Mitteldeutscher Rundfunk
Mitteldeutscher Rundfunk
MDR Dachmarke.svg
Rechtsform Anstalt öffentl. Rechts
Gründung 1991
Sitz Leipzig
Leitung Intendantin:
Karola Wille
Mitarbeiter 2010[1]
Umsatz 680 Mio. Euro (2009)[1]
Website MDR.de
MDR-Logo

 Landesrundfunkanstalt der ARD
Karte der 9 LRA

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ist die Rundfunkanstalt der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Er ist Mitglied der ARD und hat die Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts.

Der MDR beschäftigt insgesamt etwa 2000 feste und ca. genau so viele freie Mitarbeiter. Der Sitz der Anstalt wurde gemäß Rundfunkstaatsvertrag in Leipzig (Sachsen) errichtet. Die Fernsehzentrale ist seitdem auf dem Gelände eines ehemaligen Schlachthofs in Leipzig-Südwest am Ende der Kantstraße beheimatet.

Die Hörfunkprogramme wie Jump, MDR Info, Sputnik und Figaro sowie das digitale Programm MDR Klassik senden aus der Rundfunkzentrale in Halle (Saale). In den Landeshauptstädten Dresden, Erfurt und Magdeburg befinden sich die Landesfunkhäuser, die eigenständige Radio- und Fernsehprogrammen (Radio Sachsen/-Anhalt/Thüringen) täglich regionale Magazine im Fernsehen (Sachsenspiegel, Sachsen-Anhalt heute, Thüringen Journal) ausstrahlen.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Geschichte

MIRAG
Logo von 1992 bis 2003
Die MDR-Zentrale in Leipzig

Der Mitteldeutsche Rundfunk hat seine Ursprünge in der 1924 gegründeten Mitteldeutschen Rundfunk AG (MIRAG). Die MIRAG gehörte nach der Einführung des Unterhaltungsrundfunks in Deutschland im Jahre 1923 zu den ersten großen, überregionalen Rundfunkgesellschaften. Nach der Gleichschaltung des Rundfunks in der NS-Zeit und der Verstaatlichung der MIRAG ging diese 1934 in den „Reichssender Leipzig“ über.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lizenzierte die sowjetische Besatzungsmacht 1945 übergangsweise „Radio Leipzig“, das nur wenige Monate bis zur erneuten Gründung des Mitteldeutschen Rundfunks bestand. 1946 startet das neue Programm „Mitteldeutscher Rundfunk, Sender Leipzig“ im neuen Funkhaus Springerstraße. Dem Mitteldeutschen Rundfunk wurden bald darauf die Landessender Dresden, Halle und Weimar sowie die Studios Chemnitz und Magdeburg angeschlossen.

1952 wurde die DDR zentralisiert und die fünf Länder aufgelöst. Im Zuge dessen wurde auch der DDR-Rundfunk vereinheitlicht und in Berlin zentriert. Im neuen Funkhaus Nalepastraße in Berlin-Oberschöneweide wurden seitdem alle Haupt-Hörrundfunkprogramme der DDR produziert. Fernsehprogramm wurde seitdem nur noch in Berlin-Adlershof produziert. Im September 1952 wurde das Programm „Sender Leipzig“ schlicht zum Unterhaltungsprogramm „Berlin III“ umgewandelt. Doch wurde bereits im August 1953 die Rundfunkstruktur neu organisiert. Es entstanden die Programme Deutschlandsender, Berliner Rundfunk und Radio DDR. 1956 wurde das Regionalprogramm von Radio DDR, „Sender Leipzig“, eingeführt. In Leipzig sendete man für Radio DDR ein Programmfenster, dessen Sendezeit schrittweise bis zu 11 Stunden aufgestockt wurde (zuletzt 1989) und die Radio-DDR-Messewelle die jeweils zur Frühjahrs- und Herbstmesse in Leipzig von 7 bis 19 Uhr auf Sendung war, später bis 20 Uhr. In den anderen ehemaligen, großen Regionalstudios des Mitteldeutschen Rundfunks in Dresden, Halle und Weimar wurden ebenfalls Regionalprogramme hergestellt.

Im Juli 1990 erfolgte eine neue Dezentralisierung. Aus den Landessendern entstanden drei neue regionale Sendeanstalten, in Sachsen „Sachsen Radio“, in Sachsen-Anhalt „Radio Sachsen Anhalt“ und in Thüringen „Thüringer Rundfunk“, die bis Ende 1991 sendeten. Mit der Novelle des Rundfunkstaatsvertrages für die fünf neuen Länder nach der Wiedervereinigung wurde am 31. Mai 1991 der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) als Dreiländeranstalt für die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gegründet. Seit 1. Januar 1992 0:00 Uhr werden die heute bekannten Programme des Mitteldeutschen Rundfunks gesendet.

Im Fernsehen startete der MDR mit dem „regionalen Fernsehprogramm“ MDR Fernsehen. Erster Fernsehdirektor des MDR wurde Henning Röhl, der bisherige Chefredakteur von „ARD-aktuell“ (Tagesschau und Tagesthemen). Das Programm war seit 27. August 1993 auch über Satellit europaweit zu empfangen. In der Austastlücke des MDR-Programms wurde seit 14. März 1992 das regionale Videotext-Angebot des MDR gesendet. Seit 1992 beteiligt sich der MDR am ARD-Gemeinschaftsprogramm.

Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt

Im Hörfunk starteten am 1. Januar 1992 die drei Landes-Programme MDR 1 Radio Sachsen , MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt und MDR 1 Radio Thüringen,das Popmusik-, Service- und Unterhaltungsprogramm MDR Life, das Informationsprogramm MDR Info, MDR Kultur und das vom DDR-Rundfunk übernommene Jugendprogramm DT 64.

Die Satelliten-Sendeantenne mit 9 Metern Durchmesser bis 2004
Dieselbe Anlage seit 2005 - Am 30. April 2012 wird sie ausgedient haben, dann wird der analoge Sendebetrieb eingestellt

Im Februar 1993 bezog der MDR ein erstes rekonstruiertes Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Leipziger Schlachthofgeländes: Die Alte Börse. Viele weitere Gebäude wurden restauriert und in ein neues Ensemble eingebettet. Eine der damals modernsten Fernsehzentralen Europas entstand. Am 14. Mai 2000 wurde erstmals aus der neuen MDR-Zentrale gesendet.

Am 1. Mai 1993 wurde Jugendradio DT 64 in das Programm MDR Sputnik überführt, das seit 1. März 1993 über Satellit ausgestrahlt wurde. Am 1. Januar 2000 wurde das Unterhaltungsprogramm MDR Life wegen Erfolglosigkeit vom neuen Hörfunkprogramm Jump abgelöst. MDR Klassik startete am 6. Mai 2002. Am 1. Januar 2004 wurde das Kulturprogramm MDR Kultur in MDR Figaro umbenannt. Im Zuge dessen erfolgte auch eine Reformierung des Programms von MDR Figaro, das neben Klassik auch viel Wert auf anspruchsvolle Popmusik legt.

Mitte April 2001 geriet der MDR in die Medienkritik, als Berichte über mögliche Millionenverluste bei Finanzgeschäften laut wurden. In einer öffentlichen Stellungnahme des MDR dementierte dieser die Vorwürfe, Rundfunkgebühren in riskante Wertpapiere investiert zu haben.[2] Über Parteigrenzen kritisierten Landespolitiker das Finanzgebaren des Senders.[3]

Intendanz

Die rechtliche Vertretung und Leitung der Rundfunkanstalt nimmt der Intendant wahr.

Udo Reiter war seit 1991 erster Intendant des MDR. Am 26. Mai 2011 gab Reiter bekannt, dass er 2011 sein Amt abgibt. Die Wahl seiner Nachfolge fiel am 23. Oktober 2011 auf Karola Wille. Sie trat das Amt am 1. November 2011 an. [4][5]

Programme des MDR

Der MDR veranstaltet heute folgende Fernseh- und Hörfunkprogramme:

Fernsehen

  • MDR Fernsehen mit ländereigenem Landesprogramm (Regionalprogramm) für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
  • Zulieferprogramm und Programmbestandteile des MDR beinhalten auch Programme anderer öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten: Das Erste, Phoenix, KI.KA, ARTE und 3sat

Fernsehproduktionen

Logo der Sendung BARBAROSSA
Aufzeichnung von Kripo live im Fernseh- Sendezentrum Leipzig. Seit 2009 wird die Sendung im LFH Dresden in einem virtuellen Studio aufgezeichnet

Der MDR produziert für die ARD unter anderem Kriminalfilme der Sendereihen Tatort (mit Simone Thomalla und Martin Wuttke) und Polizeiruf 110 (mit Jaecki Schwarz), die erfolgreiche Krankenhausserie In aller Freundschaft, Familie Dr. Kleist sowie die Tierfilm-Reihen Elefant, Tiger & Co., Abenteuer Zoo, Deutschlands wilde Tiere und Europas wilder Osten, außerdem das werktägliche Boulevard-Magazin Brisant.

Beliebt sind neben der Nachrichtensendung MDR aktuell um 19:30 Uhr aus Leipzig mit Bezug auf die Region im Sendegebiet vor allem die wochentäglichen Nachmittagssendungen dabei ab zwei von 14:00 bis 14:30 Uhr sowie ab 16 Uhr die zum Familien-Tagesprogramm gehörende Live-Sendung hier ab vier. Sonntags 19:50 Uhr bittet die Polizei bei Kripo live um Mithilfe. Montags werden in der Sendung Mach dich ran um 19:50 Uhr Tagesaufgaben für Zuschauer gelöst, die bei Problemen selbst nicht mehr weiter wissen. Wachsender Beliebtheit erfreut sich auch das Geschichtsmagazin Barbarossa. Das Magazin wird 14-täglich um 21:15 im MDR-Fernsehen ausgestrahlt und von Grimme-Preisträger Gunter Schoß moderiert. Es ist bislang das einzige Geschichtsmagazin im Bereich der ARD-Sendeanstalten.

Die Übertragung der Olympischen Winterspiele in Vancouver 2010 produzierte der MDR als federführender Sender stellvertretend für die ARD.

Hörfunk

Klangkörper des MDR

Der MDR verfügt über drei eigene Klangkörper:

MDR Sinfonieorchester

das Orchester wurde 1915 gegründet und 1924 in das Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig überführt; Chefdirigent ist seit 2007 Jun Märkl.

MDR Rundfunkchor Leipzig

gegründet 1946 als Rundfunkchor Leipzig, ist er heute der größte professionelle Konzertchor Deutschlands. Seit Mai 1998 ist der Engländer Howard Arman Chordirektor und künstlerischer Leiter.

MDR Kinderchor

ist der einzige Kinderchor der ARD. Er wurde 1948 von Hans Sandig gegründet. Seit 1990 lag die künstlerische Verantwortung für die zirka 120 Chorkinder zwischen sechs und 19 Jahren in den Händen des Dirigenten Gunter Berger. 2011 übernahm Ulrich Kaiser sein Amt.

Konzerte

Der Sender richtet jährlich den MDR Musiksommer und die MDR-Rathauskonzerte aus.

Fernsehballett

Der MDR hat die Federführung beim MDR Fernsehballett, dem einzigen Fernsehballett Europas. Es ging 1992 aus dem 1962 gebildeten DFF-Fernsehballett hervor und hat 30 Mitglieder.

MDR Sendeanlagen / DVB-T

Der MDR besitzt kaum eigene Sendeanlagen. Es werden zur Verbreitung der Programme überwiegend Anlagen der Deutschen Telekom verwendet. Ausnahmen sind UKW-Kleinsender der Studios in Halle und Leipzig. Das DVB-T Netz ist seit Mitte 2008 im gesamten Sendegebiet des MDR ausgebaut.

Weblinks

Belege

  1. a b Die größten deutschen Medienunternehmen 2009. Deutscher Fachverlag, 11. November 2009, abgerufen am 7. Dezember 2010 (PDF 77 kB).
  2. Der MDR „zockt“ nicht mit Gebührengeldern, Stellungnahme des MDR, 16. April 2001
  3. Spiegel Online: Landespolitiker rügen Finanzgeschäfte des MDR, 16. April 2001
  4. Bericht auf stern.de vom 10. Oktober 2011, abgerufen am 17. Oktober 2011
  5. http://www.mdr.de/nachrichten/mdr-intendantenwahl100.html

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