Ari Fulman
Ari Folman im Juli 2008 auf dem Filmfestival Karlovy Vary

Ari Folman (hebräisch ‏ארי פולמן‎‎; * 1962 in Haifa) ist ein israelischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent polnisch-jüdischer Abstammung.[1]

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Ari Folman absolvierte Anfang der 1980er Jahre seinen Militärdienst in der israelischen Armee und bereiste danach als Rucksacktourist mehrere Monate lang Asien. Der Auslandsaufenthalt inspirierte ihn dazu, nach seiner Rückkehr in Israel Filmwissenschaft zu studieren.[2] Erfolg als Regisseur war Folman bereits mit seinem Abschlussfilm an der Filmhochschule, Comfortably Numb (1991), beschieden. Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms, den er gemeinsam mit Ori Sivan realisierte, standen die irakischen Raketenangriffe auf Tel Aviv während des zweiten Golfkriegs 1991. Der Film gewann 1991 einen Preis auf dem Jerusalem Film Festival und im selben Jahr auch den Israelischen Filmpreis in der Kategorie Bester Dokumentarfilm.[3][2]

Zwischen 1991 und 1996 widmete sich Folman in verschiedenen Fernsehdokumentationen dem Nahostkonflikt, ehe er, erneut mit Ori Sivan, seinen ersten Spielfilm Saint Clara (1996) inszenierte. Für die Verfilmung eines Romans des Tschechen Pavel Kohut zeichneten beide auch für das Drehbuch verantwortlich. In der Titelrolle ist Lucy Dubnichek als 13-jähriges russisches Immigrantenkind zu sehen, das mit seinen übernatürlichen Kräften in der neuen Schule in Israel den Mitschülern zum sicheren Bestehen einer Mathematik-Prüfung verhilft. Clara gewinnt die Liebe des gleichaltrigen Mitschülers Tikel (gespielt von Halil Elohev), der mit ihrer Hilfe versucht, eine Revolution anzuzetteln. Mit Saint Clara gelang es Folman und Sivan an ihren Erstlingserfolg anzuknüpfen, die für ihren sympathischen und humorvollen Blick auf die Kinder, ohne jede Sentimentalität, internationales Lob der Kritiker erhielten.[4] 1996 war der Film mit sechs Auszeichnungen der große Gewinner bei der Verleihung des Israelischen Filmpreises. Neben den Preisen für Film und Hauptdarstellerin wurden auch Folman und Sivan für ihre Regie geehrt. Bei der Oscarverleihung 1997 stand Saint Clara in der Auswahlliste für den besten fremdsprachigen Film, konnte sich aber nicht unter den fünf Nominierten platzieren.[5]

Nach weiteren Arbeiten an Dokumentarfilmen folgte 2001 mit Made in Israel Folmans zweiter Spielfilm, ohne die Beteiligung Ori Sivans. In der Low-Budget-Produktion steht die Auslieferung eines 82-jährigen Nazi-Verbrechers von Syrien an Israel im Mittelpunkt, der von zwei sich gegenseitig bekämpfenden Kidnapper-Kommandos verfolgt wird. Erneut zeigte sich die israelische Filmakademie für Folmans Arbeit, in der Menashe Noy, Jenya Dodina und Sasson Gabai die Hauptrollen spielen, empfänglich, gab aber Dover Koshashvilis romantischer Komödie Late Marriage den Vorzug. In Deutschland kritisierte der film-dienst vor allem das „klischeeüberladenen Drehbuch“ und die „in hektische Betriebsamkeit verfallene Inszenierung“, mit der Folman versuche, „das verkrampfte Verhältnis der jungen israelischen Generation zur Nazi-Zeit satirisch auf die Schippe zu nehmen“.[6]

Neben der Arbeit als Regisseur für Dokumentar- und Spielfilme war Folman gemeinsam mit Ori Sivan auch für die preisgekrönte israelische Fernsehserie BeTipul (2005) verantwortlich, in der ein erfolgreicher Psychotherapeut (gespielt von Assi Dayan) sein Leben hinterfragt und selbst seinen früheren Therapeuten aufsucht. Der US-amerikanische Fernsehsender HBO bediente sich dieses Formats, der 2008 die Serie In Treatment mit Gabriel Byrne als Titelhelden konzipierte, bei der auf die Ideen Folmans zurückgegriffen wurde.

Ebenfalls im Jahr 2008 legte Folman mit Waltz with Bashir seinen dritten Spielfilm vor, der eine Einladung zum Wettbewerb der 61. Filmfestspiele von Cannes erhielt. In dem semi-autobiographischen Werk, einem Animationsfilm, reflektiert Folman seine eigenen Erlebnisse als israelischer Soldat im Libanon zu Anfang der 1980er Jahre, sowie die Geschehnisse des Massakers von Sabra und Schatila (1982). Waltz with Bashir, von dem Folman selbst als „Dokumentarfilm im Zeichentrickgewand“[7] spricht, erfuhr bei seiner Premiere auf den Filmfestspielen von Cannes großes Lob seitens der Kritiker. Der Trickfilm wurde als Mitfavorit auf die Goldene Palme, den Hauptpreis des Filmfestivals gehandelt, blieb aber unprämiert.[8] Monate später wurde Waltz with Bashir als offizieller israelischer Beitrag für die Nominierung um den besten nichtenglischsprachigen Film bei der Oscarverleihung 2009 ausgewählt[9] mit dem Golden Globe Award als Bester fremdsprachiger Film und dem Israelischen Filmpreis in den Kategorien Bester Film, Regie und Drehbuch prämiert. Vor der Arbeit an Waltz with Bashir hatte sich der Regisseur mit fünfminütigen Trickfilmsequenzen in der Fernsehserie The Material that Love is Made Of auseinandergesetzt.[2]

Filmografie

Filmregisseur

  • 1991: Comfortably Numb (Dokumentarfilm)
  • 1996: Saint Clara (Clara Hakedosha)
  • 2001: Made in Israel
  • 2008: Waltz with Bashir

Drehbuchautor

  • 1996: Saint Clara (Clara Hakedosha)
  • 2001: Made in Israel
  • 2001–2004: Shabatot VeHagim (Fernsehserie)
  • 2005: BeTipul (Fernsehserie)
  • 2006–2008: Parashat Ha-Shavua (Fernsehserie)
  • 2008: In Treatment (Fernsehserie)
  • 2008: Waltz with Bashir

Filmproduzent

Auszeichnungen

Europäischer Filmpreis

  • 2008: nominiert in den Kategorien Beste Regie und Bestes Drehbuch für Waltz with Bashir

Israelischer Filmpreis

  • 1991: Bester Dokumentarfilm für Comfortably Numb
  • 1996: Beste Regie für Saint Clara
  • 2001: nominiert in den Kategorien Beste Regie und Bestes Drehbuch für Made in Israel
  • 2008: Beste Regie und Bestes Drehbuch für Waltz with Bashir

Weitere

Golden Globe Awards

  • 2009: Bester fremdsprachiger Film für Waltz with Bashir

Internationale Filmfestspiele von Cannes

Israel Awards

  • 2008: Bester Film für Waltz with Bashir

Internationales Filmfestival Karlovy Vary

  • 1996: Spezialpreis der Jury für Saint Clara

Weblinks

Fußnoten

  1. vgl. Schwarz, Arnaud: Un ancien soldat israélien crée l'événement à Cannes. In: La Croix, 16. Mai 2008
  2. a b c vgl. Biografie unter The Crew auf der Offiziellen Webpräsenz von „Waltz with Bashir“ (englisch; aufgerufen am 25. Mai 2008)
  3. vgl. Malcolm, Derek: Screen: Out of Zion's shadow - Derek Malcolm on politics, Palestinians, and this year's Jerusalem Film Festival. In: The Guardian, 18. Juli 1991
  4. vgl. Young, Deborah: Saint Clara. In: Daily Variety, 11. Dezember 1995
  5. vgl. Hindes, Andrew: Foreign films queue for '96 Oscar race. In: Daily Variety, 18.–24. November 1996, S. 20
  6. vgl. Lexikon des internationalen Films 2000/2001 (CD-ROM)
  7. vgl. Skasa-Weiß, Ruprecht: Start frei fürs Schauen und Staunen. In: Stuttgarter Zeitung, 13. Mai 2008, S. 16
  8. vgl. Sean Penn et son jury en quête d'une Palme d'or à l'abri des modes (PAPIER GENERAL). Agence France Presse, 25. Mai 2008, 10:13 AM GMT
  9. vgl. Offizielle Auswahlliste der fremdsprachigen Spielfilme mit englischen Titeln (englisch; aufgerufen am 22. Oktober 2008)

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