Areopag
Der Areopag von der Akropolis aus gesehen

Der Areopag, auch Areiopag(os) (von griechisch Ἄρειος πάγος Áreios págosAreshügel“) ist ein nordwestlich der Akropolis gelegener, 115 Meter hoher Felsen mitten in Athen. In der Antike tagte hier der oberste Rat, der gleichfalls „Areopag“ genannt wurde. Der Rat war die älteste Körperschaft der Stadt; seine Geschichte reicht bis in die mythische Frühzeit Athens zurück.

Inhaltsverzeichnis

Mythologie

Idealisierte Ansicht der Akropolis mit Athena Promachos und dem Areopag (Leo von Klenze, 1846)

Nach der Mythologie wurde der Areopag gegründet, als Ares den Halirrhothios getötet hatte: Letzterer hatte sich an Alkippe vergangen, der Tochter des Ares und der Aglauros. Ares wurde nun von Poseidon, dem Vater des Halirrhothios angeklagt. Da es aber keine Zeugen gab und Alkippe wie Ares gleichlautende Aussagen machten, wurde er in dieser ersten Verhandlung eines Tötungsdeliktes freigesprochen.

Später vertrat Apollon die Sache des Orest vor diesem Gerichtshof, da dieser auf Geheiß des Gottes seine Mutter Klytämnestra getötet hatte, um damit den Mord an seinem Vater Agamemnon zu rächen. Ankläger waren hier die Erinnyen und der Geist der Klytämnestra, Vorsitz führte Athene. Als es bei der Urteilsfindung zu einem Stimmengleichstand kam, entschied die Vaterstochter Athene für Orest, da der Mord an einem Vater das schlimmere Verbrechen als der an einer Mutter sei – eine Gesetzesauslegung, der sich die Erinnyen nicht anschließen konnten. Orest wurde zwar freigesprochen, sie verfolgten ihn aber weiter, bis er auf Anraten Apollons aus dem Land der Taurer ein heiliges Bildnis der Göttin Artemis nach Griechenland brachte.

Gerichtsort

Der Areopag setzte sich zunächst aus Anführern des Hochadels zusammen und ab der Zeit Solons im 6. Jahrhundert v. Chr. aus ehemaligen Archonten (Vertretern der obersten Beamtenschaft). Er führte die Staatsaufsicht über Athen. Diese stark durch die aristotelische Vorstellung von der Verfassungsentwicklung der Griechen geprägte Vorstellung gerät jedoch zunehmend unter Kritik, weil sich bisher weder in den Inschriften der drakonischen Gesetze noch in anderen archaischen Quellen ein Verweis auf einen „Zweiten“ oder Adelsrat finden ließen.

Neben sakralen Aufgaben war der Areopag mit Verwaltungs- und Regierungspflichten betraut; in erster Linie oblag ihm jedoch die Blutgerichtsbarkeit. Seine Urteile waren unwiderruflich, daher kam ihm eine bedeutende Macht in der attischen Verfassung zu. Infolge der Reformen Solons, der dem Rat die Bule gegenüberstellte, sowie des Ephialtes, der im Jahr 462 v. Chr. die Aufgaben des Areopags weitgehend auf den sakralen und verwandtschaftlichen Bereich wie die Blutgerichtsbarkeit beschränkte, sowie während der Herrschaft des Perikles wurde der Einfluss des Rates mehr und mehr beschnitten. Es muss deshalb unterschieden werden zwischen den Kompetenzen des Areopags vor Solon, nach Solon und nach Ephialtes. Die Aufgaben des Areopag übernahmen die Bule, die Heliaia und die Ekklesia. Ebenso muss man unterscheiden zwischen dem formellen Einfluss, der dem Areopag zunehmend entzogen wurde und dem informellen Einfluss, den er wegen der großen politischen Erfahrung der in ihm versammelten Personen hatte. So konnte in Krisenzeiten der Areopag eine beachtliche Kompetenzfülle an sich ziehen.

Paulus

Rede des Apostel Paulus an die Athener, Tafel auf dem Areopag

Der Apostel Paulus wurde bei einem Athen-Besuch von Einwohnern auf den Areopag geführt (Apg 17,19 ELB ff.), damit er dort seine „neue Lehre“ erläutere. In der „Rede auf dem Areopag“ knüpfte Paulus an seiner Entdeckung eines Altares „für den unbekannten Gott“ in der Stadt an (Apg 17,23 ELB), um vom jüdischen monotheistischen Gottesverständnis, vom allgemeinen Aufruf zur Buße und schließlich von einem „festgesetzten Tag“, an dem Gott „den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit, durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte“, zu erzählen. Er kritisierte die verschiedenen Gottesvorstellungen der Athener, wie sie in den zahlreichen Götterstatuen zum Ausdruck kamen. Er verkündete, dass Gott nicht in aus Menschenhand gebauten Tempeln wohne und sich nicht von Menschen bedienen ließe, sondern dass dieser allen das Leben, den Atem und alles gebe und keinem fern sei. Gott sei darüber hinaus auch kein Gebilde aus Menschenhand, sondern die Menschen seien von seiner Art und durch ihn geschaffen. Der Höhepunkt der Verkündigung ist der Aufruf des Paulus zur Buße. Er fordert eine Lebenswende von der antiken Götterwelt weg, hin zum neuen christlichen Glauben.

Als die Athener von der Auferstehung der Toten hörten, spottete ein Teil von ihnen, andere verwiesen darauf, Paulus ein anderes Mal darüber hören zu wollen. Einige Menschen ließen sich bekehren, unter ihnen auch der Areopagit Dionysius und eine Frau namens Damaris (Apg 17,34 ELB). Ersterer wurde angeblich der erste Bischof von Athen und ist der Schutzheilige der Stadt. Er wurde über Jahrhunderte hinweg mit jenem Theologen gleichgesetzt, der sich um 500 als identisch mit dem Areopagiten Dionysius ausgibt und heute meist als Dionysius Pseudo-Areopagita bezeichnet wird.

Anschließend verließ Paulus Athen in Richtung Korinth. Dort traf er nach einiger Zeit seine Mitstreiter Silas und Timotheus wieder.

Wie die Ortsangabe historisch zu interpretieren ist, ist nach wie vor strittig. Denn der Areopag als Gremium tagte seit der klassischen Zeit nicht mehr auf dem gleichnamigen Felsen, sondern in der Königshalle (Basileios Stoa) in der Agora. „Areopag“ kann sich daher auf den Ort oder den entsprechenden Rat beziehen.

Heute

Heute ist der Areopag das oberste Gericht Griechenlands. Dieser tagte nicht mehr auf dem Areopag-Hügel, sondern von 1934 bis 1981 im Iliou Melathron. Seitdem befindet sich der Areopag im Justizpalast Themidos Melathron am Alexandras-Boulevard.

Literatur

Weblinks

 Commons: Areopagus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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