Archäologischer Garten Frankfurt
Reste der Kaiserpfalz Frankfurt

Die Kaiserpfalz Frankfurt war ein wichtiger Stützpunkt der fränkischen Könige. Vermutlich entstand sie bereits im 6. Jahrhundert, kurz nachdem die Merowinger die Gegend um Frankfurt am Main von den Alamannen erobert hatten. Ihre erste urkundliche Erwähnung fällt in das Jahr 794, als König Karl der Große im August 794 die weltlichen und geistlichen Würdenträger Germaniens, Galliens und Italiens zur Synode von Frankfurt zusammenrief.

Die Pfalz lag auf dem Domhügel, einer hochwassergeschützten Anhöhe in der östlichen Frankfurter Altstadt. Er war ursprünglich eine Insel zwischen dem südlich verlaufenden Main und der nördlich gelegenen Braubach, einem im Mittelalter trockengelegten Seitenarm. Südlich des Domhügels lag die Furt, der Frankfurt nicht nur den Namen, sondern überhaupt seine Existenz verdankt.

Die Pfalz wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erneuert und vergrößert. Im 9. Jahrhundert entstand aus der kleinen Palastkapelle die dreischiffige Salvatorkirche, der Vorgängerbau des heutigen Kaiserdomes.

Unter der Dynastie der Salier verlor die Frankfurter Pfalz an Bedeutung, bis sie schließlich im 11. Jahrhundert völlig verfiel. Möglicherweise wurde sie auch durch einen Brand zerstört. Das Gelände wurde rasch mit Wohnhäusern überbaut, so dass die Staufer, die Frankfurt ab Mitte des 12. Jahrhunderts wieder als kaiserliche Residenz und Ort von Reichstagen nutzten, ihre Pfalz etwas weiter südwestlich errichteten. Teile dieses Baus bestehen als Saalhof noch heute, hier befindet sich das Historische Museum.

Das Gelände der alten karolingischen Kaiserpfalz blieb bebaut, bis die Altstadt im März 1944 durch Bomben zerstört wurde. Seitdem wird über den Wiederaufbau gestritten. Die bei Ausgrabungen Anfang der siebziger Jahre gefundenen Reste der Kaiserpfalz bilden heute einen Archäologischen Garten, der jedoch möglicherweise in den nächsten Jahren im Zuge des Wiederaufbaus der Altstadt wieder überbaut werden soll.

Die Technische Universität Darmstadt und Architectura Virtualis GmbH haben im November 2006 eine dreidimensionale Computer-Rekonstruktion der Frankfurter Kaiserpfalz vorgestellt. Die rekonstruierten Baustufen vom 7. bis zum 11. Jahrhundert sollen eine Vorstellung von der Herrschaftsarchitektur geben.[1].

Literatur

  • Ulrich Fischer: Altstadtgrabung Frankfurt am Main. 100 Jahre Stadtarchäologie. Urgeschichte bis Hochmittelalter. Sonderdruck aus Ausgrabungen in Deutschland. Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums. Bd 1. Teil 2. Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Forschungsinstitut für Vor- und Frühgeschichte. Verl. d. Röm.-Germ. Zentralmuseums, Mainz 1975. ISSN 0171-1474
  • Ernst Mack: Von der Steinzeit zur Stauferstadt. Die frühe Geschichte von Frankfurt am Main. Knecht, Frankfurt 1994. ISBN 3-7820-0685-2
  • Frankfurter Historische Kommission (Hrsg.): Frankfurt am Main – Die Geschichte der Stadt in neun Beiträgen. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1991. ISBN 3-7995-4158-6

Quellen

  1. Mitteilung des Archäologischen Museums vom November 2006

50.1105555555568.68444444444447Koordinaten: 50° 6′ 38″ N, 8° 41′ 4″ O


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