfarrkirche von Warschau wurde. Außerdem kam sie auch als Grabstätte der Herzöge von Masowien zu Bedeutung. Deshalb ließ Herzog Janusz die Holzkirche 1390 durch einen gotischen Steinbau ersetzen. Wenig später wurde sie 1406 Kollegiatskirche. Es folgten mehrere Umbauten und Erweiterungen, bei denen die Kirche unter anderem eine neue barocke Fassade erhielt, während der gotische Kubus einer Hallenkirche weitgehend beibehalten wurde.

Im Inneren wurde von Johann III. Sobieski nach seinem Sieg in der Schlacht am Kahlenberg ein Chorgestühl gestiftet, das heute als Rekonstruktion erhalten ist. Eines der ältesten Ausstattungsstücke ist ein Kruzifix vom Anfang des 16. Jahrhunderts, das in der barocken Baryczkówkapelle aufgestellt ist. Ebenfalls aus dem Barock stammt ein Taufbecken aus schwarzem Marmor aus dem Jahre 1631. Darüber hinaus wurde von Bertel Thorvaldsen das klassizistische Grab der Familie Małakowski entworfen. Die Kirche beherbergt neben den Grabmälern der Warschauer Bischöfe (u.a. Stefan Wyszyński) und der Masowischen Herzöge auch Gräber zahlreicher wichtiger Persönlichkeiten Polens. So ruhen in ihrer Krypta unter anderem der letzte polnische König Stanislaus II. August, dessen Grab aus Grodno überführt wurde, der Literaturnobelpreisträger Henryk Sienkiewicz, sowie die beiden ersten polnischen Präsidenten Gabriel Narutowicz und Ignacy Mościcki. Neben zahlreichen Krönungs- und Hochzeitszeremonien der polnischen Könige, erfolgte 1791 der Treueid auf die neue polnische Verfassung in der Kirche. Erst 1798 wurde sie als Kathedrale Sitz eines Bischofs und 1818 wurde das Bistum Warschau zum Erzbistum erhoben.

Ihren bedeutendsten Umbau erfuhr die Kathedrale in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach einem Entwurf von Adam Idźkowski wurde die Kirche im Stil der englischen Neugotik vollkommen verändert. Besonders die Fassade wurde mit üppigen Zierrat wie Fialen und Statuen verändert. Durch diesem Umbau ging das historische Gepräge verloren. Endgültig zerstört wurde sie im 2. Weltkrieg. Erst brannte sie während des Warschauer Aufstands aus, 1944 wurde dann von den abrückenden deutschen Soldaten die Fassade gesprengt. Wie vom ganzen Straßenzug der Ulica Świętojańska und der anliegenden Jesuitenkirche blieb auch von diesem Gotteshaus nicht mehr als die Grundmauern erhalten, auch der hintere Teil der Kirche war schwer beschädigt. Lediglich der südlich anschließende ältere Glockenturm blieb teilweise erhalten.

Da von der alten Kirche kaum etwas übrig geblieben war, konnte der Wiederaufbau ohne Anlehnung an das neugotische Aussehen erfolgen. Unter Leitung des Architekten Jan Zachwatowicz begann der 1947 grundlegende Wiederaufbau, der 1954 abgeschlossen wurde. Von der alten Kirche wurde nur der Grundriss, die Lage der Frontfenster und die Höhe des Dachansatzes übernommen, das ganze Gebäude wurde in Nachahmung der Masowischen Gotik neu ausgeführt. An Stelle der alten geschmückten Fassade, trat ein Treppengiebel aus Backstein, dessen einzelne Felder weiß verputzt wurden. In die Fassade wurde zur Erinnerung an die Zerstörung eine Goliath-Mine eingebaut, die 1944 zur Vernichtung der Altstadt eingesetzt wurden. Das übrige Äußere entstand ebenfalls aus Backstein. Das schlichte Bronzetor mit seinem Relief wurde von Stanisław Marzyński und Andrzej Jabłoński geschaffen. Als Verzierung der Außenmauern wurde ein Steinfries von Kazimierz Knothe eingesetzt. Der Innenraum wurde auch neu konzipiert, so dass zwar die alten gotischen Sterngewölbe nachgeahmt, die Mauern jedoch neben kleineren Backsteinelementen größtenteils weiß verputzt wurde. Die frühere üppige Ausstattung und die vielen Bürgerepitaphien aus der Renaissance und des Barock konnten nicht vollständig wiederhergestellt werden. Die Glasfenster, die in die neuen gotischen Fenster mit vereinfachtem Maßwerk eingesetzt wurden, stammen von Zbigniew Łoskot und Wacław Taranczewski. 1960 wurde die Kathedralkirche zur Basilika minor erhoben.

Krönungen

Folgende Krönungen wurden in der Johanneskathedrale vollzogen:

Weblinks

52.24880555555621.0136111111117Koordinaten: 52° 14′ 56″ N, 21° 0′ 49″ O


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