Archiv für Gegenwartsforschung

Der Friedrich-Wilhelm-Heinz-Dienst (FWH-Dienst oder auch FWHD) war ein Nachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland. Benannt war er nach seinem erstem Leiter Friedrich Wilhelm Heinz. Der offizielle Name des Dienstes lautete „Archiv für Gegenwartsforschung“.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1950 wurde der ehemalige General der Panzertruppen Gerhard Graf von Schwerin von Bundeskanzler Adenauer beauftragt einen Arbeitsstab unter dem Dach des Bundeskanzleramts mit dem Namen Dienststelle Schwerin aufzubauen. Dazu gehörte auch die Versorgung des Bundeskanzleramts mit geheimen Informationen. Durch Hans Oster wurde Schwerin mit Friedrich Wilhelm Heinz bekannt gemacht. Im Juli 1950 wurde Heinz der Dienststelle Schwerin „attachiert“. Dies bedeutete, dass er für das Bundeskanzleramt arbeitete, aber nicht regulär von diesem entlohnt wurde. Unter dem Dach der Dienststelle Schwerin begann Heinz mit dem Aufbau eines Nachrichtendienstes. Der FWHD wurde im Gegensatz zu der Organisation Gehlen und den anderen Geheimdiensten der Bundesrepublik Deutschland nicht von den Alliierten Besatzungsmächten‘ kontrolliert, was gegen die ‚Kapitulationsbedingungen verstieß, aber von den Besatzungsmächten geduldet wurde. Hintergrund war dabei, dass Adenauer sich nicht nur auf geheimdienstliche Informationen der alliierten Nachrichtendienste verlassen wollte.

Organisation

Der erste Sitz des FWHD war Bad Godesberg, später auch Frankfurt. Im Spätherbst 1950 wurde die ‚Dienststelle Schwerin‘ aufgelöst und der FWHD von der Nachfolgebehörde dem Amt Blank übernommen. 1951 wurde der Sitz des Dienstes endgültig nach Wiesbaden verlegt. Bald darauf wurden die ersten Außenstellen in Berlin und München aufgebaut. Ebenso hatte der FWHD Stützpunkte in Wien und Triest. 1951 hatte der Dienst einen Etat von 346.000 DM, 1953 700.000 DM bei geschätzten 200 Mitarbeitern. Im Vergleich dazu verfügte der BND 1954 über einen Etat von 20 Millionen DM und 3.500 Mitarbeitern.

Aufgabenfelder

Schwerpunkt der Arbeit war 1950 die Aufklärung der innenpolitischen Situation der Bundesrepublik und die Aufrüstung in der SBZ. Ebenso wurden Informationen über rechts- und linksradikale Organisationen, über Soldatenverbände, Politiker und andere Persönlichkeiten gesammelt. Überprüft wurden auch die deutschen Dienstgruppen der USA namens ‚Labor Service Unit‘ Die Aufgabenfelder überschnitten sich dadurch großflächig mit denen des Bundesnachrichtendienstes und des Verfassungsschutzes. Dadurch entstand ein Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Nachrichtendiensten, dem Heinz auf Dauer nicht gewachsen war.

Auflösung

1953 wurde Heinz beschuldigt, sich als Oberst ausgegeben zu haben, obwohl er nur den Rang eines Oberstleutnants innehatte. In einem Gerichtsverfahren wurde er für schuldig befunden, obwohl er sich selbst als unschuldig erklärte, da er seiner Ansicht nach den Rang verliehen bekommen hatte, was er aber nicht nachweisen konnte. Heinz reichte daher sein Rücktrittsgesuch ein, welches durch Theodor Blank am 1. Oktober 1953 bewilligt wurde. Er wurde daraufhin beurlaubt und 1954 aus dem Staatsdienst entlassen. Der FWHD wurde danach in „Archiv für Zeitgeschehen“ umbenannt und bestand weiter bis zum 31. März 1956. Danach wurde der Dienst in Teile der Bundeswehr und anderer deutscher Nachrichtendienste überführt.

Literatur

  • Susanne Meinl: Nationalsozialisten gegen Hitler – Die nationalrevolutionäre Opposition um Friedrich Wilhelm Heinz, Siedler Verlag, Berlin, 2000, ISBN 3-88680-703-7
  • Susanne Meinl / Dieter Krüger: Der politische Weg von Friedrich Wilhelm Heinz, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Jg. 42, Heft 1, Januar 1994, S. 39–69.
  • Susanne Meinl: Im Mahlstrom des Kalten Krieges. Friedrich Wilhelm Heinz und die Anfänge der westdeutschen Nachrichtendienste 1945–1955, in: Wolfgang Krieger / Jürgen Weber (Hrsg.): Spionage für den Frieden, München u. Landsberg a. L., 1997, S. 247–266.

Siehe auch

Weblinks


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