Migration (Soziologie)
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Migration, Wanderung ist in der Soziologie und Soziogeographie ein unterschiedlich gefasster Begriff für den dauerhaften Wechsel des Lebensumfeldes einer Person, einer Gruppe oder einer Gesellschaft im geographischen und sozialen Raum.

Die internationale Migration meint oft einen Wechsel des Wohnsitzes von einem Staat in einen anderen.

Inhaltsverzeichnis

Wanderung, Migration und verwandte Begriffe

Als Wanderung zählt jeder dauerhafte (d. h. nicht nur vorübergehende) Wechsel des Wohnsitzes. Zusammen mit dem Tourismus und dem Verkehr wird die Wanderung unter dem Oberbegriff räumliche Mobilität (gleichbedeutend: geographische Mobilität) eingeordnet.

Wanderungen wurden früher unter den Begriff horizontale Mobilität zusammengefasst, heute bezeichnet dieser jedoch nur noch eine bestimmte Art der sozialen Mobilität, nämlich einen Berufswechsel innerhalb der gleichen sozialen Schicht.

Wanderungen mit dem Ziel die Geburtsgemeinde zu verlassen, um sich an einem anderen Ort niederzulassen und in eine neue Gemeinde zu integrieren (nationale Migration) sind keine außergewöhnliche Erscheinung und seit jeher bezeugt.

Internationale Migration ist ein Spezialfall der Wanderung, nämlich eine Auswanderung (Emigration) aus einem und Einwanderung (Immigration) in ein anderes Land, also ein Wohnsitzwechsel über Staatsgrenzen hinweg, sowie Durchwanderung (Permigration). „Internationale Migration“ ist daher gleichbedeutend mit „internationaler Wanderung“.

Offensichtlich erzwungen ist sie in Form von Fluchtmigration, die Wanderung von Flüchtlingen.

Gemessen werden Wanderungsströme von der Demographie am Binnenwanderungssaldo

Selektive Migration

Nicht nur in Bezug auf internationale Migration spielen die wirtschaftlichen Situationen der Herkunftsregion und der Ankunftsregion als so genannte Push- und Pull-Faktoren sowohl auf individueller als vor allem auch auf struktureller Ebene eine entscheidende Rolle. Beruht die Hoffnung vorrangig auf einem Reichtumsgefälle (Nord/Süd-, Ost/West- oder Stadt/Land-Gefälle), so ist der Grad an (ökonomischem) Zwang nicht zu unterschätzen. Ein anderes Beispiel wirtschaftlich motivierter Migration bilden hochausgebildete und ökonomisch abgesicherte Fachkräfte (high skilled migration).

Der Soziologe Christoph Butterwegge spricht von einer Polarisierung der Migration in Elends- und Fluchtmigration einerseits und Eliten- und Expertenmigration andererseits.[1]

Siehe auch: Arbeitsmigration

Fluchtmigration

Flüchtlinge demonstrieren anlässlich des G8-Gipfels in Heiligendamm gegen die Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit durch Grenzen und Residenzpflicht

Größere Themengebiete der Soziologie bei der Untersuchung von Migration durch Flucht sind die sozialen Ursachen für die Flucht, sozialen Umstände der Migranten und sozialen Konsequenzen der Flucht für die Beteiligten.

Fluchtgründe

Wesentliche Ursachen für die Flucht sind bedrohliche Lebenssituationen der Flüchtlinge in ihrer Heimat oder Herkunftsgebieten. Die Bedrohungen können vielfältig sein und reichen von verschiedenen Formen der politischen, geschlechtsspezifischen, religiösen und rassistischen Diskriminierung und Verfolgung, über Wirtschafts-, Umwelt- und Naturkatastrophen, bis hin zum Krieg und Vertreibung.

Krieg

  • Desertion

Desertion und Kriegsdienstverweigerung zwingt Menschen, ihre Herkunftsgebiete zu verlassen, um Schutz vor der Verfolgung zu erlangen. Diese Flucht gelingt oft nur wenigen Deserteuren. [2] In vielen Staaten wird Desertion nicht als Schutzgrund anerkannt. So besteht in der Bundesrepublik kein Recht auf Asyl für Deserteure: "In der bundesrepublikanischen Rechtsprechung zur Gewährung von Asyl wird darauf insistiert, dass jeder Staat das Recht habe, seine Bürger zum Kriegsdienst heranzuziehen." [3] Auch die Gefahr im Herkunftsgebiet wieder im Krieg eingesetzt zu werden oder drastischen Strafen ausgesetzt zu sein, "schützen die Deserteure nicht vor einer Abschiebung." [4] Ferner wird dabei nicht berücksichtigt, "wenn es in den Herkunftsländern kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung gibt." Ausnahmen sind drohende Todesstrafen. Folter wird nur dann als Fluchtgrund anerkannt, wenn sie "regelmäßig" in den Herkunftsländern angewandt wird". [5] Ein Möglichkeit der Anerkennung in der Rechtsprechung besteht, "wenn nachgewiesen werden kann, dass die Rekrutierung auf der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie basiert, sie also eine Diskriminierung darstellt". [6]

Rechtliche Situation

Laut der Genfer Flüchtlingskonvention vom 28. Juli 1951 ist Fluchtmigration die räumliche Bewegung einer Person, die sich „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will.“

Ökonomisch zwingende Gründe werden für die Definition einer Person als Flüchtling in der Genfer Flüchtlingskonvention demnach nicht anerkannt. Migration erfolgt jedoch nicht selten in der Hoffnung auf eine Verbesserung der Lebenssituation. In diesem Fall ist es schwieriger zwischen Freiwilligkeit und „ökonomischem Zwang“ zu unterscheiden.

Migrationspolitik

Die Unterscheidung der Motive der Migration ist entscheidend für die Analyse der Migrationspolitik einzelner Länder. Aus dieser Sicht geht es bei den Personen um Ausländer, die ein Aufenthaltsrecht in Anspruch nehmen. Grundlegendes Ziel von Migrationspolitik ist die Festlegung, wem ein Recht auf Migration zugesprochen und wem es verwehrt wird. Personen, denen das Recht auf Aufenthalt in einem Land abgesprochen wird und die sich dennoch in diesem Land aufhalten, werden als illegale Immigranten bezeichnet.

Geschichte

Migration findet in Form von Völkerwanderungen seit Jahrtausenden statt. Sie war vielfach mit Kriegen zur Eroberung des neuen Heimatlandes verbunden, andererseits aber auch oft politisch erwünscht und gefördert.

Literatur

Aufsätze und Bücher

  • Rudolf Heberle, Theorie der Wanderungen. Soziologische Betrachtungen, in: Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft, 75 (1955) I, S. 1-23 (grundlegend)
  • Geschichte und Gedächtnis in der Einwanderungsgesellschaft. Migration zwischen historischer Rekonstruktion und Erinnerungspolitik, hrg. von Jan Motte / Rainer Ohliger, Essen: Klartext Verlag, 2004, ISBN 3-89861-040-3
  • Migrationsreport 2006. Fakten - Analysen - Perspektiven, hrg. von Michael Bommes, Werner Schiffauer, Campus Verlag 2006, ISBN 3-593-38176-1
  • Klaus J. Bade, Europa in Bewegung: Migration vom späten 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Brosch. Sonderausg., München: Beck, 2002, ISBN 978-3-406-48967-9
  • Klaus J. Bade (Hg.): Enzyklopädie der Migration in Europa. Vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ferdinand Schönigh, Wilhelm Fink, Paderborn, München 2007, ISBN 978-3-506-75632-9
  • Martin Birkner: Autonomie der Migration vs. Imperialer Rassismus; Zur Nicht-Dialektik von Migration und Rassismus in Hardt/Negri´s Buch Empire in: grundrisse.zeitschrift für linke theorie & debatte, nr. 12, wien 2004
  • Detlef Clas u. Gabor Paal (Hrsg.): Fremde Heimat - Migration weltweit. Markstein Verlag, Filderstadt 2007, ISBN 3-935129-35-1
  • Ulrich Herbert, Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, München: C.H. Beck, 2001
  • Holert/Terkessidis: Fliehkraft. Gesellschaft in Bewegung - Von Migranten und Touristen, Kiepenheuer & Witsch (September 2006), ISBN 3-462-03743-9
  • Gerda Heck: ›Illegale Einwanderung‹. Eine umkämpfte Konstruktion in Deutschland und den USA. Edition DISS Band 17. Münster 2008. ISBN 978-3-89771-746-6 (Interview heiseonline 10. November 2008)
  • Karin Hunn, »Nächstes Jahr kehren wir zurück…«. Die Geschichte der türkischen »Gastarbeiter« in der Bundesrepublik, Göttingen: Wallstein 2005, ISBN 3-89244-945-7
  • Heiko Kauffmann: Zuwanderung im Schatten der Sicherheit. Flüchtlingsschutz zwischen Völkerrecht und Anti-Terror-Krieg. In: Heiko Kauffmann, Helmut Kellershohn, Jobst Paul (Hrsg.): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt – Analysen rechter Ideologie. Unrast, Münster 2005, ISBN 3-89771-737-9
  • J. Leibold: Immigranten zwischen Einbürgerung und Abwanderung - Eine empirische Studie zur bindenden Wirkung von Sozialintegration, Göttingen 2007
  • Karl-Heinz Meier-Braun: Deutschland, Einwanderungsland. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-12266-5
  • Katrin Meyer, Patricia Purtschert: Migrationsmanagement und die Sicherheit der Bevölkerung, in: Patricia Purtschert, Katrin Meyer, Yves Winter: Gouvernementalität und Sicherheit, Bielefeld: transcript 2008, 149-172.
  • Rainer Münz, Wolfgang Seifert, Ralf Ulrich: Zuwanderung nach Deutschland. Strukturen, Wirkungen, Perspektiven. Campus Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-593-36374-7
  • Ingrid Oswald: Migrationssoziologie. UVK, Konstanz 2007, ISBN 978-3-8252-2901-6
  • Dietmar Schultke: 'Grenzen im 21. Jahrhundert', Flüchtlingsfragen, in: "Keiner kommt durch", Aufbau-Verlag, Berlin 2008
  • Mark Terkessidis: Migranten. Rotbuch Verlag, Hamburg 2000, ISBN 3-434-53504-7
  • Mareike Tolsdorf: Verborgen. Gesundheitssituation und -versorgung versteckt lebender MigrantInnen in Deutschland und in der Schweiz. Bern: Hans Huber Verlag, 2008. ISBN 978-3-456-84554-8
  • Annette Treibel: Migration in modernen Gesellschaften. Soziale Folgen von Einwanderung, Gastarbeit und Flucht. Weinheim und München 2008 (4.Auflage), ISBN 978-3-7799-0399-4
  • María do Mar Castro Varela, Nikita Dhawan: "Das Dilemma der Gerechtigkeit: Migration, Religion und Gender" In: Das Argument, 266, Sonderheft "Migrantinnen Grenzen überschreitend", S. 427-440, 2006.
  • Wissenschaftliche Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz (Hrsg.), Ökonomisch motivierte Migration zwischen nationalen Eigeninteressen und weltweiter Gerechtigkeit (2005). Studie der Sachverständigengruppe "Weltwirtschaft und Sozialethik (pdf-Datei,751 kB)

Zeitschriften

Filme

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Christoph Butterwegge: Die Dienstbotengesellschaft, Frankfurter Rundschau (abgerufen am 21. Februar 2008)
  2. Jens Warburg (2009): Soldatische Subjekte und Desertion. In: jour fixe initiative berlin (Hg.) Krieg. Münster, 2009. Seite 149
  3. Jens Warburg (2009), Seite 150
  4. Jens Warburg (2009), Seite150
  5. Jens Warburg (2009), Seite 150
  6. Jens Warburg (2009), Seite 150

Siehe auch


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