Argelander
Friedrich Wilhelm August Argelander

Friedrich Wilhelm August Argelander (* 22. März 1799 bei Memel; † 17. Februar 1875 in Bonn) war ein deutscher Astronom. Er leitete den Bau mehrerer Sternwarten in Europa, untersuchte Veränderliche Sterne und führte die Bonner Durchmusterung durch, die er in einem Sternkatalog zusammenfasste. In Würdigung seines Werkes wurde nach ihm der Asteroid (1551) Argelander benannt.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Ostpreußen und Finnland

Argelander wurde bei Memel in Ostpreußen geboren. Sein Vater war ein Kaufmann finnischer Abstammung, seine Mutter war von deutscher Herkunft. Nach der Schlacht von Jena und Auerstedt hatte die preußische Königsfamilie Berlin verlassen und hielt sich zeitweise in Memel auf. Der Kronprinz (später König Friedrich Wilhelm IV.) war mehrmals in Argelanders Elternhaus zu Gast und freundete sich mit dem Sohn an.

Argelander besuchte das Gymnasium in Elbing und ab 1813 das Collegium Fridericianum in Königsberg. 1817 nahm er ein Studium an der Universität Königsberg auf. Hier faszinierten ihn die astronomischen Vorlesungen von Friedrich Wilhelm Bessel, dem Leiter der Sternwarte Königsberg. Argelander führte in der Folgezeit Berechnungen für die Sternwarte durch, wurde ab 1820 Bessels Assistent und unterstütze ihn bei der exakten Bestimmung von Sternpositionen (Sternörter). 1822 promovierte er mit einer kritischen Untersuchung der Beobachtungen von John Flamsteed. Im gleichen Jahr veröffentlichte er die Schrift „Untersuchungen der Umlaufbahn des Großen Kometen von 1811“, die ihn in Fachkreisen in ganz Europa bekannt machte.

Friedrich Wilhelm August Argelander

1823 wurde eine Stelle als „Observator“ an der Sternwarte von Turku ( schwedisch: Åbo) in Finnland frei. Bessel sollte einen seiner ehemaligen Studenten hierfür vorschlagen. Widerwillig (da er seinen besten Mitarbeiter nur ungern verlor) schlug er Argelander vor und ein entsprechendes Empfehlungsschreiben an die Verantwortlichen in Sankt Petersburg wurde verfasst. Die Reise nach Finnland war gleichzeitig Argelanders Hochzeitsreise; am 2. Mai 1823 hatte er Marie Sophie Charlotte Courtan geheiratet. Die Sternwarte von Turku war erst kurz zuvor fertiggestellt worden und noch nicht komplett eingerichtet. Sie verfügte zu diesem Zeitpunkt u.a. über einen sehr guten Refraktor von Fraunhofer mit 8 Zoll (20 cm) Öffnung, der als Durchgangsinstrument genutzt wurde, und einen Heliometer von Fraunhofer. In den Anfangsjahren bestand die Tätigkeit der Sternwarte hauptsächlich in der Beobachtung von Kometen. Nachdem 1827 ein Meridiankreis von Ertel zur Verfügung stand, untersuchte Argelander Sterne mit hoher Eigenbewegung.

Am 4. September 1827 zerstörte ein Großbrand große Teile von Turku, einschließlich der Universitätsgebäude. Die Universität wurde daraufhin nach Helsingfors (heute Helsinki) verlegt. Obwohl die Sternwarte aufgrund ihrer isolierten Lage vom Brand nur gering betroffen war, wurde das Institut ebenfalls verlegt. 1828 wurde Argelander zum Professor an der neu errichteten Universität Helsingfors ernannt. Die Pläne für eine neue Sternwarte lagen 1830 vor. Aufgrund von ungünstigen Bodenverhältnissen ergaben sich Schwierigkeiten bei der Erstellung des Fundaments und das Vorhaben verzögerte sich. Argelander nutzte die Zeit, reiste nach Ostpreußen und rekrutierte neue Mitarbeiter aus den Reihen von Bessel. Ab 1833 konnte die Sternwarte ihren Betrieb eingeschränkt aufnehmen. Argelander führte exakte Bestimmungen der hellen zirkumpolaren Sterne durch und ermittelte aus der Bewegung von 390 Sternen die Eigenbewegung des Sonnensystems.

Berufung nach Bonn

1836 beschloss die preußische Regierung die Errichtung eines astronomischen Institutes an der Universität Bonn. Die Stelle des Sternwartendirektors wurde Argelander angetragen. 1837 zog er nach Bonn und bereitete den Bau einer Sternwarte vor. In dieser Zeit nutzte er einen alten Festungsbau am Rhein für seine Beobachtungen. Er bestimmte die scheinbaren Helligkeiten aller von Mitteleuropa aus mit bloßem Auge sichtbaren Sterne. Er beschäftigte sich eingehend mit veränderlicher Sternen und entwickelte die (später so genannte) argelandersche Stufenschätzungsmethode. Sie erwies sich in der Folgezeit (vor Entwicklung der Fotografie bzw. elektronischer Messgeräte) als unverzichtbares Hilfsmittel bei der Beobachtung Veränderlicher Sterne und der Fotometrie. Da der Bau der Sternwarte nur zögerlich voranschritt, errichtete Argelander in der Nähe der Rheinfestung ein kleines Observatorium, in dem er ein Kometensucher von Fraunhofer mit 7,7 cm Öffnung (3 preussische Zoll) und 65 cm Brennweite) aufstellte. Von 1841 bis 1843 bestimmte er mit Hilfe eines Assistenten die Position von etwa 22.000 Sternen.

Die neue Sternwarte Bonn an der Poppelsdorfer Allee (als Universitätsinstitut am 1. Januar 2006 im Argelander-Institut für Astronomie aufgegangen) wurde Mitte 1844 fertig gestellt und 1845 eingeweiht. In den nächsten Jahren wurde ein Reihe von Kometen und Asteroiden beobachtet. 1847 erkannte er die zur damaligen Zeit höchste Eigenbewegung eines Sternes bei Groombridge 1830. 1849 begann Argelander mit einer neuen „Durchmusterung“ des Himmels. Er teilte den Himmel in 200 Zonen ein führte bis zum Mai 1852]23.250 Beobachtungen an 17.000 Sternen durch. Jede Positions- und Helligkeitsbestimmung wurde mit bekannten Sternen abgeglichen, um ein möglichst hohes Maß an Genauigkeit zu erreichen.

Bonner Durchmusterung

Die Durchmusterung war noch nicht abgeschlossen, als Argelander ein noch größeres Projekt in Angriff nahm. Bessel hatte seinerzeit die Bestimmung sämtlicher Sterne bis zur 9. Größenklasse vorgeschlagen, jedoch nicht durchgeführt. Argelander beschloss, die „große Durchmusterung“ durchzuführen, wobei alle Sterne bis zur 9. Größenklasse der nördlichen Hemisphäre bis zu einer Deklination von 2° erfasst werden sollten. Bis 1863 vermaßen Argelander und seine Assistenten Adalbert Krüger und Eduard Schönfeld 324.198 Sterne und fertigten Karten an. Einziges Hilfsmittel bei der Erstellung dieses Werks war ein Fernrohr von 78 mm Öffnung, 630 mm Brennweite und neunfacher Vergrößerung. Der daraus resultierende Sternkatalog wird als Bonner Durchmusterung bezeichnet. (Das Teleskop aus der Werkstatt von J. Fraunhofer befindet sich heute noch in Bonn und kann besichtigt werden.)

1863 war Argelander einer der Mitbegründer der Deutschen Astronomischen Gesellschaft.

Er wies auf das Erfordernis hin, die in der Bonner Durchmusterung dargelegten Sternpositionen noch genauer zu bestimmen. Diese Aufgabe müssten sich allerdings mehrere Sternwarten teilen. Ein entsprechender Vorschlag wurde 1867 von der Astronomischen Gesellschaft angenommen. Der Bonner Sternwarte wurde eine 10° breite Zone zugewiesen. Argelander selbst beteiligte sich nicht mehr an den Beobachtungen, sondern führte Messungen von Stern-Eigenbewegungen durch.

Bis 1874 erfreute sich Argelander bester Gesundheit. Im Sommer erkrankte er an einem typhusartigen Fieber, das in der Umgebung grassierte. Im Herbst trat zunächst eine Besserung ein, jedoch schwanden seine Kräfte in der Folgezeit und er verstarb am 17. Februar 1875. Er hinterließ seine Frau, mit der er 52 Jahre lang verheiratet war, zwei Söhne und eine Tochter.

1863 wurde er mit der Goldmedaille der Royal Astronomical Society ausgezeichnet. 1871 wurde er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Gedenktafel für Friedrich Wilhelm August Argelander
Argelanders Grabmal auf dem Alten Friedhof in Bonn

Ehrung

An seinem Geburtshaus in Memel wird mit einer großen Gedenktafel an Argelander erinnert. In Bonn ist die von der Poppelsdorfer Allee abgehende Argelanderstraße, sowie das Argelander-Institut für Astronomie, nach ihm benannt.

Werke

  • Observationes astronomicae in specula universitatis Fennicae factae. 3 Bde. Helsinki (Helsingfors) 1830-32
  • DLX stellarum fixarum positiones mediae ineunte anno 1830. Helsinki 1835
  • Über die eigene Bewegung des Sonnensystems. Sankt Petersburg 1837)
  • Durchmusterung des nördlichen Himmels zwischen 45° und 80° nördlicher Deklination. Bonn 1848
  • Neue Uranometrie. Berlin 1843
  • Durchmusterung der Himmelszone zwischen 15° und 31° südlicher Deklination. In: Astronomische Beobachtungen auf der Sternwarte zu Bonn 1846-1852
  • Atlas des nördlichen gestirnten Himmels. Bonn 1857-1863: 40 Karten

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